Dschihad aus der Perspektive der islamischen Ethik


Hausarbeit, 2015

14 Seiten, Note: 14,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung Dschihad
2.1 Dschihad im militärisch, kriegerischen Kontext
2.2 Dschihad in seiner Grundbedeutung und Emigration als Dschihad

3. Fehlinterpretation und Radikalisierung des Wortes Dschihad

4. Dschihad aus der Perspektive der islamischen Ethik und ihre Relevanz für den Alltag des Muslims
4.1 Dschihad im Alltag
4.1.1 Der Dschihad des Herzens
4.1.2 Der Dschihad der Zunge
4.1.3 Der Dschihad der Hände

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Juni 2015 hielten zwei weitere Kommilitonen und ich im Seminar „Genese der islamischen Wissenschaft“ eine Präsentation zum Thema „Islamische Ethik“. Der Inhalt unseres Vortrages basierte auf der Grundlage der Literatur „Ethik in nichtchristlichen Kulturen“ von Peter Antes, in der der Autor das ethisch richtige Verhalten des Einzelnen, das ethisch richtige Verhalten in der Familie und in der Gesellschaft im Islam aufführt.

Für unsere Ausarbeitung wurde von Seiten des Dozenten empfohlen, uns auf einen bestimmten Themenbereich in der islamischen Ethik zu fokussieren. Daraufhin entschied ich mich für das Thema „Dschihad aus der Perspektive der islamischen Ethik“. Dschihad ist in der heutigen Zeit ein Wort oder gar ein Thema, das kontrovers diskutiert wird. Dies liegt unter anderem daran, dass islamistische Terrororganisationen im Namen dieses religiösen Begriffes Kriege führen, obwohl die Grundbedeutung dieses Begriffes (Anstrengung, Mühe) keine kriegerische Bedeutung hat (vgl. Tworuschka 2007, S. 118) .

In meiner Ausarbeitung werde ich den inhaltlichen Schwerpunkt auf den Dschihad im Alltag der Muslime setzen. Auf weitere Paradigmen aus der islamischen Ethik werde ich verzichten müssen, da diese sonst den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen würden.

Im ersten Teil meiner Ausarbeitung möchte ich die Frage erarbeiten, welche Bedeutungen das Wort Dschihad im Koran einnimmt.

Im Anschluss daran, setzte ich mich mit der Frage auseinander, ob der Begriff des Dschihad oft fehlinterpretiert oder gar radikalisiert wird.

Daraufhin folgt der Hauptteil, in der die zentrale Frage dieser Ausarbeitung erläutert wird, nämlich, was es für den gegenwärtigen Muslim bedeutet, Dschihad zu betreiben. Dabei soll anhand von Koranversen und Hadithen des Propheten Muhammed verdeutlicht werden, wie der Dschihad im Alltag geführt werden kann.

Schließlich soll im Schlussteil die gewonnenen Erkenntnisse zusammengefasst dargestellt werden.

2. Begriffsbestimmung Dschihad

Das arabische Wort Dschihad bedeutet wörtlich Anstrengung (Antes 1984, S. 76). Im religiösen Sinne bedeutet Dschihad sich für ein gottgefälliges Ziel, wie z.B. das Gebet oder Fasten, anzustrengen bzw. zu bemühen (vgl. Tworuschka 2007, S. 118).

Im Koran taucht das Wort Dschihad in 19 Versen auf (Karaman et al. 1987, S. 28), jedoch wird es in unterschiedlichen Kontexten verwendet und erhält dadurch vielfältige Bedeutungen. Dabei wird Dschihad zwölf Mal in einem militärisch, kriegerischen Kontext verwendet, sieben Mal wird er in seiner Grundbedeutung bzw. im Sinne des Strebens/ Abmühens nach dem islamischen Glauben zu leben verwendet und zwei Mal hat Dschihad die Bedeutung von Emigration (Eigene Studie).

Im Folgenden werden die einzelnen Kontexte kurz skizziert.

