"Was wissen wir über gute Lehrer?" von Ewald Terhart. Textanalyse und Praxiserfahrung


Seminararbeit, 2016
17 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Fragestellung

2 Textgrundlage
2.1 Gegenstand des Beitrages
2.2 Definition thematischer Kernbegriffe
2.3 Darstellung empirischer Befunde
2.4 Fazit der Textgrundlage

3 Praxiserfahrung

4. Auswertung und Fazit

5 Literaturverzeichnis

Anhang

1 Fragestellung

Diese Hausarbeit fokussiert die Fragestellung „Was wissen wir über gute Lehrer?“, da die Studierenden dieses Ziel verfolgen, aber in großer Zahl nicht genau wissen wie das Wort „gut“ dabei definiert ist. Weiterhin stellt sich dann die Frage, ob es allgemeine Werkzeuge gibt, die Studierenden an die Hand geführt werden können, damit sie ein- mal „gute Lehrer*innen“ werden und ob es sich um eine empirisch fassbare und ob- jektive Größe handelt, oder doch ein rein subjektives Wahrnehmen ist. Zunächst wird der theoretische Abschnitt im zweiten Kapitel anhand einer textlichen Grundlage erar- beitet. Dieser Text gilt als Fundament dieser Arbeit und soll bis ins Detail besprochen werden. Im dritten Kapitel wird der theoretischen Grundlage eine Praxiserfahrung zur Seite gestellt und die subjektive Wahrnehmung der Autorin eingespielt. Die Verknüp- fung der beiden Kapitel erfolgt im letzten Abschnitt, der Auswertung und dem Fazit, in dem dann die theoretischen und praktischen Inhalte miteinander in ein Verhältnis gesetzt und aufeinander bezogen werden. Dabei wird die Frage resümierend beant- wortet und Optionen für die Studierenden vorgestellt.

2 Textgrundlage

Der Autor Ewald Terhart, deutscher Pädagoge und Professor für Erziehungs- wissenschaft an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, beschäf- tigt sich intensiv mit Fragen bezüglich der Bildungsforschung (Unterricht und Allgemeine Didaktik/ Unterrichtsforschung), der Lehrerbildung/ des Lehrerbe- rufs und der pädagogischen Professionalität und Berufsbiographie, wie seine zahlreichen Publikationen aufzeigen. Der Beitrag „Was wissen wir über gute Lehrer? Ergebnisse aus der empirischen Lehrerforschung“ erschien im Jahre 2007 im 25. Jahresheft des Friedrich Verlags, welches den Titel „Guter Unter- richt. Maßstäbe & Merkmale - Wege & Werkzeuge“ trägt und dem Kapitel „Eigene Kompetenzen entwickeln“ zugeordnet ist. Seit dieser Zeit ist E. Ter- hart u.a. Mitglied des „wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Schulent- wicklung“1 an der TU in Dortmund. Seine Mitgliedschaft in zahlreichen Ver- bänden zeigt seinen Einsatz und Bemühungen auf seinem Gebiet. Von 2007 bis 2009 arbeitete E. Terhart an dem Projekt „Erstellung und Entwicklung eines Indikatorensystems zur Auswertung von Beurteilungsmanualen für Lehrer- kompetenzen.“2

Der Autor weist in seinem Beitrag auf, dass die empirische Forschung in Bezug auf den Lehrerberuf und das Handeln gezeigt hat, dass eine Benennung eines festen Repertoires an Eigenschaften und Verhaltensweisen zur Auszeichnung des perfekten Lehrers illusorisch sei. Daher wirft er die Kernfrage auf, ob der „schlechte Lehrer das eigentliche Problem“3 sei.

2.1 Gegenstand des Beitrages

Im einleitenden Abschnitt konstatiert E. Terhart, dass gewisse Vorstellungen von guten Lehrern im Alltäglichen durchaus vorhanden sind. Er benennt dazu allgemein formulierte Aussagen, wie die Zuverlässigkeit, Lernantriebsfähigkeit und den sozialen Umgang mit Schülern, Eltern und Kollegen. Weiterhin zeigt der Autor auf, dass allgemein formulierte Aussagen dann nicht mehr konsens- fähig sind, wenn „konkrete[ ] Schul- und Unterrichtssituationen“4 im Fokus stehen. In diesem Schwerpunktbereich liegen die Streitigkeiten darüber, was einen guten Lehrer auszeichnet. Weiterhin zeigt E. Terhart auf, dass eine sol- che Charakterisierung kultur-, milieuspezifisch und historisch geprägt unter- schiedlich vorgenommen werden kann. Um diese Charakterisierung aber mit allgemeingültigen und doch spezifischen Inhalten füllen zu können, bedarf es der wissenschaftlichen Forschung, die allerding sehr weit gefächert ist. Die einzelnen Disziplinen sind unterschiedlich und führen zu differenzierten Er- gebnissen aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Einleitung endet damit, dass der Autor den Fokus des Berichtes auf die empirische Forschung leitet; er be- schäftigt sich im Speziellen mit den „Kennzeichen guter, erfolgreicher Lehre- rinnen und Lehrer.“5

