Jugendkulturarbeit im interkulturellen Kontext gestalten

In welcher Weise tragen Instrumente der Jugendkulturarbeit zu einem inklusiven Miteinander in den Jugendeinrichtungen der offenen Jugendarbeit bei?


Projektarbeit, 2017
29 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung mit Begründung der Themenwahl
1.1 Motivation
1.2 Gesellschaftliche Relevanz
1.3 Forschungsfrage erläutern
1.4 Ausblick auf die kommenden Kapitel der Arbeit

2.Theoretische Grundlagen
2.1 Zielgruppe Jugend
2.2 Wie definieren sich Jugendliche heute?
2.3 Welche kulturellen Milieus gibt es in der Zielgruppe?
2.3.1 Kultur als Begriff
2.4 Jugendkulturarbeit im Rahmen der Jugendhilfe
2.5 Welche Instrumente der interkulturellen Jugendkulturarbeit gibt es?
2.6 Interkulturelle Arbeit
2.7 Anti - Bias als Handlungskompetenz
2.8 Integration versus Inklusion

3. Fachpraktischer Teil
3.1 Projekte der Jugendkulturarbeit
3.1.1 Heroes - gegen Unterdrückung, im Namen der Ehre
3.1.2 Projekt 2: Tri-Nationales Jugendcamp Resultat eines Interviews mit dem Jugendaktionsteam der Stiftung SPI in Beeskow
3.1.3 Integrationsarbeit in Lichtenberg
3.2 Unterschiede der Angebote zwischen Groß- und Kleinstädten

4. Reflexion
4.1 Erkenntnisse aus der praktischen Jugendkulturarbeit
4.2 Erfolgsversprechende Methoden
4.3 Rollenbild der Erzieher*in
4.4 Aussicht

5. Literatur/Anhang

1. Einleitung mit Begründung der Themenwahl

1.1 Motivation

„…Und das Leben all der andern - sag mir mal warum sie laden die Gewehre und bringen sich gegenseitig um sie stehen sich gegenüber und könnten Freunde sein doch bevor sie sich kennenlernen, schießen sie sich tot

Ich find das so bekloppt, warum muss das so sein?“

Udo Lindenberg

Wieso hassen sich Menschen - auf Grund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder ihrer Sexualität? Wieso gibt es Kriege auf unserer Welt? Wieso kann nicht jeder Mensch auf der Erde leben wo er es möchte, ohne dass er einen Paragraphenwald durchlaufen muss, um letztendlich sich in den Tiefen der Ungerechtigkeit wiederzufinden? All das sind Fragen, die mich seit meiner frühen Kindund Jugendzeit beschäftigen. Immer wenn ich mit meiner Mutter über meine Kindheit rede erzählt sie mir, dass mein Wesen bestimmt wurde durch den Wert der Gerechtigkeit und Freiheit. Witzig, dass passend zu dieser Aussage mein Sternzeichen Waage ist.

Im Laufe meines Lebens kristallisierte sich für mich der Wunsch heraus, im sozialen Bereich zu arbeiten. Ich hatte schon viele Erfahrungen durch verschiedene Praktika während meiner Schulzeit sammeln können. Aus diesem Grund führte mich mein Schicksal nach Berlin. Seit 2014 absolviere ich am Sozialpädagogischen Institut (SPI-Stiftung) eine Erzieher*innenausbildung und ich muss sagen, es ist eine der schönsten Phasen meines Lebens. Während der Ausbildung führte ich drei verschiedene Praktika durch, wobei mein Fokus bei den letzten Beiden auf dem Jugendbereich lag. Beide Praktika sollten sich auf den Aspekt der interkulturellen Arbeit konzentrieren, da es mich interessiert, wie junge Menschen mit verschiedenen kulturellen Ressourcen in einer Jugendeinrichtung untereinander agieren - im Positiven als auch im Negativen . Des Weiteren versuchte ich in meinem letzten Praktikum gezielt Antworten auf Fragen des Rassismus und Sexismus im Raum der Jugend wiederzufinden. Deshalb führte es mich in meinem letzten Praktikum nach Lichtenberg. Ein Bezirk, der seit der Wende durch seine Rechte Szene bekannt ist. Dennoch ist Lichtenberg heute auch ein Bezirk, der in der Flüchtlingshilfe gute Arbeit leistet und viele Unterkünfte besitzt. Diese soziokulturelle Diversität fand ich interessanterweise auch in meinem letzten Praktikum in der Einrichtung wieder.

