Bodenbelagsarbeiten mit Fliesen und Platten im Außenbereich. Berufswissenschaftliche Analysen


Bachelorarbeit, 2016

44 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Aktueller Forschungstand und Grundlagen der Analyse

3 Berufswissenschaftliche Aspekte
3.1 Anforderungen an Balkone und Terrassen
3.2 Vorschriften & Richtlinien
3.3 Konstruktionstechnische Regeln: Schichtenaufbau- und Besonderheiten
3.3.1 Balkone/Loggien
3.3.2 Terrassen auf Erdreich
3.3.3 Dachterrassen
3.4 Baustoffkunde bzgl. Materialien aus dem Fliesenlegerhandwerk
3.4.1 Abdichtungen und Abdichtungsstoffe
3.4.2 Lastverteilungsschicht: Estriche
3.4.3 Bodenbeläge aus Fliesen und Platten
3.4.4 Verlegemörtel und Fugenmaterialien
3.5 Zwischenfazit

4 Beispiele aus der Praxis des Fliesenlegerhandwerks
4.1 Exemplarische Ausführungsfehler
4.1.1 Schadensfall 1: Missachtung des vorgeschriebenen Gefälles
4.2.1 Schadensfall 2: Mangelnde Ausführung der Verbundabdichtung
4.2 Beispiel: Optimale Ausführung einer Verbundabdichtung mit Lastverteilungsschicht

5 Resümee

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Richtlinien, Normen und Vorschriften

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

- Abbildung 1: Belagskonstruktion mit Abdichtung nach DIN 18195. Quelle: ZDB Merkblatt „Belagskonstruktionen mit Fliesen und Platten außerhalb von Gebäuden“.

- Abbildung 2: Belagskonstruktion mit Verbundabdichtung. Quelle: ZDB Merkblatt „Belagskonstruktionen mit Fliesen und Platten außerhalb von Gebäuden“.

- Abbildung 3: Erdberührte Terrasse mit Stahlbetonplatte. Quelle: Borgmeier & Braunreiter, 2011, S. 357.

- Abbildung 4: Erdberührte Terrasse auf Kiesschicht. Quelle: Borgmeier & Braunreiter, 2011, S. 358.

- Abbildung 5: Belagskonstruktion über einem beheizten Raum gemäß DIN 18195 und Flachdachrichtlinien. Quelle: ZDB Merkblatt „Belagskonstruktionen mit Fliesen und Platten außerhalb von Gebäuden“.

- Abbildung 6: Fußbodenaufbau an der Stirnseite der Loggia. Quelle: Bonk & Frank, 1999, S.28).

- Abbildung 7: Mangelhafte Verarbeitung des Abdichtungsbandes. Quelle: Schulz, 2007, S. 164f.

- Abbildung 8: Blick auf den Stoß der Verbundabdichtungsmatten. Quelle: Schulz, 2007, S. 164f.

- Abbildung 9: Abdichtung im Verbund auf Estrich. Quelle: ZDB Merkblatt „Belagskonstruktionen mit Fliesen und Platten außerhalb von Gebäuden“.

- Abbildung 10: Quelle: https://www.irb.fraunhofer.de/schadis/dokument.jsp?dok=bsv12_06_15.htm&s=,balkone,terrassen,fliesen,

- Abbildung 11: Quelle: https://www.irb.fraunhofer.de/schadis/dokument.jsp?dok=bsv12_06_15.htm&s=,balkone,terrassen,fliesen,

1 Einleitung

Das Thema dieser Bachelorarbeit lautet „Berufswissenschaftliche Analysen zu Bodenbelagsarbeiten mit Fliesen und Platten im Außenbereich“. Nachdem ich bereits über typische Ausführungsfehler im Berufsfeld des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegers, bezogen auf die Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse A0, berichtet habe[1], wende ich mich nun der Analyse der Feuchtigkeitsbeanspruchungsklasse B0[2] sowie dem Sonderfall Dachterrasse zu. Aus berufswissenschaftlichen Interessen, sollen folgende Fragen als Grundlage und Leitfaden dieser Ausarbeitung beantwortet werden:

Was ist aktueller Stand der Konstruktionslehre?“

„Über welche Kompetenzen muss der Facharbeiter verfügen?“

Gibt es häufig, sich wiederholende Bauschäden an Balkonen und Terrassen ?“

Wenn ja, worauf sind diese zurückzuführen?“ und

Gibt es aktuelle Lösungsvorschläge oder konstruktive Alternativen für diese Problematik ?“