Die Suche nach der idealen Lehrerpersönlichkeit

Der Hauptabschnitt des Berichtes beginnt mit dem „Klassiker unter den empi- rischen Ansätzen zur Ermittlung guter Lehrer.“6 Dabei konstatiert der Autor allerdings, dass keine Ergebnisse bezüglich der „spezifischen Persönlichkeits- eigenschaften“7 für gute Lehrer vermerkt werden konnten. Er bezieht sich da- bei auf Ergebnisse von Bromme und Haag von 20048 wie auch Weinert und Helmke von 19969, zeigt auf, dass viele von ihnen genannte Eigenschaften, wie die „Extraversion, psychische Stabilität und Gewissenhaftigkeit“10 auch auf erfolgreiche Personen anderer Berufsgebiete projiziert werden können. Weiter- hin konstatiert er, dass sich unstrittig die Persönlichkeit des Lehrers auf die Schüler auswirkt, aber dieses (wechselseitige) Gefüge stets unterschiedlich ist und differenziert betrachtet werden muss. Die „genaue Wirkungsweise dieses Einflusses“11 ist kaum fass- und definierbar. Dadurch kann die Bewertung der „Auswirkungen der Persönlichkeit eines Lehrers unter normativen Gesichts- punkten“12 nur offen bleiben. Mithilfe des Prozess-Produkt-Paradigmas (Defi- nition in Kapitel 2.2) wurden auf einer empirisch sehr breiten und „wirklich- keitsnäheren Basis im Rahmen von Erhebungen“13 Schulklassen betrachtet, bei denen pädagogische Lernziele erfolgreich gemeistert wurden. Durch diese Identifizierung wurden die Schulklassen als Produkte für die weitere For- schung markiert und in Bezug auf das Lehrerverhalten (dem Prozess) unter- sucht, indem eine Beobachtung bezüglich der Gemeinsamkeiten und Regel- mäßigkeiten der Prozesse stattfand. Durch eine Datenerhebung ließen sich kor- relative Zusammenhänge feststellen (Ergebnisse in Kapitel 2.3). Resümierend bleibt aber festzuhalten, dass das Paradigma durchaus Ergebnisse erbringt, aber die Weitschichtung des Lehrerberufs, der nicht nur auf die Lernzuwächse sei- tens der Schüler zu reduzieren ist, ausgeblendet wird.14 Das Experten- Paradigma (Definition in Kapitel 2.2) hat essentielle Ergebnisse über kognitive Strategien erfolgreicher Lehrer aufgezeigt, woraufhin „im Lehrerbereich diffe- renzierte und wirksame Lern- und Trainingsprogramme“15 eingeführt wurden. Aber auch bei diesem Paradigma stehen das Unterrichten an sich und die Ef- fekte im Fokus, wodurch einige wichtige Dimensionen ausgeblendet werden. Da diese Ansätze zum Teil zu eng gefasst werden, wird die berufsbiographi- sche Perspektive (Definition in Kapitel 2.3) einbezogen, da die Professionalität des Lehrers in erster Linie ein „berufsbiographisches Entwicklungsproblem“16 darstellt.

Umgang mit Belastungen - Verhalten zur eigenen Person

Die Frage nach dem Umgang mit Belastung und der selbstreflexiven Betrach- tung spielen eine immer größere Rolle, „da die Anforderungen und Belastun- gen im Lehrerberuf wachsen.“17 Schaarschmidt hat im Jahre 2004 17.000 Per- sonen hinsichtlich ihres Umgangs mit beruflichen Belastungen in verschiede- nen Berufsgebieten verglichen (Ergebnisse in Kapitel 2.3). E. Terhart konsta- tiert zwei wichtige Konsequenzen, die sich aus den Befunden ableiten lassen: Als erstes müsste ein „begleitendes Unterstützungssystem“18 den aktiven Lehr- kräften zur Seite gestellt werden, welches die negativen Bewältigungsfaktoren identifizieren und Präventionsmaßnahmen anbieten kann. Zweitens sollte eine Lehrkraft ein „reflektiertes Verhältnis zu sich selbst im Umgang mit den Ge- fährdungen und Versuchungen seines Berufes gewinnen.“19

Was tun mit schlechten Lehrern?

