Vergleich türkischer und deutscher Romantik. Eine interpretative Analyse


Hausarbeit, 2017

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Blütezeit türkischer Poesie
2.1 Der Ursprung türkischer Literatur
2.2 Das osmanische Reich
2.3 Fuzuli
2.4 Baki

3. Deutsche Poesie
3.1 Opitz
3.2 Goethe

4. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Matematik, sibernetik, fizik, müzik, tüm bunlar, eninde sonunda, sadece, insanlar şiir okumayı öğrensinler ve anlasınlar diye gereklidir.“[1]

Diese zwei Zeilen stammen von Nazim Hikmet, einem berühmten türkischen Dichter, welcher mit der modernen türkischen Lyrik assoziiert wird. Dieser poetische Ausdruck mag zwar kurz sein, jedoch erweckt er eine große Anzahl an Eindrücken und weiterführenden Gedanken. Mathematik, Kybernetik, Physik, Musik; all das braucht man letztendlich, damit die Menschen Gedichte zu lesen lernen und verstehen. Was versteht man nun darunter? Es ist geradezu eine Wissenschaft Poesie zu lesen und zu verstehen. Beispielsweise muss die gleiche Anzahl an Silben pro Vers beachtet werden, damit die harmonische Melodie, die typisch für poetische Werke ist, erhalten bleibt. Allein aus diesem Grund spielen bereits Mathematik und Musik eine wichtige Rolle bei Gedichten. Wissenschaft und Kunst verbinden sich und erschaffen diese Werke. Aus diesen Gründen waren es im osmanischen Reich Gelehrte und Gebildete, die sich mit diesen Kunstformen befassten. In diesen drückten sie ihre Untergebenheit gegenüber Allah, die Macht der Sultane und die Errungenschaften ihrer Kriegszüge aus.

In dieser Arbeit möchte ich mich mit einem weiteren Element von poetischen Gedichten befassen: den Liebesgedichten. Eine Untersuchung von Gedichten aus der Zeit des osmanischen Reiches soll einen Vergleich zu Gedichten aus der deutschen Historie ermöglichen. Dazu werden der Ursprung türkischer Literatur und ihre darauffolgende Entwicklung zur Zeit des osmanischen Reiches untersucht. Daraufhin folgt ein Kapitel mit Werken von deutschen Autoren. Abschließend wird im Fazit ein Resümee gezogen, inwieweit sich türkische Poesie von der deutschen Liebeslyrik unterscheidet. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, sind Kenntnisse der türkischen Sprache erforderlich. Da ich mich auf den inhaltlichen Aspekt von Gedichten fokussieren werde, können stilistische Analysen nur in Einzelfällen vorgenommen werden.

2. Blütezeit türkischer Poesie

2.1 Der Ursprung türkischer Literatur

Erste Indizien einer türkischen Schrift wurden 1970 in Kirgistan bei Balykchy in einem Fürstengrab entdeckt. In der Mongolei fand man erste Beispiele des Orchon-Alphabetes, eine Schrift, welche aus dem 7. Jh. n. Chr. stammt und von den Göktürken für das Ogurische verwendet wurde. Das Orchon-Alphabet weist Ähnlichkeiten zu den nordeuropäischen Runen auf, weshalb es unter anderem auch als Türkische Runen bezeichnet wird. Diese Vermutungen könnten jedoch auch daher stammen, dermutungen könnten jedoch auch daher stammennordeuropäischen Runen auf, weshalb es unter anderem auch als Türkische Runen bezass zur damaligen Zeit dieselben Schreibgeräte bzw. Materialien verwendet wurden. Durch das Ritzen in harte Oberflächen wie Stein und Holz, waren geschwungene Linien schwierig zu gestalten, weshalb eventuelle Gemeinsamkeiten der Schriften anzusehen sind[2].

Türkische Poesie gar türkische Literatur aus dieser Zeit zu finden hat sich als sehr schwierig herausgestellt. Passend zur Thematik türkischer Romantik wurden erst zur Zeit des osmanischen Reiches Werke entdeckt.

2.2 Das osmanische Reich

Die Entstehung des osmanischen Reiches hat viele Gelehrte und Gebildete hervorgebracht. Diese Elite von Dichtern prägte jene Zeit mit ihren Werken und erschuf die sogenannte Diwan-Literatur. Diwane werden auch als Gedichtsammlungen, in welchen die Schriftsteller ihre religiöse Ergebenheit zu Allah, ihre Gefolgschaft ihrem Sultan gegenüber und ihre Liebe zu einer Frau bekundeten. Dabei waren drei lyrische Formen zu erkennen. Die Qasida behandelte überwiegend religiöse Thematiken, in welchen der Prophet lobgepriesen oder auch um Vergebung gebeten wird. Die Versromanzen, Masnawi genannt, waren am weitesten unter den lyrischen Formen verbreitet. Ein berühmtes Werk ist die dramatische Liebesromanze von Leyla und Mecnun, welche stark an das Drama von Romeo und Julia erinnert. Die dritte und letzte lyrische Form wird als Ghasel bezeichnet. Diese wird oft mit Liebesgedichten assoziiert[3].

