Lepidus. Der vergessene dritte Mann im Triumvirat


Hausarbeit, 2017
22 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Antonius und Octavian vor Mutina

3. Lepidus` Weg zum Triumvir

4. Der Fall des Lepidus`

5. Fazit

6. Bibliographie
6.1 Quellen
6.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Während beinahe ein jeder schon einmal von dem Schicksal Marcus Antonius`, und durchaus auch von Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, gehört haben sollte, ist Lepidus – abgesehen von Historikern – so gut wie niemandem ein Begriff, und das, obwohl er zusammen mit Antonius und Octavian das Triumvirat als gleichberechtigter Partner schloss und zeitweise über einen Teil des Römischen Reiches herrschte. Zudem wurde er oft sowohl in der antiken und modernen Geschichtsschreibung, als auch in der Literatur als unwichtig dargestellt oder ihm wurden negative Eigenschaften zugeschrieben. Der antike römische Historiker Velleius Paterculus schrieb über Lepidus, dass dieser „windig wie kein anderer und ohne jegliches Verdienst so lange in der Gunst des Schicksals“ gestanden hätte.[1] Hermann Bengtson, ein deutscher Historiker des 20. Jahrhunderts, meinte, dass „von Genialität […] bei ihm nichts zu finden“ gewesen wäre[2] und der bekannte, englische Schriftsteller William Shakespeare ließ in seiner Tragödie Julius Cäsar Antonius über Lepidus sagen: „Dies ist ein schwacher, unbrauchbarer Mensch, zum Botenlaufen nur geschickt. Verdient er, wenn man die dreibenamte Welt verteilt, dass er, als dritter Mann, sein Teil empfange?“[3]

Doch wird ihm das gerecht? Wie kam es dazu, dass ausgerechnet er die Rolle eines Triumvirs übernehmen sollte? War sein Einfluss unter den Dreien tatsächlich so gering? Wer oder was ist dafür verantwortlich, dass er größtenteils so negativ dargestellt wird?

Bevor diese Fragen geklärt werden können, soll eingehend beschrieben werden, wie seine beiden späteren Kollegen im Amt als Triumvirn in die Situation kamen, mit Lepidus ein Bündnis schließen zu wollen. Anschließend soll ausführlich erläutert werden, wie es Lepidus schaffte, einer der wichtigsten Männer der damaligen Zeit zu werden und welchen Ruf er bis dato erlangte. Bevor es zum Fazit geht, sollen im letzten Kapitel des Hauptteils die Jahre als Triumvir beleuchtet werden und wie diese das Bild seiner Person beeinflussten.

2. Antonius und Octavian vor Mutina

An den Iden des März 44 v. Chr. wurde der Dictator perpetuus Caius Iulius Caesar ermordet. Auf der vom damaligen Konsul Marcus Antonius einberufenen Senatssitzung zwei Tage später, beschloss der Senat, dass Caesar – anders als von den abwesenden Mördern gedacht – nicht zum Tyrannen erklärt werden würde, seine Beschlüsse gültig seien und es eine allgemeine Amnestie der Caesarmörder geben würde. Dies bedeutete sowohl, dass die bisherige Ämterverteilung bestätigt wurde, beispielsweise Antonius Konsul blieb, als auch, dass die Festlegung der Statthalter für das Jahr 44 auf der Senatssitzung einen Tag darauf nicht geändert wurden.[4]

Zudem befand sich in den Händen des Antonius` das Testament Caesars. Aus diesem ging überraschenderweise der Großneffe des Verstorbenen, Caius Octavius – der spätere Augustus – als Haupterbe hervor, der außerdem von Caesar in seinem letzten Willen adoptiert wurde. Dies war der Beginn der politischen Einflussnahme des erst achtzehnjährigen Octavius, der sich fortan Caesar nannte. Wegen der besseren Unterscheidung wird er hier allerdings als Octavian bezeichnet werden. Für Antonius war es eine Enttäuschung, er wurde lediglich als Nacherbe aufgezählt.[5]