Unter diesen verschiedenen Gesichtspunkten und durch den Aspekt, meine pädagogische Handlungskompetenzen und mein Wissen zu erweitern, entschloss ich mich, meine Facharbeit der interkulturellen Arbeit zu widmen.

1.2 Gesellschaftliche Relevanz

Um den Aspekt der gesellschaftlichen Relevanz der interkulturellen Jugendarbeit zu erläutern, greife ich auf einen Artikel der Bundeszentrale für politische Bildung im Jahr 2002 zurück (Christiane Görres, Torsten Groß, Martina Oertel, Thomas Röbke, 28.06.2002). Hier wird beschrieben, dass der weltweite dynamische Prozess der wirtschaftlichen und kulturellen Globalisierung ein Gegenstück besitzt, und zwar dessen multikulturelle Zusammensetzung der Bevölkerung. Dies sei im übertragenen Sinne der Grund dafür, dass moderne Gesellschaften des 21. Jahrhunderts immer offener im Umgang miteinander werden. Dennoch stellt der Artikel wichtige Fragen, die vor allem uns als angehende Erzieher*innen beschäftigen werden. Somit stellt sich bspw. die Frage: „Welche Chancen, aber auch welche Konflikte, können aus dem Neben- und Miteinander verschiedener kultureller Orientierungen erwachsen?“ oder „Welche kulturellen Integrationsleistungen müssen Migranten und Angehörige der "Aufnahmegesellschaft" erbringen, damit ein konstruktives Miteinander entsteht?“. Wenn man sich diese Fragen einmal genau durchliest, fällt auf, dass dies Fragen sind, die uns selbst als Zivilbevölkerung und nicht nur als angehendes Fachpersonal beschäftigen. Diese Fragen gewinnen besonders durch die Flüchtlingssituationen seit 2013 eine noch größere Relevanz als sie davor schon besaßen.

Aber nicht nur dieser Aspekt spielt für mich eine Rolle. Nehmen wir an, dass es uns zukünftig nach unserer Ausbildung aus beruflichen Gründen nach Berlin zieht, so werden wir mit weiteren Situationen konfrontiert. Es ist kein Geheimnis mehr, dass in zentralen Bezirken wie Wedding, Neukölln, Kreuzberg oder Friedrichshain, die Wohnsituation immer teurer wird und der Mittelschicht unserer Gesellschaft es bald nicht mehr möglich sein wird, in diesen Bezirken zu akzeptablen Preisen zu leben. Meine logische Schlussfolgerung wird sein, dass die multikulturelle Gesellschaft der Zentralbezirke sich auf die Randgebiete der Stadt verlagern wird, wenn sie sich beispielweise die Lebenshaltungskosten nicht mehr leisten können, aber dennoch an ihre berufliche Situation gebunden sind. Das Bezirksamt Berlin - Lichtenberg hat mit dem Amt für Statistik Berlin- Brandenburg im Dezember 2015 eine Berichterstattung über den Zuwachs der Lichtenberger Bevölkerung vom Jahre 2007 bis 2015 herausgebracht. Hier lässt sich feststellen, dass es einen Bevölkerungszuwachs in nicht mal 10 Jahren um 10 % gab (Bezirksamt Berlin - Lichtenberg, 31.12.2015).

Auch wenn es nur eine Hypothese darstellt, aber der multikulturelle Zuwachs in die Randgebiete würde zu einem Anstieg der verschiedenen Kulturen führen und dies wiederum zu neuen Problemen und Fragen, die uns in unserer Arbeit aber auch im zivilen Leben beschäftigen können. Daher spielt die interkulturelle Arbeit im Allgemeinen aber auch die interkulturelle Jugendkulturarbeit eine wichtige Rolle in Bezug auf die genannten Problemsituationen.

