Der Kreuzzuggedanke und die Frage nach dem gerechten Krieg


Facharbeit (Schule), 2016
13 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Die Situation der europäischen Bevölkerung im 11. Jahrhundert
2.2. Papst Urban II
2.3. Der Kreuzzuggedanke
2.4. Chronologie der Kreuzzüge
2.5. Frage nach Entstehung des Kreuzzuggedanken
2.6. Frage nach Gerechtigkeit des Kreuzzuggedanken

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Krieg stellt eine konstante Größe in der gesamten Menschheitsgeschichte dar. Zu jeder Zeit stellte sich den Menschen dabei die Frage nach der Rechtmäßigkeit und Legitimation von solchen kriegerischen Auseinandersetzung. Früh kam es daher zur Unterscheidung zwischen gerechten und ungerechten Kriegen. Dabei gab es verschiedene Methoden einen Krieg zu legitimieren. Zum Beispiel, durch die Bedrohung von außen oder durch die Berufung der Kriegführenden auf ihren Glauben und ihre Religion. So kam es in der Geschichte häufiger dazu, dass Kriege als gottgewollt oder sogar im „Auftrag Gottes“ geführt wurden. In der christlichen Religion denken viele dabei an die Kreuzzüge, welche die katholische Kirche im Namen ihres Glaubens im Mittelalter unternommen hat. Sie waren und sind der Gegenstand vieler Diskussionen und Untersuchungen. Oft wurde dabei gefragt ob es sich um einen Glaubenskrieg der Christen handelte und wie er einzuordnen ist. War es ein gerechter oder ein ungerechter Krieg? Um diese Frage beantworten zu können, muss man zuerst nach dem Grund, also dem Gedanken fragen, der zu den Kreuzzügen führte.

Deshalb habe ich diese Facharbeit der Frage nach dem Kreuzzuggedanken gewidmet. Ich möchte dabei herausfinden ob die Kreuzzüge und der Gedanke, der hinter ihnen steckt als gerecht oder ungerecht angesehen werden konnte.

In der folgenden Facharbeit werde ich deshalb die Geschichte der Kreuzzüge insgesamt darstellen, meinen Fokus will ich aber auf den ersten Kreuzzug legen. In ihm zeigen sich Motivationen und Begründungen, die auch für alle anderen Kreuzzüge wichtig waren. Ich werde zuerst auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Faktoren und die Lebensbedingungen der Bevölkerung der damaligen Zeit eingehen. Für diese Untersuchungen werde ich außerdem noch Papst Urban II. vorstellen, da er einer der wichtigsten Gründe für die Kreuzzüge ist. Danach werde ich einen Überblick über den Verlauf, die Grundgedanken und die Ziele der Kreuzzüge geben.

Am Ende will ich herausstellen wie es zu diesen Glaubenskriegen kommen konnte und ob die Kreuzzüge als gerecht oder ungerecht angesehen werden können. Dafür dient mir die Definition des Augustinus für einen „gerechten Krieg“. Ich werde versuchen sie auf die Kreuzzüge und den Kreuzzugsgedanken anzuwenden.

2. Hauptteil

2.1. Die Situation der europäischen Bevölkerung im 11. Jahrhundert

Zur Zeit der ersten Kreuzzüge litten große Teile der europäischen Bevölkerung unter Fehden und Kriegen einerseits und unter schlechten wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen andererseits. Grund dafür war zum einen der enorme Bevölkerungszuwachs. Der Grundbesitz wurde so zunehmend verkleinert, wodurch es immer öfter zu kleineren und größeren Auseinandersetzungen zwischen verschiedensten Akteuren aus Gesellschaft und Politik kam. Besonders die einfachen, oft von Armut und Ausgrenzung geplagten Bevölkerungsschichten waren am härtesten von den Folgen solcher Konflikte betroffen. Neben dem Verlust von Hab und Gut und der Zerstörung der gewohnten Lebensgrundlage kam es zu Verfolgung und Flucht.

