In Argentinien herrschte über viele Jahre hinweg eine repressive Diktatur. Sie ging einher mit politischer Gewalt, Verhaftungen, Zensur und Exekutionen. Interessant ist dabei, dass es keine Verfassungsreform gab und bis heute eine nicht wesentlich veränderte Verfassung aus dem 19. Jahrhundert gilt. Das spricht in Bezug auf policys (politische Inhalte) und politys (Strukturen, Institutionen) für einen geringen Einfluss von institutionellen bzw. formellen Faktoren wie der Verfassung und für einen hohen Einfluss gesellschaftlicher Akteure.
Heute ist Argentinien sei über 30 Jahren demokratisch. Daher stellt sich inzwischen die Frage, ob die demokratischen Prozesse und Werte auch bei den Bürgern und Machtakteuren angekommen sind oder ob nach wie vor undemokratische Gesellschaftsprozesse dominieren. Durch Argentiniens autoritäre Vergangenheit wird dieser Fall besonders relevant. Diese Arbeit soll deswegen überprüfen, ob die argentinische Zivilgesellschaft demokratischer Ansprüche entspricht. Das heißt, ob sie sich frei organisieren und Macht ausüben kann und ob demokratische Prozesse etabliert sind.
Dafür greift sie die Unterteilung in „civil society“ und „political society“ von Linz und Stepan auf. „Civil society“ bezeichnet hier die gesellschaftliche Ebene der Interessenaggregation und -ausübung. Hingegen entsteht die „political society“ aus der „civil society“, versucht aber direkt an Machtpositionen in der Gesellschaft zu kommen und nicht nur durch Macht auf sie zu wirken. Dafür nutzt sie demokratische Prozesse und etabliert diese gleichzeitig. Diese Arbeit erörtert die Existenz dieser beiden Gruppen und zivilgesellschaftliche Repressionen in dem lateinamerikanischen Land. Außerdem gibt sie einen Überblick über die neuen Entwicklungen in der demokratischen Kultur.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die „civil society“ und die „political society“
- Das politische System Argentiniens und seine Vorgeschichte
- Empirische Analyse
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht, ob die argentinische Zivilgesellschaft demokratischen Ansprüchen entspricht. Sie befasst sich mit der Frage, ob sich die Zivilgesellschaft frei organisieren und Macht ausüben kann und ob demokratische Prozesse etabliert sind. Die Analyse greift die Unterteilung in „civil society“ und „political society“ von Linz und Stepan auf, um die argentinische Gesellschaft unter diesem Gesichtspunkt zu betrachten.
- Analyse der argentinischen Zivilgesellschaft im Hinblick auf die Definitionen von „civil society“ und „political society“ von Linz und Stepan.
- Bewertung des Einflusses der argentinischen Geschichte auf die Entwicklung der Zivilgesellschaft.
- Untersuchung der Herausforderungen für demokratische Prozesse in Argentinien.
- Beurteilung der Rolle politischer Gewalt, Korruption und demokratischer Wahlprozesse in der argentinischen Gesellschaft.
- Begutachtung der Präsenz und Bedeutung von zivilgesellschaftlichen Themen in Argentinien.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung führt in die Thematik ein und stellt die Fragestellung der Arbeit vor. Sie beleuchtet den historischen Hintergrund Argentiniens und die Bedeutung der Zivilgesellschaft für die Demokratie.
Die „civil society“ und die „political society“
Dieses Kapitel definiert die Begriffe „civil society“ und „political society“ im Kontext von Linz und Stepans Konzept der „consolidated democracy“. Es erläutert die Charakteristiken beider Gesellschaftstypen und stellt die Bedeutung der „civil society“ für die „political society“ heraus.
Das politische System Argentiniens und seine Vorgeschichte
Dieses Kapitel liefert einen Überblick über das politische System Argentiniens und beleuchtet seine historische Entwicklung. Es untersucht den Einfluss der Geschichte auf die Gestaltung der Zivilgesellschaft und die Herausforderungen für demokratische Prozesse.
Empirische Analyse
Dieses Kapitel präsentiert Studien, die die These vom einwandfreien Vorhandensein der beiden Gesellschaftstypen „civil society“ und „political society“ in Argentinien in Frage stellen. Es fokussiert auf Themen wie politische Gewalt, Korruption und demokratische Wahlprozesse.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen „civil society“, „political society“, „consolidated democracy“, „Transition“, „Argentinien“, „demokratische Prozesse“, „politische Gewalt“, „Korruption“, „Wahlprozesse“ und „Zivilgesellschaft“. Sie analysiert die argentinische Zivilgesellschaft im Kontext dieser Begriffe und untersucht deren Einfluss auf die Demokratie.
Häufig gestellte Fragen
Was unterscheidet „civil society“ von „political society“?
„Civil society“ ist die Ebene der Interessenaggregation der Bürger. Die „political society“ entsteht daraus, strebt aber direkt nach politischen Machtpositionen und etabliert demokratische Prozesse.
Wie hat die Diktatur Argentiniens Zivilgesellschaft geprägt?
Die lange Phase repressiver Gewalt, Zensur und Exekutionen führte zu tiefem Misstrauen, aber auch zur Entstehung starker gesellschaftlicher Akteure, die heute demokratische Ansprüche einfordern.
Sind die demokratischen Prozesse in Argentinien heute gefestigt?
Obwohl Argentinien seit über 30 Jahren demokratisch ist, zeigen empirische Analysen, dass Probleme wie Korruption und politische Gewalt die vollständige Konsolidierung behindern.
Warum ist die argentinische Verfassung von 1853 noch immer relevant?
Interessanterweise gab es keine grundlegende Verfassungsreform; dies deutet darauf hin, dass gesellschaftliche Akteure einen höheren Einfluss auf die Realpolitik haben als rein formelle Institutionen.
Welche Rolle spielt Korruption für die Zivilgesellschaft?
Korruption untergräbt das Vertrauen der Bürger in die „political society“ und stellt eine der größten Herausforderungen für die Etablierung einer stabilen demokratischen Kultur dar.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2017, Etablierung demokratischer Ansprüche und Prozesse in der Zivilgesellschaft Argentiniens. Entwicklung und Umsetzung von „political society“ und „civil society“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379288