1.3 Forschungsfrage erläutern

Mein letztes Fachschulpraktikum absolvierte ich in der Jugendeinrichtung des Sport- Jugend- Bildungszentrums „Lücke“ in Berlin- Lichtenberg. Das interessante an dieser Einrichtung für mich war, dass es im kompletten Zeitraum meiner Arbeit an diesem Ort zwei verschiedene Jugendgruppen gab. Müsste ich sie kurz beschreiben, würde ich zum einen die Lichtenberger Jugendlichen nennen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie schon immer in diesem Bezirk wohnen und keine oder wenig Freunde oder Bekannte mit Migrationshintergrund haben. Zum anderen wäre dann eine Gruppe von rumänischen Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren.

Über ein halbes Jahr gesehen haben diese zwei verschiedenen Peergroups kaum miteinander agiert. Es gab viele Konflikte zwischen diesen beiden Fronten und keine bestehenden oder kontinuierlichen Freundschaften. Man könnte behaupten es existierten oft zwei verschiedene Welten in der Jugendeinrichtung.

Und genau hier stellt sich meine Forschungsfrage: „In welcher Weise tragen Instrumente der (interkulturellen) Jugendkulturarbeit zu einem inklusiven Miteinander in den Jugendeinrichtungen der offenen Jugendarbeit bei?“ Ich stelle mir diese Frage, weil ich bemerkt habe, dass es nicht so einfach ist, zwei Gruppen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, zu einer positiven Interaktion zu bewegen. Die bestehende Spannung versperrte die Möglichkeit größere Projekte anzustreben, weil die Arbeit an dem Problem einen höheren Aufforderungscharakter verlangte. Ich sehe mich später selbst in einer Jugendeinrichtung bzw. möchte ich mit dem Jugendlichen Klientel arbeiten und deshalb stellt es für mich einen bedeutenden Meilenstein meiner pädagogischen Handlungskompetenz dar, wenn ich mir verschiedene Instrumente aneigne, um zukünftig besser mit solchen Situationen umgehen zu können.

1.4 Ausblick auf die kommenden Kapitel der Arbeit

In meinen folgenden Kapiteln werde ich mich zunächst mit den theoretischen Grundlagen auseinandersetzen. Hier möchte ich die Klientel der Jugendlichen genauer definieren und dessen Identifikation in unserer heutigen Zeit wiederspiegeln. Ich werde auf Kultur als Begriff eingehen und kulturelle Milieus der Zielgruppe erschließen. In Folge dessen erarbeite ich den Begriff der Jugendkulturarbeit auch in Bezug auf die Jugendhilfe und erschließe dazu dessen Instrumente. Um auf die Handlungskompetenzen näher einzugehen, werde ich mich zusätzlich mit dem Thema des Anti Bias beschäftigen und den klaren Unterschied von Inklusion und Integration feststellen.

Sind diese Teile meiner Arbeit erarbeitet, möchte ich zum fachpraktischen Teil überschwenken. Hierzu werde ich verschiedene Projekte der Jugendkulturarbeit genauer untersuchen und sie gegenüberstellen. Der Vergleich wird hier zwischen einem Projekt einer Großstadt und einer Kleinstadt geführt. Hiernach wird es ein Fachinterview mit einem Sozialarbeiter einer Kleinstadt zum Schwerpunktthema geben. Im Anschluss werde ich dazu meine Ergebnisse zusammentragen und zu diesen Stellung beziehen.

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Zielgruppe Jugend

Um die Zielgruppe genauer zu beschreiben, begünstigt es sich die juristische Seite zu beleuchten. So sagt das Jugendschutzgesetz im §1, Unterpunkt 2 aus, dass Jugendliche Personen sind, die sich zwischen dem Beginn des 15. Lebensjahres und der Volljährigkeit befinden (14 - 17 Jahre). Betrachten wir den biologischen Beginn des Jugendalters, lässt sich feststellen, dass diese Lebensphase durch die Entwicklung der Sexualreife gekennzeichnet ist. Dieser Begriff lässt sich in der physischen sowie psychischen Veränderung verstehen. Der Körper verändert sich. Und dies nicht nur im sichtbaren, sondern auch im unsichtbaren Bereich. Dies bedeutet nicht nur geschlechtsspezifische Merkmale werden ausgeprägt, sondern auch auf neuronaler Ebene bilden sich neue Synapsen. Diese Phase bezeichnen wir im Allgemeinen als die Pubertät, welche durch das wichtigste Merkmal der Persönlichkeitsentwicklung geprägt wird. In der Jugendphase unseres Lebens üben wir uns in unserer Identität. Hier schlüpft man täglich in verschiedene Verhaltensmuster und probiert aus, welche Rolle einem am besten steht. Diese Situation beschreibt unter anderem Erik Erikson in seinen Entwicklungspsychologischen Phasen. Das Jugendalter wird somit gekennzeichnet durch den Versus der Identität und der Rollendiffusion.

