Beeinflussung von parasozialer Interaktion und Beziehung durch „perceived Realism“ und Fiktionalität von Medienakteuren


Hausarbeit, 2017
13 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Parasoziale Interaktion und Beziehung
2.1. Unterschiede zu realen Beziehungen
2.2 Messungen von parasozialen Phänomenen

3. Perceived Media Realism

4. Einfluss der Realitätsnähe auf Parasoziale Beziehungen
4.1.Realitätsfaktoren anhand der Medienpersona

5. Parasoziale Beziehungen zu Fiktionalen Mediencharakteren

6. Fazit

Quellen und Literatur

1. Einleitung

„ Extending the para-social relationship […], sometimes even to puppets antropomorphically transformed into ‘personalities’ ” (Horton & Wohl 1956 [reprint 2006]: 2). So schreiben Horton und Wohl in ihrem Text, welcher parasoziale Interaktionen und Beziehung folgendermaßen konzeptualisiert: Parasoziale Interaktionen sind einseitige Beziehungen, welche Mediennutzer zu einem Medienakteur, der sogenannten Persona eingehen. Dies geschieht dadurch, dass die Persona, durch verschiedene Mittel wie z. B. direkten Blickkontakt oder Ansprache, den Eindruck vermittelt im Kontakt mit dem Publikum zu stehen. Unterschiedliche Faktoren tragen dazu bei, wie stark die Beziehung zwischen Mediennutzer und Medienakteur ausfällt, darunter z.B.: die Attraktivität, das Geschlecht oder die Beliebtheit des Medienakteurs (Eyal & Cohen 2006/ Hartmann 2010). Seitens des Mediennutzers gibt es verschiedene ausschlaggebende Faktoren, welche zu mehr oder weniger stark ausgeprägten PSB führen, z.B. das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, oder Erfahrungen, welche die Rezipienten im Kindesalter gemacht haben (Liebers & Schramm 2016: 70/ Tsay & Bodine 2012). Im Verlauf dieser Arbeit wird zunächst genauer darauf eingegangen, was parasoziale Beziehungen ausmacht und wie sie sich von realen oder face to face Beziehungen unterscheiden, sowie die Schwierigkeiten bei der Messung und Einordnung derselben. Andere parasoziale Phänomene wie z.B. parasoziale Trennungen, parasoziale Bedürfnisbefriedigung im Sinne des Uses & Gratification Ansatzes oder die Unterschiede zwischen parasozialer Interaktion und Identifikation mit Mediencharakteren werden in dieser Arbeit am Rande erwähnt.

Des Weiteren wird untersucht, wie Realitätsnähe gemessen werden kann. Unter dem Stichwort „Perceived Realism“ finden sich viele Forschungsergebnisse, die Beschreiben, welche Wirkung die wahrgenommene Realität auf Medieneffekte hat (Hall 2009: 423), um im Anschluss zu schauen, ob sich Forschungsergebnisse finden, welche darauf schließen lassen, ob die wahrgenommene Realität beim Mediennutzer Auswirkungen auf die parasoziale Interaktion und/ oder Beziehung hat.

Viele neuere Studien zu parasozialen Phänomenen beschäftigen sich mit fiktionalen oder non-fiktionalen Mediencharakteren (vgl. Liebers & Schramm 2016: 67), weshalb in dieser Arbeit auch auf diese Bezug genommen wird, ), sowie auf verschiedene Studien zu parasozialen Beziehungen mit (animierten) Computerspielfiguren und Avataren. (Hartmann, Klimmt & Vorderer 2001).

In einem Forschungsüberblick sollen die Ergebnisse der PSB hinsichtlich des Kriteriums Realitätsnähe überprüft werden, und anschließend geschaut werden, ob die realitätsnahe Darstellung eines Medienakteurs zu einer stärkeren oder schwächeren parasozialen Beziehung führt. Auch anhand des Medienakteurs kann man etwas über die Realitätsähnlichkeit sagen, z.B. ist die Persona eine real existierender Charakter, ist die Persona animiert (Zeichentrick, Computer), in welcher Welt lebt die Medienperson, wie ist ihr Charakter gezeichnet.

