Götz von Berlichingen - Ein Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe. Die Leitmotive in der Figurenanlage


Seminararbeit, 2000

17 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Werk
1 Johann Wolfgang von Goethe
2 Die Entstehung des Götz
3 Der Inhalt
4 Die Figurenanlage
5 Götz in seiner Zeit
6 Die Sprache des Dramas
7 Wirkung

Götz von Berlichingen – Motive-
8 Freiheit
9 Identität
10 Das Leitmotiv im Drama: „die eiserne Hand“

Abschließende Bemerkungen

Literaturverzeichnis
Primärtexte
Sekundärtexte

Einleitung

Thema der vorliegenden Arbeit ist Johann Wolfgang Goethes Werk „ Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“ unter besonderer Berücksichtigung des Leitmotivs der „eisernen Hand“.

Nachdem in einem ersten Teil das Drama, seine Entstehungsbedingungen und seine Wirkung auf die Rezipienten vorgestellt wurden, liegt das Augenmerk in dem zweiten Abschnitt der vorliegenden Arbeit auf den leitenden Motiven und ihrer Bedeutung für das Werk „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“. Die Analyse der Motive „Freiheit“ und „Identität“ münden abschließend in der Darstellung des Motivs der „eisernen Hand“ die als Sinnbild für den Verlust von Freiheit und Identität fungiert.

Die „eiserne Hand“ dient somit als Zentralmetapher für verschiedene Intentionen Goethes, die über ihre gestische Bedeutung hinaus metaphorischen Charakter erhält. Sie kann als Schlüssel für das Verständnis des Dramenganzen dienen, was im Folgenden exemplarisch untersucht und erläutert werden soll.

Das Werk

1 Johann Wolfgang von Goethe

Goethe wurde am 28. August 1749 in Frankfurt geboren. Sein Vater war kaiserlicher Rat und seine Mutter stammte aus Frankfurter Patrizierkreisen. Nach seiner Schulausbildung - er bekam Privatunterricht - ging er auf die Universität Leipzig, um Rechtswissenschaften zu studieren. Wegen einer schweren Erkrankung musste er nach Frankfurt zurück und setzte 1770 sein Studium in Straßburg fort, das er ein Jahr später beendete. In Straßburg lernte er Herder kennen, der ihn mit Shakespeares Werken bekannt machte und ihn dadurch nachhaltig beeinflusste. In dieser Zeit schrieb Goethe den “Götz von Berlichingen” und den Briefroman “Die Leiden des jungen Werther”. 1775 folgte er einer Einladung des Erbprinzen Karl August nach Weimar, wo er Hofbeamter und später Staatsminister wurde und bis zu seinem Tode blieb. Goethe wandte sich nun von der Dichtung des Sturm und Drang ab und schrieb bürgerliche Schauspiele nach dem Vorbild Lessings, wie zum Beispiel “Clavigo” und “Stella”. Von 1786 bis 1788 reiste er nach Italien und schloss auf dieser Reise seine zwei Dramen “Iphigenie” und “Egmont” ab und begann mit “Torquato Tasso”, den er ein Jahr später beendete. 1791 wurde ihm dann die Leitung des Weimarer Hoftheaters übertragen, die er 26 Jahre innehatte. Wenige Jahre später schloss er Freundschaft mit Schiller, die viele folgende Werke, wie z. B. der erste Teil des Faust, beeinflusste. Am Faust, Goethes wohl bekanntestem und bedeutendstem Werk, arbeitete der Dichter bis kurz vor seinem Tod am 22. März 1832 in Weimar.[1]

