Rohstoffe sind ein elementarer Bestandteil des Lebens. Durch die Verwendung vielfältiger Rohstoffe entwickelt sich die Gesellschaft immer weiter. Aber kaum ein Rohstoff hat zur Herausbildung der modernen Zivilisation mehr beigetragen als das Erdöl. Vom Handel durch Kartelle, über die historische Entwicklung bis hin zur politischen und wirtschaftlichen Instrumentalisierung geht Erdöl meist einen Sonderweg, abseits von herkömmlichen Rohstoffen. Selten war etwas wirtschaftlich wichtiger und stand mehr im Zentrum der Weltpolitik. Großen Industrienationen sind abhängig von wenigen Öl exportierenden Staaten, die meisten davon sind Entwicklungsländer. Diese Dependenz wird sich in Zukunft noch steigern. Vor allem die USA werden, bedingt durch den hohen Erdölverbrauch, dabei die Hauptrolle übernehmen und stehen somit im Fokus dieser Ausarbeitung. Welche Konsequenzen wurden und werden aus der Erdölpolitik gezogen, welche Aussichten bestehen und wie schlägt sich dies in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten von Amerika nieder, sind treibende Fragen in der Rohstoffpolitik am Beispiel Öl.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rohstoffe und deren Handel
2.1 Rohstoffe
2.2 Erdölkartelle
2.2.1 OPEC
2.2.2 OAPEC
3. Entwicklung des Wirtschaftsfaktors Erdöl und dessen Politikum
3.1 Geschichtlicher Abriss
3.2 Rezessionen in den 1970ern
3.2.1 Erste Ölkrise
3.2.2 Zweite Ölkrise
3.3 Der Petrodollar, Motor der US-Wirtschaft
3.4 Naher Osten als Spielball der Weltpolitik
3.4.1 Zweiter Golfkrieg
4. Die Bedeutung von Prognosen für die Gegenwart
4.1 Aussichten
4.2 Der Kaukasus und Zentralasien
4.3 Der Irakkrieg und seine Folgen
5. Ausbau der wirtschaftlichen und politischen Machtposition unter dem Deckmantel des Antiterrorkampfes
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung des Rohstoffs Erdöl für die Weltwirtschaft und die damit verbundenen machtpolitischen Interessen der USA. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich die Abhängigkeit von Ölimporten auf die Außenpolitik der Vereinigten Staaten auswirkt, insbesondere im Kontext von Krisen, militärischen Interventionen und dem Ziel einer strategischen Rohstoffsicherung.
- Historische Entwicklung des Erdölhandels und Entstehung von Kartellen (OPEC/OAPEC).
- Analyse der globalen wirtschaftlichen Auswirkungen von Ölkrisen und dem Petrodollar-System.
- Die Rolle des Nahen Ostens, des Kaukasus und Zentralasiens als strategische Energie-Regionen.
- Kritische Beleuchtung der US-Außenpolitik und des "Antiterrorkampfes" im Zusammenhang mit der Kontrolle über Erdölreserven.
Auszug aus dem Buch
3.3 Der Petrodollar, Motor der US-Wirtschaft
Die internationale Wirtschaft war geschwächt, doch die Erdölstaaten und auch die internationalen Ölkonzerne erlangten enorme Gewinnzuwächse. Diese „in US-Dollar gehaltenen Überschüsse der OPEC-Länder aus ihren Erdölexporten“ werden „in internationalen Finanzmärkten angelegt“ und allgemein als Petrodollar bezeichnet. Mit den Gewinnen haben die OPEC-Länder und auch andere Erdölstaaten den Aufbau von Infrastruktur, Wirtschaft und Landwirtschaft finanziert. Vorwiegend mussten die nötigen Güter importiert werden, dies gab den Ölimportstaaten, neben den Kapitalanlagen, die Möglichkeit den Petrodollar, auch Erdöldollar genannt, durch das sog. Recycling zurück zu erhalten.