2. Parasoziale Interaktion und Beziehung

Der Begriff der parasozialen Interaktion und Beziehung wurde zuerst von Donald Horton und Richard Wohl konzeptualisiert (Horton & Wohl 1956). Hierbei handelt es sich um Interaktionen, welche Menschen mit Medienakteuren in Radio, Fernsehen und Filmen eingehen. Die Medienpersona mit der eine Interaktion stattfindet, kann sowohl eine Serien oder Filmrolle, ein Politiker ein Schauspieler oder anderes Idol sein (Horton & Wohl 2006: 2). Aber auch Zeichentrickcharaktere oder seit dem es das World Wide Web gibt auch Avatare oder animierte Figuren von Internetseiten können eine Reaktion im Sinne einer parasozialen Interaktion oder Beziehung hervorrufen, und bieten den Zuschauern die Möglichkeit auf ihr Handeln zu reagieren (Hartmann, Klimmt & Vorderer 2001).

Bei parasozialer Interaktion/ Beziehung ergibt sich eine „…scheinbare face- to- face Beziehung zwischen Zuschauer und Schauspieler“ (Horton & Wohl [reprint] 2006: 1). Sie zeichnet sich durch Einseitigkeit aus dahingehend, dass der Mediennutzer, sowohl emotional als auch kognitiv auf die Persona reagiert (Cohen 2009/ Giles 2002), allerdings keine direkte Reaktion von Seiten der Persona folgen kann. Dieses ursprüngliche Konzept von parasozialer Interaktion, welches Horton und Wohl mit parasozialen Beziehungen gleich setzen (2006: 1), wurde in unterschiedlichen Kontexten und mit unterschiedlichen Definitionen verwendet (Liebers Schramm 2016/ Hartmann 2010). Zudem gibt es klare Unterschiede zu Realen Beziehungen. Unklarheiten in der Forschung, gibt es vor allem bei der Trennung zwischen Interaktion und Beziehung. So bietet z.B. Hartmann (2010) die Erklärung, dass die Summe aller einzelnen parasozialen Interaktionen, die parasoziale Beziehung ausmachen auch Gleich (1997) bietet eine ähnliche Lösung für die Unterscheidung zwischen parasozialen Interaktionen und Beziehungen. Eine weitere Einordnung von parasozialen Interaktionen findet innerhalb des Uses & Gratification Ansatzes statt (Nabi et al. 2006/ Dibble, Hartmann & Rosaen 2016). Hierbei wird davon ausgegangen, dass soziale Beziehungen und soziales Verhalten Grundbedürfnisse von Menschen sind und man daher parasozial mit Mediencharakteren interagiert um dieses Bedürfnis zu befriedigen. Man könnte dem jedoch entgegenhalten, dass Menschen, welche sich einsam fühlen, nicht unbedingt dazu neigen, stärkere parasoziale Bindungen einzugehen. (Hartmann 2010/ Nabi et al. 2006)

Parasoziale Beziehungen können sowohl freund- als auch feindschaftlich sein (Liebers & Schramm 2016: 73).Weitere parasoziale Phänomene sind z.B. parasoziale Trennungen. Hierbei empfindet der Mediennutzer echten Trennungsschmerz, wenn z.B. eine Serie die der Nutzer geschaut hat, abgesetzt wird (z.B. Eyal & Cohen 2006). Parasoziale Romanzen sind Beziehungen, welche über eine Freundschaft hinausgehen und eine erotische und/oder romantische Seite beinhalten (vgl. Liebers & Schramm 2016: 74).

2.1. Unterschiede zu realen Beziehungen

Parasoziale und reale Beziehungen weisen ähnliche psychologische Beziehungsmuster auf (vgl. z.B. Giles 2002/ Hartmann et al. 2016). Allerdings werden ausgelöste Emotionen durch parasoziale Interaktionen nicht so stark empfunden wie die Interaktionen mit guten Freunden. Die empfundene Freundschaft aus einer parasozialen Beziehung kann jedoch stärker sein als die zu einem guten Nachbar (Giles 2002: 284/ Gleich 1996).

Ein entscheidender Unterschied zu realen Beziehungen ist wie schon in Abschnitt zwei erwähnt, die Einseitigkeit von parasozialen Interaktion (Horton und Wohl 2006: 1/ Cohen 2009). Der Nutzer hat keinerlei Verantwortung der Persona gegenüber, er kann sich jederzeit aus der Beziehung zurückziehen. Allerdings kontrolliert der Medienakteur die Beziehung: dieser bestimmt nämlich den Beziehungsverlauf durch sein Handeln ohne, dass der Nutzer mit seinem Verhalten einen direkten Einfluss auf dieses nehmen könnte. Die einzige Möglichkeit für den Nutzer ist es die Beziehung komplett zu beenden. (Horton & Wohl reprint 2006: 1/ Horton & Strauss 1957: 579f.).