Bestattet wurde Caesar am 20. März, einen Tag nach der Testamentseröffnung. Schon zuvor war die Stimmung im Volk aufgeheizt, sah man doch, dass Caesar von Personen ermordet wurde, welche er teilweise – wie beispielsweise Decimus Iunius Brutus – sogar in seinem Erbe berücksichtigt hatte. Antonius wusste, wie er die Prozession gestalten musste, um das Volk weiter gegen die Verschwörer aufzubringen. Laut Sueton wurden auf jenem Leichenbegängnis Caesars Kleider, die er im Moment seines Todes trug, gezeigt und Marcus Antonius ließ einen Senatsbeschluss vorlesen, auf welchem alle Senatoren geschworen hatten, Caesars Leben zu schützen. Das Volk zeigte sich berührt und anschließend aufgebracht gegenüber den Caesarmördern. Marcus Iunius Brutus – in Abgrenzung zu Decimus Iunius Brutus fortwährend nur noch „Brutus“ genannt – und Cassius verließen aus Sicherheitsgründen Rom.[6]

Noch 44 v. Chr. ließ sich Antonius durch ein plebiscitum (Volksbeschluß), womit er den Senat umging, für fünf Jahre zum Prokonsul von Gallia Cisalpina und Transalpina wählen. Zudem durfte er die in Makedonien stationierten Legionen nach Gallien überführen. Decimus Brutus sollte stattdessen die Provinz Macedonia erhalten. Als Antonius Decimus nun aufforderte, ihm die Provinz zu übergeben und nach Makedonien zu ziehen, weigerte sich dieser und so wurde er von Antonius belagert. Der Senat erkannte das plebiscitum allerdings nicht an, sondern bestätigte Decimus Brutus in seiner Rolle als Statthalter und beauftragte Octavian zusammen mit den Konsuln des neu angebrochenen Jahres 43, Hirtius und Pansa, gegen Antonius zu ziehen.[7]

Octavian war indessen aus der Provinz Illyricum nach Rom gereist, um das Erbe anzutreten. Rasch schaffte er es, als Rächer für seinen Adoptivvater aufzutreten und einerseits durch Geldgeschenke das Volk auf seine Seite zu ziehen, andererseits gegen Antonius zu hetzen, indem er ihn wegen der allgemeinen Amnestie für die Mörder Caesars verbal angriff.[8]

Auf Anordnung des Senats unterstützte Octavian mit seinen aus Caesars Veteranen bestehenden Legionen die beiden Konsuln und zog Anfang des Jahres 43 gen Mutina, obwohl er Decimus als Caesarmörder eigentlich zu seinen Feinden zählte.[9]

Dort kam es letztendlich zur Schlacht von Mutina, bei der Marcus Antonius geschlagen wurde. Octavian kehrte zusammen mit Decimus, dessen Truppen bei der Schlacht allerdings nicht mitkämpften, als einzige siegreiche überlebende Feldherren nach Rom zurück. Dort wurden jedoch alle Auszeichnungen und Ehrungen Decimus zuteil, Octavian erhielt keine, im Gegenteil. Neben Decimus, der auch einen Triumphzug bekam, erhielten weitere Kontrahenten von ihm neue Befugnisse: Sextus Pompeius, Sohn des G. Pompeius Magnus, erhielt das Oberkommando über die römische Flotte, Brutus die Statthalterschaft über Macedonia, Cassius über Syria.[10]

Octavius sollte sich Decimus unterordnen, seinen Anspruch auf das Konsulat wurde ebenso abgewiesen. Er musste nun erkennen, dass der Senat versuchte, ihn klein zu halten und er sich genötigt fühlte, die Seiten zu wechseln. Passender Umstand war, dass sich Antonius über die Alpen zurückgezogen und sich mit Lepidus vereint hatte. Die beiden verfolgten nun das gleiche Ziel wie Octavian: Die Rache an den Caesarmördern.[11]

Octavian zwang den Senat ihn zum Suffektkonsul zu ernennen und traf sich bei Mutina mit Antonius und Lepidus, nachdem Decimus Brutus auf der Flucht nach Makedonien von einem keltischen Häuptling getötet worden war. Dort handelten sie ein Abkommen aus, welches bald darauf als (zweites) Triumvirat in die Geschichte eingehen sollte.[12]

Doch während geklärt ist, wieso Octavian und Marcus Antonius an dem Treffen teilnahmen, stellt sich nun die Frage nach Lepidus. Wie kam es dazu, dass er der Dritte im Bunde wurde?