Dieser Kapitalrückstrom ist ein wichtiges Element der US-Wirtschaft. Seit den 1960ern steigt, u. a. durch den schwachen bzw. abgewerteten Dollar und die gigantischen Außenhandelsdefizite, die Auslandsverschuldung der USA. 2003 importierten die Vereinigten Staaten Waren im Wert von 129,7 Milliarden $, exportierten aber nur im Wert von ca. 88 Milliarden $. Damit lag das Defizit bei 41,8 Milliarden $ und die Auslandsverschuldung bei 409 Milliarden $. Würde nicht die Weltwährung Dollar immer wieder ausländische Investitionen anziehen und so das Defizit ausgleichen, wäre die USA über kurz oder lang bankrott.
Bemerkenswert ist dabei die Rolle des Federal Reserve System, welches ähnlich einer Zentralbank die Ausgabe von Banknoten überwacht, mit denen auch das eingeführte Rohöl bezahlt wird. Da der US-Dollar seit 1971 nicht mehr an den Goldstandart gebunden ist, orientiert sich dessen Kurs größtenteils an der Lage der US-Wirtschaft und dessen stabilisierenden Pfeiler, das Recyclingsystem des Petrodollars. Man könnte sagen, dass das Federal Reserve System Schuldscheine in Form von Dollarnoten ausstellt, welche über den Umweg des Ölhandels, in Form von Investitionen der Erdölförderstaaten, zurück in die USA gelangen. Sie refinanzieren sich sozusagen selbst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die fundamentale Rolle von Erdöl für die moderne Gesellschaft und Formulierung der Forschungsfragen zur US-Erdölpolitik.
2. Rohstoffe und deren Handel: Überblick über die Verteilung von Ressourcen und die Funktionsweise von Produzentenallianzen wie der OPEC und OAPEC.
3. Entwicklung des Wirtschaftsfaktors Erdöl und dessen Politikum: Historische Aufarbeitung des Erdölmarktes, der Ölkrisen der 1970er Jahre sowie der Bedeutung des Petrodollars und der Golfkriege.
4. Die Bedeutung von Prognosen für die Gegenwart: Darstellung künftiger Nachfragetrends und die strategische Neuausrichtung der US-Interessen in Richtung Kaukasus und Zentralasien.
5. Ausbau der wirtschaftlichen und politischen Machtposition unter dem Deckmantel des Antiterrorkampfes: Synthese der Argumente, wie die USA den Antiterrorkampf zur Sicherung ihrer hegemonialen Position und Rohstoffversorgung nutzen.
Schlüsselwörter
Erdöl, Rohstoffpolitik, OPEC, OAPEC, Petrodollar, USA, US-Außenpolitik, Energiebedarf, Irakkrieg, Golfkrieg, Hegemonie, Antiterrorkampf, Rohstoffkartelle, Kaukasus, Zentralasien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle von Erdöl in der Weltpolitik und untersucht insbesondere die Abhängigkeit der USA von diesem Rohstoff sowie die daraus resultierenden außenpolitischen Strategien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Erdölkartellen, der Entstehung des Petrodollar-Systems, den Auswirkungen von Ölkrisen und der US-Interventionspolitik im Nahen Osten und Zentralasien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie strategische Interessen am Rohstoff Erdöl die geopolitischen Entscheidungen der USA maßgeblich beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Hausarbeit, die auf einer Literatur- und Quellenanalyse basiert, um aktuelle politische Ereignisse in einen historischen und wirtschaftlichen Kontext zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Geschichte des Ölhandels, die Mechanismen hinter den Ölkrisen, die ökonomische Bedeutung des US-Dollars im Ölhandel und die geopolitischen Machtbestrebungen der USA in ölreichen Regionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Erdöl, Petrodollar, OPEC, US-Hegemonie, Rohstoffsicherung und geopolitische Strategie.
Wie beeinflusst das Petrodollar-System laut Autor die US-Wirtschaft?
Der Autor argumentiert, dass das Petrodollar-System es den USA ermöglicht, ihr Außenhandelsdefizit durch den Rückstrom von Investitionen der Erdölförderstaaten zu kompensieren und sich somit quasi selbst zu refinanzieren.
Welche These vertritt der Autor in Bezug auf den Antiterrorkampf?
Die zentrale These ist, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus von der US-Regierung teilweise als Vorwand genutzt wird, um den Zugang zu wichtigen Erdölvorkommen zu sichern und die eigene Vormachtstellung auszubauen.
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- Steve Weiser (Author), 2004, Rohstoffpolitik am Beispiel Öl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37859