2.1 Dschihad im militärisch, kriegerischen Kontext

In Kapitel 9, Vers 41 befiehlt Gott allen Muslimen sich mit ihrem Vermögen und mit ihrer eigenen Person am Krieg zu beteiligen, unabhängig davon, welche Umstände oder Bedingungen gelten. Ob reich oder arm, schwer oder leicht ausgerüstet, jung oder alt, alle Muslime sollen am Krieg teilnehmen. Erst nachdem der Vers 91 desselben Kapitels offenbart wurde, wurden die Muslime befreit, die ein hohes Alter erreicht hatten oder krank oder arm waren (Karaman et al. 1987, S. 193). In Vers 44 Kapitel 9 gibt Gott ein Beispiel für die „Gottesfürchtigen“: „Die, welche an Allah und den Jüngsten Tag glauben, bitten dich nicht um Erlaubnis, sich nicht mit Gut und Blut einsetzen zu müssen.Und Allah kennt die Gottesfürchtigen“ (Henning 2011, S.127f).

Die Verse 81, 86, 87, 90, 93-96 desselben Kapitels beinhalten ebenfalls das Wort Dschihad, in denen das Wort im kriegerischen Kontext verwendet wird. Der kriegerische Einsatz bezieht sich auf den Tabuk- Feldzug im Sommer 630 (vgl. Khoury 2007, S. 219). Die Heuchler und die arabischen Beduinen brachten Vorwände, um am Tabuk- Feldzug nicht teilnehmen zu müssen. „Ihnen ist es zuwider, sich mit ihrem Vermögen und mit ihrer eigenen Person auf dem Weg Gottes einzusetzen.“ Sie ließen den Propheten und seine Gefährten im Stich und gehörten damit zu den „Zurückgebliebenen“ (vgl. Khoury 2007, S. 231). Diejenigen, die gelogen haben, um sich am Feldzug nicht beteiligen zu müssen - obwohl sie im Stande waren sowohl körperlich/gesundheitlich als auch materiell - in Bezug auf militärische Ausrüstung – mit denen ist Gott nicht zufrieden ( vgl. Karaman et al. 1987, S. 201 ; Asad 2009, S. 360).

In Kapitel 4 Vers 95 und 96 beschreibt Gott sich selbst als großzügig und barmherzig. Er „verspricht einem jedem das Beste“, auch diejenigen, die „daheim sitzen“. Mit den „daheim sitzenden“ bezeichnet Gott, Kinder, Frauen und Menschen die durch hohes Alter gehindert wurden, am Krieg teilzunehmen (vgl. Asad 2009, S. 359). Jedoch hebt er den Rang derjenigen um eine Stufe höher, die sich im Kampfeinsatz gegen die Feinde beteiligen ( vgl. Khoury 207, S. 146).

Zu diesen „Kriegsversen“ ist anzumerken, dass diese nicht als überzeitliche und imperative Aussagen erfasst werden dürfen. Außerdem müssen diese Verse vor ihrer Deutung historisiert und kontextualisiert werden (Mohaghegi 2010, S. 59). Denn die Kriege, die der Prophet Muhammed geführt hat, „werden nach qur´anischen Überlieferungen als notwendige Maßnahmen für die Beseitigung von Ungerechtigkeiten dargestellt. Sie dienten nicht in erster Linie der Ausbreitung des Islam oder gar der Zwangsbekehrung. Dafür gibt es zahlreiche Zeugnisse“ (ebenda. S.70).

2.2 Dschihad in seiner Grundbedeutung und Emigration als Dschihad

Die Verse 25:52 und 9:73 haben eine ähnliche Bedeutung. Der Prophet Muhammed wird in diesen Versen explizit aufgefordert, den ungläubigen Heuchlern nicht zu gehorchen und sich gegen diese einzusetzen (vgl. Khoury 2007, S. 230 u. 353). Khoury schreibt zu diesen Versen, dass es sich hierbei nicht um einen bewaffneten Kampf handelt, sondern um eine Auseinandersetzung im alltäglichen Zusammenleben und die Ausrichtung der Botschaft des monotheistischen Glaubens (vgl. ebenda.). Asad schreibt zu diesem Vers, dass das Wort Dschihad in diesem Fall „in seiner spirituellen Bedeutung gebraucht“ wird, um die Ungläubigen in ihrer Einstellung zu überzeugen. (Asad 2009, S. 355).

