Parasoziale Interaktionen sind einseitige Beziehungen, welche Mediennutzer zu einem Medienakteur, der sogenannten Persona, eingehen. Dies geschieht dadurch, dass die Persona durch verschiedene Mittel, wie z. B. direkten Blickkontakt oder Ansprache, den Eindruck vermittelt, im Kontakt mit dem Publikum zu stehen. Seitens des Mediennutzers gibt es verschiedene ausschlaggebende Faktoren, welche zu mehr oder weniger stark ausgeprägten PSB führen, z.B. das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, oder Erfahrungen, welche die Rezipienten im Kindesalter gemacht haben.
Im Verlauf dieser Arbeit wird zunächst genauer darauf eingegangen, was parasoziale Beziehungen ausmacht und wie sie sich von realen oder face to face Beziehungen unterscheiden, sowie die Schwierigkeiten bei der Messung und Einordnung derselben.
Des Weiteren wird untersucht, wie Realitätsnähe gemessen werden kann. Unter dem Stichwort „Perceived Realism“ finden sich viele Forschungsergebnisse, die Beschreiben, welche Wirkung die wahrgenommene Realität auf Medieneffekte hat, um im Anschluss zu schauen, ob sich Forschungsergebnisse finden, welche darauf schließen lassen, ob die wahrgenommene Realität beim Mediennutzer Auswirkungen auf die parasoziale Interaktion und/ oder Beziehung hat.
Viele neuere Studien zu parasozialen Phänomenen beschäftigen sich mit fiktionalen oder non-fiktionalen Mediencharakteren, weshalb in dieser Arbeit auch auf diese Bezug genommen wird, sowie auf verschiedene Studien zu parasozialen Beziehungen mit (animierten) Computerspielfiguren und Avataren.
In einem Forschungsüberblick sollen die Ergebnisse der PSB hinsichtlich des Kriteriums Realitätsnähe überprüft werden, und anschließend geschaut werden, ob die realitätsnahe Darstellung eines Medienakteurs zu einer stärkeren oder schwächeren parasozialen Beziehung führt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1. Unterschiede zu realen Beziehungen
2.2 Messungen von parasozialen Phänomenen
2. Perceived Media Realism
4. Einfluss der Realitätsnähe auf Parasoziale Beziehungen
4.1.Realitätsfaktoren anhand der Medienpersona
5. Parasoziale Beziehungen zu Fiktionalen Mediencharakteren
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von wahrgenommener Realität („perceived realism“) und der Fiktionalität von Medienakteuren auf die Entstehung und Intensität von parasozialen Interaktionen und Beziehungen. Dabei wird analysiert, ob realitätsnahe Darstellungen zu einer stärkeren Bindung des Mediennutzers an die Persona führen und welche methodischen Schwierigkeiten bei der Messung dieser Phänomene bestehen.
- Konzeptualisierung von parasozialen Interaktionen und Beziehungen
- Abgrenzung zu realen, face-to-face Beziehungen
- Rolle des „Perceived Media Realism“ als Einflussfaktor
- Messinstrumente und methodische Herausforderungen in der Forschung
- Vergleich zwischen fiktionalen und non-fiktionalen Mediencharakteren
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„ Extending the para-social relationship […], sometimes even to puppets antro pomorphically transformed into ‘personalities’ ” (Horton & Wohl 1956 [reprint 2006]: 2). So schreiben Horton und Wohl in ihrem Text, welcher parasoziale Interak tionen und Beziehung folgendermaßen konzeptualisiert: Parasoziale Interaktionen sind einseitige Beziehungen, welche Mediennutzer zu einem Medienakteur, der so genannten Persona eingehen. Dies geschieht dadurch, dass die Persona, durch ver schiedene Mittel wie z. B. direkten Blickkontakt oder Ansprache, den Eindruck ver mittelt im Kontakt mit dem Publikum zu stehen. Unterschiedliche Faktoren tragen dazu bei, wie stark die Beziehung zwischen Mediennutzer und Medienakteur aus fällt, darunter z.B.: die Attraktivität, das Geschlecht oder die Beliebtheit des Medi enakteurs (Eyal & Cohen 2006/ Hartmann 2010).
Seitens des Mediennutzers gibt es verschiedene ausschlaggebende Faktoren, welche zu mehr oder weniger stark ausge prägten PSB führen, z.B. das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, oder Erfahrungen, wel che die Rezipienten im Kindesalter gemacht haben (Liebers & Schramm 2016: 70/ Tsay & Bodine 2012). Im Verlauf dieser Arbeit wird zunächst genauer darauf einge gangen, was parasoziale Beziehungen ausmacht und wie sie sich von realen oder face to face Beziehungen unterscheiden, sowie die Schwierigkeiten bei der Messung und Einordnung derselben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema der parasozialen Interaktion, Definition der grundlegenden Konzepte und Darstellung der Forschungsrelevanz sowie der Zielsetzung der Arbeit.