2.3 Fuzuli

Mehmed bin Süleyman Fuzuli, meist nur Fuzuli genannt, war ein türkische Poet und geradezu ein herausragendes Beispiel poetischer Kunst und stellt ein Phänomen türkischer Literatur dar. Das kürzlich genannte Werk Leyla und Mecnun stammte von Fuzuli. Im Jahre 1480 kam Fuzuli in Karbala zur Welt und verstarb ebenfalls in Karbala 1556. Seine Familie war sehr wohlhabend, wodurch ihm gewisse Bildungsmöglichkeiten geöffnet wurden[4]. Er war ein gelehrter Mann, welcher Türkisch, Persisch, Arabisch, Astronomie und Mathematik studierte. Fuzuli war berühmt für seine Werke, die sich vorallem dem Sultan Süleyman I widmeten, aber auch romantische Gedichte brauchte er hervor[5].

„Hasret…Hasret“[6] war eines davon. Ob dies nun der wirkliche Titel ist, ist schwer zu beweisen, da es zur damaligen Zeit selten Titel gab. Aus praktischen Gründen werden naheliegende Begriffe als Titel verwendet. Bei diesem Gedicht ist die typische Versform von Ghaselen zu erkennen. Hierbei besteht ein Ghasel aus mehreren, jeweils zwei bestehenden Versen, die immer den in der ersten Strophe verwendeten Reim beinhaltet. Das Reimschema wird wie folgt gebildet: [aa xa xa xa xa]. In unserem Beispiel erfüllt das Wort „görgeç“ diese Funktion: [görgeç/görgeç yad/görgeç hevasin/görgeç zikr/görgeç Fuzuli/görgeç]. Als richtigen Reim könnte man dies nicht bezeichnen, da es sich jeweils um dasselbe Wort handelt. Die restlichen Begrifflichkeiten stehen sich auch in keiner stilistischen Form gegenüber und zeigen keine Gemeinsamkeiten auf.

Zur Vereinfachung wird die türkische Transkription zur Analyse herangezogen[7]. Inhaltlich betrachtet beginnt das Gedicht mit einer Liebesbekundung des lyrischen Ichs. Das wehende Haar der ersehnten Frau öffnet ihm das Herz und verschließt ihm zugleich die Kehle (Z. 2 „nutkumu kapatir“), sodass er nicht mehr in der Lage ist zu reden (Z. 3 „Konusamaz olurum“). Er sehnt sich nach ihr, welches Fuzuli mit der dramatischen Geste von blutigen Tränen ausdrückt (Z. 4 „kanli yaslar“). Diese sehnsüchtige Frau wird, typisch für Liebesgedichte, mit schmückenden Begriffen wie „Kirpik oklarini“ (Z. 5), charakterisiert. Es sind relativ harmlose Eigenschaften einer Frau, die ihre Schönheit betonen sollen. Es werden keine expliziten Körperteile oder Kurven genannt, die bekannt für weibliche Attraktivität sind. Fuzuli erwähnt andere Männer, die ebenfalls ihr Herz an die Dame verloren haben (Z. 6), jedoch zurückschreckten, als sie die Liebe zwischen dem Paar sahen (Z. 7). Ihre starke Verbundenheit betont Fuzuli durch einen kafir (Ungläubigen), der sogar an das Höllenfeuer glaubt, sollte er die Flammen seines Herzens erblicken (Z. 8.).

Erst gegen Ende des Gedichtes spricht der Autor von sich selbst und betitelt sich sogar mit seinem Eigennamen (Z.9). Diese stilistische Methode ist relativ typisch für die Diwan-Literatur. Autoren verwenden als Signatur ihren eigenen Namen und beziehen somit das Gedicht auf die eigene Person[8]. Dadurch, dass Fuzuli sich selbst anspricht, erwecken die letzten zwei Zeilen ein Gefühl von Hilflosigkeit und Verzweiflung. Der Autor sucht in eigenen Gedanken nach Rat. Dieses Gedicht handelt zwar von Liebe, sogar erwiderter Liebe, jedoch ist Fuzuli voller Sehnsucht und scheint aber wie festgefroren zu sein. Er ist wie betäubt und erstarrt und scheint seine Liebe zu ihr nicht ausleben zu können. Weshalb die Liebe zwischen dem Paar, falls es eins ist, so verspannt und einengend ist, wird im Gedicht nicht erläutert. Wie so oft in romantischen Werken, handelt es sich hierbei um einen negativen und deprimierenden Nachgeschmack von Liebe.

