Die 68er-Bewegung in Deutschland. Ein kurzer Überblick


Hausarbeit, 2015
10 Seiten, Note: 2,7
Jörgen Senfprun (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Was geschah in den 1960ern?

Auschwitzprozesse

Fernsehstreit

Spiegel/Straußaffäre

Hochschulgesetze

Außerparlamentarische Opposition

Protest gegen die Notstandsgesetze

Die Eskalation der Proteste

Der Schah-Besuch am 2.Juni 1967

Das Attentat auf Rudi Dutschke

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Mythos 68er ist noch immer in unseren Köpfen. Das Phänomen 68 kann man jedoch nicht an einem bestimmten Ereignis oder einem bestimmten Datum festmachen. Genauso passierte 68 nicht nur im Jahr 1968, es war ein langer Prozess und eine Sammlung von Ereignissen, die sich in den 1960er Jahren abspielten. Begonnen mit dem Protest gegen die atomare Aufrüstung, fanden die Proteste ihren Höhepunkt bei denen sogar der friedlich protestierende Student Benno Ohnesorg starb. In der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit sollen die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen, die zu 68 geführt haben benannt und erläutert werden. Die Aufgabe dieser Hausarbeit ist es, die Ereignisse zu analysieren, den Blickwinkel der revoltierenden Studenten annehmen zu können und den Zeitgeist zu erfassen, der im späten Nachkriegsdeutschland herrschte.

Zunächst soll ein Überblick über die 1960er Jahre geschaffen werden. Dieser Teil soll beantworten, was geschah, was das Geschehene in der Studentenschaft auslöste und welchen Beitrag die Jahre vor dem Umbruch zu 68 hatten. Später soll die Eskalation der Proteste erläutert werden. Die Schwerpunkte dabei liegen auf dem Schah-Besuch am 2. Juni 1967 und auf dem Attentat auf Rudi Dutschke.

Diese Hausarbeit konzentriert sich lediglich auf die Geschehnisse der 68er in der Bundesrepublik Deutschland. Die 68er Bewegung war ein Phänomen, das in allen westlich geprägten Staaten auftrat. Das wird hier jedoch außer Acht gelassen.

Was geschah in den 1960ern?

Auschwitzprozesse

Am 20. Dezember 1963 begannen die sogenannten Auschwitzprozesse, bei denen 20 ehemalige Aufseher des Vernichtungslagers Auschwitz angeklagt waren. Es war der zu dem Zeitpunkt größte Prozess gegen den Völkermord an den Juden. Lediglich sechs von ihnen wurden zu lebenslanger Haft verurteilt, elf erhielten mehrjährige Zuchthausstrafen und drei der Angeklagten wurden sogar freigesprochen. Diese milden Urteile sorgten für Empörung in der Gesellschaft und im Ausland. Insgesamt dauerte der Prozess sehr lange und verlief schleppend, die verhältnismäßig milden Urteile zeugten davon, dass die Justiz an einer Aufarbeitung der NS-Vergangenheit kaum interessiert war.[1] Ab dem Jahr 1965 begann eine Verjährungsdebatte, ab wann die Gewaltverbrechen der Nazis verjähren sollten. Es wurde Argumentiert, dass die Qualität der Zeugenaussagen sehr schlecht sei, da das Erinnerungsvermögen vieler Zeugen nicht ausreichend wäre. Inzwischen ist aber gerichtlich erlassen, dass Morde aus der NS Zeit niemals verjähren.[2]

Fernsehstreit

Anfang der 1960er Jahre gab es den sogenannten Fernsehstreit. Es sollte ein zweites Fernsehprogramm geschaffen werden, welches unter Einfluss und Aufsicht der Bundesregierung stehen sollte. Es sollte eine „Deutschland-Fernsehen GmbH“ zwischen dem Bund und CDU/CSU- regierten Ländern gegründet werden. Die Bundesländer Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Hessen, die allesamt von der SPD regiert wurden, sahen ihre Kulturhoheit verletzt und klagten vor dem Bundesverfassungsgericht. Am 28. Februar 1961 gab es das Urteil, die Gründung der „Deutschland-Fernsehen GmbH“ galt als verfassungswidrig.[3]

Spiegel/Straußaffäre

Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß hatte sich immer wieder energisch für das Konzept der "massiven Abschreckung" und für eine Bewaffnung der Bundeswehr mit taktischen Atomwaffen eingesetzt. Dazu gehörte auch der Plan, dass die NATO im Falle "als sicher erkannter" sowjetischer Angriffsabsichten diesen mit einem vorbeugenden Schlag ("preemptive strike") zuvorkommen sollte. Strauß hielt an diesem Konzept auch fest, als die US-Regierung unter John F. Kennedy 1961 zur Verteidigungskonzeption der flexiblen Reaktion ("flexible response") überging. Diese Strategie sollte im Konfliktfall den Einsatz von Atomwaffen möglichst lange aufschieben, um Zeit für Verhandlungen zu gewinnen. Diese zwei deutlich verschiedenen Ansätze zur Verteidigung wurden heftig diskutiert, besonders der Spiegel stand dem „preemptive strike“, den Strauß bevorzugte, negativ gegenüber. Am 10. Oktober 1962 erschien im Spiegel der Artikel „Bedingt abwehrbereit“, der das NATO-Stabsmanöver „Fallex 61“ analysierte. Als Reaktion darauf wurden am 26. Und 27. Oktober 1962 die Redaktionsräume des Spiegels in Hamburg durchsucht, dabei kam es zu zahlreichen Verhaftungen. So wurde der Artikelschreiber Conrad Ahlers während seinem Urlaub in Spanien verhaftet. Der Vorwurf war, dass geheim zuhaltende Tatsachen veröffentlicht wurden, also stand der Tatverdacht des Landesverrats, der landesverräterischen Fälschung und der aktiven Bestechung im Raum. Im Zuge der Spiegelaffäre protestierten Weite Teile der Bevölkerung gegen das Vorgehen der Polizei und Staatsanwaltschaft wegen der vermeintlichen Verletzung von Grundrechten. Die Krise endete mit dem Rücktritt des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer.[4]

