Erst nach dem zweiten Weltkrieg konnte sich das Fernsehen im gespaltenen Deutschland etablieren und im Zuge dieser Entwicklung startete das Fernsehgerät ab Mitte der 50er als neu entdecktes Statussymbol der Deutschen auch in der DDR seinen Siegeszug. Das Fernsehen nahm schon allein durch seine zunehmende Allgegenwärtigkeit einen wichtigen Platz im DDR-Alltag ein, denn 1970 verfügten bereits 70% der Haushalte über ein Fernsehgerät. Dabei veränderte das neue Medium den Lebensalltag der Bevölkerung, Gebräuche und Gewohnheiten wurden dem täglichen Fernsehprogramm fast schon untergeordnet. Zu sehen gab es dann etwas Information und vor allem Unterhaltung in Form von Ereignisfernsehen und Fernsehkino. So drang das Fernsehen zunehmend in alle Bereiche des Lebens ein und beeinflusste dabei natürlich auch das Verhalten seiner Zuschauer, indem es versuchte, Werte zu vermitteln und „Gebrauchsanleitungen“ für bestimmte Situationen zu geben. Diesem Auftrag hatten sich vor allem die Ratgebersendungen verschrieben, die ab 1960 vermehrt ins Programm des Deutschen Fernsehfunks aufgenommen wurden und durch die Auseinandersetzung mit fast allen Themengebieten des wirklichen Lebens den Eindruck vermittelten, Lebens- und Orientierungshilfen geben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemstellung
3. Ratgebersendungen im DDR-Fernsehen
3.1 Historische Entwicklung
3.2 Formate
3.3 Zielstellung
3.4 Praktische Umsetzung der Theorie
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle und Funktion von Ratgebersendungen im DDR-Fernsehen zwischen 1952 und 1990. Dabei wird analysiert, wie diese Formate sowohl als serviceorientierte Hilfestellung für den Alltag der Zuschauer dienten, als auch politisch instrumentalisiert wurden, um gesellschaftliche Verhaltensnormen im Sinne des Staates zu beeinflussen.
- Historische Entwicklung des Ratgeberformats im DFF
- Vielfalt der Sendeformate und deren inhaltliche Ausrichtung
- Zuschauernähe vs. politischer Erziehungsauftrag
- Praktische Analyse anhand der Sendereihe „Du und dein Garten“
- Wechselspiel zwischen individuellem Nutzen und staatlichem Interesse
Auszug aus dem Buch
3.4 Praktische Umsetzung der Theorie
Die im vorhergehenden Kapitel theoretisch gewonnenen Erkenntnisse über die Funktion und die Zielvorstellungen von Ratgebersendungen im DDR-Fernsehen, werde ich im Folgenden am Beispiel der Sendereihe „Du und dein Garten“ genauer untersuchen, um herauszufinden, ob die Praxis den theoretischen Vorstellungen und Wünschen der Fernsehmacher und der Partei auch tatsächlich gerecht wurde.
Die Ratgeberreihe „Du und dein Garten“ wurde am 28. Oktober 1968 ins Programm aufgenommen. Der sympathischen Moderatorin Erika Krause gelang es, bereits mit der ersten Sendung das Eis bei den Fernsehzuschauern zu brechen.
Das inhaltliche Repertoire der Sendung reichte von Tipps zum Mulchen und Düngen über das fachgerechte Beschneiden von Hecken und Blumen bis hin zur zeitgerechten Aussaat von Blumen und Gemüse. Da der eigene Garten nicht nur einen Erholungswert hatte, sondern durch Obst- und Gemüseanbau auch zur Bereicherung des eigenen Speiseplans beitrug, erfreuten sich diesbezügliche Tipps und Hinweise besonderer Beliebtheit und auch von Seiten der Regierung war die Sendung auf eine Steigerung der Kleingartenwirtschaft ausgerichtet, um staatliche Versorgungsengpässe zu vermeiden.
