Der Sturm und Drang - Ideale und Umsetzung


Seminararbeit, 2001

22 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zum Epochenbegriff

3. Ideale des Sturm und Drang

4. Die Umsetzung der Ideale in den verschiedenen Gattungen
4.1. Drama
4.2. Epik
4.3. Lyrik

5. Darstellung der Ideale in Goethes Prometheus

6. Kommentar

7. Quellen

1. Einleitung

Diese Hausarbeit befaßt sich mit der Epoche des Sturm und Drang. Im ersten Teil werde ich verschiedene Aspekte der Epoche darstellen, wie z.B. die Schwierigkeit, den Sturm und Drang als eigenständige Epoche einzugrenzen. Weiter werde ich Einflüsse auf die deutsche Sturm und Drang-Bewegung aufzeigen und die bekanntesten Vertreter der Epoche vorstellen.

Der zweite Teil meiner Arbeit wird sich mit den Idealen des Sturm und Drang auseinandersetzen. Um einen Bezug zu den literarischen Gattungen herzustellen, werde ich die Verwirklichung der Ideale im Drama, in der Epik und in der Lyrik erläutern. Da ich diese Hausarbeit im Rahmen des TPS Der „junge Goethe“ verfasse, werde ich mich in Literaturbeispielen überwiegend auf Werke Goethes beziehen.

Im dritten und letzten Teil meiner Hausarbeit soll Goethes Prometheus-Ode als Beispiel für die Umsetzung der Ideale des Sturm und Drang dienen. Ich werde allerdings keine Interpretation anstreben, da dies den Rahmen meiner Hausarbeit sprengen würde. Ich möchte lediglich aufzeigen, wo der „programmatische“ Bezug zum Sturm und Drang in dieser Ode erkennbar ist.

Aufgrund des begrenzten Umfangs, der mir für diese Hausarbeit vorgegeben ist, muß ich darauf verzichten, einige Theorien detailliert auszuführen. Auf die Schriften Hamanns, religiöse Einflüsse, den Pietismus, als auch auf den Spinozismus kann ich daher nicht eingehen. Was den Pantheismus anbelangt, wird dieser im Zusammenhang mit dem Naturbegriff erwähnt.

2. Zum Epochenbegriff

Strebt man eine Nennung konkreter Jahreszahlen an, erreicht man bereits die erste Hürde einer eher verschwommenen Epoche. Gehört der Sturm und Drang noch zur Aufklärung und ist demnach unter diese Epoche zu fassen oder zählt man ihn schon zur Klassik? Ist er vielleicht eine Übergangsperiode zwischen der verstandesgeleiteten Aufklärung und der Klassik als Vermischung der Vernunft und des Gefühls? Kann man mit dieser Verbundenheit zur vorhergegangenen und zur „zielorientierten“ Epoche den Sturm und Drang überhaupt als Epoche abgrenzen oder redet man hier besser von einem extremen Zwischenstadium des Gefühls, das auf eine rein rational denkende Zeit folgen mußte?

Der Hang zur Leidenschaft und des Gefühlsüberschwangs mußte sich erst einmal ausleben, um dann in der Klassik abzuebben und eine gesunde Mischung aus Verstand und Gefühl zuzulassen.1 Einige Ideale der Klassik wurden vorbereitet, wie z.B. die Hinwendung zur Antike mit neuer Betrachtungsweise. Galt die Antike in der Aufklärung noch als nachahmenswert, schuf man nun eine neue Sichtweise z.B. in der Neuschöpfung der antiken Ideale.2

Doch kommen wir wieder zum zeitlichen Umfang der Epoche: Die allgemeine Literaturaufassung nennt die Jahreszahlen 1770 - 1784 und führt als Begründung Goethes Begegnung mit Herder in Straßburg als Beginn und Schillers Tragödie Kabale und Liebe als Ende der Epoche an.3

In Herder und Goethe findet man zwei wichtige Vertreter, aber die Ideale keimten schon früher und können nicht nur an einer Begegnung festgemacht werden. Herders Schriften Fragmente über die neuere deutsche Literatur (1766/67) und Auch eine Philosophie zur Bildung der Menschheit (1744) sind bereits als Theorien des Sturm und Drang einzuordnen.

Herders Historismus gemäß entwickelt sich eine Epoche aus der vorhergehenden. Wenn eine Epoche in einer Art Wellenbewegung die vorhergehende ablöst und in die folgende fließen muß, so kann man schwerlich einen Anfang und ein Ende ausmachen. Laut Herder verläuft die Geschichte entsprechend der Vorgänge der Natur.4 Die Geschichte formt sich gleich eines Triebes, dessen Knospe sich herausbildet, in eine Blüte aufspringt, irgendwann verwelkt und abfällt. Bald bildet sich wieder eine neue, eine andere Knospe. Und so schöpft jede Epoche ihre neue Blüte und ist in ihrem Ablauf an die Natur gebunden. Da die Natur nicht in Jahreszahlen einzuteilen ist, kann man eine Epoche nicht genaustens festlegen.

Es erscheint logisch, daß aus einer Zeit der Moral und Vernunft eine starke Orientierung zu Gefühl und Leidenschaft erfolgen mußte.

In der früheren Forschung wurde der Sturm und Drang lediglich als Revolte gegen die Aufklärung verstanden.

Doch das scheint ein wenig einfach betrachtet. Die Sturm und Drang-Bewegung will nicht bloß Gefühl gegen Ratio setzen, sondern ein neues Menschenbild prägen. Der Begriff der Individualität erhält besonderen Stellenwert.