2.2 Messungen von parasozialen Phänomenen

Zur Messung von parasozialen Interaktionen und Beziehungen gibt es in der Forschung viele verschiedene Ansätze, wodurch das Problem entsteht, dass in verschiedenen Studien zu parasozialen Interaktionen und Beziehungen auch unterschiedliche Definitionen für die Begrifflichkeiten entstehen (Hartmann 2010/ Liebers & Schramm 2016: 69). Des Weiteren kommen bei der Messung von parasozialen Phänomenen unterschiedliche Instrumente zum Einsatz. Die am häufigsten verwendete ist die „Prasasocial Interaction Scale“ (PSI- Scale) von Rubin et al. (1985) und in der neueren Forschung die von Hartmann und Goldhoorn (2011) erstellte „Experience of Parasocial Interaction Scale“ (EPSI- Scale). Letztere wurde entwickelt, da die Skala von Rubin nicht genau das Konzept parasozialer Interaktion im Sinne von Horton und Wohl abgefragt hat (Dibble, Hartmann & Rosean 2016: 27). Keine der beiden meistgenutzten Skalen weist Items auf, welches auch gleichzeitig nach der wahrgenommenen Realität fragt (vgl. Rubin 1985/ Hartmann & Golhoorn 2011 ), weshalb es schwierig ist, zu überprüfen ob die wahrgenommene Realität der Persona einen Einfluss auf die parasoziale Interaktion/ Beziehung hat.

Um die Frage zu beantworten muss zunächst beantwortet werden, wie man Realitätsnähe Messen kann. Dies geschieht in der Forschung zu Medieneffekten meistens durch Skalen und Messinstrumente, welche die empfundene Realität beim Nutzer abfragen. Allerdings lässt sich nicht viel darüber sagen, inwiefern diese Wahrnehmung eine Rolle auf parasoziale Phänomene spielt.

Auch wenn in der Forschung zu parasozialer Interaktion und Beziehung zahlreiche Studien zum Vergleich zwischen fiktionalen und non-fiktionalen Charakteren vorliegen (Liebers & Schramm 2016: 69), so gibt es nur wenige Studien, welche innerhalb der non- fiktionalen Unterscheidungen bezüglich der Stärke der Fiktionalität treffen (Hartmann, Klimmt & Vorderer 2001/ Giles 2002/ vgl. Liebers & Schramm 2016).

3. Perceived Media Realism

Realitätsnähe lässt sich sowohl aus Zuschauersicht, als auch anhand von Merkmalen der Persona feststellen so gibt es verschiedene Skalen, welche meistens nachdem Nutzern ein Medieninhalt gezeigt wurde, abfragen wie realistisch dieser empfunden wurde (vgl. Hall 2009: 425). Andererseits kann man auch anhand von Eigenschaften der untersuchten Persona auf Realität schließen (Giles 2002: 294f.).

Die Frage danach, wie realistisch Nutzer den Inhalt von Medienangeboten einschätzen, spielt für viele Medieneffekte eine Rolle. Jedoch finden sich in der Medienwirkungsforschung nicht nur unterschiedliche Ergebnisse in Bezug darauf, welches Verhalten er beeinflusst und verstärkt, sondern auch in der Definition und Messung von wahrgenommener Realität gibt es verschiedene Ansätze (Hall 2009: 423f). Forschungsergebnisse reichen von Ergebnissen die zeigen, dass mehr Realität in Gewaltspielen ein aggressives Verhalten fördert (z.B. Atkin 1983) über eine Wirkung auf das Sexualleben der Nutzer (z.B. Peter & Valkenburg 2006) sowie auf verschiedene andere Effekte, die durch den „perceived Realism“ beeinflusst werden (Hall 2009: 423).

