Der Flynn-Effekt. Möglichkeiten zur Messung von Intelligenz und deren Schwächen


Hausarbeit, 2017
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einfuhrung

2. Intelligenzmodelle
2.1. Die Zwei-Faktoren-Theorie
2.2. Das Primarfaktoren-Modell nach Thurstone
2.3. Das Modell der kristallinen und fluiden Intelligenz

3. Messung der Intelligenz
3.1. Objektivitat, Reliabilitat und Validitat
3.2. DerWISC-Test
3.2.1. WISC-III
3.2.2. WISC-IV

4. Intelligenzunterschiede
4.1. Im Lebenslauf
4.2. Uber Generationen hinweg?
4.2.1. Flynns vier Paradoxa
4.2.2. Der nicht-kognitive Einfluss

5. Mogliche Ursachen

6. Fazit

7. Anhang
7.1. Umsetzung der Thematik im Videoclip
7.2. Drehbuch Flynn-Effekt

Literaturverzeichnis

1. Einfuhrung

James Flynn, der Mann nach dem der Flynn-Effekt benannt ist, machte in den Achtzigerjahren eine folgenschwere Entdeckung. Seinen Untersuchungen zufolge stieg die Leistung in Intelligenztests - vorrangig in Industrienationen - liber die Jahre von etwa 1930 bis zu dem damaligen Zeitpunkt (1984 und noch weiter hinaus) kontinuierlich an. Dieses Phanomen zog sich bis in die fruhen Zweitausenderjahre hin. Seitdem ist jedoch kein erwahnenswerter Anstieg mehrzu verzeichnen (vgl. Holling 2004, 82).

Flynn konnte also durch entsprechende Messverfahren und Vergleiche feststellen, dass Menschen vor 70 Jahren in heutigen IQ-Tests derart schlecht abgeschnitten hatten, dass ein groBer Teil von ihnen unter heutigen Verhaltnissen als geistig behindert eingestuft wurde. Es ware fur heutige junge Erwachsene demnach gar problematisch, ein Gesprach auf geistiger Augenhohe mit ihren GroBeltern zu fuhren (vgl. Flynn 2007,19). Da aber feststeht, dass derartige Probleme nicht vorherrschen, muss entweder die Verlasslichkeit weltweit anerkannter Intelligenztests hinterfragt werden oder die allgemeine Erwartungshaltung dahingehend gebremst bzw. neu justiert werden, inwiefern IQ-Tests die allgemeine Intelligenz von Individuen bestimmen. Es konnen ferner nur theoretische Ruckschlusse gezogen werden. Da Menschen, die eine durchschnittliche Leistung bei IQ-Tests der ersten Generationen (etwa dem ersten WISC-Test) erzielt haben, offensichtlich unmoglich 60 Jahre spater einen aktuellen IQ-Test machen und zeitgleich den Intellekt ihres damaligen Ichs besitzen konnen, wurden demnach Untersuchungen an Testpersonen durchgefuhrt, die nun entsprechende Unterschiede zwischen veralteten und aktuellen Testverfahren aufwiesen und durchschnittlich deutlich bessere Fahigkeiten bei der Losung von Aufgaben in IQ-Tests verdeutlichen.

Im Folgenden werden verschiedene Intelligenzmodelle vorgestellt. Im Anschluss soil das weitverbreitete WISC-Testverfahren zur Messung des IQ einen Einblick in die Moglichkeiten und Grenzen entsprechender Praktiken geben. Es werden Intelligenzunterschiede nicht nur uber Generationen hinweg, sondern auch im Lebenslauf eines Individuums beleuchtet. Durch Flynns Beantwortung einiger Paradoxa im FHinblick auf die generationen-abhangige intellektuelle Veranderung wird zudem ein Begrundungsansatz geliefert. Inwiefern genaue Ursachen zur Ergrundung des Flynn-Effekts verantwortlich gemacht werden konnen, sowie ein abschlieBendes Fazit werden diese Hausarbeit abrunden.

2. Intelligenzmodelle

Neben den hier vorgestellten Theorien finden sich in der Fachwissenschaft noch eine Vielzahl weiterer Modelle. Im Rahmen dieser Hausarbeit wird jedoch nur auf die fur das Themengebiet wichtigsten Theorien eingegangen, da alles Weitere den Rahmen sprengen wurde.

