Gesellschaft’ ist ein sehr wichtiger Begriff, der oft in der Soziologie verwendet wird. Im allgemeinen wird sie als ein Verband von Menschen oder auch von Tieren angesprochen. Aber wir sprechen häufig von ‚menschlicher Gesellschaft’ statt Gesellschaft, weil eine Betrachtung der Gesellschaft auf der Analyse menschlichen Verhaltens basieren muss. In Wirklichkeit ist unsere Gesellschaft so kompliziert wie „Netzwerke von Personen, die in ihrem Verhalten vielfältig miteinander verflochten sind und aufeinander einwirken.“ (Vanberg 1975, 42) Aber unsere Gesellschaft hat ihre Regeln. Dies sind die sog. Normen, an die sich alltägliches Verhalten von den Gesellschaftsmitgliedern orientieren. In Kapitel 2 werden einige wichtige Begriffe behandelt, bevor wir das zentrale Problem über normabweichendes Verhalten berühren.
In den USA gibt es einen weit verbreiteten Spruch „ Going through the red light is undoubtedly equal to trusting to chance.“ Wenn du rote Ampeln auf der Straße überfahren würdest, könntest du natürlich nicht dein Glück probieren, sondern ‚glücklich’ dich in Lebensgefahr begeben. Eben dies ist ein sog. normabweichendes Verhalten. Was ist Verhalten bzw. menschliches Verhalten eigentlich in der Soziologie? Wieso wird ein Verhalten als abweichend angesehen? In Kapitel 3 wird näher auf das normabweichende Verhalten eingegangen und die obengestellten Fragen beantwortet.
Meistens wird das abweichende Verhalten als negativ bezeichnet. Es könnten die Interessen von Gesellschaftsmitgliedern geschädigt werden, der sozialen Ordnungen in unserem Alltagsleben widersprechen und negative Wirkungen auf die Gesellschaft auslösen. Wir haben vielfältige Normen, formelle oder informelle, rechtliche oder nicht-rechtliche usw. Aber wie können diese Normen wirklich von allen Mitgliedern befolgt werden und so weit wie möglich funktionieren? Dies ist genau das Ziel von sozialen Kontrollen. In Kapitel 4 kommt es zur Erklärung der Grundlage sozialer Kontrolle und zur Diskussion über ihre Hauptprobleme. Schließlich wird eine Fazit als die Zusammenfassung angegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmung
2.1 Norm
2.1.1 Definition
2.1.2 Zwei Arten von Normen
2.1.3 Charakteristika
2.2 Verhalten
2.2.1 Verhalten und Handeln
2.2.2 Determinationen des Verhaltens
2.3 Abweichung und Konformität
3. Versuche, normabweichendes Verhalten zu erklären
3.1 Zum Begriff abweichenden Verhaltens
3.2 Klassifizierung abweichenden Verhaltens
3.3 Ursachen abweichenden Verhaltens: Eine Handlungstheoretische Grundüberlegung
3.4 Auswirkungen abweichenden Verhaltens auf die Gesellschaft
4. Soziale Kontrolle, um abweichendes Verhalten zu vermeiden
4.1 Definition sozialer Kontrolle
4.2 Klassifikation sozialer Kontrolle
4.3 Problematik sozialer Kontrolle: soziale Kontrolle hat wenig Erfolg
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht das Phänomen des normabweichenden Verhaltens aus einer soziologischen und handlungstheoretischen Perspektive. Ziel ist es, die Grundlagen sozialer Normen, die Mechanismen abweichenden Verhaltens sowie die Wirksamkeit sozialer Kontrollinstanzen kritisch zu analysieren und deren komplexe Wechselwirkungen in einer modernen Gesellschaft darzulegen.
