Aufgabe und Wirkung der Sozialen Arbeit in der Gesellschaft. Profession Soziale Arbeit als Wegbereiter für eine bessere soziale Gerechtigkeit?


Hausarbeit, 2016

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Ein fordernder Ansatz

II. Szenarien Sozialer Arbeit
1. Profession und Disziplin – eine Positionierung
2. Die Funktion der Sozialen Arbeit und ihre Aufgabenbereiche
3. Möglichkeiten Sozialer Arbeit – Soll und Ist
4. Interdisziplinäres Arbeiten
5. Ethik in der Sozialen Arbeit
6. Messbarkeit der Wirkung Sozialer Arbeit

III. Fazit

IV. Literaturverzeichnis

V. Online-Quellen

VI. Anhang
1. Definitionen
2. Abbildungen

I. Ein fordernder Ansatz

Unter Berücksichtigung des seit längerer Zeit laufenden Diskurses über Soziale Arbeit als Profession und der entsprechenden Disziplin der Sozialarbeitswissenschaft ließe sich folgendes Postulat formulieren:

"Die Vulnerabilität[1] der Adressaten sollte durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit auch unabhängig von Zuweisungen durch kommunale und staatliche Institutionen festgestellt und ihre Abhilfe innerhalb rechtlicher Zusammenhänge auf den Weg gebracht werden können. "

Diese These beinhaltet definitiv „Einmischung“ in gesellschaftlich-politischer Hinsicht – in Form einer reflexiven Profession [2] , die die Unzulänglichkeit der gesellschaftlichen Systeme in Hinsicht auf die Lösung von Inklusions- und Integrationsproblematiken immer wieder in den Fokus rückt. Zur Verdeutlichung möglicher Konsequenzen der These ist es notwendig, die Begriffe von Profession und Disziplin der Sozialen Arbeit im aktuellen Diskurs genauer zu betrachten und Feststellungen und Positionen zu ihrer Aufgabe und Wirkung in unserer Gesellschaft heranzuziehen. Dabei würde der Anspruch auf Vollständigkeit an dieser Stelle den Rahmen dieser Arbeit sprengen, es sollen lediglich Gedankenverknüpfungen und Überlegungen in Hinsicht auf „Denkbarkeit“ vorgestellt werden.

Weil die Profession der Sozialen Arbeit sich dem Diktat gesellschaftlicher Organisationsträger unterwirft, die in ihrem öffentlichen Auftritt das Wohl der Gesamtheit im Auge haben, gehen die zunehmend strategischen, unflexiblen Handlungsverfahren der Fachkräfte auf Kosten der an einer Partizipation mehr und mehr gehinderten Klientel. [3] Die Soziale Arbeit und vor allem ihre Träger haben sich in die Defensive hineinmanövriert. So wundert es nicht, wenn das Bundeskartellamt […] von einem neokorporatistischen Kartell zwischen Wohlfahrtsverbänden, Kommunal- und Landespolitik sowie Ministerialbürokratie sprechen darf. Soziale Arbeit sei weder klientenorientiert noch effizient. Die Alternative: der freie Markt soll es richten...: Die Leistungen der sozialen Arbeit seien auszuschreiben (der billigste bekommt den Auftrag), von Subjektleistungen ist die Rede (Beratungsgutscheine statt Beratungsstellen), Gewinne seien zu ermöglichen und die Steuerbefreiung für Umsatz und Spenden aufzuheben.“[4] Dem letzteren Satz sei die weitere Alternative einer grundsätzlichen Wahlmöglichkeit der Adressaten entgegenzustellen, auch bei medizinischen Behandlungen oder rechtlicher Beratung gibt es keine Ausschreibungen, sondern sowohl Gebührenverordnungen als auch freie Honorarvereinbarungen. Sprach Staub-Bernasconi noch 1995 in diesem Zusammenhang von einer „bescheidenen Profession“, die sich Ärger einhandelt, „ wenn die kognitive wie reale Landkarte größer wird…“ und von einem“ weltweiten Professionsverständnis“ fordert, nur eine „weniger ungerechte Gesellschaft“ anzustreben, [5] so sah sie 17 Jahre später die Profession in der „Verpflichtung zur wissenschaftlichen Begründung ihrer Interventionen und dank ihres weltweit geteilten Ethikkodexes mit der Menschenwürde, den Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit als Basis.“ [6] So sollte Soziale Arbeit auch ihrer Aufgabe, ihrer „Mission“ gemäß anerkannt, von ihren eigenen Vertretern dargestellt und ihrem Status gemäß gesellschaftlich eingereiht werden.

Insofern sehe ich die Rezeption der Sozialen Arbeit in der vollen Tragweite ihrer Bedeutung noch immer nicht nur in der deutschen Gesellschaft, sondern umso mehr bei den Einrichtungen und Fachkräften selbst auf dem Prüfstand.