2 Die Entstehung des Götz

Eine Grundlage des Dramas „Götz von Berlichingen“ war das Jurastudium Goethes in Straßburg. Goethe interessierte sich sehr für das ritterliche Fehdewesen des Mittelalters und die Aufhebung desselben durch Kaiser Maximilian I. Eine andere Bezugsgröße waren Shakespeares Werke, die Goethe unter der Anleitung Herders in Straßburg las und die ihn besonders durch Shakespeares Vernachlässigung der drei Einheiten des Dramas (Ort, Zeit und Handlung) faszinierten. Als er dann zufällig die Biographie von Götz von Berlichingen, “Lebensbeschreibung Herrn Götzens von Berlichingen, Zugenannt mit der Eisern Hand, Eines zu Zeiten Kaysers Maximiliani I und Caroli V kühnen und tapferen Reichs-Cavalier`s, las, war er von diesem Stoff so beeindruckt, dass er ihn innerhalb von sechs Wochen neu schrieb und dramatisierte. So entstand 1771 der Urgötz. Goethe war jedoch selbst damit unzufrieden und als sich Herder, dem er das Werk zur Durchsicht gegeben hatte, auch kritisch äußerte, arbeitete er es bis 1773 um. Das so entstandene Drama “Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand, ein Schauspiel” ließ er dann im Selbstverlag drucken. Das Drama, das Goethe selbst eigentlich für unaufführbar hielt, wurde nach Kürzung der Schlachtszenen 1774 in Berlin uraufgeführt und erfolgreich weitergespielt. Im Jahr 1787 ging Goethe den Götz anlässlich des Erscheinens eines Sammelalbums seiner Werke noch einmal durch. Die letzte Überarbeitung erfuhr der Götz 1804, bevor Goethe ihn in Weimar aufführte.

3 Der Inhalt

Götz von Berlichingen, der edle Ritter mit der eisernen Hand, erfährt in seiner Stammburg Jagsthausen, dass einer seiner Reiter von bambergischen Söldnern gefangengenommen worden ist. Verantwortlich dafür ist der Bischof von Bamberg, mit dem Götz seit geraumer Zeit in Fehde liegt.

In Diensten des Bischofs steht auch Adalbert von Weislingen, ein ehemaliger Jugendfreund Berlichingens, der ihm aber durch das Hofleben entfremdet wurde, vor allem durch seine Abhängigkeit von der ebenso schönen wie skrupellosen Hofdame Adelheid von Walldorf. Im Gegenzug für die Gefangennahme seines „Buben“ überfällt Götz den Weislingen und entführt ihn als Geisel auf seine Burg. Dort verliebt sich Weislingen in Götz’ Schwester Maria, man versöhnt sich und feiert Verlobung.

Als Weislingen jedoch an den Bamberger Hof zurückkehrt, erliegt er wieder den Reizen der intriganten Adelheid und heiratet sie. Er kommt nicht, wie verabredet, zu Götz und Maria zurück. Weislingen überredet den Kaiser, die Reichsacht über Götz und seine Gehilfen zu verhängen, zu denen auch Sickingen gehört, der inzwischen um Marias Hand angehalten hat. Ein Exekutionsheer wird in Marsch gesetzt und Berlichingens Burg belagert. Obwohl ihm freier Abzug angeboten wurde, wird er, als er seine Burg Jagsthausen verlässt, gefangengenommen. Er soll gezwungen werden, vor den Ratsherren von Heilbronn der Urfehde abzuschwören. Da erscheint Sickingen mit seinen Reitern, besetzt das Rathaus und befreit ihn.

Götz zieht sich auf seine Burg zurück, um der Gefahr zu entgehen, wiederum den ungerechtfertigten Zorn des Kaisers auf sich zu ziehen, doch als ein Bauernaufstand ausbricht, fordern ihn die Bauern auf, ihr Führer zu werden und sie drohen ihm gleichzeitig, seine Burg zu zerstören, falls er sich weigern sollte. Gezwungenermaßen nimmt er an, obwohl er gegen das Morden und Rauben der Bauern ist. Der Aufstand wird jedoch blutig niedergeschlagen, wobei Georg, der Waffengefährte von Götz, in einer Schlacht fällt und Götz selbst gefangen genommen wird.

In der Zwischenzeit ist Adelheid, die Frau Weislingens, ihres Mannes überdrüssig geworden, da sie nach der Gunst des neuen Kaisers strebt. Um ihr Ziel zu verwirklichen, lässt sie Weislingen durch Franz vergiften. Dieser stürzt sich, nachdem er Weislingen seine Tat gestanden hat, aus dem Fenster. Weislingen ist schon nicht mehr zu retten, als Maria zu ihm kommt, um ihn um Gnade für Götz zu bitten. Bevor Weislingen stirbt, gelingt es ihm noch, das Todesurteil von Götz zu nehmen. Adelheid aber wird durch ein geheimes Femegericht zum Tode verurteilt. Der Kaiser stirbt und auch der schwer verwundete Götz stirbt, nachdem ihm alles genommen worden ist, die rechte Hand, seine Freiheit, seine Güter und sein guter Name, im Gefängnis allerdings unter „freiem“[2] Himmel.[3]

