In dieser Arbeit soll die Geschichte der Kreuzzüge insgesamt dargestellt werden, mit einem Fokus auf dem ersten Kreuzzug. In ihm zeigen sich Motivationen und Begründungen, die auch für alle anderen Kreuzzüge wichtig waren. Zuerst wird auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Faktoren und die Lebensbedingungen der Bevölkerung der damaligen Zeit eingegangen. Außerdem wird Papst Urban II. vorgestellt, da er einer der wichtigsten Gründe für die Kreuzzüge darstellte. Es folgt ein Überblick über den Verlauf, die Grundgedanken und die Ziele der Kreuzzüge. Am Ende soll sich zeigen, wie es zu diesen Glaubenskriegen kommen konnte und ob die Kreuzzüge als gerecht oder ungerecht angesehen werden können. Dafür dient die Definition des Augustinus für einen "gerechten Krieg". Es soll versucht werden, diese auf die Kreuzzüge und den Kreuzzugsgedanken anzuwenden.
Krieg stellt eine konstante Größe in der gesamten Menschheitsgeschichte dar. Zu jeder Zeit stellte sich den Menschen dabei die Frage nach der Rechtmäßigkeit und Legitimation von solchen kriegerischen Auseinandersetzung. Früh kam es daher zur Unterscheidung zwischen gerechten und ungerechten Kriegen. Dabei gab es verschiedene Methoden einen Krieg zu legitimieren. Zum Beispiel durch die Bedrohung von außen oder durch die Berufung der Kriegführenden auf ihren Glauben und ihre Religion. So kam es in der Geschichte häufiger dazu, dass Kriege als gottgewollt oder sogar im "Auftrag Gottes" geführt wurden.
In der christlichen Religion denken viele dabei an die Kreuzzüge, welche die katholische Kirche im Namen ihres Glaubens im Mittelalter unternommen hat. Sie waren und sind der Gegenstand vieler Diskussionen und Untersuchungen.Oft wurde dabei gefragt, ob es sich um einen Glaubenskrieg der Christen handelte und wie er einzuordnen ist. War es ein gerechter oder ein ungerechter Krieg? Um diese Frage beantworten zu können, muss man zuerst nach dem Grund, also dem Gedanken fragen, der zu den Kreuzzügen führte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1. Die Situation der europäischen Bevölkerung im 11. Jahrhundert
2.2. Papst Urban II
2.3. Der Kreuzzuggedanke
2.4. Chronologie der Kreuzzüge
2.5. Frage nach Entstehung des Kreuzzuggedanken
2.6. Frage nach Gerechtigkeit des Kreuzzuggedanken
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Facharbeit untersucht den historischen Kreuzzuggedanken und analysiert diesen kritisch anhand der theologischen Kriterien für einen „gerechten Krieg“ nach Aurelius Augustinus, um zu klären, ob die mittelalterlichen Kreuzzüge moralisch legitimiert waren.
- Gesellschaftliche und wirtschaftliche Lebensbedingungen im 11. Jahrhundert
- Die Rolle und Motivation von Papst Urban II.