II. Szenarien Sozialer Arbeit

1. Profession und Disziplin – eine Positionierung

Die Zuständigkeit für einen zentralen gesellschaftlichen Bereich oder Zentralwert gilt als ein wesentliches Merkmal einer Profession, durch sie werden wichtige gesellschaftliche Probleme und Funktionen ausgeübt und Wissen verwaltet. Sie unterscheidet sich von Bereichen wirtschaftlichen Handels durch diesen Gemeinwohlbezug. [7] Ein konkreter Gemeinwohlbezug, der selbstgesetzte Zweck, das Proprium Sozialer Arbeit, sei alles zu tun, was soziale Gerechtigkeit fördert. Dies entspricht der „Mission“ der Profession. [8] Vertrauen, Autonomie und Kompetenz spielen zusätzlich eine wichtige Rolle in professioneller Arbeit, ihre Bedeutungen waren stets untrennbar verbunden. Noch im 19. Jh. konnte ein Klient/Patient darauf vertrauen, dass ihm von Doktor, Anwalt oder Pfarrer – den Vertretern der „klassischen Professionen“ – uneigennütziger Rat [9] gegeben werden wurde. [10] Heutige Soziale Arbeit genießt in der Bevölkerung ähnliches Ansehen: „85 % der Bevölkerung bewundert die Fachkräfte der Sozialen Arbeit wegen ihres Engagements für diese Ziele. Alle Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit werden von über 2/3 der Bevölkerung als wichtig eingestuft.“ [11] So wie Elias unterstrich, dass die Soziologie als „Menschenwissenschaft“ keine Profession minderen Wertes gegenüber den Naturwissenschaften sei [12] , so betrachten mehr und mehr Fachleute auch die Soziale Arbeit ebenso, sie ist mit der Sozialarbeitswissenschaft als Disziplin ein wichtiger etablierter Faktor in der Gesellschaft, welcher im Elias’schen Sinne relative Autonomie und z. B. über das SGB, das Familienrecht, das BGB u. a. Gesetzbücher entscheidendes Gewicht in der Rechtsprechung bezüglich grundlegender Prozesse und Gegebenheiten im Staat besitzt.

Die von manchen Autoren allerdings postulierte Schwäche der Sozialen Arbeit, die Vernetzung und der Zugriff auf viele Bezugswissenschaften ist im Gegenteil ihre eigentliche Stärke. Statt sich auf ein spezielles Gebiet zu fokussieren, verknüpft sie zugunsten komplexer Erfassung sozialer Gemengelagen auf holistische Weise geeignetes anderweitiges Disziplinwissen. Dies ist zwar nicht klassisch-puristisch, aber nützlich – nicht einsehbar wäre somit, der Profession ihre Praxisnähe anzukreiden und sie schlicht in die „Helferberufe“ einzureihen. Im Grundlagenheft des DBSH findet sich die Aussage, dass Soziale Arbeit ein eigenes professionelles Mandat verfolgt, neben den von Adressaten und Gesellschaft übertragenen Mandaten. [13] Soziale Arbeit geht durch ihre Theorien in ihrem gesellschaftlichen Überblick durchaus weiter und verharrt durch ihre seit Jahren etablierte Forschungstätigkeit nicht im Status quo. „Sozialarbeitswissenschaft ist für die Soziale Arbeit, was die Medizin für die Profession der Ärzte, die Gesundheitswissenschaften für Pflegende oder die psychologische Therapieforschung für Psychotherapeutinnen: die handlungswissenschaftliche Disziplin der Profession.“ [14] Diese Disziplin ist durch die Diskurse der letzten Jahre in den Vordergrund gerückt. Aktuell ist durch angespannte politische Gemengelagen und die zwangsläufig zunehmende öffentliche Wahrnehmung des sich schon seit Jahren abzeichnenden Flüchtlingsproblems und damit einhergehender menschlicher Dramen die dringende Notwendigkeit sozialen Handelns ersichtlich, welches zur Wirksamkeit nur durch ausgesprochene Professionalität gelangt, basierend auf fundierten empirischen und theoretischen Kenntnissen. Gerade in der Flüchtlingsdiskussion zeigt sich die Wichtigkeit der Einrede jener, die als Conditio sine qua non soziale Gerechtigkeit und die Einhaltung der Menschenrechte einfordern.