3. Lepidus` Weg zum Triumvir

Marcus Aemilius Lepidus wurde 89 oder 88 v. Chr. in Rom geboren. Er entstammte aus einer der nobelsten, ältesten und angesehensten römischen Patrizierfamilien, den Aemilii. Das erkennt man u.a. an den Familiengeschichten zur Herkunft des Namens (Legenden über eine Abstammung von dem antiken, griechischen Philosophen Pythagoras gab es ebenso, wie Verknüpfungen mit der sagenhaften Gründung Roms), wie an dem politischen Einfluss einzelner Familienmitglieder. So war schon 484 v. Chr L. Aemilius Mamercus der erste Konsul der gens Aemilii, 285 hatte M. Aemilius Lepidus als erster des Zweigs der Lepidi innerhalb der gens Aemilia das Konsulat inne.[13]

Vermutlich hörte der spätere Triumvir Lepidus als Kind auch Geschichten über seinen gleichnamigen Urgroßvater, welcher ihm wohl aufgrund seiner politischen Laufbahn als Vorbild dienen musste. Denn er war zweimaliger consul, zudem censor und pontifex maximus, und durfte einen Triumphzug abhalten. Eine beeindruckende Laufbahn, mit der er zu den bedeutendsten Patriziern seiner Zeit gezählt hatte. Lepidus ließ später als t riumvir monetalis Münzen mit dessen Namen und berühmten Taten prägen.[14]

Sein – ebenfalls gleichnamiger – Vater M. Aemilius Lepidus war als propraetor Statthalter der Provinz Sicilia, anschließend im Jahre 78 Konsul, ehe er revoltierte, besiegt wurde und so kurz darauf in Ungnade starb. Den jungen Lepidus, zu diesem Zeitpunkt vermutlich elf oder zwölf Jahre alt, musste der plötzliche Tod seines Vaters geprägt haben. Anders als sein Vater, der den Krieg einer Verständigung vorzog, wird Lepidus gelernt haben, sich mit anderen zu arrangieren.[15]

Die politische Karriere des Lepidus begann als triumvir monetalis 66 v. Chr, dem Amt des Münzmeisters. Um seine Popularität zu steigern, prägte er, wie oben bereits erwähnt, Münzen mit dem Namen und Taten seines berühmten Urgroßvater (M. LEPIDVS). Wenige Jahre später wurde Lepidus pontifex.[16]

Seit 60 oder 59 v. Chr. war Lepidus mit Iunia Secunda, der Halbschwester des Brutus` verheiratet und hatte damit eine Verbindung zu den Iuniern, durch die Ehe sogar enger, als sie sein Vater hatte, unter dem wiederum der Vater von Brutus als Legat diente.[17]

53 v. Chr. war Lepidus aedilis, als das Erste Triumvirat durch den Tod des M. Crassus in Mydonia und den Tod der Frau des G. Pompeius Magnus, die Tochter des C. Caesars war, erschüttert wurde. Da für das kommende Jahr wegen Unruhen immer noch keine Konsuln gewählt werden konnten, und auch im Jahre 53 bis zum Juli keine vorhanden waren, wurde Lepidus zum interrex ernannt, um für die Durchführung der Wahlen zu sorgen.[18]

Als Lepidus 49 v. Chr. praetor wurde, musste er bereits in der Gunst Caesars stehen. Denn dieser betraute Lepidus mit der Verwaltung Roms, während er selbst pompeianische Heere in Spanien bekämpfte. Denn seit Beginn des Jahres herrschte Bürgerkrieg. Als Prätor ernannte Lepidus den Caesar noch im gleichen Jahr zum dictator.[19]

Das Vertrauen Caesars in die Fähigkeiten des Lepidus` sah man erneut im Jahre 48 an seiner Ernennung zum prokonsularischen Statthalter der Provinz Hispania citerior. In jener hatte sich die Lage nach dem dortigen Sieg Caesars über Pompeianer eben erst entspannt und einen inkompetenten Mann zu entsenden hätte ein zu hohes Risiko bedeutet.[20]

Obwohl Lepidus nur wenige Kämpfe in seiner Zeit als proconsul in Spanien führte, wurde er später mit einem triumphus geehrt.