Ziel dieser Arbeit soll sein, einen Einblick über den aktuellen Technikstandard und die handwerklichen Kompetenzen zu geben, sowie typische Bauschadensursachen und dementsprechend optimale und möglichst schadensunanfällige Ausführungen von Bodenbelagsarbeiten auf Balkonen/Loggien, Terrassen und Dachterrassen zu erläutern. Um das oben genannte Ziel zu erreichen, werden folgend die Zusammenhänge von Berufspraxis, Berufstheorie und Facharbeit, aus ingenieurswissenschaftlicher Sicht sowie der Betrachtung einschlägiger Fachliteratur, bzw. aktuellen Lehrbüchern und aus der Perspektive des Fachmannes, also des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegers, erkundet und analysiert. Anhand dieser Zusammenhänge und der dieser schriftlichen Arbeit zu Grunde liegende Fragestellung, soll gezeigt werden, dass bei Bodenbelagsarbeiten im Außenbereich bestimmte Ausführungsdetails elementar wichtig sind. Die Nichtbeachtung bzw. die falsche Ausführung dieser Details, sind für die Mehrzahl der dokumentierten Bauschäden in Bezug auf Fliesen und Platten im Außenbereich ausschlaggebend. In Bezug darauf ist ein weiteres, mögliches Teilziel dieser Arbeit zu benennen: Die Beachtung des Stellenwertes von Bauschäden in Verbindung mit der Anwendung von Erkenntnissen und Erfahrungen hinsichtlich einer gewissenhaften Ausführung von Normen, Richtlinien und Planungsdetails. Denn diese sollen nach den aktuellen, anerkannten Regeln der Technik und den Handlungskompetenzen des Facharbeiters geschehen.

Zu Beginn folgt ein Einblick über den aktuellen Forschungsstand und die Grundlage in puncto Vorgehensweise dieser Analyse. Das anschließende Kapitel widmet sich den berufswissenschaftlichen Aspekten, also den konstruktiven Aufbauten von Balkonen und Terrassen sowie der Baustoffkunde bzgl. Materialien des Fliesenlegerhandwerks. Im Anschluss befasst sich diese schriftliche Ausarbeitung mit Beispielen aus der Praxis und zeigt die notwendigen Arbeitsschritte von der Untergrundvorbereitung bis zur Instandhaltung und Pflege. Den Abschluss bildet das Resümee.

2 Aktueller Forschungstand und Grundlagen der Analyse

Um die in der Einleitung gestellten Fragen zu beantworten sind im Rahmen dieser Ausarbeitung zahlreiche Berichte auf der Datenbank SCHADIS® des Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau[3] sowie fachliterarische Werke gesichtet worden. Auffallend ist, dass sich trotz der langjährigen Nutzung von Fliesen und Platten im Außenbereich die Forschung besonders die Schadensursachenforschung hierzu recht überschaubar hält. Es gibt zwar eine Reihe von Veröffentlichungen, aber bei genauerem Betrachten haben die Werke von 1975 bis 2016 vieles gemein. Dass die Beurteilung von Bauschäden ein außerordentliches Potential an Erkenntnissen und Erfahrungen darstellen, war bereits in den siebziger Jahren bekannt (vgl. Schild / Oswald / Rogier, 1975, S. 9). Schon damals verwies man auf die Notwenigkeit der Fehlervermeidung im Bauwesen und auf Maßnahmen, die diese Fehler in Zukunft unterbinden könnten. Das war vor vierzig Jahren. Im Vergleich mit dem technischen Fortschritt sowie der Möglichkeit des Informationsaustausches und der Informationsbeschaffung darf behauptet werden, dass die Nutzung der Erkenntnisse und Erfahrungen begutachteter und beurteilter Bauschäden, einen erschreckend langsamen Prozess darstellt. Diese Aussage wird durch den Vergleich aktueller Bauschadensberichte verstärkt.[4] In den 1980er – und 90er Jahren veröffentlichte die Bundesregierung insgesamt drei Bauschadensberichte. Im Bericht von 1996 schätzte die Bundesregierung, die durch Fehler bei der Planung, Ausführung und Materialherstellung verursachten vermeidbaren Schadenskosten bei Hochbauleistungen auf ca. 3,4 Mrd. DM (vgl. Deutscher Bundestag, 1996, S. I - III.). Dies entspricht, nach der Umrechnung in Euro und der Angleichung des Baupreisindexes ca. 2,1 Mrd. Euro. Obwohl die Bundesregierung diesen Bericht veröffentlichte und obgleich die Fehlerquellen mehr oder weniger genau zu benennen waren, hat sich die Situation auf Baustellen wenig geändert. Man kann sogar behaupten, dass der Trend eher negativ zu betrachten ist. Zum Beispiel hat die durchschnittliche Anzahl festgestellter Mängel von 2003 bis 2007 um 102% zugenommen. Davon wurden knapp 56% der Mängel bereits vor der Schlussbegehung festgestellt[5]. 37% der Mängel sind dem bautechnischen Ausbau zuzuschreiben (vgl. DEKRA, 2008, S. 5f.). Die Beseitigung dieser Mängel kostet im Schnitt 10.000 Euro. Rechnet man die durchschnittlichen Mangelbeseitigungskosten auf die Gesamtzahl der Immobilien auf, so sind es 1,4 Mrd. Euro die jährlich verausgabt werden. Und dies bezieht sich ausschließlich auf den Wohnungsbau. Unter Berücksichtigung aller Hochbauten vergrößert sich das Volumen auf 2,8 Mrd. Euro (vgl. DEKRA, S. 31f.). Das sind 0,7 Mrd. Euro mehr als 1996!