Hochschulgesetze

Ebenfalls entbrannte in den 1960ern ein Streit über die Hochschulgesetze. In die Jahre gekommene Strukturen an Hochschulen brachten viele Studenten auf. „Im Normalfall war die kritische Auseinandersetzung mit dem „dritten Reich“ an den Hochschulen nicht gerne gesehen – vor allem auch deshalb nicht, weil sich für die Mehrzahl der Ordinarien damit die Frage nach der eigenen Vergangenheit stellte.“[5] Denn viele Professoren konnten ihre Arbeit „nahtlos“ nach 1945 fortführen, die Wissenschaft distanzierte sich nicht deutlich vom Nationalsozialismus und klärte – laut einigen Studenten – auch nicht gut genug über diesen auf.

Außerparlamentarische Opposition

Inmitten dieser Unruhen sahen sich die Linken Parteien gestärkt. Besonders die Studentenschaft, die mit den altbackenen Regeln der Universitäten unzufrieden war, war dem linken Spektrum zuzuordnen. Es bildete sich eine neue Linke, die ihren wohl auffälligsten Auswuchs in der APO, der Außerparlamentarischen Opposition hatte. Die APO war eine politische Gruppe, die unter der Führung eines gewissen Rudi Dutschkes Reden hielt und dazu aufrief, politisch aktiv zu werden.

Protest gegen die Notstandsgesetze

Durch den verlorenen Weltkrieg war Deutschland zunächst von den Siegermächten besetzt, auch nach der Gründung der BRD haben die Besatzer noch ein sogenanntes „alliiertes Vorbehaltsrecht“. Eine alliierte hohe Kommission hatte die Kontrolle über die bundesdeutsche Regierung. Unter Adenauer wurde diese Kommission abgeschafft und Deutschland war de facto souverän - theoretisch hatten die westlichen Siegermächte aber noch im Notstandsfall Sonderrechte und konnten ohne die Zustimmung Deutschlands Truppen in der BRD stationieren. So war es von der deutschen Politik gewollt, eigene Notstandsgesetze zu verabschieden, um eigenständig im Krisenfall handeln zu können. Ab 1958 gab es seitens der Regierung erste Vorschläge für ein Notstandsgesetz. Da in diesen Vorschlägen aber eine Ausweitung der Macht der Exekutiven und eine mögliche Aussetzung der Grundrechte vorgesehen war, bekam ein großer Teil der Bevölkerung Angst. Auch von Seiten gebildeter Bürger kam Protest auf. So sagte der Politikwissenschaftler und Historiker Karl Dietrich Bracher: „Ausnahmegesetze sind - wir haben es schonmal erlebt – der Tod der Demokratie. Sie sind es auch dann, wenn sie im Namen der Demokratie beschlossen und angewandt werden.“[6]

Die Bevölkerung hatte die Befürchtung, es könnten ähnliche Zustände, wie es sie in der Weimarer Republik gab, bald auch in der Bundesrepublik Deutschland herrschen. Sie hatte Angst, dass diese Gesetze als Ermächtigungsgetze genutzt werden. Darauf war die Bevölkerung stark sensibilisiert und es herrschte der Tenor: „Wehret den Anfängen“.

Studentenorganisationen planten Demonstrationen, unter anderem Gewerkschaften und die FDP setzten sich ebenfalls gegen die Notstandsgesetze ein. Die Demonstrationen spitzten sich zu, während die Besatzungsmächte am 27. Mai 1968 ihren Verzicht auf die Vorbehaltsmächte erklärten, sollten die Notstandsgesetze in Kraft treten. Und so wurden die Notstandsgesetze drei Tage später verabschiedet.

[...]


[1] Borowsky (2002).

[2] Maihofer (1979).

[3] Hammerstein (2008).

[4] Ausführungen aus: Borowsky (2002).

[5] Frei (2008), S. 81.

[6] Frei (2008), S. 96.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Die 68er-Bewegung in Deutschland. Ein kurzer Überblick
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V378572
ISBN (eBook)
9783668559059
ISBN (Buch)
9783668559066
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
68, Rudi Dutschke, Auschwitzgesetze, Fernsehstreit, Spiegelaffäre, Außerparlamentarische Opposition, Schah von Persien, 2. Juni, RAF, Notstandsgesetze, Proteste, Benno Ohnesorg
Arbeit zitieren
Jörgen Senfprun (Autor), 2015, Die 68er-Bewegung in Deutschland. Ein kurzer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378572

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