Zum anderen waren die sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen im Allgemeinen schlecht. Durch äußere Einflüsse verschlimmerte sich auch hier wieder vor allem die Lage der ärmeren Bevölkerungsschichten. Durch Missernten, die durch Überschwemmungen, Dürreperioden und Krankheitsbefall entstanden, kam es zu Hungersnöten. Darüber hinaus litt der Großteil der mittelalterlichen Gesellschaft unter dem System der Leibeigenschaft, das die Betroffenen von ihren Lehnsherren abhängig und damit in hohem Grade unfrei machte. Das Denken und die Vorstellungen der damaligen Bevölkerung waren geprägt durch das Frömmigkeitsideal, durch religiöse und theologische Weltbilder sowie durch die eben genannten gesellschaftlichen und politischen Lebensbedingungen.

Der allgemeine Einfluss der Kirche hatte sich auch immer mehr auf weltliche Bereiche ausgedehnt. Neben der politischen Welt war dieser Einfluss aber vor allem auf die christliche Bevölkerung in Europa unglaublich groß. Der Papst hatte als höchste Autorität der christlichen Kirche die universelle Herrschaft über alle Katholiken und beanspruchte für alle Kirchenanhänger einen länderübergreifenden Gehorsam. Aber das galt nicht für alle Christen in Europa, weil sich die katholische Kirche im Jahr 1054 in die römisch-katholische und die griechisch-orthodoxe Kirche getrennt hatte. Es gab dann also zwei kirchliche Zentren, zum einen in Rom und zum anderen in Konstantinopel. Der Grund für die Trennung war ein Streit über theologische Probleme, wie zum Beispiel die Trinitätslehre.

2.2. Papst Urban II.

Papst Urban II. wurde wahrscheinlich 1035 unter seinem bürgerlichen Namen Odo de Lagery, also Otto von Lagery, in Châtillon-sur-Marne im heutigen Frankreich als Sohn einer Adelsfamilie geboren. Nach seinem Studium in der Kathedralschule von Reims trat er einem Benediktinerkloster in Cluny bei, welches zu dieser Zeit zu den religiösen Zentren des Christentums in Europa zählte. 1073 wurde ihm das Amt des Priors, also des Klostervorstehers, übergeben. Ein paar Jahre später, zwischen 1078 und 1079, wurde Urban II. von Papst Gregor VII. in Rom zum Kardinalsbischof von Ostia und Velletri ernannt. Anschließend diente er als päpstlicher Legat im damaligen Deutschland. Als der damalige Papst Victor III. nach nur einem Jahr sein Amt am 12.03.1088 niederlegte, wurde er von Urban II. als Inhaber des höchsten kirchlichen Amts abgelöst. Urban II. blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1099 im Amt als höchster Würdenträger der christlichen Religion.

Über seine Persönlichkeit lässt sich heutzutage nur noch sehr schwer etwas sagen. Aus einigen Quellen lässt sich jedoch entnehmen, dass er durchaus sympathisch und höflich auf Außenstehende gewirkt haben soll. Außerdem galt er als eine eindrucksvolle Persönlichkeit, die durch Überzeugungskraft und Weitblick charakterisiert wurde. Gerade im Umgang mit Menschen und deren Problemen wusste er sich gekonnt auszudrücken. Darüber hinaus hieß es von seinen Untergebenen, er sei mehr Weltkind als Papst. Er regierte nicht besonders streng und setzte wohl mehr auf Weltverständnis und Nachsicht sowohl in weltlichen als auch in kirchlichen Fragen. Für Papst Urban II. war die „Erneuerung der christlichen Gemeinschaft“ eine seiner wichtigsten Aufgaben. Sein Ziel war es also die Trennung der christlichen Kirche in die griechisch-orthodoxe und die römisch-katholische Kirche aus dem Jahr 1054 zu überwinden. Aus diesem Grund führte der Papst seit den achtziger Jahren des elften Jahrhunderts Verhandlungen mit dem damaligen byzantinischen Kaiser Alexios I. Urban II. wurde im Jahr 1881 heiliggesprochen.

2.3. Der Kreuzzuggedanke

Während der Verhandlungen mit dem Kaiser von Byzanz kam es dazu, dass Alexios I. die Bedrohung seines Reiches durch die Seldschuken betonte und Urban II. um Hilfe fragte. Er erhoffte sich ein Heer von Söldnern aus dem Westen Europas zur Unterstützung in der Auseinandersetzung mit den islamischen Gegnern. Wahrscheinlich plante der Papst daraufhin ein Heer aus Rittern und Soldaten aufzustellen und dieses dann nach Byzanz zu schicken.

