In seinem literarischen Werk ist Friedrich Schiller nicht auf eine Gattung zu beschränken. Ebenso falsch wäre es, ihn nur einer Literaturepoche zuzuordnen. Wahrend sein Erstlingswerk "Die Räuber" noch eindeutig der Epoche des Sturm und Drang mit seiner bedeutenden Wichtigkeit zu subsumieren ist, so zählen spätere Werke wie "Wilhelm Tell" oder auch die Wallensteintrilogie zu den hochkaratigsten und namenhaftesten Vertretern der Weimarer Klassik.
Im Schaffen Schillers ist eine gravierende Entwicklung erkennbar. Die Reifung seiner Person ist durch seine theoretische Schaffensphase begünstigt. Währenddessen beschäftigt er sich mit der Philosophie der griechischen Antike, mit den Traktaten Kants und jüngst den Werken von Moritz. In Auseinandersetzung mit diesen Theorien entwickelt Schiller eigene philosophische Gedanken, die er in zahlreichen Schriften über die Dramentheorie und in Anlehnung an Moritz und Kant über die Ästhetik zum Ausdruck bringt. In zahlreichen philosophischen Briefen setzt er sich mit der ästhetischen Erziehung des Menschen auseinander.
Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf das theoretischen Schaffen Schillers. Es soll analysiert werden, welchen Einfluss seine Vorbilder auf Schiller nehmen konnten und inwiefern seine Entwicklung seine dramentheoretischen Ansichten revolutioniert hat. Zum Schluss wird die gegenwärtige Relevanz von Schillers Theorien in einem Ausblick zusammengetragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Moraldidaktik Schillers
2.1 Von der Autonomie der Kunst
2.2 Von der schönen Seele
2.3 Von den Anforderungen an das Drama
3. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert das theoretische Schaffen Friedrich Schillers mit dem Ziel, den Einfluss philosophischer Vorbilder auf seine Dramentheorie zu untersuchen und aufzuzeigen, wie er das Konzept der Kunst als Mittel zur ästhetischen Erziehung des Menschen revolutionierte.
- Die Entwicklung von Schillers ästhetischer Theorie in Auseinandersetzung mit Kant und Moritz.
- Das Konzept der Autonomie der Kunst als Freiheit in der Erscheinung.
- Die Konzeption der "schönen Seele" als harmonische Verbindung von Vernunft und Sinnlichkeit.
- Anforderungen an das Drama als Medium zur moralischen Veredlung des Menschen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Von der Autonomie der Kunst
In der klassizistischen Ästhetik ändert sich der Hauptzweck der Kunst. An die Stelle der antiken Mimesiskonzeption tritt das Vergnügen. In dem Dialog Politieia entwickelt Platon den Begriff der Mimesis als Nachahmung natürlicher Erscheinungen. Dem Menschen wird die Mimesis als Grundeigenschaft zugeordnet. Durch sie erschließe er sich die Natur und sei in den Stand versetzt, sich Dinge anzueignen und zu praktizieren. Die Deduktionen, die sich daraus für das Theater entwickeln, beziehen sich insbesondere auf die Nachahmung moralischer Handlungen. Es wird die Aufgabe der Kunst didaktisch zu wirken.
Moritz untersucht das Vergnügen im Hinblick auf das Schöne und das Nützliche. In Anlehnung an Kant unterscheidet er zwischen äußerer und innerer Zweckmäßigkeit. Moritz gesteht dem Kunstwerk erstmals ein eigenes Recht zu und löst es somit von jeglicher Forderung nach einem Zweck. Das Kunstwerk ist also nur um seiner selbst willen schön, nicht weil es wie auch immer gearteten Zwecken genügt: „Bei dem Schönen ist es umgekehrt. Dieses hat seinen Zweck nicht außer sich, und ist nicht wegen der Vollkommenheit von etwas anderem, sondern wegen seiner eigenen inneren Vollkommenheit da. Man betrachtet es nicht, in so fern man es brauchen kann, sondern man braucht es nur, in sofern man es betrachten kann“.