8% dieser Summe entfallen auf Estrich- und Abdichtungsarbeiten[6] im gesamten Hochbau. Dies entspricht 224 Mio. Euro. Da den Bereichen Balkone und Terrassen ein wichtiger Bereich im Wohnungsbau zugesprochen werden kann, ist davon auszugehen, dass ein beträchtlicher Anteil dieser Kosten, bei sorgfältiger Planung, Ausführung und Instandhaltung eingespart werden könnte. Vor allem würde man auch Arbeitszeit sparen, und könnte diese anderen Projekten zuordnen. Wenn man bedenkt, dass sich die Zahlen eher verschlechtert haben und bereits 1995, jährlich ca. 5% aller im Bundesgebiet vorhandenen Balkon- und Terrassenflächen[7] saniert wurden, dann ist dies beachtlich (vgl. Grunau, 1995, S. 98). Der Beantwortung von „ Was ist aktueller Stand der Konstruktionslehre?“, „Über welche Kompetenzen muss der Facharbeiter verfügen?“, „Gibt es häufig, sich wiederholende Bauschäden an Balkonen und Terrassen ?“ und „ Wenn ja, worauf sind diese zurückzuführen?“, fällt aufgrund der vorliegenden Bauschadensberichte deshalb eine besondere Bedeutsamkeit zu. Es soll sich zeigen, dass es eine Sensibilisierung bezüglich des Verständnisses gegenüber berufswissenschaftlichen Erfahrungen und Erkenntnissen geben muss. Um dorthin zu gelangen, ist es notwendig, dass eine ausgewählte Dokumentation über Bauschäden aufgezeigt und analysiert wird und ferner die ingenieurswissenschaftliche Sichtweise und die arbeitswissenschaftliche Perspektive dargestellt werden. Im Folgenden wird zunächst auf die wissenschaftliche Theorie eingegangen: „Welche Vorschriften liegen bei der Ausführung von Fliesen und Platten vor?“, „Was sagt das technische Regelwerk über die Konstruktionen aus?“ und „W elche Materialen darf der Facharbeiter nutzen?“. Durch die Beantwortung dieser Fragen, werden folgend Bauschäden als exemplarische Beispiele dienen. Denn die Erfahrungen und Erkenntnisse, welche sich aus dem Schadensbild, der Schadensursache und der Schadensvermeidung von Balkonen und Terrassen ergeben, sind aus arbeitswissenschaftlicher Sicht elementar wichtig.

3 Berufswissenschaftliche Aspekte

Balkone und Terrassen stellen wichtige Bereiche von Wohnungen dar. In der heutigen Zeit, vor allem im urbanen Raum genießen Balkone einen hohen Stellenwert und dienen oft als Gartenersatz (vgl. Kabrede, 2000, S. 1). Wenn sie hinsichtlich der Himmelsrichtung und des Wetterschutzes fachgerecht geplant und bemessen sind, erhöhen sie den Wohnwert deutlich (vgl. Neumann / Weinbrenner / Hestermann / Rongen, 2006, S. 346). Zu bedenken ist, dass sie als Außenbauteile hohen Beanspruchungen ausgesetzt sind. „Leider werden sie häufig als „Anhängsel“ der Hauptwerke mit relativ anspruchslosem Aufwand konstruiert und ausgeführt. Die Folge ist eine hohe Anzahl sanierungsbedürftiger Balkon und Terrassenflächen“ (Präkelt / Präkelt / Leustenring, 2001, S. 5).

3.1 Anforderungen an Balkone und Terrassen

Auf Grund ihrer Lage im Freien sind Balkone und Terrassen sehr hohen Beanspruchungen ausgesetzt. Nachfolgend werden die fünf wesentlichen Einwirkungen vorgestellt (vgl. Borgmeier / Braunreiter 2011, S. 352f.):

- Niederschlag: Die Bodenbeläge aus Fliesen und Platten sind dem Regenwasser ungehindert ausgesetzt. Das Niederschlagswasser muss unverzüglich und vollständig abgeführt werden, um so eine lange Lebensdauer zu gewährleisten.
- Temperaturunterschiede: Im Sommer herrschen auf Bodenbelägen von Balkonen und Terrassen Temperaturen von bis zu 80°C. Bis zu maximal 100 Grad Kelvin beträgt der Temperaturunterschied zwischen Sommer und Winter. Plötzliche Unterschiede sind ebenfalls keine Seltenheit; man bedenke zum Beispiel den Temperaturabfall bei einem Gewitter mit Hagel. Die Konstruktion muss diesen Temperaturunterschieden Stand halten.
- Frost: Die mehrfachen Frost-Tau-Wechsel innerhalb einer Winterperiode stellen hohe Herausforderungen für die gesamte Konstruktion dar.
- Längenänderungen durch Ausdehnung und Schwinden: Die verschiedensten, verarbeiteten Materialien und Schichten verfügen über unterschiedliche Merkmale hinsichtlich ihrer Ausdehnung bei Erwärmung und ihres Schwindens bei Abkühlung. Diese stoffspezifischen Eigenschaften müssen von der Belagskonstruktion schadensfrei aufgenommen werden.
- Auftretende Schub- und Scherspannungen: Aufgrund der Wärmeausdehnungskoeffizienten zwischen zwei Schichten, besonders bei Flächen im Freien, muss dies bei der Planung und Ausführung der Konstruktionen bedacht werden.

3.2 Vorschriften & Richtlinien

Die fachgerechte Ausführung und die Einhaltung von Normen, Vorschriften und anerkannte Regeln der Technik ist Grundlage für schadenfreies Bauen. Da das übliche Durch- und Nebeneinander von Normen und sonstigen Regelwerken unübersichtlich ist (vgl. Ansorge, 2011, S. 60f.), sollen hier nur die wichtigsten Normen für die Ausführung von Bodenbelägen mit Fliesen und Platten im Außenbereich vorgestellte werden:

- ATV DIN 18336: Abdichtungsarbeiten.
- ATV DIN 18338: Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten.
- BEB-Hinweisblatt: „Hinweise zum Einsatz alternativen Abdichtungen unter Estrichen“.
- DIN 18195: Bauwerksabdichtungen, besonders Teil 5: Abdichtungen gegen nicht drückendes Waser auf Deckenflächen und in Nassräumen, Bemessung und Ausführung sowie Teil 9: Durchdringungen, Übergänge, An- und Abschlüsse.
- DIN 18352: VOB – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Fliesen und Plattenarbeiten.
- DIN 18560: Estrich im Bauwesen, Teil 1: Allgemeine Anforderungen, Prüfungen und Ausführungen sowie Teil 4: Estriche auf Trennschicht.
- DIN EN 12808: Klebstoffe und Fugenmörtel für Fliesen und Platten.
- DIN EN ISO 10545: Keramische Fliesen und Platten.
- DIN EN ISO 11600: Fugendichtstoffe. Einteilung und Anforderungen von Dichtungsmassen.
- ETAG 005, Teile 1 - 8: Leitlinie für die europäische technische Zulassung für flüssig aufzubringende Abdichtungsstoffe.
- Flachdachrichtlinien – Fachregeln für Dächer mit Abdichtungen des Deutschen Dachdeckerhandwerks.
- ZDB-Merkblatt: „Außenbeläge - Belagskonstruktionen mit Fliesen und Platten außerhalb von Gebäuden“.
- ZDB-Merkblatt: „Hinweise für die Ausführung von flüssig zu verarbeitenden Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für den Innen- und Außenbereich “.

Anmerkend sei gesagt, dass sich Normen und Regeln inhaltlich teilweise widersprechen, bzw. es Konflikte in der praktischen Umsetzung gibt. Darauf wird in Kapitel 4 gezielter eingegangen.

Um die Vorschriften besser erklären zu können und um ihnen einen praktischen Bezug zu geben, werden nachfolgend spezifische, notwendige und elementar wichtige Schichtenaufbau- und Konstruktionsdetails bei Bodenbelagsarbeiten mit Fliesen und Platten im Außenbereich veranschaulicht. Dies geschieht kompakt und wird teilweise Antworten auf die Leitfrage „ Was ist aktueller Stand der Konstruktionslehre?“ geben können.

3.3 Konstruktionstechnische Regeln: Schichtenaufbau- und Besonderheiten

Generell ist zu sagen, dass Balkone/Loggien, Terrassen und wärmegedämmte Dachterrassen immer als Dachkonstruktionen mit äußerst geringem Oberflächengefälle gelten. Eine Abdichtung ist deshalb immer erforderlich (vgl. Präkelt et al., 2001, S. 70). Dies ist aber nicht immer ausgeführt worden, und auch heute gibt es noch zahlreiche Balkone, die als reine Betonplatte oder nicht fachgerecht mit Fliesen und Platten im Verbund ausgeführt werden (vgl. Klindt / Klindt, 1999, S.81f.). Bodenbeläge aus Fliesen und Platten sowie das Verfugungsmaterial sind zwar als wasserundurchlässig bzw. wasserdicht betitelt, damit ist aber keine Abdichtung zu erreichen (ebd., S. 70). Prinzipiell gilt, dass alle verwendeten Materialien den erhöhten Anforderungen aus Kapitel 3.1 und den Vorgaben der Regelwerke entsprechen sollen. Ebenso müssen die Belagsmaterialien aufeinander abgestimmt sein. „Die Produktverträglichkeit bestimmt nicht nur die Funktionsfähigkeit der Konstruktion und deren Lebensdauer, sondern bietet dem ausführenden Fliesenleger durch den zuständigen technischen Berater Hilfe und Schutz im Schadensfall“ (Borgmeier, 2011, S. 354).

Bezogen auf die Schichtenaufbau- und Konstruktionsdetails selbst, gibt es viele Gemeinsamkeiten, sowohl auch einige grundlegenden Unterschiede. Im Folgenden wird darauf genauer eingegangen.

Zunächst die gemeinsamen Anforderungen (vgl. Grunau, 1995, S. 86., ebenso in: Neumann / Hestermann / Rungen, 2008 S. 193ff. sowie in: Neumann et al., 2006, S. 336ff.):

- Die Fugen in der Ebene und im Randanschluss, insbesondere zu den aufsteigenden Wänden, Türen und Fensterelementen müssen dicht sein.
- Die Wasserabführung muss dauerhaft gewährleistet sein (vorgehängte Rinnen, Abtropfblech, Entwässerungsrinne, Bodenablaufsysteme).
- Eine dichte untere Ebene, bevor der Schichtenaufbau erfolgt. Abdichtung der Risse in der Betonplattenoberfläche.
- Übernahme der Fugen in der Ebene in einem darauf angelegten, keramischen Belag. Dadurch sammelt sich kein Wasser in einem Estrich oder Verlegemörtel.
- Es muss eine zweistöckige Wasserabführung vorhanden sein, einmal von der unteren Ebene und dann von der oberen Ebene.

3.3.1 Balkone/Loggien

Bei der Betrachtung der Balkone ist zu bedenken, dass die Balkonflächen vollständig im Außenbereich liegen, egal ob es sich um freie Balkone, Eckbalkone, teilweise eingezogene Balkone oder komplett eingezogene Balkone handelt. „Loggien entstehen, wenn übereinanderliegende eingezogene Balkone untereinander ganz oder teilweise durch Wände oder Verglasungen verbunden werden“ (Neumann et al., 2006, S. 336). Daher sind Loggien bautechnisch gesehen eine begehbare Flachdachfläche und sollen auch so behandelt werden (mehr dazu in Kapitel 3.3.3). Die Balkone sind nach DIN 18195-5 mäßig beanspruchte Flächen und mit einer Abdichtungsschicht zu schützen[8]. Die Abdichtungen sind in der Regel an allen anschließenden Bauteilen, 15 cm über die Oberfläche des fertigen Bodenbelages hochzuziehen (vgl. Präkelt et al., 2001, S. 71). Dies ist „besonders wichtig und wird in leider in der Praxis häufig unbeachtet“ (ebd.). Nur somit ist eine dauerhafte Entwässerung über Abläufe oder Tropfkanten gegeben.

Für den weiteren Bodenaufbau wird in der Regel ein Zement-Verbundestrich (nach DIN 18560 Teil 3) als Ausgleichsestrich oder ein Zementestrich auf Trennschicht (nach DIN 18560 Teil 4) als Lastverteilungsschicht mit Gefälle verwendet (siehe Abb. 1). Auf Balkonen mit Abdichtungen ist die Verlegung von Fliesen und Platten nur in Verbindung mit einer Dränschicht ausführbar (vgl. Neumann et al., 2006, S. 343). Diese wird unter der Lastverteilungsschicht auf einer Schutzlage eingebaut. Sie soll eine zügige und rückstandsfreie Ableitung des Regenwassers ermöglichen. Hier haben sich Dränagen oder Entkopplungsmatten aus Kunststoff bewährt. Durch die, bereits in Kapitel 3.1 beschriebene Anforderungen, sind der Balkonuntergrund und der weitere Schichtenaufbau durch Bewegungsfugen von mindestens 1 cm Breite zu unterteilen. „Der Fugenabstand sollte zwischen 2 m und höchstens 5 m liegen, und es sollten sich Teilflächen von etwa 4 bis 6 m² Größe ergeben und bei rechteckiger Einteilung ein Seitenverhältnis 1: 1,5 bis maximal 1: 2 nicht überschreiten (Neumann et al., 2006, S. 344; Präkelt et al. 2001, S. 86f.). Fliesen und Platten werden in der Regel im Dünnbett verlegt. Bei großformatigen Platten bietet sich die lose Verlegung in einer 5 bis 6 cm dicken Kiesschüttung an. Auf diese Art können Frostschäden so gut wie ausgeschlossen werden (vgl. Neumann et al., 2006, S. 344f.).

Nach der Verlegung wird die Fugenmasse der DIN 18540, DIN EN 13 888 und DIN EN ISO 11600 entsprechend eingebracht und geglättet. Zu beachten ist, dass elastische Fugen der Witterung ausgesetzt sind (mehr dazu in Kapitel 3.4.4 und 4.4) und sie deshalb als Wartungsfugen gehandhabt werden müssen. Die folgende Abbildung stellt die zuvor beschriebene Belagskonstruktion mit Abdichtung nach DIN 18195 dar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Belagskonstruktion mit Abdichtung nach DIN 18195.

Das untere Gefälle ist - im besten Fall - bereits in der Konstruktion der Stahlbetondecke eingebracht. Alternativ wird es vom ausführenden Fliesenleger erstellt.

Abdichtung mit Fliesen und Platten im Verbund:

Ein weiterer und verbreiteter Konstruktionstyp ist die unmittelbare Verlegung von Fliesen oder Plattenbelägen im Dünnbett als Verbundabdichtung (siehe Abbildung 2). Bei dieser Art der Konstruktion wird ein Gefälleestrich ausgeführt. Anschließend wird die Verbundabdichtung aufgebracht und verschmilzt mit dem Dünnbett und dem Fliesen- oder Plattenbelag zu einem Abdichtungssystem (genauere Beschreibung zum Aufbau des Abdichtungssystems in Kapitel 3.4.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Belagskonstruktion mit Verbundabdichtung.