Wie bereits in der Kernfrage aufgeworfen, stellt der schlechte Lehrer ein fass- bares Problem für die allgemeine Qualitätsentwicklung von Schule dar. Es wä- re folgenreicher solch schlechte Lehrer zu identifizieren und vom Schulunter- richt zu entbinden, aber dies ist rechtlich nicht möglich. Daher steht die empiri- sche Lehrerforschung vor entscheidenden Fragen, die sich darum drehen, ob S. 186-213; Berliner, D.C.: Learning about and learning from expert teachers. In: International Journal of Educational Research 35 (2001), S. 463-482, mit der Unterscheidung „guter“ und „erfolgreicher“ Lehrer. die Entwicklung hin zu einem schlechten Lehrer schon in der Studienzeit an- gebahnt wird und identifizierbar ist. Dazu werden die einzelnen Gebiete der Berufsbiographie untersucht. Ein schlechter Lehrer ist einer, der die gültigen Minimalstandards, trotz entsprechender Unterstützung, nicht erreicht.

2.2 Definition thematischer Kernbegriffe Extraversion

Der Begriff stammt aus der Psychologie und meint die „seelische Einstellung, die durch Konzentration der Interessen auf äußere Objekte gekennzeichnet ist“20

Das Prozess-Produkt-Paradigma

Darunter versteht sich die Basis der breitesten Tradition empirischer Forschung. Die Art des Lehrerhandelns bildet dabei den Prozess, die Ergebnisse und Wirkungen sei- tens der Schüler bilden das Produkt. Bei diesem Paradigma sind „unterschiedliche Ausprägungsformen und Grade an Differenziertheit“21 bekannt. Alle Strömungen ha- ben ihre Überlegung gemein, dass Zusammenhänge zwischen dem Prozess und dem Produkt hergestellt werden können. Es gilt eine Beschränkung „auf die Unterrichtsar- beit des Lehrers“22 weiterhin wird der messbare Lernzuwachs der Schüler in der Grö- ße des Produktes berücksichtig.

Das Experten-Paradigma

Dabei handelt es sich um eine Art Weiterführung (Ergänzung/Vertiefung) zu dem Prozess-Produkt-Paradigma, welches aus einer „Übertragung der Ergebnisse denkpsy- chologischer Studien“23 resultiert. In dieser Studie wurden „kognitive Strategien von ››Novizen‹‹ und ››Experten‹‹ in bestimmten Aufgabenbereichen miteinander vergli- chen“24 (Ergebnisse in Kapitel 2.3). Das Experten-Paradigma weist Einschränkungen auf, da es „auf die je individuellen kognitiven Strategien (Wahrnehmungs- und Ur- teilstendenzen) von Expertenlehrern sowie […] auf die Wahrnehmung und Gestaltung von Unterrichtssituationen“25 rückbindend ist.

Berufsbiographische Studien

In diesen Studien soll die Entwicklung von Lehrkräften in all ihren Stationen nachgezeichnet werden. Betrachtet werden dabei die „Erstausbildung […], Berufseinstieg, verschiedene berufliche Entwicklungs- und Krisenstadien bis hin zur Vorbereitung auf den Berufsausstieg und den Berufsausstieg selbst.“26

2.3 Darstellung empirischer Befunde

Mithilfe des Prozess-Produkt-Paradigmas wurden empirische Daten erhoben, „die bestimmte Elemente des Lehrerverhaltens“27 widerspiegeln, die in den positiv auffal- lenden Klassen vermehrt vorhanden waren. Folgende Aspekte konnten beobachtet werden: Eine Lehrkraft unterrichtet seine Fachinhalte erfolgreich, „wenn er:

- ein reichhaltiges Repertoire von Unterrichtsmethoden flexibel einsetzt;
- die Schüler aktiviert, d.h. dafür sorgt, dass sie sich mit dem Fachinhalt beschäftigen;
- die Unterrichtszeit vornehmlich zur Stoffbehandlung nutzt;
- das Tempo und die Abfolge der Beschäftigung mit dem Fachinhalt selbst kontrolliert und auf die einzelnen Schüler abstimmt;
- den Schülern […] angemessene Aufgaben zuteilt und die Arbeit überwacht;
- sich klar und konsistent äußert, vor allem über die Struktur des Unterrichts und die jeweiligen Ziele;
- mögliche Störungen des Unterrichtsablaufs antizipierend erkennt und ihnen rechtzeitig entgegensteuert;
- ››weiche Übergänge‹‹ von einem Thema zum anderen und von einer Instruktionsmethode zur anderen schafft;
- eine optimistische Haltung hat und sie den Schülern glaubhaft vermittelt.“28