4 Die Figurenanlage

Die Hauptperson, des „Götz von Berlichingen“, ist zweifelsohne der Ritter Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Götz tritt als der gerade, traditionsverbundene, tapfere, freie und naturwüchsige Ritter auf, der von Freiheit, Gottvertrauen, Gerechtigkeitssinn, Männlichkeit und Treue erfüllt ist.[4] Goethe lässt ihn nicht zufällig die ersten Worte und das letzte unter freiem Himmel sprechen.[5] Ebenso wenig ist es Zufall, dass Weislingen die Szene als Gefangener betritt. Als Weislingen ihn jedoch verrät, gerät zum ersten Mal der Optimismus von Götz ins Wanken. Für ihn existieren nur zwei Parteien: Seine Freunde, an die er glaubt und für die er alles tun würde, und seine Feinde, die er unerbittlich bekämpft. Auch die Liebe zum Kaiser und seine Verehrung ist ein Merkmal von Götz. Götz größter Wunsch ist ein großes, mächtiges Reich, regiert von einem starken Kaiser, in dem Friede, Freiheit und Gerechtigkeit herrschen.

In der schillernden Figur des Götz werden alle Ideale dieser Epoche[6] verkörpert. Freiheit, Natur und Männlichkeit drücken sich genauso in Götz` Figur aus wie ein starker Nationalismus.[7] Götz wird mit einem Monolog eingeführt, „wobei es merkwürdig berührt, gerade diese Gestalt zunächst mit sich selbst sprechend zu erleben.“[8] Götz tritt als eine Gestalt auf, die einsam und müde ist. Die Aussicht, Weislingen habhaft zu werden und der Wein sind die Motoren seines neuen Lebensgeistes.[9]

[...]


[1] Vgl. Neuhaus 1994, S. 112ff

[2] Vgl.: Johann Wolfgang Goethe, Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand, S. 388

[3] Er bittet seine Frau Elisabeth, den Wärter dazu zu überreden, ihn noch einmal in den Garten zu dürfen. Dieser Wunsch wird ihm nicht verwehrt.

[4] „Nicht um des leidigen Gewinns willen, nicht um Land und Leute unbewehrten Kleinen wegzukapern, bin ich ausgezogen. Meinen Jungen zu befreien, und mich meiner Haut zu wehren! Seht ihr was Unrechtes daran?“ aus Johann Wolfgang Goethe, Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand, S. 359

[5] Als Metapher für die Sehnsucht nach Freiheit, die Götz nur „droben bei dir“ (Gott) zuteil wird. (Vgl.: Johann Wolfgang Goethe, Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand, S. 388). Im Gegensatz dazu wird Weislingen im weiteren Verlauf des Dramas als wankelmütiger Gefangener seiner eigenen opportunen inneren Zerrissenheit gezeichnet.

[6] Vgl. Jeßing 1999, S. 473, „Sturm und Drang“: „ unter dem Leitbegriff des Geniegedankens (...) unbedingtes Bestreben alle Begrenzungen zu durchbrechen (...) an welchen G. begeistert mitgearbeitet hat, belegen.“

[7] Vergleiche dazu Kindler 1967, S. 952

[8] Grosse 1993, S. 41

[9] Johann Wolfgang Goethe, Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand, S. 352: Der Hinweis darauf, dass nur noch eine Flasche Wein vorhanden sei, ist symbolisch zu verstehen, war es doch der Wein, der ganz zu Anfang Götz aus seiner Müdigkeit riss und ihm neuen Lebensmut und Wachheit gab. „Solang`s daran nicht mangelt und an frischem Mut, lach ich der Fürsten Herrschsucht und Ränke.“ Jener Zeitpunkt, wo es am Wein mangelt, d. h. die Stelle, an dem Götz` Kraft zu schwinden beginnt, ist am Ende des dritten Aktes erreicht.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Götz von Berlichingen - Ein Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe. Die Leitmotive in der Figurenanlage
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Götz und seine Brüder. Ritterdramen des späten 18. Jahrhunderts
Note
2,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
17
Katalognummer
V3784
ISBN (eBook)
9783638123402
ISBN (Buch)
9783638801621
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Götz, Hand
Arbeit zitieren
Anja Balzer (Autor), 2000, Götz von Berlichingen - Ein Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe. Die Leitmotive in der Figurenanlage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3784

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Götz von Berlichingen - Ein Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe. Die Leitmotive in der Figurenanlage



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden