Beitrag der Frauen zum Tradierungswesen der Hadithwissenschaft in der mamlukischen Periode am Beispiel von Zaynab bint al-Kamal


Bachelorarbeit, 2017
36 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begründung für Themenauswahl

3. Überblick: Frauen in der Wissenschaft
3.1 Gelehrsamkeit der muslimischen Frauen.
3.2 Einführung: Frauen in der Ḥadīṯwissenschaft
3.3 Frauen in biographischen Werken

4. Frauen und Ḥadīṯ in der mamlukischen Periode
4.1 Wiederbelebung der Ḥadīṯwissenschaft.
4.2 Soziale Strukturen in der mamlukischen Periode
4.3 Bildung der Frauen . ..
4.4 Rolle der Frauen in der Tradierung von Wissen
4.5 Methoden der Überlieferung..

5. Zaynab bint al-Kamāl
5.1. Biographie von Zaynab bint al-Kamāl
5.2. Zaynab’s Karriere
5.3 Überlieferte Werke von Zaynab
5.4. Zaynab’s Studenten
5.5 Zaynab in der Rolle als Gelehrtin
5.6 Tod von Zaynab

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1.Einleitung

Dass Frauen im Islam von geistiger Beschäftigung keineswegs ausgeschlossen sind, dass das Studium des Wissens sogar eine Pflicht für männliche sowohl auch für weibliche Gläubige darstellt lässt sich anhand des Ausspruches des Propheten Gott segne ihn und schenke ihm Heil ‚„ Ṭ alab al- ʿ ilm far īḍ at ʿ al ā kull muslim wa muslimat ‘ 1 - ‚ das Streben nach Wissen ist Pflicht f ü r muslimische M ä nner und muslimische Frauen ‘ bestätigen. Wenngleich in der Terminologie der Ḥadīṯwissenschaft die Werke über die Gewährsleute in den Überlieferungsketten als die ri ğā l - Werke, also Männer-Werke bezeichnet werden, so ist es dennoch keine Seltenheit, dass man in den Überlieferungsketten auch auf Frauen als Autoritäten vieler ʾAḥādīṯ trifft.2 Bereits seit den frühesten Tagen der Offenbarung haben Frauen eine bedeutende Rolle an der Bewahrung und Kultivierung der prophetischen Sunna gespielt. Sie haben sich große Verdienste im Tradierungswesen der Ḥadīṯwissenschaft erworben und diese Funktion teilweise über viele Jahrhunderte beibehalten. Insbesondere im achten/vierzehnten und neunten/fünfzehnten Jahrhundert ist ein großer Zuwachs an weiblichen Gelehrten der Ḥadīṯwissenschaft (mu ḥ addi ṯā t) zu erkennen.3 So listet der bekannte Gelehrte Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī (852/1449) in seinem biographischen Werk ad-Durār alkāmina fī ʾaʿyān al-miʾa aṯ-ṯāmina für das achte/vierzehnte Jahrhundert die Biographie von 170 mu ḥ addi ṯā t auf.4 Unter anderem auch von Zaynab bint al- Kamāl (740/1339), die in Damaskus unter der mamlukischen Dynastie lebte und in ihren späteren Lebensjahren eine große Anerkennung als Lehrerin in der Ḥadīṯwissenschaft genoss. Bereits in ihrem ersten Lebensalter erhielt sie die Erlaubnis für die Tradierung eines Ḥadīṯ.5 Aufgrund ihrer zahlreichen Lehrdiplome (i ğā zas), die sie bei ihrem Tod hinterließ und da sie den größten Teil ihres Lebens mit dem Studieren von ʾAḥādīṯ verbrachte, wurde ihr der Titel ‚ musnidat ad-duny ā‘ zugeschrieben.6

Mit dem Titel „ Beitrag der Frauen zum Tradierungswesen der Ḥ ad īṯ wissenschaft am Beispiel von Zaynab al-Kam ā l “ sollen unter anderem Fragen wie: Inwiefern konnten muslimische Frauen in der mamlukischen Periode eine religiöse Bildung genießen? Wie haben sie als Lehrerinnen agiert? Konnten sie auch männliche Studenten unterrichten? Inwiefern haben sie an der Seite ihrer männlichen Kollegen studiert und wie erhielten sie Unterricht von männlichen Gelehrten? beantwortet werden. Wichtige Quellen, welche ich zur Beantwortung jener Fragen verwenden werde, sind unter anderem das im Jahr 2013 erschienene Buch ‚ Women and the transmission of knowledge in Islam ‘ von Asma Sayeed; ‚ The transmission of knowledge in medieval Cairo ‘ von Jonathan Berkey und das Buch von Mohammad Akram Nadwi mit dem Titel ‚ al-Muhaddithat. The Woman scholars in Islam ‘ welches im Jahr 2007 erschien.

