Es gibt nicht "die" Armutspolitik, weshalb sich diese Hausarbeit auf relevante und interessante Themen zur Armut bzw. Armutspolitik insbesondere aus Sicht der Sozialen Arbeit beschränkt. Demnach wird im ersten Kapitel auf die Armut eingegangen, indem Begrifflichkeiten bestimmt werden, zwischen absoluter und relativer Armut differenziert wird und die Berechnung von Armut aufgezeigt wird. Weiter wird auf das Armutsrisiko, die -schwelle, sowie die -gefährdungsquote und -quote, als auch die -dynamik eingegangen. Das Kapitel schließt mit dem Armuts- und Reichtumsbericht und dem Datenreport ab.
Das zweite Kapitel stellt die Armutspolitik und ihre Entwicklung dar und geht auf das deutsche Sozialstaatsmodell und den aktivierenden Sozialstaat ein. Das Arbeitslosengeld II wird im dritten Kapitel mit deren Einführung, Bedarf(sermittlung) und Kostendeckung behandelt. Das Kapitel beinhaltet Kritik in Bezug auf die Einschränkung der Grundrechte. Die Tafeln repräsentieren das vierte Kapitel, in welchem abschließend auch auf die Tafeln aus Sicht der Sozialen Arbeit eingegangen wird.
Abgerundet wird diese Arbeit durch die politischen Forderungen aus sozialarbeiterischer Sicht, welche an die Bundesrepublik Deutschland (Bund), an den Freistaat Bayern (Land) und an die Stadt (Kommune) gestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Armut
1.1 Begriffsbestimmung
1.2 Absolute und relative Armut
1.3 Berechnung von Armut
1.4 Armutsrisiko
1.5 Armutsschwelle
1.6 Armutsgefährdungsquote und Armutsquote
1.7 Armutsdynamik
1.8 Armuts- und Reichtumsbericht
1.9 Datenreport: Soziale Lage in Bayern 2014
2. Armutspolitik
2.1 Entwicklung der Armutspolitik
2.2 Armutspolitik im deutschen Sozialstaatsmodell
2.3 Der aktivierende Sozialstaat
3. Arbeitslosengeld II
3.1 Einführung des ALG II
3.2 Bedarf und Bedarfsermittlung
3.3 Kostendeckung
3.4 Einschränkung von Grundrechten
4. Tafeln
4.1 Darstellung der Tafel
4.2 Tafelarten
4.3 Tafelnutzer
4.4 Das Leitbild der Tafeln
4.5 Tafeln und Soziale Arbeit
5. Politische Forderungen aus sozialarbeiterischer Sicht
5.1 an die Bundesrepublik Deutschland (Bund)
5.2 an den Freistaat Bayern (Land)
5.3 an die Stadt (Kommune)
5.4 Des DBSH
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das vielschichtige Phänomen der Armut im Kontext der aktuellen Armutspolitik in Deutschland, mit einem besonderen Fokus auf die Rolle von Tafeln sowie die Auswirkungen des Arbeitslosengeldes II, um daraus konkrete politische Forderungen aus einer sozialarbeiterischen Perspektive abzuleiten.
- Historische und theoretische Grundlagen der Armutsdefinition und -politik
- Kritische Analyse des deutschen Sozialstaatsmodells und des aktivierenden Sozialstaats
- Wirkungsweise und Konsequenzen des Arbeitslosengeldes II (Hartz IV)
- Rolle und ethische Bewertung von Tafeln in der sozialen Infrastruktur
- Formulierung sozialpolitischer Lösungsansätze auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene
Auszug aus dem Buch
2.1 Entwicklung der Armutspolitik
Innerhalb der griechisch-römischen Antike (bis 6. Jahrhundert) galt Reichtum als Voraussetzung für ein angenehmes Leben, während Armut ein Angewiesensein auf körperliche Sklaven- oder freie Arbeit bedeutete. Dadurch waren die Armen ungeeignet für eine politische Betätigung sowie ein Bürgerrecht. (Vgl. Groenemeyer/Ratzka 2012, 372.)
Im Gegensatz zur griechisch-römischen Antike, war das Mittelalter (bis 15. Jh.) vom Christentum geprägt, welches die Religion der Armen darstellte. Die Armut stellte im Mittelalter einen geistigen Wert dar, den die Armen freiwillig wählten und als Prüfung Gottes und somit als gottgewollt verstanden. (Vgl. Groenemeyer/Ratzka 2012, 372 f.) Hier galt eine festgelegte von Gott gewollte Hierarchie, die mittelalterliche Ständeordnung, innerhalb dieser es keine Aufstiegsmöglichkeiten gab.