Das Schöne wird als solches vorgestellt, das um seiner selbst willen besteht. Dieser Objektivismus trennt ihn von Kant. Nur weil das Schöne wirklich schön ist, können wir uns in ihm verlieren. Für die Dauer dieses Erlebnisses können wir von uns selbst absehen, um die Eigenart des Schönen in seiner Unvergleichbarkeit mit Natur und anderem Schönen und Schlechten zu fassen. Das Schöne ist also nicht nur objektiv am und im Gegenstand, es hat auch noch die Kraft und Gewalt, jemanden in den Bann dieser Schönheit zu ziehen und in den Bereich der Schönheit selbst zu versetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Schillers künstlerische Entwicklung und erläutert die Zielsetzung der Arbeit, den Einfluss philosophischer Vorbilder auf seine Dramentheorie zu analysieren.
2. Die Moraldidaktik Schillers: Hier wird der Kern von Schillers Ästhetik untersucht, insbesondere der Übergang von einer zweckgebundenen moralischen Anstalt hin zu einer autonomen Kunstauffassung.
2.1 Von der Autonomie der Kunst: Dieses Unterkapitel beleuchtet Schillers Abkehr von einer rein zweckgerichteten Kunst zugunsten einer Autonomie, bei der das Schöne als "Freiheit in der Erscheinung" verstanden wird.
2.2 Von der schönen Seele: Das Kapitel erläutert das Ideal der schönen Seele, bei der Pflicht und Neigung in Einklang stehen und der Mensch durch Ästhetik zum moralischen Wesen erzogen wird.
2.3 Von den Anforderungen an das Drama: Dieser Abschnitt thematisiert, wie das Drama als Medium dienen kann, um durch die Darstellung von Leiden und den moralischen Widerstand des Helden das Mitleid und die Vernunft des Zuschauers zu fördern.
3. Ausblick: Der Ausblick reflektiert die heutige Relevanz von Schillers Thesen und betont die Notwendigkeit, durch Veredlung des Einzelnen gesellschaftliche Verbesserung zu erreichen.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Dramentheorie, Ästhetische Erziehung, Schöne Seele, Autonomie der Kunst, Kant, Mimesis, Moral, Freiheit, Vernunft, Spieltrieb, Erhabenes, Tragödie, Idealismus, Klassik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das theoretische Schaffen von Friedrich Schiller im Kontext der Dramentheorie und beleuchtet dessen philosophische Wurzeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Entwicklung von Schillers Ästhetik, seine Auffassung von Kunstautonomie, das Idealbild der schönen Seele und die erzieherische Funktion des Dramas.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu analysieren, wie Schiller durch die Auseinandersetzung mit Kant und Moritz seine Ansichten über die Rolle der Kunst und des Theaters grundlegend verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und philosophiegeschichtliche Analyse der zentralen Schriften Schillers und seiner Vorbilder angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Kunstautonomie, die Ausarbeitung des Konzepts der schönen Seele sowie die Anforderungen, die Schiller an das Drama stellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Ästhetische Erziehung, Kunstautonomie, schöne Seele, Vernunft, Freiheit und moralische Bildung.
Was versteht Schiller unter der "schönen Seele"?
Die schöne Seele bezeichnet einen Menschenzustand, in dem Pflicht und Neigung übereinstimmen und die Person intuitiv moralisch handelt, ohne dass ein äußerer Zwang notwendig ist.
Warum hält Schiller das Drama für ein geeignetes Erziehungsmittel?
Das Drama ermöglicht durch die Konfrontation mit dem Leiden des Helden eine emotionale und zugleich vernünftige Erfahrung beim Zuschauer, die zur moralischen Veredlung anregt.
- Arbeit zitieren
- Lukas Treiber (Autor:in), 2017, Schillers Dramentheorie. Von der Moral auf der Bühne zum ästhetischen Erziehungsprogramm, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379225