In der Aufklärung unterscheidet sich der Mensch vom Tier durch die Vernunft, wohingegen die Sturm und Dränger diesen Unterschied in der Individualität erkennen. Der Mensch sei nicht nur durch Geist, Seele und Körper seiner Gattung zuzurechnen, vielmehr rage er als Individuum heraus.5

Eine weitere Schwierigkeit der Umgrenzung des Sturm und Drang als eigenständige Epoche besteht darin, daß die Genieperiode, wie man die Epoche auch nennt, für viele Vertreter nur eine Art Übergangszeit war. So sind zum Beispiel zwei wichtige Dichter wie Goethe und Schiller nur in ihren jungen Jahren zum Sturm und Drang hinzuzurechnen. Nicht umsonst spricht man vom „jungen Goethe“ und vom „jungen Schiller“.6 In ihren späteren Werken wurden sie als herausragende Vertreter der Klassik angesehen. Lenz ist vielleicht einer der wenigen Vertreter, die voll und ganz dem Sturm und Drang hinzuzuzählen sind.7

Klinger gibt mit seinem Drama Sturm und Drang der Epoche ihren Namen. Schlagwörter der Bewegung wie Schwung und Drang, Seelendrang, Drang des Herzens usw. legten diese Begrifflichkeit nahe.8 Das Drama hieß zuvor Wirrwarr und wurde auf Empfehlung von Christoph Kaufmann umbenannt.9 Es legt mit dem neuen Titel den unverkennbaren Bezug zu den oben angeführten Schlagwörtern der Epoche fest.

Als Hauptvertreter des Sturm und Drang gelten Herder, der junge Goethe, der junge Schiller, Lenz, Bürger, Schubart, wobei Klopstock, Hamann und Lavater als Vorbereiter genannt werden sollten. Ein wichtiger Aspekt, der das Gedankengut beeinflußte war sicherlich auch Lessings Forderung, sich vom starren Regelbild loszulösen.10 Lessing selbst kann jedoch nicht als Sturm und Dränger bezeichnet werden, da er sich von diesem Gefühlsüberschwang eher distanzierte.

Man kann für den Sturm und Drang eine Dreiteilung vornehmen.11 Beginnend mit einer Vorbereitungsphase, die am rationalen und stark regelorientierten System der Aufklärung Anstoß nahm und eine Loslösung aus der Starrheit anstrebte. Dazu gehört auch o.g. Forderung Lessings nach leidenschaftlicher Bewegtheit.

Als zweite Phase kann man eine Befreiungsstufe betrachten, mit einer völligen Loslösung vom aufklärerischen Regel- und Verstandessystem hin zum Überschwang des Gefühls, oft jedoch verbunden mit einer Selbstüberschätzung des Sturm und Drängers in seinem Geniepathos. Ein Höhepunkt der Sturm und Drang-Bewegung ist meines Erachtens nur schwer festlegbar. Goethe zeigt in seinen Dichtungen bereits im Götz 1771 die Umsetzung des sturm und drängerischen Gedankenguts, andererseits schreibt Schiller Kabale und Liebe erst 1784.

Kommen wir zur dritten Stufe mit dem Abklingen der genialischen Selbstüber-schätzung und schöpferischen Natur- und Gottgleichheit. Der Übergang zur Klassik wird eingeleitet. Die Klassik ist demnach die Epoche, die nach einem explosionsartigen Auflodern des Gefühls dieses wieder auf eine geeignete Flamme reduziert, so daß sich Vernunft und Gefühl nun die Waage halten können. Weitere Ideale werden überdachter fortgesetzt, z.B. etwas Unnachahmbares zu schaffen oder die starke Orientierung an der Antike.

3. Ideale des Sturm und Drang

Um die Ideale des Sturm und Drang begreifen zu können, muß man sich zunächst einen Überblick über die Vorbilder und Vorreiter dieser Epoche verschaffen. Der Sturm und Drang ist eine rein deutsche Bewegung, die jedoch stark von der aus England übergreifenden Empfindsamkeit geprägt wird, welche vor allem auf Vertreter wie den Göttinger Hain mit Voß, Hölty, Jung-Stilling u.a. einwirkt und in ihrer Dichtung Ausdruck findet.

Literarische Kreise oder Zirkel gibt es einige. Bekannt sind der oben erwähnte Göttinger Hain, weiter der Darmstädter Kreis mit Schubart und Schiller und drittens der Frankfurter Kreis, der sich um Goethe und Herder schart. Zu ihnen gehören unter anderem auch Lenz, Bürger und Moritz.

[...]


1 vgl. Wilpert, G. v.: Sachwörterbuch der Literatur. S. 687

2 vgl. Kanzog, K.: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. S. 282

3 vgl. Karthaus, U.: Sturm und Drang und Empfindsamkeit. S. 11 und S.27

4 vgl. Krywalski, D. (Hg): Handlexikon zur Literaturwissenschaft. S. 462

5 vgl. Kaiser, G.: Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm und Drang. S. 184

6 vgl. Kanzog, K.: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. S. 279

7 vgl. Kaiser, G.: Aufklärung,Empfindsamkeit, Sturm und Drang. S. 192

8 vgl. Kanzog, K.: Reallexikon der deutschen Literaturgeschichte. S. 278

9 vgl. Kaiser, G.: Aufklärung,Empfindsamkeit, Sturm und Drang. S. 178

10 vgl. Wilpert, G. v.: Sachwörterbuch der Literatur. S. 687

11 ebd. S. 687

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Der Sturm und Drang - Ideale und Umsetzung
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Der junge Goethe
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V3792
ISBN (eBook)
9783638123440
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Sturm und Drang, Thema Sturm und Drang
Arbeit zitieren
Tanja Kemmerling (Autor), 2001, Der Sturm und Drang - Ideale und Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3792

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