Die Rollendiffusion beschreibt hier, dass sich die Identität nicht eigenständig entwickelt, sondern die Identität sich den äußeren Einflüssen anpasst. So entsteht z.B. die Situation, dass man seinen Eltern ein anderes Bild von sich preisgibt, als seinem Freundeskreis (Arnold Lohaus, Marc Vierhaus, Entwicklungspsychologie, S. 12).

Neben dem juristischen und biologischen Bild der Jugend, existiert noch ein drittes, nicht zu vernachlässigendes Bild. Die Soziologische Beschreibung des Jugendbegriffes. Hier beschreibt Rudolf Richter, Professor der Universität Wien, dass der Jugendbegriff sich immer an der Empirie (wissenschaftliche Erkenntnis) orientiert. Der Jugendbegriff wird daher nicht von Jugendlichen selbst, sondern immer von der Gesellschaft als Ganzes verstanden (vgl. Rudolf Richter, Sachverständigenkommission zum 6. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich, 2011, S. 27).

Diese drei Perspektiven spiegeln die bedeutendsten Kapitel der Jugenddefinition wieder.

2.2 Wie definieren sich Jugendliche heute?

Der Begriff „Jugend von heute“, befindet sich in einem stetigen Wandel. Oft hört man von Elternoder Großelterngenerationen, negative Aspekte über die heutigen Jugendlichen, aber wenn man etwas genauer auf dieses Problem schaut, gibt es gravierende Aspekte, die die Jugend von heute umfangreich beeinflusst.

Der Aspekt der Medienwirksamkeit spielt hier eine sehr wichtige Rolle. Viel mehr als nur die traditionellen Medien (TV; Radio; Zeitung), ist das Internet der Dreh- und Angelpunkt der heutigen Jugendwelt geworden. Es bietet, wie nie zu vor, einen intensiven, effektiven und sofortigen Austausch von Informationen. Dies hat den Vorteil, dass es das Lernen um Weiten effektiver macht, jedoch auch einen gefährlichen Raum darstellt, indem Jugendliche Materialien wahrnehmen können, die nach dem Jugendschutzgesetz nicht für sie vorgesehen sind. Ein zweiter Aspekt, der eine wichtige Rolle spielt, ist die Einstellung der Jugendlichen, die sie gegenüber der Gesellschaft einnehmen. Noch vor wenigen Jahrzehnten, hatte es eine tiefsinnige Bedeutung für die junge Generation mit ihrer Meinung anzuecken und ein revolutionäres Gegenbild zum „Einheitsbrei“ der Gesellschaft darzustellen. Heute jedoch, bevorzugt es die breite Masse der Jugendlichen eher, Teil einer Masse zu sein. So die aktuelle Studie „Wie ticken Jugendliche 2016“. Mainstream wird in diesem Sinne nicht mehr als Beleidigung aufgenommen, sondern eher so verstanden, den Trend der Zeit mit eigener Kraft zu verstärken. Des Weiteren befasste sich die Studie mit aktuellen politischen Fragen. So sprach sich die Mehrheit der Befragten 14-17 Jährigen für die Aufnahme von Flüchtlingen aus. Auch fundamentalistische Ansichtsweisen entsprechen nicht mehr den Wertvorstellungen der Jugendlichen. So distanzierten sich insbesondere muslimische Jugendliche vom radikalen Islamismus (Focus Familie, 2016, S1).

2.3 Welche kulturellen Milieus gibt es in der Zielgruppe?

Ein Milieu oder genauer gesagt ein soziales Milieu umschreibt gesellschaftliche Gruppen, mit annähernden Wertehaltungen, Mentalitäten und Prinzipien der Lebensführung. Sie werden erst in zweiter Linie durch Bildungsgrad, Beruf und Einkommen bestimmt (Bpb, 2006).