[...]


[1] Vell. 2, 80, 1.

[2] H. Bengtson, Marcus Antonius. Triumvir und Herrscher des Orients, 1. Aufl., München 1977, S. 65.

[3] W. Shakespeare, Julius Cäsar, Vierter Akt, 1. Szene.

[4] Bengtson, Marcus Antonius, S. 76-78.

[5] App. civ. 2, 143, 196; Bengtson, Marcus Antonius, S. 80.

[6] Bengtson, Marcus Antonius, S. 81; Suet. Iul. 84,1f; Suet. Iul 85,1.

[7] Bengtson, Marcus Antonius, S. 88; App. civ. 3, 49, 198-201; App. civ. 3, 51, 209; App. civ. 3, 61, 249f.

[8] Cass. Dio 45, 5, 2; Cass. Dio 45, 6, 2f.

[9] Cass. Dio 45, 14, 3; App. Civ. 3, 73, 299.

[10] Cass. Dio 46, 40, 1; Cass. Dio 46, 40, 3.

[11] M. H. Dettenhofer, Herrschaft und Widerstand im augusteischen Principat. Die Konkurrenz zwischen res publica und domus Augusta, Stuttgart 2000, S. 36; App. civ. 3, 72, 297.

[12] Cass. Dio 46, 43, 4; Cass. Dio 46, 44, 2; App. civ. 3, 98, 405 - 407.

[13] R. D. Weigel, Lepidus. The Tarnished Triumvir, 1. Aufl., London 1992, S. 5-6; H. Dettenhofer, Herrschaft und Widerstand, S. 129.

[14] Weigel, Lepidus, S. 7, 22.

[15] Weigel, Lepidus, S. 11, 19.

[16] T. R. S. Broughton, The Magistrates of the Roman Republic, 2 Bd., New York 1952, S. 527; Weigel, Lepidus, S. 22.

[17] Weigel, Lepidus, S. 24.

[18] Weigel, Lepidus, S. 23.

[19] Caes. civ. 2, 21, 5; App. civ. 2, 41, 165; App. civ. 2, 42, 167.

[20] App. civ. 2, 48, 197; Weigel, Lepidus, S. 27.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Lepidus. Der vergessene dritte Mann im Triumvirat
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar: Augustus und die Begründung des Prinzipats
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
22
Katalognummer
V379065
ISBN (eBook)
9783668559134
ISBN (Buch)
9783668559141
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Dozent sprach von einer "exzellenten Arbeit", die nur kleine Mängel in der Tiefe der Analyse Ciceros Meinungsbildung gegenüber Lepidus und deren EInfluss auf spätere (antike) Historiker. Ansonsten würde man bei der Hausarbeit erkennen, wie detailliert die historischen Quellen studiert wurden und dass alle wesentlichen Aspekte auf den Einfluss Lepidus` innerhalb des Zweiten Triumvirats und dessen entstandenes, verzerrtes Bild herausgearbeitet wurden.
Schlagworte
Lepidus, Triumvirat, Augustus, Caesar, Octavian, Aemilius, Antike, Rom, Römisches Reich, Kaiser, Antonius, Mark Anton, Marcus Antonius, Cicero, Bürgerkrieg, Zweites Triumvirat, Kleopatra, Cleopatra, Africa, Provinzen, Pansa, Velleius Paterculus, hostis publicus, tresviri rei publicae constituendae, Cassius Dio, Cassius, Silanus, Brutus, leges Liciniae Sextiae, Bellum Alexandrinum, Plancus, interrex, Pompeius, Sextus Pompeius, Sallust, Plinius
Arbeit zitieren
Michael Ehret (Autor), 2017, Lepidus. Der vergessene dritte Mann im Triumvirat, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379065

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