- Chronologischer Überblick und Entwicklung der Kreuzzugswellen
- Anwendung der Augustinus-Definition des „gerechten Krieges“ auf die Kreuzzüge
Auszug aus dem Buch
2.6. Frage nach Gerechtigkeit des Kreuzzuggedanken
Um die Frage nach der „Gerechtigkeit“ der Kreuzzüge und des Kreuzzuggedanken zu klären, will ich hier von der „Lehre vom Gerechten Krieg“1 ausgehen. Sie geht auf Augustinus, Bischof von Hippo Regius in Algerien, und damit auf das 5. Jahrhundert zurück. Er stellte in dieser Theorie die Voraussetzungen für einen gerecht geführten Krieg dar. Durch seine Lehre versuchte Augustinus bestimmte Kriege und vor allem Kriegsgründe zu legitimieren. Damit man Frieden schaffen konnte, sah Augustinus Krieg teilweise als gerechtfertigt und sogar als Akt der Nächstenliebe an. „Christliches handeln war damit auch im Krieg gewährleistet, Augustinus hatte eine neue Kriegsethik geschaffen“2. Es lassen sich fünf verschiedene Punkte herauslesen, die erfüllt sein müssten, damit ein Krieg in den Augen von Augustinus und vielen späteren Denkern und Theologen als gerecht gesehen werden kann. Deshalb sollen hier fünf Punkte genannt werden die für die christliche Theorie eines gerechten Krieges wichtig sind, denn:
„Ein Krieg ist dann gerechtfertigt, wenn er
1. von der staatlichen Gewalt (also nicht illegal) erklärt werde,
2. um einer gerechten Sache willen geführt werde (also nicht der Verteidigung eines bestehenden Unrechts diene),
3. gegen einen ungerechten Angriff gerichtet (also nicht präventiv) sei,
4. mit Mitteln geführt werde, die nicht selber Unrecht schüfen (z.B. Unschuldige in die Kampfhandlungen einbezögen), und die
5. eine gewisse Aussicht auf Erfolg hätten (also nicht sinnlos Menschen opferten)
Es müssen zufolge der Lehre vom gerechten Krieg mithin die Kriegsmacht, das Kriegsziel, der Kriegsgrund, das Kriegsmittel und die kalkulierbare Kriegsfolge moralisch legitimiert sein.“3
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Problematik des gerechten Krieges ein und stellt die Forschungsfrage, ob die Kreuzzüge nach den Lehren des Augustinus als gerecht oder ungerecht zu bewerten sind.
2. Hauptteil: Der Hauptteil beleuchtet die sozioökonomischen Hintergründe des 11. Jahrhunderts, die Rolle von Papst Urban II., die Chronologie der Kreuzzüge sowie die theoretische Analyse der Gerechtigkeit dieser Glaubenskriege.
3. Schluss: Das Fazit fasst die Untersuchungsergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Kreuzzüge unter kritischer Anwendung der Kriterien des gerechten Krieges keine moralische Legitimation finden.
Schlüsselwörter
Kreuzzüge, Papst Urban II., Gerechter Krieg, Augustinus, Mittelalter, Glaubenskrieg, Legitimation, Christentum, Heiliges Land, Seldschuken, Frömmigkeit, Schisma von 1054, Pilgerfahrt, Kriegsführung, Historie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der moralischen Bewertung der mittelalterlichen Kreuzzüge und hinterfragt, ob diese unter dem Aspekt der Lehre vom „gerechten Krieg“ legitimiert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die gesellschaftliche Lage im 11. Jahrhundert, das Wirken von Papst Urban II., die Chronologie der verschiedenen Kreuzzugswellen sowie theologische Rechtfertigungsstrategien.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Ziel ist es, den Kreuzzugsgedanken objektiv zu analysieren und herauszuarbeiten, ob die historischen Fakten der Kreuzzüge mit der Definition eines gerechten Krieges nach Augustinus in Einklang zu bringen sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode angewandt, bei der Kriterien einer klassischen Kriegsethik (Augustinus) als Prüfschema auf historische Ereignisse (die Kreuzzüge) angewendet werden.
Was genau wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der Zeitumstände, eine Darstellung des Ursprungsgedankens durch Papst Urban II. und eine systematische Überprüfung fünf definierter Kriterien für gerechte Kriege.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen den Kreuzzuggedanken, das Konzept des gerechten Krieges, Augustinus als theologischen Bezugspunkt sowie die historische Dynamik der Kreuzzüge im Mittelalter.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Schismas von 1054 für die Kreuzzüge?
Der Autor argumentiert, dass das Schisma von 1054 eine wesentliche Rolle spielte, da Papst Urban II. durch die Kreuzzüge die Einheit der griechisch-orthodoxen und römisch-katholischen Kirche unter seiner Führung anstrebte.
Welche Erkenntnis gewinnt der Autor bei der Anwendung der Augustinus-Kriterien?
Die Analyse zeigt, dass die Kreuzzüge kaum eines der fünf Kriterien für einen gerechten Krieg erfüllen, insbesondere in Bezug auf die Legalität der Kriegserklärung, das Fehlen präventiver Angriffe und den Schutz Unschuldiger.
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- Konstantin Martin (Author), 2016, Der Kreuzzuggedanke und die Frage nach dem gerechten Krieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379505