3.3.2 Terrassen auf Erdreich

Bei Terrassen auf Erdreich gibt es zwei Möglichkeiten. Zum einen gibt es die Ausführung einer Terrasse auf einer Betonplatte als Untergrund, zum anderen ist die Ausführung einer Terrasse in Mörtel auf einer Kiesschicht möglich. Wichtig ist, dass bei beiden Typen eine Kiesschicht zwischen dem Erdreich und der Lastverteilungsschicht zwingend vorzusehen ist. Diese kapillarbrechende Schicht ermöglicht eingedrungenem Wasser, sich auch bei Frost auszudehnen.

Für das Erdreich sind folgende Anforderungen unumgänglich (vgl. Borgmeier et al., 2011, S. 356f.):

- ausreichende Tragfähigkeit.
- Frostsicherheit.
- Verdichtungsgrad.
- Ebenheit.

Aufgrund der kapillarbrechenden Schicht ist eine Abdichtung bei dieser Belagskonstruktion nicht zwingend notwendig. Sie fallen hier der Beanspruchungsklasse B0 zu. Somit steht dies im Widerspruch zu der eigentlichen Richtlinie. Im Laufe dieser Ausarbeitung wird darauf noch genauer eingegangen.

Erdberührte Terrasse mit Stahlbetonplatte:

Wird die Terrasse auf einer Stahlbetonplatte ausgeführt, dann wird zunächst eine mindestens 15 cm dicke Filterkiesschicht aufgebracht und verdichtet. Diese Schicht wird mit einer wasserdurchlässigen Abdeckung (z. B.: Glasvlies oder gelochte PE-Folie) abgedeckt. Falls Sickerwasser in die Konstruktion dringt, wird dieses direkt in die Kiesschicht abgeleitet. Auf der Abdeckung wird anschließend eine, im Gefälle von 2 % verlaufende Stahlbetonplatte aus C 25/30 und einer Dicke von mind. 15 cm hergestellt (vgl. ebd., 2011, S. 357). Folgend kann die Stahlbetonplatte mit denselben Arbeitsschritten wie in Kapitel 3.3.1 konstruiert werden. Alternativ kann auch, direkt auf der Stahlbetonplatte, der Fliesen- oder Plattenbelag im Mörtel- oder Dünnbett verlegt werden. Abbildung 3 zeigt diese Variante:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Erdberührte Terrasse mit Stahlbetonplatte.

Erdberührte Terrasse auf Kiesschicht:

Wird die Terrasse ohne Stahlbetonplatte ausgeführt, dann unterscheidet sich die Konstruktion in der Höhe der kapillarbrechenden Schicht. Diese ist mit mindestens 30 cm dick und mit Gefälle von mind. 2 % herzustellen, um so die Frostsicherheit zu garantieren. Außerdem erfolgt ausschließlich die Verlegung auf einer perforierten Trennlage im Dickbett (ca. 5 cm). Abbildung 4 verdeutlicht diese Variante:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Erdberührte Terrasse auf Kiesschicht.

Nachfolgend wird, als Abschluss des Kapitels 3.3, der Schichtenaufbau einer Dachterrasse, einer Terrasse über beheizten Raum beschrieben.

3.3.3 Dachterrassen

Anders als Balkone und Terrassen auf Erdreich, werden (Dach-)Terrassen und auch Loggien über beheizten Räumen laut DIN 18195-5 als hochbeanspruchte Flächen festgelegt. Daher unterscheiden sie sich bzgl. der verwendeten Abdichtungsmaterialien gegenüber den Balkonen. In Kapitel 3.4.1 wird darauf genauer eingegangen. Hier ist besonders auf die Flachdachrichtlinien des Deutschen Dachdeckerhandwerks zu verweisen. Sie sind „unbestritten das wichtigste Regelwerk für Abdichtungen […], sind seit Jahrzehnten bei Verarbeitern und Planern eingeführt und haben sich bewährt“ (vgl. Ansorge, 2011, S. 61f.).

Im Vergleich zu einer Balkonkonstruktion, gibt es bei einem Bodenaufbau über einem beheizten Raum zusätzliche Schichten. Diese sind die Dampfsperre, die Dampfdruckausgleichsschicht und die Dämmschicht (siehe Abbildung 5). Aufgrund dieser zusätzlichen Lagen ist der Bodenaufbau eine komplexe Angelegenheit und erfordert vom Planer und vom ausführenden Handwerker eine hohe fachliche Kompetenz sowie eine gewissenhafte Ausführung.