Auch die Hattie-Studie29 aus dem Jahre 2009 zeigt eine Rangliste mit 138 unterschiedlichen Einflussfaktoren auf den schulischen Lernerfolg. Zur Erstel- lung der Rangliste untersuchte John Hattie Einflüsse aus einer Vielzahl von Meta-Analysen in Bezug auf ihre Effektstärke.

[...]


1 Terhart, Ewald: Vita, Internetdokument auf http://www.uni- muenster.de/EW/personen/terhart.shtml, von 2016, Zugriff am 30.01.2016.

2 Ebd.

3 Terhart, Ewald: Was wissen wir über gute Lehrer? Ergebnisse aus der empirischen Lehrerforschung, in: Becker, Gerold u.a. (Hg.), Friedrich Jahresheft XXV 2007, Guter Unterricht. Maßstäbe & Merkmale - Wege & Werkzeuge, Seelze 2007, 20. (Im Folgenden zitiert als: Terhart: Was wissen wir über gute Lehrer?)

4 Ebd.

5 Ebd.

6 Ebd.

7 Ebd.

8 Vgl. Bromme, R., & Haag, L.: Forschung zur Lehrerpersönlichkeit. In W. Helsper, & J. Böhme (Hrsg.), Handbuch der Schulforschung (S. 777-793), Wiesbaden 2004.

9 Vgl. Weinert, F.E. & Helmke, A.: Der gute Lehrer: Person, Funktion oder Fiktion? In A. Leschinsky (Hrsg.), Die Institutionalisierung von Lehren und Lernen. Beiträge zu einer Theorie der Schule (S. 223-233), Weinheim 1996.

10 Terhart: Was wissen wir über gute Lehrer?, S. 20.

11 Ebd., S. 21.

12 Ebd.

13 Ebd.

14 Weiterführende Literatur: Fenstermacher, G./ Richardson, V.: On making determinations of quality in teaching, Konferenzpapier 2000; erschienen in: Teachers College Record 107 (2005),

15 Terhart: Was wissen wir über gute Lehrer?, S. 21.

16 Ebd., S. 22.

17 Ebd.

18 Ebd., S. 24.

19 Ebd.

20 Duden: Extraversion, Internetdokument auf http://www.duden.de/rechtschreibung/Extraversion, Zugriff am 30.01.2016.

21 Terhart: Was wissen wir über gute Lehrer?, S. 21.

22 Ebd.

23 Ebd.

24 Ebd.; (vgl. Berliner, D.C.: Der Experte im Lehrerberuf: Forschungsstrategien und Ergebnisse. In: Unterrichtswissenschaft 15 (1987), S. 295-305; Berliner, D.C.: Learning about and learning from expert teachers. In: International Journal of Educational Research 35 (2001), S. 463-482; Bromme, R.: Der Lehrer als Experte. Zur Psychologie des professionellen Wissens, Bern 1992).

25 Ebd.

26 Ebd., S. 22.

27 Ebd., S. 21.

28 Ebd., S. 22; zitiert aus Rheinberg, F./ Bromme, R.: Lehrende in Schulen. In: Krapp, A./ Wei- denmann, B. (Hrsg.): Pädagogische Psychologie. Ein Lehrbuch, München: PVU 2001, S. 295- 331.

29 Weiterführende Literatur z.B. Visible Learning: Hattie Rangliste, Internetdokument auf http://visible-learning.org/de/hattie-rangliste-einflussgroessen-effekte-lernerfolg/, Zugriff am 31.01.2016.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
"Was wissen wir über gute Lehrer?" von Ewald Terhart. Textanalyse und Praxiserfahrung
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Oberseminar: Genese und empirische Realität des deutschen Schulsystems
Note
1,5
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V378388
ISBN (eBook)
9783668556300
ISBN (Buch)
9783668556317
Dateigröße
718 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle der Lehrperson, gute Lehrer, schlechte Lehrer
Arbeit zitieren
Anita Greinke (Autor), 2016, "Was wissen wir über gute Lehrer?" von Ewald Terhart. Textanalyse und Praxiserfahrung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378388

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