2.1. Unterschiede zu realen Beziehungen: Erläuterung der psychologischen Abgrenzung, insbesondere hinsichtlich der Einseitigkeit und fehlenden Verantwortlichkeit bei parasozialen Bindungen.
2.2 Messungen von parasozialen Phänomenen: Überblick über gängige Skalen wie die PSI-Scale und die EPSI-Scale sowie Diskussion der methodischen Schwierigkeiten in der Forschung.
2. Perceived Media Realism: Untersuchung der Bedeutung der wahrgenommenen Realität von Medieninhalten und deren Einfluss auf Medieneffekte aus Zuschauersicht.
4. Einfluss der Realitätsnähe auf Parasoziale Beziehungen: Analyse der Zusammenhänge zwischen Authentizität, Realitätsnähe und der Bindungsstärke zu Medienakteuren wie Avataren.
4.1.Realitätsfaktoren anhand der Medienpersona: Differenzierung von parasozialen Interaktionen in First-, Second- und Thirdcounter PSI nach Giles (2002).
5. Parasoziale Beziehungen zu Fiktionalen Mediencharakteren: Betrachtung aktuellerer Studien, die zeigen, dass fiktionale Charaktere häufig eine stärkere Bindung hervorrufen können als non-fiktionale.
6. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Forschungslage, die auf Schwierigkeiten bei der Definition und Messung hinweist und den Forschungsbedarf betont.
Schlüsselwörter
Parasoziale Interaktion, Parasoziale Beziehung, Perceived Realism, Medienpersona, Mediennutzer, Fiktionalität, Rezipient, Identifikation, Kommunikationswissenschaft, Medienwirkungsforschung, PSI-Scale, Avatare, Mediencharaktere, Realitätsnähe, Authentizität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der publizistikwissenschaftlichen Untersuchung parasozialer Interaktionen und Beziehungen, also der einseitigen sozialen Verbindung zwischen Mediennutzern und Medienfiguren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Fokus stehen die Konzepte der parasozialen Beziehung, die Rolle der wahrgenommenen Realität (Perceived Realism) bei der Rezeption sowie Unterschiede in der Bindungsintensität zu fiktionalen und non-fiktionalen Charakteren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis eines Forschungsüberblicks zu klären, ob eine realitätsnahe Darstellung von Medienakteuren zu einer stärkeren oder schwächeren parasozialen Beziehung führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um einen theoretischen Forschungsüberblick, der verschiedene Fachliteraturquellen, Studien und Definitionen (u.a. von Horton & Wohl, Hartmann, Giles) kritisch zusammenführt und analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der parasozialen Beziehung, die methodischen Probleme ihrer Messung, die Definition von Perceived Media Realism sowie die spezifische Untersuchung des Einflusses von Realitätsnähe auf die Beziehung zu Avataren und fiktionalen Charakteren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Parasoziale Interaktion, Perceived Realism, Medienpersona, Fiktionalität und Medienwirkungsforschung.
Was unterscheidet eine parasoziale Beziehung von einer realen Beziehung laut der Arbeit?
Ein entscheidender Unterschied ist die Einseitigkeit der Interaktion. Der Nutzer trägt keine soziale Verantwortung gegenüber der Persona und kann die Beziehung zwar emotional führen, aber das Verhalten der Persona nicht direkt beeinflussen.
Was versteht man unter „First-, Second- and Thirdcounter PSI“?
Diese Differenzierung nach Giles beschreibt den Grad der Fiktionalität: Firstcounter (z.B. Nachrichtensprecher), Secondcounter (fiktionale Charaktere mit realen Schauspielern dahinter) und Thirdcounter (rein fiktionale Figuren wie Cartoons oder Avatare).
Welches Fazit zieht der Autor zur Messbarkeit parasozialer Phänomene?
Der Autor stellt fest, dass es aufgrund unterschiedlicher Messinstrumente und Definitionen in der Forschung schwierig ist, konsistente Ergebnisse zu erzielen, insbesondere bei der Frage, wie Realitätsnähe die Bindung beeinflusst.
Können auch rein fiktive Figuren echte parasoziale Bindungen auslösen?
Ja, laut der zitierten Forschung können sogar fiktionale oder animierte Charaktere sehr starke parasoziale Bindungen auslösen, teils stärker als reale Personen, wenn die Nutzer soziale Aspekte des Charakters in den Vordergrund stellen.
- Arbeit zitieren
- Johannes Hammar (Autor:in), 2017, Beeinflussung von parasozialer Interaktion und Beziehung durch „perceived Realism“ und Fiktionalität von Medienakteuren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/378898