Unterrichtsstunde: Die Erzählung "Der alte Mann und das Meer"

Eine Pro-und-Kontra-Diskussion zu verschiedenen Themen aus dem Bereich "Naturschutz" - die kooperative Gesprächsform "Streitgespräch" als Methode für den Gegenstandsbereich "mündliche Kommunikation" im integrativen Deutschunterricht


Unterrichtsentwurf, 2005

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Überlegungen zur Lerngruppe

3. Überlegungen zur methodischen Gestaltung

4. Lernziele

5. Verlaufsplan

Literatur- und Abbildungsverzeichnis

1. Überlegungen zur Lerngruppe

Einen aufschlussreichen Einblick in die Lerngruppe bietet die Befragung, die im Februar des vergangenen Jahres anlässlich der Hospitationsphase und den damit verbundenen Beobachtungsaufträgen durchgeführt wurde; allerdings hat eine Schülerin inzwischen die Schule verlassen, und zwei Schüler sind von anderen Schulen hinzugekommen. Die Erhebung ergab, dass die Klasse zufrieden ist mit ihrer Klassengemeinschaft (2,7 im Durchschnitt). Bei schulischen Entscheidungen fühlt sie sich einbezogen (2,3) und geht im Allgemeinen gern zur Schule (2,9). Auch das Lehrerbild ist ein positives, die Klasse bewertete die Frage, ob sie Zwistigkeiten unter den Lehrern „auszubaden“ habe, mit 2,8. Auffallend positiv fiel die Frage danach aus, ob die Lehrer auch offen seien für persönliche Probleme der Schüler (1,8). Die Befragung spiegelt den Eindruck wieder, den die Klasse auch im Unterricht macht, dass es sich nämlich um eine im Allgemeinen unproblematische Klasse handelt, was die Disziplin betrifft. Um diesen Zustand zu erhalten, ist aber ein hohes Maß an erzieherischer Arbeit des Klassenlehrers nötig. Während einer längeren Abwesenheit des Klassenlehrers beklagten sich mehrere Fachlehre über die stark nachlassende Disziplin in der Klasse. Für die bevorstehende Unterrichtsprobe ist mit einer hohen Disziplin der Schüler zu rechnen, weil erst kürzlich zwei Schülerinnen auffällig geworden waren und sich vor Klassenkonferenzen zu verantworten hatten.

Was den Leistungsstand angeht, gibt es innerhalb der Klasse große Divergenzen. Die Klasse enthält mehrere ehemalige Realschüler, die recht leistungsstark sind. Zu den Schülern, die kontinuierlich mitarbeiten, gehört v. a. Frank, der, obwohl die sozialkulturellen Bedingungen[1] denkbar ungünstig sind, eine große Bildungsmotivation aufweist und anstrebt, auf eine weiterführende Schule zu gehen. Zu den leistungsstarken Schülern gehören auch Svenja, Karina sowie Sven, dessen Eltern großen Anteil an dem schulischen Leben ihres Sohnes nehmen. Dann gibt es aber auch ausgesprochen leistungsschwache Schüler wie Tanja; gerade sie wurde aber von dem Buch angesprochen und arbeitete bisher (innerhalb ihrer Verstehensgrenzen) kontinuierlich mit, weil sie zur Zeit einen Angelschein erwirbt und ihr Fachwissen zum Fischen jetzt einbringen konnte. Des weiteren leistungsschwach ist Sabrina, die zwar völlig unauffällig, aber wenig leistungsstark ist. Allerdings fertigte sie während der derzeitigen Unterrichtsreihe ein Referat zur Biografie Hemingways an und stand zusammen mit Sven während einer Unterrichtsstunde als Experte für die anderen Schüler zur Verfügung. Zu den Schülern, die sich freiwillig so gut wie nie beteiligen, gehören Phillip und Johannes, während sich Alexander, Cornelius und Jeannette wenigstens gelegentlich melden. Michel ist erst vor einem halben Jahr aus Namibia nach Deutschland immigriert und hat bisher nur geringe Deutschkenntnisse; zwar wurde er auf dem Schulhof einmal von einem Türken als „Nigger“ beschimpft, die Klasse selbst hat ihn aber schnell integriert, z. B. gleich zu Anfang zum Fußballspielen eingeladen. Gerade handlungsorientierte Sequenzen im Deutschunterricht erleichtern es, ihn in den Unterricht mit einzubeziehen; so hat er bei der Erstellung einer Wandzeitungen engagiert mitgearbeitet. In der heutigen Stunde bekommt er allerdings gesondertes Fördermaterial zum Leseverstehen, das thematisch auf das Thema zugeschnitten ist, denn seine Deutschkenntnisse sind noch zu rudimentär, als dass er sich an der geplanten Diskussion beteiligen könnte.