Anhand der erwähnten und weiteren Quellen, möchte ich zu Beginn meiner Arbeit die Gelehrsamkeit muslimischer Frauen allgemein in der islamischen Geschichte in einem Überblick wiedergeben, daraufhin werde ich den generellen Einfluss der Frauen als Ḥadīṯüberlieferinnen in Kürze, unter anderem anhand der Aussagen von bekannten Gelehrten wiedergeben. Des Weiteren möchte ich einen kurzen Überblick über den Platz der Frauen in den biographischen Werken, den ihnen die Gelehrten beigemessen haben beschreiben. Da die Ḥadīṯwissenschaft hinsichtlich der weiblichen Ḥadīṯtradierung vor allem im achten/vierzehnten und neunten/fünfzehnten Jahrhundert ihre Blütezeit erlebte, möchte ich im zweiten Teil die Wiederbelebung der Ḥadīṯwissenschaft auffassen bevor ich zur mamlukischen Periode übergehe. Um Zaynab bint al-Kamāl‘s Karriere besser nachzuvollziehen werde ich die sozialen Strukturen, die in der mamlukischen Periode herrschten und die Karriere von Zaynab maßgeblich beeinflusst haben, analysieren. Darauffolgend werde ich die Art und Weise der Bildung der Frauen und ihre Rolle in der Verbreitung von Wissen aufführen. Damit auch die Terminologie in der Ḥadīṯwissenschaft verständlich wird möchte ich die Methoden der Überlieferung, die vor allem in der mamlukischen Zeit verwendet wurden, darstellen. Der zweite Teil meiner Arbeit wird sich mit Zaynab bint al-Kamāl selbst befassen. Nach einer Schilderung ihrer Biographie und ihrer Karriere als mu ḥ addi ṯā t möchte ich auf ihre Unterrichtssitzungen und ihre weiblichen und männlichen Studenten eingehen. Des Weiteren werde ich die von ihr überlieferten Sammlungen erwähnen und mit ihrem Tod den Teil meiner Arbeit abschließen. Zum Schluss möchte ich einen Überblick der vorliegenden Arbeit verschaffen und den ‚ Beitrag der Frauen zum Tradierungswesen in der Ḥ ad īṯ wissenschaft am Beispiel von Zaynab al-Kam ā l ‘ reflektieren.

2. Begründung für Themenauswahl

Aufmerksam wurde ich auf das Thema ‚Beitrag der Frauen im Tradierungswesen in der Ḥadīṯwissenschaft‘ durch ein Seminar im Fach der Ḥadīṯwissenschaften. Im Prinzip sind einige Frauen aus den ersten zwei Generationen für ihre großen Beiträge zur Ḥadīṯwissenschaft bekannt. Doch wie sieht es mit den Leistungen der Frauen in den späteren Generationen aus? Wenngleich diese Frauen keinen hohen Bekanntheitsgrad haben, suggeriert dies noch lange nicht, dass sie wenig zu den islamischen Wissenschaften beigetragen haben, im Gegenteil. Nach wenigen Recherchen habe ich festgestellt, dass es durchaus viele Gelehrtinnen gab, wenn auch die Anzahl der Männer weitaus höher ist, die in beinahe jeder Epoche mit ihren Bemühungen hervorragten. Bedenkt man die vorgeschriebene Einhaltung der Geschlechterbarrieren im Islam, so entstehen einige Fragen hinsichtlich der Interaktion zwischen Mann und Frau beim Erwerben und Erlernen des religiösen Wissens. Diese und andere Fragen machten mich sehr neugierig, worauf ich mich dafür entschied meine Arbeit diesem Thema zu widmen und den Beitrag der Frauen im Tradierungswesen der Ḥadīṯwissenschaft am Beispiel von Zaynab al-Kamāl zu analysieren. Weshalb ich ausgerechnet Zaynab bint al-Kamāl von den zahlreichen anderen mu ḥ addi ṯā t auserwählt habe, liegt zum einen darin, dass sie in einer Zeit lebte, die ihren Höhepunkt hinsichtlich der weiblichen Ḥadīṯtradierung erlebte und desweitern, weil Zaynab mich durch ihre zahlreichen Lehrdiplome (i ğā zas) und ihrer sehr frühen Karriere beeindruckt hat. Leider ist kaum deutsche Literatur über den Beitrag der Frauen zum Tradierungswesen in der Ḥadīṯwissenschaft auffindbar obwohl muslimische Frauen im heutigen Alltag mit den Vorwürfen der Unterdrückung zu kämpfen haben und gerade dieses Thema ein gutes Beispiel dafür ist, um zu zeigen, wie intellektuell muslimische Frauen in der früheren Zeit waren und dass sie keineswegs davon gehindert wurden eine gute Bildung zu genießen.