Weiterhin befiehlt Gott im letzten Vers der Sure 22 den Muslimen, sich für Gott einzusetzen, wie er es befohlen hat. Am Ende dieses Verses erläutert Gott , was er damit meint, nämlich das Gebet zu verrichten, Almosen zu spenden und an ihn festzuhalten (vgl. Khoury 2007, S. 335).

Im Vers 19 des Kapitels 9 vergleicht Gott die Gläubigen mit den Ungläubigen. Er hebt die Gläubigen hervor, die an ihn und an das Jenseits glauben und die sich auf seinem Weg abmühen und wertet diese auf. Henning gibt zu diesem Vers eine Anmerkung und schreibt, dass „Dschihada fi- sabil Allah“ in diesem Kontext „auf dem Wege Gottes mit Gut und Blut abmühen“ bedeutet und daher keine militärische Bedeutung zugefügt wird (vgl. Henning 2011, S.125).

Im darauffolgenden Vers wird Dschihad zweifach verwendet, nämlich im Sinne von „auf dem Wege Gottes mit seinem Vermögen abmühen“ und Emigration. Im Jahre 622 beschlossen der Prophet Muhammed und seine Gefährten nach Medina auszuwandern, weil sie in Mekka aufgrund ihres Glaubens verfolgt und viel Unrecht erlitten hatten (vgl. Khoury 2007, 16:41)

Im Koran gibt es viele weitere Verse, in denen die Muslime, die um Gottes Willen ausgewandert sind, gelobt werden. Gott verspricht denjenigen, die um seinen Willen ausgewandert sind, seine Barmherzigkeit (vgl. ebenda. 2:218 u. 3:195).

Des Weiteren ist aus dem Vers 49:15 zu entnehmen, dass Dschihad bzw. der Einsatz für die Sache Gottes ein Zeichen der Wahrhaftigkeit des Bekenntnisses ist (vgl. ebenda. S. 477). Es heißt: „Die Gläubigen, das sind diejenigen, die an Gott und seinen Gesandten glauben und dann nicht zweifeln und sich mit ihrem Vermögen und mit ihrer eigenen Person auf dem Weg Gottes einsetzen. Das sind die Wahrhaftigen.“

Der letzte Vers, in dem das Wort Dschihad auftaucht, ist 8:72. Auch in diesem Vers wird „Dschihad“ im Sinne von „Emigration“ und in seiner Grundbedeutung verwendet.

Dieser und die darauffolgenden Verse motivieren die Muslime dazu, nach rechtschaffenen Taten zu streben, untereinander Freundschaften zu pflegen und sich gegenseitig zu unterstützen (vgl. Khoury 2007, S. 218).

Durch die Herausarbeitung der Dschihad-Verse ist zu erkennen, dass dieses Wort in unterschiedlichen Kontexten verwendet wird und dadurch eine große Bedeutungsvielfalt aufweist. Weil dieses Wort unterschiedliche Bedeutungen einnehmen kann, soll nun im folgenden Teil untersucht werden, ob der Begriff Dschihad oft fehlinterpretiert oder gar radikalisiert wird.

3. Fehlinterpretation und Radikalisierung des Wortes Dschihad

Unter dem Begriff Dschihad wird fälschlicherweise häufig „heiliger Krieg“ verstanden (Tworuschka 2007. S.118). Der Grund dafür liegt darin, dass der Dschihad im 20. Jahrhundert einen neuen Stellenwert erhalten hat. Tworuschka nennt drei Aspekte, die der neuen Interpretation des Begriffs zu Grunde liegen:

[...]

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Details

Titel
Dschihad aus der Perspektive der islamischen Ethik
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Islamische Theologie)
Note
14,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V379353
ISBN (eBook)
9783668563872
ISBN (Buch)
9783668563889
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dschihad, perspektive, ethik
Arbeit zitieren
Ömer Zorlu (Autor), 2015, Dschihad aus der Perspektive der islamischen Ethik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379353

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