Am 27. November des Jahres 1095 hielt er jedoch dann eine beeindruckende Rede vor vielen Tausend Gläubigen im französischen Clermont. In ihr ruft er allgemein zu einem Kriegszug in den Osten auf, um den Anhängern Christi im Kampf gegen die Seldschuken zu helfen. Urban war derjenige, der als erstes zu einem Kreuzzug aufrief, er war damit der Antrieb und der Initiator des ersten Kreuzzuges. Er hoffte durch die Unterstützung für Byzanz die Wiederherstellung der Kircheneinheit zu erreichen. Für den Papst war also die Wiederherstellung des römischen Reiches im Osten wie auch im Westen besonders im Hinblick auf die Einheit der christlichen Religion das Wichtigste.

Leider gibt es keine direkte Überlieferung der Rede, aber mehrere Berichte von Augenzeugen machen es möglich die Kernpunkte des Aufrufs zu erkennen. Urban II. machte wohl zuerst darauf aufmerksam, wie schlecht die Situation der Christen im Osten war und dass sie bedroht wurden. Dann rief er zum Kreuzzug auf und versprach als Lohn dafür die Vergebung der Sünden für alle, die mitmachten.

Die Bevölkerung glaubte den Worten des geistlichen Oberhauptes ihrer Kirche und sah die Kreuzzüge als eine gottgewollte Pilgerfahrt ins Heilige Land. Sie wollten Jerusalem, die Heilige Stadt, aus den Händen der ungläubigen Heiden befreien. In ihren Augen hatten sie durch ihrem Glauben und den göttlichen Auftrag das Recht und die Pflicht die Ungläubigen, die mit Unrecht und Tyrannei herrschten, zu bekämpfen und zu vertreiben. Sie glaubten an die Vergebung irdischer Sünden und an einen gerechten Lohn für ihre Opferbereitschaft. Die Bevölkerung legitimierte sich so mit Brutalität gegen Andersgläubige vorzugehen und sie zum Wiedereintritt zu nötigen und unter bestimmten Umständen und dem Befehl Gottes einen Krieg durchzuführen. Solches Verhalten ist auf die Lehren des Kirchenvaters und Kirchenlehrers Aurelius Augustinus zurück zu führen, welcher als einer der ersten einen heiligen Krieg definierte. Darauf gehe ich in meiner Facharbeit später noch einmal genauer ein.

2.4. Chronologie der Kreuzzüge

Im Frühjahr 1096 zogen tausende Bauern in einer ersten Welle auf eigene Faust gegen die ungläubigen Besetzer des Heiligen Landes in den Krieg, inspiriert von dem Aufruf Papst Urban II. 1095 in Clermont. Diese Volkskreuzzüge der ersten Welle wurden z.B. von Walter Sans-Avoir (Walter Habenichts) angeführt, einem französischen Adligen. Obwohl der Großteil der Heere aus einfachen Bauern bestand, hab es auch einige Adlige und höhergestellte Personen. Es gab danach noch weitere Wellen von Kreuzfahrern aus allen Bevölkerungsschichten. Die Führung der zweiten Welle übernahm Peter von Amiens (Peter der Emerit). Er war ein radikaler Wanderprediger, von denen es damals viele gab. Sie sind wohl neben der Rede des Papstes die Hauptverantwortlichen für die ersten Kreuzzugswellen. Denn sie sollen regelrecht Scharen von Menschen für den heiligen Kreuzzug rekrutiert haben.

[...]

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Details

Titel
Der Kreuzzuggedanke und die Frage nach dem gerechten Krieg
Note
1
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V379505
ISBN (eBook)
9783668564763
ISBN (Buch)
9783668564770
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kreuzzüge, papst urban ii, augustinus, gerechter krieg
Arbeit zitieren
Konstantin Martin (Autor), 2016, Der Kreuzzuggedanke und die Frage nach dem gerechten Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379505

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