3. Überblick: Frauen in der Wissenschaft

3.1. Gelehrsamkeit der muslimischen Frauen

Im Verlauf der islamischen Geschichte haben sich Frauen mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen beschäftigt und bedeutsame Beiträge zu verschiedenen Fachgebieten geleistet. So fungierten sie als Gelehrtinnen ihrer Zeit auf derselben Ebene mit Männern und wurden als religiöse Autoritäten in der Gemeinschaft respektiert. Es war üblich, dass auch männliche Gelehrte von ihrem Wissen profitierten und keineswegs sich davor hemmten sich von einer Frau belehren zu lassen.7 Das bekannteste Beispiel hierfür stellt zweifellos die Prophetengattin ʿĀʾiša bt. Abī Bakr (57/677) dar, ʿĀʾiša überlieferte nicht nur Ḥadīṯ, sie war ebenso als Koranexegetin und Rechtsgelehrtin tätig, darüber hinaus verfügte sie über ein breites Wissensspektrum in Bereichen wie Genealogie, Geschichte und Medizin.8 Nicht verwunderlich ist daher die Bewunderung für ʿĀʾiša des bekannten mekkanischen Gelehrten ʿAṭāʾ b. Abī Rabāḥ, der sie mit den

Worten: „ ʿĀʾiša ist die Gelehrteste unter den Menschen “ ehrte.9 Man kann in allen Bereichen der islamischen Wissenschaft auf Frauennamen zustoßen, bekannt ist beispielsweise im Bereich der systematischen Theologie (kal ā m), al-Sayyidah Sārah bint al-Šaiḫ ʿUmar b. Aḥmad b. ʿUmar al-Maqdisī , welche über das Buch Š ar ḥ Ma ḏā hib ahl al-sunnah wa ma ʿ rifat šar ā i ʿ al-d ī n von Ibn Šahīn dozierte.10 Im Gebiet der islamischen Jurisprudenz (fiqh) begegnet man unter anderem auf die große šāfʿītische Rechtsgelehrtin Amat al-Wāḥid bint al-Ḥusayn b. Ismāʿīl al- Maḥāmili (377/987). Sie war eine Expertin in Erbschaftsregelungen, des Weiteren wird berichtet, dass sie gemeinsam mit einem männlichen Mufti rechtliche Gutachten zu erstellen pflegte.11 Eine weitere wichtige Rechtsgelehrtin stellt Fāṭimah bint Abbas b. Abi l-Fath al-Baġdādiyyah al-Ḥanbaliyyah (714/1314) dar, die selbst von dem berühmten Theologen Ibn Taimīya aufgrund ihres Intellektuelles bewundert wurde.12 Ferner beschreibt sie der bekannte Gelehrte Ibn Rağab al- Ḥanbalī als die ‚Einzigartigste ihrer Zeit‘.13 Selbst in der Sprachwissenschaft sind Expertinnen wie Ṣāfiyyah bint al-Murtaḍā b. al-Murtaḍḍal (771/ 1369) auffindbar, welche im Bereich der Linguistik eine ganze Reihe von Büchern verfasst hat.14 Die aufgeführten Beispiele stellen nur eine Andeutung auf den sehr wichtigen Beitrag der Frauen als Gelehrtinnen in der islammischen Welt dar. Bevor im folgenden Abschnitt die Rolle der Frauen in der Ḥadīṯwissenschaft geschildert wird, sollte angemerkt werden, dass die Ḥadīṯwissenschaft die einzige zugleich auch die wichtigste Wissenschaft im Islam darstellt, in der Frauen eine weitaus hervorragende Rolle eingenommen haben.15 Inwiefern Frauen allgemein einen Einfluss auf die Ḥadīṯwissenschaft hatten wird im Folgenden beschrieben.