In Anbetracht des Alters des Gedichtes, ist die Schreibweise, sobald es vom Osmanischen ins Türkische übersetzt wird, überraschend aktuell geschrieben. Anhand älterer Begriffe und der naiven Wortwahl ist zu erkennen, dass man hier auf die gerade Linie des Angemessenen bedacht war. Obwohl es sich hier um eine unerschütterliche Liebe handelt, ist Diskretion sowohl in der Ausdrucksweise als auch Intimität zur Liebenden gewahrt worden. Es wird weder von anzüglichen Äußerlichkeiten noch von körperlichem Kontakt gesprochen. Ausschließlich die Liebe und Sehnsucht zweier Seelen zueinander wird dramatisch betont. Ob dieses Gedicht nun typisch für das Zeitalter des osmanischen Reiches war, soll anhand eines weiteren Werkes von einem anderen, berühmten Autor untersucht werden.

2.4 Baki

Maḥmūd Abdülbaḳi, der unter seinem Künstlernamen Baki bekannt war, war neben Fuzuli ein weiterer talentierter Dichter seiner Zeit. Er wurde 1526 in Istanbul geboren und verstarb auch 1600 dort. Im Gegensatz zu Fuzuli entstand Baki aus bescheidenen Verhältnissen und erfuhr dementsprechend traditionelle Bildungsmöglichkeiten. Er war zwar technisch gesehen ein Lehrer, jedoch erweckte sein einzigartiges Talent das Interesse des Sultans Süleyman I. Während die Werke seiner Kollegen stark durch den Sufismus und den islamischen Lehren beeinflusst waren, handelte seine Literatur von der Erfüllung und Schönheit des Lebens und den Wundern der Natur. Dies mag daran liegen, dass er seine Arbeit während des Zenits osmanischer Macht und Wohlhabenheit ausleben durfte[9]. In seinem Werk „Sen Redifli Gazeli“[10] wird nun untersucht, ob dieser lebensfrohe Stil dort wiederzufinden sein wird.

Zunächst wird das Gedicht anhand der Verse betrachtet, woraus sich schnell zeigt, dass wieder das typische Reimschema zu finden ist. Bei diesem Beispiel sieht dies wie folgt aus: [işte sen / işte ben gül/işte sen revan/ işte ben sive-kar/ işte sen etc.]. Hier ist jedoch ein Unterschied zu Fuzuli zu entdecken, da sich der wiederholende Reim zwischen sen und ben abwechselt. Dies spiegelt eher die typische Eigenschaft eines Reimes wieder. Die restlichen Verse stehen wie gewohnt in keinem Zusammenhang zueinander. Erneut wird die türkische Transkription zur Vereinfachung herangezogen[11]. Das Gedicht ist systematisch aufgebaut und verfolgt eine Struktur. Der erste und zweite Vers wechseln sich jeweils mit sen und ben ab. Die darauffolgenden Strophen stellen in ihren ersten Versen eine rhetorische Frage und beantworten diese im nächsten Vers. Baki beginnt direkt damit das Gesicht der Angebeteten mit den Schönheiten eines Rosengartens zu vergleichen (Z. 1 „gül bahçesi yüzlü“) bzw. fragt, wer diese Schönheit besitzt und spricht sie bei der Antwort direkt an (Z. 1 „ o sensin“). Der Autor überhäuft geradezu die geliebte Frau mit Vergleichen und Metaphern. Er beschreibt ihre Lippen als berauschend (Z. 2 „Dudaklari şarap“), ihre Haare sind „sünbül“ (Z. 2) und ihre Haut bzw. ihr Dekolleté „yasemin“ (Z. 2). Wenn er sich auf das lyrische Ich bezieht, handelt es dennoch indirekt um die Angebetete, da er betont, dass er derjenige ist, der vor Sehnsucht nach ihr brennt und geradezu krank vor Verlangen nach ihr ist (Z. 5). In der letzten Strophe beendet Baki das Gedicht wie Fuzuli mit seiner persönlichen Signatur, indem er seinen eigenen Namen verwendet. Das gesamte Werk von Baki bestätigt sein Talent die Natur mit einzubeziehen. Jede Strophe ist stark geschmückt und voller Liebesbekundungen. Er zeigt seine Verbundenheit zur Geliebten anhand der Schönheiten und Wunder von Mutter Natur.

[...]


[1] Vgl. nazimhikmetsiirleri.com

[2] Vgl. obib.de

[3] Vgl. Kuru

[4] Vgl. Nirala

[5] Vgl. Kia S. 178

[6] Vgl. Anlange 1

[7] Vgl. Anlage 2

[8] Vgl. Bügel/Rumi S. 13

[9] Vgl. Kia S. 179

[10] Vgl. Anlage 3

[11] Vgl. Anlage 4

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Vergleich türkischer und deutscher Romantik. Eine interpretative Analyse
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V378575
ISBN (eBook)
9783668556904
ISBN (Buch)
9783668556911
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Poesie, Fuzuli, Baki, Opitz, Goethe, Osmanisch, Literatur
Arbeit zitieren
Tugba Gül (Autor), 2017, Vergleich türkischer und deutscher Romantik. Eine interpretative Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378575

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