4. Einfluss der Realitätsnähe auf Parasoziale Beziehungen

Betrachtet man den Einfluss von wahrgenommener Realität auf die Stärke von parasozialen Phänomenen, gibt es bislang wenig Forschung (Hartmann 2010). Der Aspekt von Authentizität wird als ein Faktor gesehen, welcher zu einer stärkeren bzw. schwächeren parasozialen Beziehung führen kann. Dieser ist jedoch nicht gleichzusetzen mit Realitätsnähe sondern bezeichnet eher ein sozial intelligentes Verhalten, welches sich daran misst, ob die Persona einen eigenen Willen und logisch denkend handelt (Hartmann 2008: 187f.). Zwei Studien von Hartmann, Klimmt und Vorderer, beschäftigen sich mit parasozialen Beziehung zu Avataren von Internetseiten. In der ersten Studie wurde gemessen, welche Avatare bekannt sind, und wie attraktiv diese eingeschätzt werden. Auf zwei Beziehungsdimensionen wurde mit verschiedenen Items gemessen, wie weit eine parasoziale Beziehung zu den animierten Figuren stattfindet. Hierbei kam heraus, dass Personen welche die sozialen Aspekte und das Verhalten des Avatars in den Vordergrund stellten, ohne Probleme mit der Künstlichkeit des Charakters, eine parasoziale Beziehung aufbauen konnten. Probanden, welche eher auf die ästhetischen und gestalterischen Aspekte des Avatars schauten, hatten hingegen Probleme eine parasoziale Beziehung aufzubauen (Hartmann, Klimmt & Vorderer 2001: 356ff), wenngleich es durchaus Ansätze von parasozialen Beziehungen zu den Avataren gibt. Eine weitere Studie zu Avataren beschäftigt sich mit dem Avatar von Lara Croft aus der Videospielreihe Tomb Raider. Probanden wurden zu Ihrer Beziehung zu dem Avatar befragt und sollten in einem weiteren Teil ihre Lieblings TV Figur, und ihre Beziehung zu dieser angeben. Hiermit zielte die Studie auf einen Vergleich zwischen Medienpersona und Avatar ab. Ergebnisse zeigten, dass insgesamt eine stärkere Beziehung zu den TV Figuren stattfand, selbst bei der Subgruppe, welche Zeichentrickfiguren, und damit ähnlich abstrakte Figuren wie den Avatar, als Lieblingsfigur angaben. Eine weitere Studie beschäftigt sich mit dem Unterschied zwischen Reality TV und fiktionalen Programmen (Nabi et al. 2006) Hierbei wird allerdings eher auf Parasoziale Phänomene im Sinne des Uses and Gratification Ansatzes eingegangen. Andere Forschungsarbeiten welche sich mit Zeichentrickserien und wahrgenommener Realität beschäftigen, zielen darauf ab einzuschätzen, ab wann Kinder ein Konzept von Realität besitzen, bzw. was sie in den verschiedenen Phasen der kindlichen Entwicklung unter dieser Verstehen und wie die parasozialen Phänomene die Entwicklung der Kinder beeinflussen (z.B. Hoffner & Cohen 2012).

4.1.Realitätsfaktoren anhand der Medienpersona

Giles (2002) Unterscheide in First-, Second- and Thirdcounter PSI. Firstcounter PSI sind parasoziale Interaktionen welche im ehesten im Sinne von Horton und Wohl sind, also mit Medienpersona wie z.B. Moderatoren und Nachrichtensprecher, welche zwar nur einseitig kommunizieren, zu denen aber zumindest theoretisch eine reale Beziehung möglich wäre. Secondcounter sind Mediencharaktere aus Serien, also nur fiktionale Charakter, hinter denen allerdings ein echter Schauspieler steht, es ist also zumindest eine face to face Interaktion mit dem Schauspieler hinter der Rolle denkbar. Thirdcounter PSI sind hingegen ausschließlich und unumgänglich Parasozial. Hierzu gehören z.B. Cartoonfiguren oder die im vorangegangenen beschriebenen parasozialen Beziehungen zu Avataren. Wobei sich ein Großteil der Forschung zu parasozialen Beziehungen und Interaktionen auf Firstcounter PSI bezieht, soll im Folgenden auf die Ergebnisse zu Second und Thirdcounter PSI eingegangen werden. (Giles 2002: 294f.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Beeinflussung von parasozialer Interaktion und Beziehung durch „perceived Realism“ und Fiktionalität von Medienakteuren
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V378898
ISBN (eBook)
9783668577749
ISBN (Buch)
9783668577756
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beeinflussung, interaktion, beziehung, realism, fiktionalität, medienakteuren
Arbeit zitieren
Johannes Hammar (Autor), 2017, Beeinflussung von parasozialer Interaktion und Beziehung durch „perceived Realism“ und Fiktionalität von Medienakteuren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378898

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