3.2. Einführung: Frauen in der Ḥadīṯwissenschaft

„ Ein Viertel unserer Religion h ä ngt von den Ü berlieferungen der Frauen ab. W ü rde es sie nicht geben, w ü rden wir eine Viertel unserer Religion verlieren “ .

Diese Aussage des bekannten Gelehrten al- Ḥākim al-Nisābūrī (933/1014) macht auf die enormen Leistungen der Frauen im Bereich der Ḥadīṯwissenschaft aufmerksam. Neben al-Nisābūrī haben zahlreiche andere Gelehrte die Frauen in der Rolle als mu ḥ addi ṯā t gelobt. Die Gelehrten sind sich darüber einig, dass es kein Unterschied zwischen der Überlieferung eines Mannes und der Überlieferung einer Frau besteht und dass beide Geschlechter dieselben Rechte in der Ḥadīṯwissenschaft besitzen.16 Der Beweis für die Rechtmäßigkeit des Empfangens und des Übertragens eines Ḥadīṯ beruht unter anderem auf die Pflicht aller Muslime, ihre Religion zu kennen und sie in die Tat umzusetzen: weder Männer noch Frauen sind von dieser Pflicht befreit bzw. ausgeschlossen.17 Auch, dass Frauen unter den früheren Gläubigen an der Sammlung des Korans aktiv teilgenommen haben stellt ein Indiz dafür dar, dass Frauen das Recht besitzen ʾAḥadīṯ zu erwerben und zu übermitteln.18 War ein Ḥadīṯ von einer Frau überliefert wurden, so stellte dies keinesfalls einen Grund zur Ablehnung dar. Ibn aṣ-Ṣalāḥ (643/1245), ein Experte in den Ḥadīṯwisseschaften, schreibt in seinem Werk, worin er die Eigenschaften jener beschreibt, wessen Überlieferungen akzeptiert werden und wessen nicht, unterscheidet keineswegs zwischen der Ḥadīṯüberlieferung einer Frau und der Ḥadīṯüberlieferung eines Mannes.19 So bestätigt auch Muḥammad al-Šawkānī (647/1250), dass ein Ḥadīṯ noch nie mit der Begründung abgelehnt wurde, dass es von einer Frau überliefert worden ist.20 Dass die Überlieferungen von Frauen sogar als zuverlässiger gelten als die der Männer, lässt sich unter anderem an den folgenden Aussagen bekannter Gelehrten bestätigen. Während eine große Anzahl von männlichen Ḥadīṯüberlieferer der ungenauen und einige sogar der Fälschung von ʾAḥādīṯ beschuldigt wurden, wurde keine Frau jemals von derartigen Ungerechtigkeiten und Schwächen angeklagt.21 Im berühmten Werk Tanz ī h a š - Š ar īʿ ah al-Marf ūʿ ah ʿ an al- ʾ A ḥ ad īṯ al-Maw ḍūʿ ah worin Ibn ʿArrāq al-Kinānī (963/1556) die Namen von hunderten Ḥadīṯfälschern auflistet, taucht auf der Liste kein einziges Mal ein Frauenname auf.22 So kommentiert auch der Gelehrte aḏ- Ḏahabī (748/1348) in seinem berühmten Werk M ī z ā n al- ʿ Itid ā l f ī Naqd ar-Ri ğā l, worin er sich mit der Ḥadīṯkritik und der biographischen Darstellung der Überlieferer befasst, dass ihm keine Frau bekannt ist, die als Lügnerin eingestuft oder dessen Überlieferung abgelehnt wurde.23 Inwiefern ein Ḥadīṯ als zuverlässig gelten kann, basiert auf die persönlichen Qualitäten der Überlieferer, ganz gleich ob männlich oder weiblich und sowohl auch auf die Relation zwischen den Überlieferern in der Überlieferungskette.24 Dabei gibt es Überlieferungsketten die vor anderen bevorzugt werden, beispielsweise gehören jene, die auf die Prophetengattin ʿĀʾiša bint Abī Bakr zurückzuführen sind zu den besten Überlieferungsketten. Dies lässt sich anhand der folgenden Aussage: “ʿĀʾ i š a ist eine zuverl ä ssige goldene Ü berlieferungskette “ überliefert von Yaḥya ibn Maʿīn (233/847), bestätigen.25 Der Gelehrte Ibn Rušayq al-Mālikī (632/1234) behandelte die Zuverlässigkeit von Überlieferungen, die von einem einzigen Überlieferer stammen. Die Liste, worin er die zuverlässigsten Überlieferer erwähnt, wird in erster Linie von drei folgenden Prophetengattinnen, ʿĀʾiša (57/676), Ḥafṣah (41/661) und Umm Salamah (59/678) geführt, erst danach folgen wichtige Prophetengefährten wie Abū Hurayra (59/678), Ibn ʿAbbās (68/687) und viele andere.26 Nichtsdestotrotz gab es auch Gelehrte die das Geschlecht als Kriterium für die Beurteilung der Rechtsgültigkeit eines Ḥadīṯ betrachteten. Das beste Beispiel hierfür stellt der Ḥadīṯ von Fāṭimah bint al-Qays dar, welches über ihren Scheidungsfall urteilt. Drei Varianten sprechen von ʿUmar ibn al-Ḥaṭṭāb’s Kritik an Fāṭimah‘s Ḥadīṯ. Die vierte Kritik behauptet die geschlechtsspezifische Ablehnung durch Marwān ibn al-Ḥakam, dem damaligen Stadtgouverneur Medinas.27 Der Ḥadīṯ von Fāṭimah wurde von verschiedenen Rechtsgelehrten aus verschiedenen Regionen im Ganzen oder auch teilweise abgelehnt. Nicht jeder von ihnen erwähnt jedoch das Geschlecht Fāṭimah‘s als Grund für die Ablehnung ihrer Überlieferung.28 Letztendlich zeigt dies eindeutig, so Sayeed, dass das Geschlecht in der frühesten Periode der islamischen Geschichte in der Tat ein Faktor für die Beurteilung der Rechtsgültigkeit eines Ḥadīṯ sein konnte.29