Die SINUS-Jugendstudie aus dem Jahr 2016 nimmt auch hierauf Bezug. So gibt es im Jugendbereich sieben verschiedene Milieus:

- Konservativ Bürgerlich: sind familien- und heimatorientiert; haben kein Interesse daran sich äußerlich zu profilieren; Ehe und Familie gelten als Grundpfeiler der Gesellschaft
- Prekäre: sind stark um Teilhabe und Orientierung bemüht; haben schwere Startvoraussetzung; haben einen sehr hohen Wunsch nach Zugehörigkeit und Anerkennung
- Materialistische Hedonisten: Freizeit- und Familienorientierte Unterschicht; konsum- und markenorientiert; distanziert gegenüber Hochkultur;
- Adaptiv Pragmatische: sind leistungs- und familienorientiert und haben hohe Anpassungsbereitschaft; verbinden mit Kultur in erster Linie Unterhaltungs-, Erlebnis- und Entspannungsansprüche;
- Sozialökologische: nachhaltigkeits- und gemeinwohlorientierte Jugendliche, sind sozialkritisch; bildungsaffin und distanzieren sich von materiellen Werten
- Expeditive: sind erfolgs- und lifestyle-orientierte Networker; ausgeprägtes Markenbewusstsein; auf der Suche nach kulturellen Erfahrungsräumen
- Experimentalistische Hedonisten: streben nach unbehinderter Selbstentfaltung; distanzieren sich von Mainstream und Hochkultur;

Die verschiedenen Milieus messen sich, wie nach Definition, an ihrem Bildungsgrad (niedrig, mittel, hoch) und der normativen Grundordnung (d.h. sind sie traditionell, modern oder eher postmodern).

2.3.1 Kultur als Begriff

Das Verständnis des Begriffes Kultur, ist in unserer heutigen Gesellschaft nur schwer zu erläutern, da es in unserem normalen, alltäglichen Sprachgebrauch oft keine genauere Bestimmung verfolgt. Die Diversität dieses Begriffes hat dazu beigetragen, dass für uns nur schwer verstehbar ist, was Kultur genau bedeutet. Kultur steckt quasi in allem drin - Esskultur, Fankultur, Subkultur etc.

Würde man aber weg von der Alltagsverwendung, zu einer genauen Definition gehen, verbirgt sich hier eine weitere Schwierigkeit. Der Kulturbegriff hat nicht nur eine, sondern mehrere Definitionen. So lässt sich diese nicht nur auf der soziologischen, sondern auch auf der psychologischen, religiösen oder anthropologischen Ebene beschreiben.

Im lateinischen Ursprung „colere“ (pflegen, urbar machen) bzw. „cultura“, „cultus“ (Veredelung von Ackerböden) findet sich der heutige Begriff „Kultur“ wieder. Wenn man sich die beiden Ursprungsformen genauer anschaut sollte auffallen, dass diese Begriffe den gemeinsamen Aspekt haben, dass sie durch Menschenhand realisiert werden. Im Laufe der Zeit wurde dieser Begriff metaphorisch erweitert und transformierte von Praktiken der Landarbeit, zu einem Modell, welches die mentale und soziale Kultivierung einer Gesellschaft darstellt.

In diesem Sinne beschreibt „Kultur“, die durch planmäßig technische Bearbeitung der Natur, selbstgeschaffene Welt, der geistigen Güter, materiellen Kunstprodukte und sozialen Einrichtungen. Der Begriff umfasst also die Totalität, die von der Menschheit erworbenen Fähigkeit des sozialen Handelns (die typischen Arbeits- und Lebensformen, Denk- und Handlungsweisen, Wertvorstellungen und geistigen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft) (vgl. Bundeszentrale politische Bildung) (Ansgar Nünning, 2009).

2.4 Jugendkulturarbeit im Rahmen der Jugendhilfe

Der Begriff der Jugendarbeit spielt besonders in der Sozialen Arbeit eine wichtige Rolle. Um diesen Aspekt in seiner gesellschaftlichen Wichtigkeit darzustellen, ergibt sich hier der Blick auf das Sozialgesetzbuch. Im § 1 des SGB VIII steht, dass die Jugendhilfe ihre Kernaufgabe darin sieht, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern, sowie den Aspekt der Benachteiligung zu vermindern bzw. abzubauen.