Den Untergrund bildet eine Stahlbetondecke. Falls diese Tragschicht kein Gefälle vorweist, dann wird vom ausführenden Gewerk ein Gefälleausgleich von mind. 2 cm Dicke und 2 % Neigung hergestellt. Optional werden offenporige Kunststoffmatten als Dampfdruckausgleichsschicht verlegt. Die nächste Schicht bildet die Dampfsperre, auch diffusionshemmende Schicht genannt. Sie verhindert das Aufsteigen warmer, feuchter Luft aus dem Wohnraum. Dies ist besonders wichtig, da der Dampf die Wärmedämmschicht beschädigen kann. Als Materialien sind besonders Bitumendampfsperrbahnen oder spezielle Kunststofffolien (PE, PVC, ECB oder PIB) geeignet. Anschließend wird die Dämmschicht eingebaut. Um Wärmebrücken zu verhindern, werden zwei Lagen mit Fugenversatz verlegt und verklebt. Bevorzugte Materialien sind Polystyrol-Hartschaum- oder Polyurethan-Hartschaumplatten. „Am besten geeignet sind Wärmedämmschichten aus Schaumglas. Schaumglas ist nicht zusammendrückbar, absolut feuchtebeständig, verrottungsfest und dampfdicht“ (Borgmeier et al., 2011, S. 361.). Um die Dämmschicht vor den weiteren, konstruktionsbedingten Ausführungen zu schützen, wird eine Trennlage aus Bitumenpappe oder PE-Folie ausgelegt. Zu beachten ist, dass diese bis zur Oberkannte der Lastverteilungsschicht umgesetzt wird. Die darauffolgende Schicht ist die Abdichtungsschicht. Sie wird nach den geltenden Regeln der DIN 18195 und den Flachdachrichtlinien ausgeführt. Anschließend werden, die bereits in Kapitel 3.3.1 ausgeführten Schritte, hinsichtlich Estricharbeiten (mit Bewehrung), Verlegen der Fliesen und Platten und der Verfugung ausgeführt. Abbildung 5 dient der Veranschaulichung der oben aufgeführten Arbeitsschritte:

[...]


[1] Hausarbeit „Bauschäden aufgrund von Ausführungsfehlern –Typische Ausführungsfehler im Berufsfeld des Fliesen-, Platten und Mosaiklegers“, eingereicht am Institut für angewandte Bautechnik am 17.12.2015.

[2] Mäßige Beanspruchung durch nicht drückendes Wasser im Außenbereich; Balkone und Terrassen (nicht über genutzten Räumen).

[3] SCHADIS® ist die Schadensdatenbank des Fraunhofer IRB – Deutschlands zentrale Einrichtung für den nationalen und internationalen Transfer von Baufachwissen. Es erschließt technisches, planungs- und wirtschaftsbezogenes Fachwissen aus Forschung und Praxis der Fachgebiete Bauingenieurwesen, Architektur, Bauplanung, Baurecht und –wirtschaft, Städtebau, Wohnungswesen und Raumordnung sowie Denkmalpflege. Online unter: https://www.irb.fraunhofer.de/

[4] Vgl. DEKRA Bericht von 2003 bis 2008 und Bauschadensbericht der Bundesregierung, 1996.

[5] Wesentlich bei neu zu erstellenden Wohnimmobilien.

[6] Jeweils 4 % (vgl. DEKRA, S. 20f.)

[7] Das entspricht ca. 8 – 10 Mio. Quadratmeter.

[8] Nur bei kleinen Flächen können klein- und mittelformatige Platten ohne Abdichtungen, direkt auf einem Gefälleestrich im Dünnbett verlegt werden (vgl. Kapitel 3.3).

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Bodenbelagsarbeiten mit Fliesen und Platten im Außenbereich. Berufswissenschaftliche Analysen
Hochschule
Technische Universität Hamburg-Harburg  (Institut für Angewandte Bautechnik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
44
Katalognummer
V378562
ISBN (eBook)
9783668559011
ISBN (Buch)
9783668559028
Dateigröße
1768 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fliesen, Platten, Bodenbelag, Außenbereich, berufswissenschaftliche Analyse, Bauschaden, Balkone, Terrassen, Abdichtung im Verbund
Arbeit zitieren
Mario Reich (Autor), 2016, Bodenbelagsarbeiten mit Fliesen und Platten im Außenbereich. Berufswissenschaftliche Analysen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378562

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