3.3 Frauen in biographischen Werken

Die islamische Kultur hat ein einzigartiges literarisches Genre von Werken hervorgebracht, welches ganz oder überwiegend aus vielen einzelnen Biographien besteht. Diese Biographien enthalten berühmte und wichtige Persönlichkeiten einer bestimmten Epoche oder eines bestimmten Gebietes. Hauptsächlich wurden sie von männlichen Autoren verfasst.30 Des Weiteren stellen jene Biographien eine einmalige Quelle für die quantitative und vergleichende Analyse der Rollen von Frauen in der islamischen Gesellschaft und Kultur im Laufe der Jahrhunderte dar. Einige Kompilatoren der biographischen Lexika platzierten die Biographien der Frauen in einem separaten Abschnitt, welches sich hauptsächlich am Ende des Werkes befand.31 Manche Autoren dagegen betrachteten Frauen nicht einmal als gut genug, um ihnen überhaupt einen biographischen Eintrag in ihren Sammlungen zu widmen.32 Daher existieren zahlreiche Werke, wo Frauen gar keine Erwähnung finden. In den klassischen biographischen Lexika waren, von weniger als ein Prozent bis zu dreiundzwanzig Prozent der Einträge für Frauen.33 Dies variierte nach Belieben der Autoren, einige von ihnen schätzten die Bemühungen und Persönlichkeiten der Frauen während andere sie vollkommen ignorierten. Der bekannte Gelehrte Ibn Ḥaǧar al-ʿAsqalānī beispielsweise gehörte zu jenen Gelehrten, die i ğā zas von Frauen erhielten und selber iğāzas an ihre eigenen Studentinnen übergaben. Ibn Ḥaǧar listet in seinem Werk ad-Dur ā r al-k ā mina f ī ʾ a ʿ y ā n al-mi ʾ a a ṯ - ṯā mina die Biographie von 198 Frauen auf. Auch Ad-Ḏahabī (748/ 1347), der einen besonders großen Wert darauf lag, auf seinen Reisen auf Frauen zu begegnen um von ihnen Wissen zu erlangen,34 erwähnt in seinem Biographiewerk Siyar ʾ a ʿ l ā m al-nubul āʾ die Biographie von seinen dreiundneunzig Gelehrtinnen. Das Werk A ḍ - Ḍ aw al-L ā mi ʿ li ahl al-Qarn at-T ā si ʿ von Šawkānī weist die Biographie von 1075 weiblichen Persönlichkeiten auf.35 Man kann durchaus behaupten, dass die mu ḥ addi ṯā t ihren Bekanntheitsgrad diesen Werken zu verdanken haben.