2.1. Die Zwei-Faktoren-Theorie

Charles Edward Spearman stellte unter dem Begriff general intelligence im Jahr 1904 eine einfluss- und folgenreiche Theorie vor. Die Zwei-Faktoren-Theorie stutzt sich auf die Annahme, ein Mensch wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit, wenn er in einem „Test zur Messung der Denkfahigkeiten" (Preckel/Brull 2008, 12) gut abschneidet, auch in anderen Intelligenztests gut abschneiden. Dieses korrelative Phanomen wird g-Faktor genannt. Auch James Flynn erwahnt den g-Faktor, der nicht nur im Gebiet der Intelligenzmessung zu verzeichnen, sondern auch auf andere Lebensbereiche - etwa den Sport - ubertragbar sei (vgl. Flynn 2007, 6f.). So wie es also anzunehmen ist, dass ein allgemein uberdurchschnittlich sportlicher Mensch in den meisten sportlichen Disziplinen uberdurchschnittliche Leistungen erbringen wird, so geht der g-Faktor im Gebiet der Intelligenz von entsprechenden Erfolgen in unterschiedlichen Untertests aus.

Der zweite von Spearman angenommene Faktor s beschreibt spezifische Faktoren, die trotz positiver Korrelationen gewisse Unterschiede in den Leistungszusammenhangen aufzeigen.

Diese beiden interdependenten Faktoren sollten also entsprechende Leistungen in IQ- Tests bedingen. g steht also fur „die positiven Korrelationen zwischen unterschiedlichen Intelligenztests" (Preckel/Brull 2008, 12f.) wahrend s „spezifisch fur den jeweiligen Test [...] ist" (Preckel/Brull 2008, 13).

Nach dem heutigen Wissensstand ist festzustellen, dass es zum Teil starkere Korrelationen zwischen verschiedenen Untertests gibt, als es nach den Zusammenhangen mit g zu erwarten ware. Weitere Wechselbeziehungen sind aktuell nicht hinreichend durch den s-Faktor zu erklaren. Demnach ist die Theorie nur zweier fur Leistungen in IQ-Tests verantwortlicher Faktoren problematisch. Dennoch ist die Einfuhrung des g-Faktors eine essentielle Errungenschaft Spearmans (vgl. Preckel/Brull 2008, 13f.) und die allgemeine Intelligenz gilt bislang als unangefochten (vgl. Preckel/Brull 2008, 15).

2.2. Das Primarfaktoren-Modell nach Thurstone

Auf Spearmans Zwei-Faktoren-Theorie aufbauend erganzte Louis Leon Thurstone das Modell um weitere Primarfaktoren, die zu intelligenten Leistungen beitragen sollten. Wahrend die Annahme einer allgemeinen Intelligenz von Thurstone weitergetragen wurde, geht er jedoch von besagten korrelativen Faktoren aus. Im Genauen beinhalten sie verbales Verstandnis, Wortflussigkeit, Rechenfahigkeit, raumliches Vorstellungsvermogen, Merkfahigkeit (Kurzzeitgedachtnis), Wahrnehmungsgeschwindigkeit und schlussfolgerndes Denken.

Dass Spearman und Thurstone trotz derselben Grundmethode der Faktorenanalyse zu relativ unterschiedlichen Ansatzen gelangten, liegt an der hoheren Fleterogenitat bezuglich Thurstones verwendeter Aufgaben, einer vergleichsweise stabileren Probandengruppe und an unterschiedlichen herangezogenen Varianten der Faktorenanalyse. Letzterer Punkt ist kann hierbei jedoch vernachlassigt werden (vgl. Preckel/Brull 2008, 141).

2.3. Das Modell der kristallinen und fluiden Intelligenz

In seiner Theorie vereint Raymond Bernhard Cattell gewissermaBen die beiden vorangegangenen Modelle und bringt dabei „zwei ubergeordnete Faktoren" (Preckel/Brull 2008, 15) ins Spiel.

Die fluide Intelligenz beschreibt dabei die Fahigkeit eines Menschen, Aufgaben und Probleme ohne Vorwissen zu losen. Diese Fahigkeit soil weitestgehend angeboren sein und bis ins fruhe Erwachsenenalter rasch steigen, um dann wieder langsam abzufallen. Empirisch sind hierfur jedoch keine stichfesten Beweise vorhanden, auch wenn die fluide Intelligenz fachwissenschaftlich nicht bestritten wird.