Unter diesem Gesichtspunkt lässt sich daher auch verstehen, dass die Kulturelle Bildung ebenso ein wichtiger Handlungsbaustein der Jugendhilfe ist. Die Auseinandersetzung junger Menschen mit dem Kulturbegriff spielt im Raum der Jugendwelt nicht nur eine wichtige Rolle, sondern sie dient erwiesenermaßen auch dem Selbstbildungsprozess.

Die Jugendkulturarbeit hat im Rahmen der Jugendhilfe daher einen hohen Stellenwert. Sie trägt dafür Sorge, dass der sozialpädagogische Gesichtspunkt, nicht verloren geht.

Des Weiteren ist sie dafür zuständig, Kompetenzen weit über der künstlerisch- kulturellen Ebene zu vermitteln. Sie ist nicht nur als Transmitter anzusehen, gegenüber Kinder und Jugendlichen aus bildungs- und kulturaffinen Schichten, sondern auch im Sinne der Ermöglichung zur Teilhabe zu verstehen.

2.5 Welche Instrumente der interkulturellen Jugendkulturarbeit gibt es?

Die Instrumente der interkulturellen Jugendarbeit, lassen sich als Methoden der praktischen Umsetzung der sozialen Arbeit im jugendkulturellen Sektor verstehen. Wichtig ist hierbei, dass Indikatoren wie die Vermittlung des partizipativen Aspektes oder der Selbstwirksamkeitsgedanke nicht als Instrumente zu verstehen sind, sondern eher als Hilfsmittel, welche die Methoden bestärken. In diesem Sinne lässt sich beispielsweise die kreative Alltagsgestaltung im interkulturellen Kontext der offenen Jugendarbeit als ein Instrument der pädagogischen Arbeit verstehen. Möglichkeiten für eine solche Alltagsgestaltung wären, die Nutzung der Alltagssituationen Jugendlicher und dessen Ressourcen, die sich darin wiederfinden. Ein konkretes Beispiel dazu wäre, das gemeinsame Kochen, Billard- oder Kickerspielen in einer offenen Jugendeinrichtung. Dieses Instrument bietet unter anderem die Situation einen Raum zu schaffen, der in einer Hinsicht einen niedrigen Anforderungscharakter in Anspruch nimmt und andererseits die Möglichkeit bietet, sich in niedrigschwelligen Gesprächen auf die Lebenswelt (als Ressource) der Jugendlichen einzulassen und ihnen ein Gefühl der Sicherheit und Akzeptanz zu verschaffen.

Das eigentlich wichtigste Instrument der interkulturellen Jugendarbeit, bietet uns jedoch die direkte Interaktion von Menschen. Hier impliziert sich der Gedanke der interkulturellen Begegnung. Sie bietet uns die Möglichkeit auf die Interessen der Jugendlichen sehr konkret einzugehen, da sie jugendspezifischen Fragen, wie die Ergründung der eigenen Identität oder die Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede, zwischen seinem Ich gegenüber der Gesellschaft in den Mittelpunkt stellt.

Erfahrungsberichte aufgefasst durch Studien bestätigen immer wieder, dass die interkulturelle Begegnung eine bewährte Methode ist, nachhaltig soziale Kompetenzen zu fördern.

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Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Jugendkulturarbeit im interkulturellen Kontext gestalten
Untertitel
In welcher Weise tragen Instrumente der Jugendkulturarbeit zu einem inklusiven Miteinander in den Jugendeinrichtungen der offenen Jugendarbeit bei?
Note
2
Autor
Jahr
2017
Seiten
29
Katalognummer
V378867
ISBN (eBook)
9783668568112
ISBN (Buch)
9783668568129
Dateigröße
1165 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturell, jugendkultur, jugend, jugendarbeit, sozialarbeit, erzieher, instrumente der jugendarbeit, interkulturelle Jugendkulturarbeit, Jugendclub, Teambildene maßnamen, präventionsarbeit, inklusion, sozialpädagogik
Arbeit zitieren
Max Voß (Autor), 2017, Jugendkulturarbeit im interkulturellen Kontext gestalten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378867

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