Meine Analyse habe ich an der ersten Sendung der Ratgeberreihe „Du und dein Garten“, die wie bereits erwähnt am 28. Oktober 1968 über die Fernsehbildschirme lief, vorgenommen. Diese erste Folge hat eine Länge von etwa 23 Minuten und findet ihren Einstieg in einer Kleingartenanlage in Berlin-Rahnsdorf, die ihr 4-jähriges Bestehen mit einem zünftigen Gartenfest feiert. Nachdem die Moderatorin Erika Krause die neue Ratgebersendung und sich selbst kurz vorgestellt hat, begrüßt sie die Zuschauer mit den Worten „Ein Fest, wie es unter Gartennachbarn üblich ist“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die Etablierung des Fernsehens als Leitmedium in der DDR und den aufkommenden Bedarf an Lebens- und Orientierungshilfen durch das Programm.
2. Problemstellung: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Ratgebers und leitet daraus den spezifischen Auftrag der Fernsehformate ab, den Zuschauer bei alltäglichen Herausforderungen zu unterstützen.
3. Ratgebersendungen im DDR-Fernsehen: Hier erfolgt eine detaillierte historische Aufarbeitung, die Kategorisierung verschiedener Formate sowie eine tiefgehende Analyse der ideologischen und praktischen Ziele, illustriert durch das Beispiel „Du und dein Garten“.
4. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel resümiert die Untersuchungsergebnisse und stellt fest, dass die Ratgebersendungen erfolgreich ein Gleichgewicht zwischen praktischem Nutzwert für den Zuschauer und der Vermittlung sozialistischer Normen etablierten.
Schlüsselwörter
DDR-Fernsehen, Ratgebersendungen, Programmgeschichte, DFF, sozialistischer Alltag, Medienpolitik, Zuschauerbindung, Du und dein Garten, Alltagsmagazine, Fernsehpraxis, Bildungsauftrag, Propagandafunktion, Kleingartenwirtschaft, Erika Krause, Medienwissenschaften
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Geschichte und Funktion von Ratgebersendungen im DDR-Fernsehen zwischen 1952 und 1990.
Welche Themenfelder werden abgedeckt?
Das Spektrum reicht von der historischen Einordnung des Mediums in der DDR bis hin zur detaillierten Untersuchung einzelner Formate wie „Objektiv“, „Prisma“ oder „Du und dein Garten“.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu zeigen, wie Fernsehmacher den Spagat zwischen praktischer Lebenshilfe für den Bürger und dem politischen Auftrag zur Erziehung und Lenkung der Bevölkerung bewältigten.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Die Autorin kombiniert eine theoretische Aufarbeitung des Programmauftrags mit einer inhaltsanalytischen Betrachtung der ersten Folge der Reihe „Du und dein Garten“.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Ratgeberformate über die Jahrzehnte und untersucht, wie diese als „Freund und Helfer“ das Vertrauen der Zuschauer gewannen.
Welche Keywords beschreiben den Kern der Arbeit?
Zentrale Begriffe sind DDR-Fernsehen, Ratgebersendungen, sozialistischer Alltag, Zuschauerbindung, Medienpolitik und Programmgeschichte.
Warum wurde ausgerechnet „Du und dein Garten“ als Fallbeispiel gewählt?
Die Sendung eignet sich besonders gut, da sie den damals hohen Stellenwert der Kleingartenwirtschaft als Versorgungselement mit einem unterhaltsamen, zuschauernahen Format verband.
Welche Rolle spielten die Zuschauer laut der Arbeit?
Die Zuschauer wurden durch das Medium nicht nur als Empfänger gesehen, sondern sollten als „aktive Partner“ in das Programm eingebunden werden, etwa durch Einsendungen oder den Austausch bei Problemen.
Wie bewertet die Arbeit den Erfolg der Ratgebersendungen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Sendungen aufgrund ihrer hohen Praxisrelevanz und der gelungenen Mischung aus Information und Unterhaltung zu den beliebtesten Formaten des DDR-Fernsehens zählten.
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- Maja Roseck (Author), 2004, Ratgebersendungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37870