Was das Repertoire der Schüler an Methoden und die Vertrautheit mit unterschiedlichen Unterrichtsformen angeht, ist die Klasse selbständiges Arbeiten gewöhnt, weil Herr T. als ausgebildeter Montessori-Pädagoge hierauf besonderen Wert legt. Anlässlich einer Projektwoche zeigten mehrere Schüler, dass sie ausgesprochen selbständig ihr Projektthema erarbeiten konnten; einige drangen bis zum Bürgermeister der Stadt K. vor und dokumentierten ihr Interview per Videokamera. Gruppenarbeit, wie sie für die heutige Stunde vorgesehen ist, wurde von mir in dieser Klasse schon mehrfach erprobt. Die Evaluation durch die Schüler hat gezeigt, was die Klasse dabei schon als besonders gelungen empfunden hat und wo sie noch Entwicklungsbedarf sieht (siehe den Aushang in der Klasse). An Arbeits- sowie Präsentationstechniken ist den Schülern schon der Fotoroman, das Cluster, das Mind-Map und die Wandzeitung bekannt.

2. Überlegungen zum Unterrichtsinhalt

Die „Richtlinien und Lehrpläne“ für die Hauptschule sehen für jede der sogenannten Doppeljahrgangsstufen die Lektüre einer Ganzschrift vor.[2] Für die Auswahl der Lektüre werden dort keine Vorgaben gemacht. Für die Begründung der Wahl der Lektüre „Der alte Mann und das Meer“ kann der Unterrichtende daher nicht einfach auf den Lehrplan verweisen, sondern muss hier Autonomie unter Beweis stellen.

Die Lektüre erfüllt ohne Zweifel die Kriterien des Repräsentativen, Typischen und Exemplarischen,[3] denn in Hemingway begegnen die Schüler dem Autor, der die moderne Kurzgeschichte erst eigentlich ins Leben gerufen hat. Aber aus der Perspektive eines stärker den Schüler fokussierenden Didaktikverständnisses muss sich die Novelle auch als Lektüre erweisen, die den Schülern gerecht wird. Den Schülern entgegen kommt vor diesem Hintergrund v. a. die lakonische Sprache der Lektüre. Der hohe Anteil an Fachvokabular und die spanischen Ausdrücke erschweren den Schülern hingegen das Textverständnis. Des weiteren eine Hürde darstellen dürfte der Umfang der Lektüre wie auch ihr tiefgründiger Symbolgehalt. Was die angesprochenen Hürden betrifft, räumen die „Richtlinien und Lehrpläne“, die ansonsten stark die Schülerorientierung betonen, ein, dass diese Schülerorientierung nicht zu eng verstanden werden darf.[4] Um aber einer zumindest bei einigen Schülern sicher drohenden Frustration zu begegnen und um der Forderung der „Richtlinien und Lehrpläne“ gerecht zu werden, wonach die Schüler ihre eigene Leistungsfähigkeit und nicht bloß ihre Defizite erfahren sollen,[5] erfolgt die methodische Gestaltung der Unterrichtsreihe mit besonderer Sorgfalt; gleich zu Anfang sicherten wir den Inhalt der Lektüre über verschiedene produktionsorientierte Verfahren, um auch bei Schülern, denen der analytische Umgang mit Texten schwer fällt, das Interesse aufrecht zu erhalten.

[...]


[1] Dieses Voraussetzungsfeld für Unterricht unterscheidet die Berliner Didaktik von dem der anthropologisch-psychologischen Voraussetzungen (vgl. Paul Heimann, Gunter Otto, Wolfgang Schulz, Unterricht. Analyse und Planung (Hannover:41969)).

[2] Vgl. Ministerium für Schule, Jugend und Kinder (Hrsg.), Richtlinien und Lehrpläne für die Hauptschule in Nordrhein-Westfalen. Deutsch (Düsseldorf/Frechen: 1989 (unveränderter Nachdruck 2003)), S. 63.

[3] Vgl. Wolfgang Klafki, Studien zur Bildungstheorie und Didaktik (Weinheim: 1964), S. 135.

[4] Vgl. Richtlinien und Lehrpläne. Deutsch, S. 63.

[5] Vgl. ebd., S. 19.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Die Erzählung "Der alte Mann und das Meer"
Untertitel
Eine Pro-und-Kontra-Diskussion zu verschiedenen Themen aus dem Bereich "Naturschutz" - die kooperative Gesprächsform "Streitgespräch" als Methode für den Gegenstandsbereich "mündliche Kommunikation" im integrativen Deutschunterricht
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Pädagogik)
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V37908
ISBN (eBook)
9783638371223
ISBN (Buch)
9783638933797
Dateigröße
1094 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Thema der Stunde: Wir erproben eine Pro-und-Kontra-Diskussion zu verschiedenen Themen aus dem Bereich 'Naturschutz' - die kooperative Gesprächsform 'Streitgespräch' als Methode für den Gegenstandsbereich 'mündliche Kommunikation' im integrativen Deutschunterricht. ACHTUNG: Für die Ausführung des Unterrichtsentwurfs ist ein Arbeitsblatt nach [Schurf, Bernd (Hrsg.): Deutschbuch Grundausgabe. Orientierungswissen. Berlin: 2002.] sinnvoll - dieses liegt hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht bei!
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Erzählung, Mann, Meer
Arbeit zitieren
Marcel Haldenwang (Autor), 2005, Unterrichtsstunde: Die Erzählung "Der alte Mann und das Meer", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37908

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