Da das Mittelalter christlich geprägt war, stand an oberster Stelle die Geistlichkeit. Darauf folgten die Weltliche Herrschaft (Adel, Kaiser, Barone, Könige) und das Bürgertum, also die Reichen, welche nicht arbeiten mussten. (Vgl. Schäfers, M. 1998, 195 ff.)
Darunter stand die Kategorie der Armen, welche die Berufstätigen (z. B. Handwerker, Lehrer, Bauern) darstellten, die ihren Lebensunterhalt mit Händen verdienen mussten und auf Lohnarbeit angewiesen waren. Die untersten in der Ordnung waren die Bedürftigen (z. B. Krüppel, Kranke, Witwen, Waise), welche durch Betteln auf Almosen angewiesen waren. (Vgl. Groenemeyer/Ratzka 2012, 372.) Die Ehrlosen (z. B. uneheliche Kinder, Ehebrecher, Ungläubige, Diebe, Schläger, Gesetzesbrecher) befanden sich außerhalb der Ständeordnung und hatten somit keinen Anspruch auf Almosen). (Vgl. Schäfers, M. 1998, 195 ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Armut: Dieses Kapitel definiert Armut theoretisch, unterscheidet zwischen absoluten und relativen Formen und beleuchtet statistische Indikatoren, Berichte sowie regionale Besonderheiten in Bayern.
2. Armutspolitik: Hier wird der historische Wandel der Armutspolitik von der Antike bis heute nachgezeichnet und das deutsche Sozialstaatsmodell sowie der aktivierende Sozialstaat kritisch analysiert.
3. Arbeitslosengeld II: Dieses Kapitel behandelt die Einführung, Bedarfsermittlung und Kostendeckung von Hartz IV sowie die damit verbundene Kritik bezüglich der Einschränkung von Grundrechten.
4. Tafeln: Das Kapitel beleuchtet die Entstehung, das Leitbild und die verschiedenen Arten der Tafeln und diskutiert diese kritisch aus der Perspektive der Sozialen Arbeit.
5. Politische Forderungen aus sozialarbeiterischer Sicht: Abschließend werden konkrete Forderungen an Bund, Land und Kommunen sowie Positionen des DBSH zur Armutsbekämpfung formuliert.
Schlüsselwörter
Armut, Armutspolitik, Sozialstaat, Arbeitslosengeld II, Hartz IV, Tafeln, Soziale Arbeit, Grundsicherung, soziale Teilhabe, Armutsrisiko, Existenzminimum, soziale Gerechtigkeit, Arbeitsmarktintegration, soziale Ungleichheit, Armutsgefährdung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Armut in Deutschland und analysiert kritisch, wie Politik und Gesellschaft – insbesondere durch Instrumente wie Hartz IV und die Tafeln – auf dieses Phänomen reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretische Bestimmung von Armut, die Entwicklung der Armutspolitik, die Auswirkungen des Arbeitslosengeldes II sowie die Rolle von Tafeln als Ergänzung oder Ersatz staatlicher Fürsorge.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es, die aktuelle Armutspolitik zu hinterfragen und aus der Perspektive der Sozialen Arbeit fundierte politische Forderungen zur nachhaltigen Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse sowie der Auswertung von Statistiken und Berichten zur sozialen Lage basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition von Armut, die historische Entwicklung der Armenfürsorge, die Struktur von Hartz IV, die Funktion und Problematik von Tafeln sowie politische Forderungen für ein effektiveres Armutsbekämpfungskonzept.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Armut, Hartz IV, Tafeln, Sozialstaat, soziale Teilhabe und Soziale Arbeit.
Warum kritisieren Sozialarbeiter die Tafeln?
Kritisiert wird, dass Tafeln lediglich Symptome lindern, anstatt Armut ursächlich zu bekämpfen, und dass sie als billiges Instrument zur Auslagerung staatlicher Verantwortung missbraucht werden könnten.
Wie unterscheidet sich die Armutspolitik heute von der im Mittelalter?
Während im Mittelalter eine gottgewollte Ständeordnung und Almosen im Zentrum standen, fokussiert sich die moderne Politik auf die Eingliederung in den Arbeitsmarkt durch den aktivierenden Sozialstaat und individuelle Rechtsansprüche.
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- Anonym (Author), 2016, Armut und Armutspolitik im deutschen Sozialstaatsmodell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379154