Die kristalline Intelligenz entspricht der Fahigkeit, Situationen aufgrund von entsprechendem Vorwissen zu Ibsen. Da Vorwissen normalerweise bis ins hohe Alter steigt, steigt auch die kristalline Intelligenz kontinuierlich langsam an. Unter kristalliner Intelligenz wird ferner die Festigung bzw. Kristallisierung von angeeignetem Wissen zusammengefasst (vgl. Preckel/Brull 2008, 15f.). Da die fluide Intelligenz besonders im hohen Alter stark abnehmen kann, ist hiervon oft auch die kristalline Intelligenz negativ beeinflusst (vgl. Preckel/Brull 2008, 28).

3. Messung der Intelligenz

Intelligenztests sind seit vielen Jahren die verlasslichste Methode, geistige Fahigkeiten eines Menschen zu messen. Es ist durch entsprechende Tests bislang dennoch nicht moglich, samtliche Facetten der Intelligenz abzudecken. Der Intelligenzquotient kann daher auch kein Reprasentant der absoluten allgemeinen Intelligenz sein (vgl. Flynn 2007, 42).

3.1. Objektivitat, Reliabilitat und Validitat

Die drei Faktoren stellen eine unabdingbare Komponente zur Messung von Intelligenz und samtlichen anderen empirischen Testverfahren dar. Als Objektivitat ist der Grad der Messung zu verstehen, der „Ergebnisse eines Tests unabhangig vom Untersucher" (Lienert/Raatz 1998, 7) auffuhrt. Die Reliabilitat eines Tests gibt an, wie hoch der „Grad der Genauigkeit" ist, mit dem ein „bestimmtes Persbnlichkeit- Oder Verhaltensmerkmal" (Lienert/Raatz 1998, 9) gemessen wird. Unter der V/a/Za'/faf schlieBlich wird der „Grad der Genauigkeit" (Lienert/Raatz 1998, 10) eines Tests zusammengefasst, der eine Vorhersage zu einem bestimmten Persbnlichkeitsmerkmal festlegt.

Auch wenn diese Gutekriterien einer regelmaBigen Normierung unterzogen werden, bleiben die Ergebnisse besonders in Bezug auf das Phanomen des Flynn-Effekts haufig hinter den Erwartungen zuruck (vgl. Preckel/Brull 2008, 44). Der von Flynn zumeist herangezogene WISC-Test zur naheren Beschreibung des besagten Effekts soil im Folgenden naher beschrieben werden.

3.2. Der WISC-Test

Seit 1949 wird die Intelligenz von Kindern im Alter zwischen sechs und sechzehn Jahren mithilfe des WISC-Verfahrens gepruft. Zunachst war das Ziel des Tests, „die allgemeine Intelligenz im Sinne der Konzeption von Spearman [zu] erfassen" (Holling et al. 2004, 118). Das Verfahren setzt sich aus unterschiedlichen Teiltests zusammen, die darauf ausgelegt sind, verschiedene Teilbereiche der Intelligenz - etwa Allgemeinwissen, Wortschatz, Arithmetik Oder Anordnung von Objekten - abzudecken. Nicht nur im FHinblick auf die empirischen Ergebnisse bezuglich des Flynn-Effekts sind einige Aspekte als problematisch zu erachten. Eine empirisch einstudierte Grundlage war nicht vorhanden, was einen gewissen Interpretationsspielraum im Hinblick auf die Testergebnisse offenlasst. Daher lag es insbesondere bei den fruhen Versionen im Ermessen der Diagnostiker, Intelligenzbefunde wenigstens geringfugig in die eine Oder andere Richtung zu steuern (vgl. Holling ef al. 2004, 119).

Uber die Jahre wurde der Test immer wieder angeglichen. 1974 wurde der Test erstmals als uberarbeitete Version (WISC-R) freigegeben und 1991 (WISC-III) und 2003 (WISC-IV) an die entsprechenden soziokulturellen Umstande angepasst (vgl. Flynn 2007, 4ff.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Flynn-Effekt. Möglichkeiten zur Messung von Intelligenz und deren Schwächen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V379175
ISBN (eBook)
9783668559493
ISBN (Buch)
9783668559509
Dateigröße
2932 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
iq, intelligenz, flynn, james flynn, intelligenzmodelle, wisc
Arbeit zitieren
Leo Decher (Autor), 2017, Der Flynn-Effekt. Möglichkeiten zur Messung von Intelligenz und deren Schwächen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379175

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