In der Bauschadensanalyse gibt es u.a. die folgenden Fehlerarten: Planungs-, Material-, Ausführungs- und Nutzungsfehler. Berufswissenschaftlich gesehen sind die Planungsfehler ein sehr spannendes und lehrreiches Thema, jedoch werden die SuS in der beruflichen Ausbildung während ihrer Lehre und in den folgenden Gesellenjahren deutlich weniger mit dieser Art von Fehlern konfrontiert. Deshalb bieten aus Sicht eines Berufsschullehrers Ausführungsfehler, und die daraus resultierenden Bauschäden, den weitaus interessanteren Aspekt und nachhaltigen Lerneffekt bezüglich der Vermittlung von Fachwissen und (Fach-)Kompetenzen an die SuS. Der Ausführungsfehler liegt, wie der Name schon sagt, beim ausführenden Gewerk. Deshalb ist es wichtig den SuS zu vermitteln, dass sie, als ausführende Handwerker/-innen, als ausgebildete und geschulte Fachleute, große Verantwortung hinsichtlich der Einhaltung der anerkannten Regeln der Technik, der gesetzlichen und behördlichen Bestimmungen tragen. Denn führt ein Nichteinhalten der anerkannten Regeln und Bestimmungen zu einem Bauschaden wird (meist) das ausführende Gewerk für schuldig befunden, was nicht selten mit hohen Sanierungskosten verbunden ist. Aufgrund dieser Tatsachen behandelt die vorliegende Arbeit die häufigsten Ausführungsfehler des Fliesen- Platten- und Mosaiklegers (im folgenden Fliesenleger/-in genannt).
Damit die diese Arbeit überschaubar bleibt, konzentriert sie sich auf die typischen Ausführungsfehler im Innenausbau. Des Weiteren werden nur vorliegende Bauschäden, bei welchen die / der Fliesenleger/-in einen bereits, von einem anderen Gewerk eingebrachten, installierten Verlegeuntergrund – sei es nun Estrich oder Putz, Span- oder Gipskartonplatten, Beton oder Mauerwerk – vorgefunden hat, in die Auswertung aufgenommen. Somit werden die potenziellen Ausführungsfehler, die beim Herstellen eines (gedämmten) Fußbodens auftreten könnten, nicht berücksichtigt. Ebenso werden die Feuchtigkeitsbeanspruchungsklassen A, B, C, sowie B0 nicht berücksichtigt [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Übersicht der Begrifflichkeiten
2.1 Ausführungsfehler
2.2 Bauschaden
3 Häufige Ausführungsfehler beim Fliesenlegen im Innenausbau
3.1 Nichtbeachtung der Belegreife der Estrich-Unterkonstruktion
3.1.1 Schadensbild
3.1.2 Schadensursache
3.1.3 Schadensvermeidung
3.2 Mangelhafte Vorbereitung des zu belegenden Untergrundes
3.2.1 Schadensbild
3.2.2 Schadensursache
3.2.3 Schadensvermeidung
3.3 Falsche Ausführung von Abdichtungen im Verbund mit Fliesen und Platten
3.3.1 Schadensbild
3.3.2 Schadensursache
3.3.3 Schadensvermeidung
3.4 Reifezeit, Topfzeit, Offenzeit, Hautbildung
3.4.1 Schadensbild
3.4.2 Schadensursache
3.4.3 Schadensvermeidung
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, häufige Ausführungsfehler bei Fliesen-, Platten- und Mosaikarbeiten im Innenausbau zu identifizieren, um Auszubildende und Lehrkräfte für diese Problematik zu sensibilisieren und die Vermittlung von Fachkompetenzen im Berufsschulunterricht zu unterstützen.