2. Die Funktion der Sozialen Arbeit und ihre Aufgabenbereiche

„Oft wird gerade dort, wo Politik und Gesellschaft nicht mehr weiter wissen, Soziale Arbeit beauftragt.“ [15] Soziale Arbeit ist auf vielen Gebieten und in vielerlei Form tätig, arbeitet mit Menschen jeden Alters im Hilfe- oder Pädagogikbereich, befasst sich mit Sucht-, Gewalt-, Ausgrenzungsproblemen. Sie forscht im Geschlechter- und Gesundheitssektor oder fördert Interkulturalität – die Liste lässt sich noch weiter ergänzen. [16] Sie arbeitet dort, wo es auf die Menschenwürde, Schutz und Selbstbestimmung der Individuen und Gemeinschaftssolidarität ankommt. [17] Die Aufgaben der Fachkräfte beziehen sich außer auf direkten Klientelkontakt auch auf Mitwirkung an Sozialplanung sowie der Legislative, außerdem bringen sie ihre Fachlichkeit z. B. in der Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für ihre Adressaten ein. [18]

Ihre Funktion wird verdeutlicht durch ihre Basiskompetenzen in Netzwerken, Kommunikation, Case-Management oder praktizierter Lebensweltorientierung und richtet sich immer nach den ihr aufgetragenen Mandaten aus. Berufsspezifisch stehen u. a. Schutz und Kontrolle, Gemeinwesengestaltung, Interessenvertretung ihrer Klientel und nicht zuletzt politische Einflussnahme im Fokus. [19] Kurz gefasst fungiert Soziale Arbeit als handlungsorientierte Gestalterin des Sozialen. [20] Zu befürchten ist jedoch, dass ihre Handlungsspielräume durch die Zersplitterung fachlicher Aufgaben und Übertragung und Verkleinerung von Kompetenzen zugunsten ökonomischer Überlegungen schrumpfen. Als Beispiel möchte ich das massive Zurückfahren von Mitteln und Maßnahmen der Jugendhilfe im Bereich der Arbeitsagenturen in Oberbayern in den Jahren 2008 bis 2012 erwähnen, was entsprechende Konsequenzen – Entlassungen und wirtschaftliche Unsicherheiten – für die in diesem Bereich arbeitenden Fachkräfte nach sich zog. Durch die gängige Ausschreibungspraxis wird der Preis als entscheidender Faktor berücksichtigt, die Qualität der angebotenen Leistungen wird nachrangig. „ Im Ergebnis bedeutet die bisherige Situation eine Diskriminierung der Tätigkeitsfelder der Sozialen Arbeit gegenüber allen anderen Berufen, und darüber hinaus eine Situation, in der sich der Klient nicht darauf verlassen kann, des [sic!] er entsprechend verantwortlich unterstützt wird.“ [21]

[...]


[1] S. Anlage I, Definitionen

[2] Vgl. Mennemann/Dummann, S. 100

[3] Vgl. Schütze 1992, S. 164

[4] Vgl. Nodes 2016, S. 2

[5] Vgl. Staub-Bernasconi 1995, S. 80

[6] Vgl. Staub-Bernasconi 2012, S. 12

[7] Vgl. Schrödter 2007, S. 5

[8] Vgl. Schrödter 2007, S. 8 „Was ist der Zentralwert Sozialer Arbeit? Im Anschluss an Jerome Wakefield[…] gehe ich im Folgenden davon aus, dass der gesellschaftliche Auftrag Sozialer Arbeit in der Herstellung von sozialer Gerechtigkeit liegt. Soziale Arbeit tut alles, was der Herstellung von sozialer Gerechtigkeit dient.“

[9] Interessant wäre es, einmal zu ermitteln, ob dies in der heutigen Zeit auch noch so zutrifft.

[10] Vgl. Evetts 2009, S. 164 f.

[11] DBSH: https://www.dbsh.de/beruf/haltung-der-profession.html?tx_ttnews%5Btt_news%5D=302&cHash=fc7130f00b66090dc0f17867cc7b7d3e letzter Zugriff: 15.10.2016

[12] Vgl. Treibel 2007, S. 196

[13] Vgl. Leinenbach 2009, S. 24

[14] Vgl. Website des Systemtheoretischen Paradigma der Sozialen Arbeit (SPSA), http://wl24www398. Letzter Zugriff: 15.10.2016

[15] DBSH: https://www.dbsh.de/beruf/berufsgesetz/initiative-berufsgesetz.html letzter Zugriff: 15.10.2016

[16] Vgl. Mennemann/Dummann 2016, S. 36

[17] Vgl. Leinenbach 2009, S. 23

[18] Ebd.

[19] Vgl. Leinenbach 2009, S. 23.

[20] Vgl. Mennemann/Dummann 2016, S. 189

[21] DBSH: https://www.dbsh.de/beruf/berufsgesetz/initiative-berufsgesetz.html letzter Zugriff: 26.10.2016

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Aufgabe und Wirkung der Sozialen Arbeit in der Gesellschaft. Profession Soziale Arbeit als Wegbereiter für eine bessere soziale Gerechtigkeit?
Hochschule
Fachhochschule Münster  (FB Sozialwesen)
Veranstaltung
Modul FO1 - MAPS Soziale Arbeit und Forschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V379328
ISBN (eBook)
9783668578142
ISBN (Buch)
9783668578159
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interdisziplinarität
Arbeit zitieren
Annett Hornung (Autor), 2016, Aufgabe und Wirkung der Sozialen Arbeit in der Gesellschaft. Profession Soziale Arbeit als Wegbereiter für eine bessere soziale Gerechtigkeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379328

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