4. Frauen und Ḥadīṯ in der mamlukischen Periode

4.1 Wiederbelebung der Ḥadīṯwissenschaft

Insbesondere in den ersten zwei Jahrhunderten haben muslimische Frauen einen bedeutsamen Beitrag zur Ḥadīṯwissenschaft geleistet. Viele der Überlieferungen von Frauen aus jener Periode wurden in den großen Ḥadīṯsammlungen aufgenommen. Allein ʿĀʾiša bint Abū Bakr hat 2,210 ʾAḥadīṯ überliefert, wovon sich 287 ʾAḥadīṯ in den Ḥadīṯsammlungen von Buḥarῑ und Muslim befinden.36

[...]


1 Ibn Majah: Sunan Ibn Mâjah, Nr.224.

2 Vgl. Goldziher: Mohammedanische Studien (2004), S.405.

3 Vgl. Eren, Mehmet: Kadınların Hadis ilmine katkıları (2003), S.98.

4 Vgl. ebenda, S.101.

5 Vgl. Sayeed: Women and the Transmission of Religious Knowledge in Islam (2013), S.163.

6 Vgl. Eren: Kadınların hadis ilmine katkıları (2003), S.101.

7 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: Notes for a talk on the women scholars in Islam (2009), S4.

8 Vgl. Hatipoğlu: Anfänge der innerislamischen Ḥadīṯkritik, S.85.

9 Vgl. ebenda.

10 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: Notes for a talk on the women scholars in Islam (2009), S.4.

11 Vgl. ebenda.

12 Vgl. Berkey: The transmission of knowledge in medieval Cairo (1992), S.174.

13 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: Notes for a talk on the women scholars in Islam (2009), S4.

14 Vgl. ebenda.

15 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: The women scholars in Islam (2007), S.16.

16 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: The women scholars in Islam (2007), S.22.

17 Vgl. ebenda.

18 Vgl. Ruth: Women in Islamic biographical collections (1994), S.78.

19 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: The women scholars in Islam (2007), S.24

20 Vgl. ebenda, S.27.

21 Vgl. Khalifa: Female Transmission of Hadith in the Mamluk Period (2014), S.60.

22 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: The women scholars in Islam (2007), S.24.

23 Vgl. ebenda.

24 Vgl. Khalifa: Female Transmission of Hadith in the Mamluk Period (2014), S.60.

25 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: The women scholars in Islam (2007), S.24.

26 Vgl. Khalifa: Female Transmission of Hadith in the Mamluk Period (2014), S.59.

27 Vgl. Sayeed: Gender and legal authority (2009), S.24.

28 Vgl. ebenda, S.131.

29 Vgl. ebenda. S.125.

30 Vgl. Rut: Women in Islamic biographical collections (1994), S.7.

31 Vgl. ebenda, S.6.

32 Vgl. ebenda.

33 Vgl. ebenda, S.2

34 Vgl. Eren, Mehmet: Kadınların Hadis ilmine katkıları (2003), S.96.

35 Vgl. Rut: Women in Islamic biographical collections (1994), S.3.

36 Vgl. Nadwi: Al-Muḥaddithāt: The women scholars in Islam (2007), S.248.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Beitrag der Frauen zum Tradierungswesen der Hadithwissenschaft in der mamlukischen Periode am Beispiel von Zaynab bint al-Kamal
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Kultur und Sprachen des Islam)
Veranstaltung
-
Note
1,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
36
Katalognummer
V378883
ISBN (eBook)
9783668560017
ISBN (Buch)
9783668560024
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
islam, frauen, hadith, hadithwissenschaft, zaynabbintalkamal, mamluken, mamlukische Periode, hadithüberlieferung, rolle der frauen in der wissenschaft, ibnhagar, alkamal, methoden der überlieferung, biographie zaynab bint al kamal, muslimische gelehrtinnen, überlieferungsmethoden, rigalwerke, igaza, bildung, muslima, theologie
Arbeit zitieren
Zeynep Yilmaz (Autor), 2017, Beitrag der Frauen zum Tradierungswesen der Hadithwissenschaft in der mamlukischen Periode am Beispiel von Zaynab bint al-Kamal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378883

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