- Analyse typischer Schadensbilder im Fliesenleger-Handwerk
- Identifikation und Kategorisierung von Schadensursachen basierend auf der Datenbank SCHADIS
- Vermittlung präventiver Maßnahmen zur Schadensvermeidung
- Bedeutung der Einhaltung anerkannter Regeln der Technik
- Rolle der fachlichen Kompetenz bei der Untergrundbeurteilung und Materialverarbeitung
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Schadensursache
Grundsätzlich gilt: Damit ein Estrich als belegreif gilt muss er eine zulässige Restfeuchte besitzen. Die notwendige Restfeuchte ist abhängig von der Art des Estrichs, von dem zu verlegenden Belag und ob eine Fußbodenheizung vorhanden ist oder nicht. Als Beurteilungsmaßstab der Belegreife ist der Restfeuchtegehalt des Estrichs somit ein wesentlicher Faktor, um eventuelle Folgeschäden, verursacht durch die nachträgliche Verformung des Estrichs, auszuschließen. Auf die konkave Verformung des Estrichs soll hier nicht weiter eingegangen werden. Sie entsteht dadurch, dass die Oberseite schneller austrocknet als die Unterseite und ist deshalb vom ausführenden Estrichleger-Gewerk zu unterbinden. Die Vorbeugung gegenüber der konvexen Verformung dagegen fällt klar in den Aufgabenbereich des Fliesenlegers: „Eine konvexe Verformung entsteht in der Regel nach dem Verlegen des Bodens mit Fliesen oder Platten. Die Verlegung wurde dann vor der ausreichenden Austrocknung des Estrichs begonnen, so dass die Verdunstung des Wasser im Verlegemörtel behindert wird“ (Borgmeier / Braunreiter 2011 S. 170f).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Bauschadensanalyse für die berufliche Ausbildung und stellt die Zielsetzung der Arbeit dar, typische Ausführungsfehler des Fliesenlegers zu analysieren.
2 Übersicht der Begrifflichkeiten: In diesem Kapitel werden die zentralen Fachbegriffe „Ausführungsfehler“ und „Bauschaden“ definiert und in ihren baurechtlichen Kontext eingeordnet.
3 Häufige Ausführungsfehler beim Fliesenlegen im Innenausbau: Dieser Hauptteil analysiert vier spezifische Fehlerquellen, darunter mangelnde Belegreife, fehlerhafte Untergrundvorbereitung sowie Probleme bei Abdichtungen und Kleberverarbeitung, und zeigt jeweils Schadensbilder, Ursachen und Präventionsmöglichkeiten auf.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, Auszubildende stärker für die Vermeidung von Ausführungsfehlern zu sensibilisieren, sowie den Bedarf an weiterer Forschung zu den Ursachen solcher Fehler.
Schlüsselwörter
Bauschaden, Ausführungsfehler, Fliesenleger, Innenausbau, Belegreife, Estrich, Verbundabdichtung, Untergrundvorbereitung, Dünnbettverfahren, Schadensursache, Schadensvermeidung, Fachkompetenz, Haftverbund, Restfeuchte, Bauwerk
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit typischen Ausführungsfehlern im Berufsfeld des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegers, insbesondere im Kontext des Innenausbaus, und untersucht deren Ursachen sowie Vermeidungsmöglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit thematisiert schwerpunktmäßig die Nichtbeachtung der Belegreife von Untergründen, die mangelhafte Untergrundvorbereitung, Fehler bei Verbundabdichtungen sowie die fachgerechte Anwendung von Fliesenklebern unter Berücksichtigung von Reife- und Offenzeiten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, Wissen über häufige Fehlerquellen praxisnah aufzubereiten, um Auszubildende und Lehrkräfte im Bereich der Bautechnik für die Einhaltung technischer Standards zu sensibilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert primär auf einer Literaturrecherche und der Analyse von Schadensfällen aus der Fachdatenbank SCHADIS des Fraunhofer IRB.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in vier spezifische Kapitel, die jeweils ein Schadensbild, die zugrunde liegenden Ursachen und die Methoden zur Schadensvermeidung für die gewählten Arbeitsschritte beschreiben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bauschaden, Ausführungsfehler, Fliesenleger, Innenausbau, Belegreife, Abdichtung im Verbund und Untergrundvorbereitung.
Warum ist die Belegreife des Estrichs für den Fliesenleger so wichtig?
Eine zu früh begonnene Verlegung führt zu Schwindprozessen im Estrich, die den Haftverbund zerstören können, was sich durch Risse, Hohlstellen oder abgelöste Fliesen bemerkbar macht.
Was ist unter dem sogenannten „Bimaterialeffekt“ zu verstehen?
Dieser Effekt beschreibt das Spannungsverhältnis zwischen dem schwindenden Estrich und dem starren Fliesenbelag, welches zu einer konvexen Verformung des Bodenaufbaus führen kann.
- Arbeit zitieren
- Mario Reich (Autor:in), 2015, Bauschäden aufgrund von Ausführungsfehlern. Typische Ausführungsfehler im Berufsfeld des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378561