- Soziologische Definition und Arten von Normen
- Handlungstheoretische Erklärungsmodelle für abweichendes Verhalten
- Klassifizierung von abweichendem Verhalten nach Motiv und Kontext
- Methoden und Problematiken der sozialen Kontrolle
- Empirische Betrachtung von Devianzraten und deren gesellschaftliche Folgen
Auszug aus dem Buch
3.2 Klassifizierung abweichenden Verhaltens
Ein einfacher Versuch, zwischen Eigentumskriminalität, Gewaltkriminalität, Sexualdevianz usw. zu unterscheiden, ist offenbar nicht trennscharf und nicht glaubwürdig. So glaubt auch Robert K. Merton. Er unterscheidet zwei Klassen abweichenden Verhaltens: ‚Nonconforming behavior’ und ‚aberrant behavior’. „‚Nonconformers’ werden von normalen Mitgliedern des sozialen Systems als Personen anerkannt, die mit Normbrüchen eher nicht-egoistische, hochgeschätzte Ziele verfolgen und weniger persönlichen Gewinn. ‚Aberrants’ werden allgemein als Personen betrachtet, die mit Normbrüchen ihre eigenen Interessen verfolgen“ (Merton 1961, 726) Albert K. Cohen hat offenbar auch diese Überlegung Mertons unterstützt. „ ... versucht er (Nonkonformist) im Gegensatz zu dem sich aberrant Verhaltenden, der sein abweichendes Verhalten zu verbergen sucht, die Aufmerksamkeit auf die ihm unzulänglich erscheinenden Normen zu lenken, indem er sie offen verächtlich macht. ... der Nonkonformist dagegen aus uneigennützigem Reformeifer handelt.“ (Merton 1968, 39)
Darüber hinaus geht Merton auch noch von der Annahme aus über Zuschreibungen von Motiven aus, zwischen persönlicher Interessiertheit und Desinteressiertheit zu unterscheiden. Seine Klassifikation hat aber einen nicht vernachlässigbaren Nachteil. „ Die geringe Differenziertheit der Mertonschen Klassifikation wird insbesondere auf der Seite des persönlich interessierten abweichenden Verhaltens deutlich.“ (Peters 1995, 23)
Ein weiterer Unterscheidungsversuch auf der handlungstheoretischen Ebene zwischen zweckrationalem und affektuellem Handeln von Max Weber bietet uns eine bessere Klassifikation. Für ‚Affektuell handelt’ schreibt Weber, „wer sein Bedürfnis nach aktueller Rache, aktuellem Genuss, aktueller Hingabe, aktueller komtemplativer Seligkeit oder nach Abreaktion aktueller Affekte... befriedigt.“ (Weber 1964, 18)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die soziologische Bedeutung des Gesellschaftsbegriffs ein und verknüpft diesen mit der Relevanz sozialer Normen zur Verhaltenssteuerung.
2. Begriffsbestimmung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Norm, Verhalten, Abweichung und Konformität und beleuchtet deren theoretische Grundlagen.
3. Versuche, normabweichendes Verhalten zu erklären: Hier werden verschiedene handlungstheoretische Ansätze vorgestellt, um abweichendes Verhalten zu definieren, zu klassifizieren und dessen Ursachen zu verstehen.
4. Soziale Kontrolle, um abweichendes Verhalten zu vermeiden: Das Kapitel analysiert die Definitionen und Klassifikationen sozialer Kontrolle sowie deren problematische Effektivität in der heutigen Gesellschaft.
5. Fazit: Die Zusammenfassung resümiert die theoretische Komplexität des Themas und betont, dass eine einheitliche Definition aufgrund der situativen Variabilität sozialer Normen schwierig bleibt.
Schlüsselwörter
Soziologie, normabweichendes Verhalten, soziale Normen, soziale Kontrolle, Devianz, Handlungstheorie, Konformität, Sanktionen, Anomietheorie, Rationalität, Rollentheorie, Kriminalität, Normbruch, Gesellschaftsstruktur, Institutionen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse von sozialen Normen und der Art und Weise, wie normabweichendes Verhalten entsteht, klassifiziert wird und durch soziale Kontrollmechanismen reguliert werden soll.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Definition soziologischer Begriffe wie Norm und Verhalten, die verschiedenen Klassifikationen von Devianz sowie die Wirksamkeit und Problematik staatlicher und gesellschaftlicher Kontrollinstanzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, ein theoretisches Verständnis dafür zu schaffen, wie Normen das menschliche Verhalten steuern und warum es trotz sozialer Kontrolle zu normabweichendem Verhalten kommt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die primär auf der Literaturanalyse sozialwissenschaftlicher und handlungstheoretischer Ansätze (u.a. Merton, Weber, Lamnek, Peters) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition von Normen und Verhalten, die verschiedenen Erklärungsversuche für normabweichendes Verhalten sowie die Diskussion über die Struktur und den (oft geringen) Erfolg sozialer Kontrollsysteme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Soziale Normen, Devianz, Handlungstheorie, Soziale Kontrolle, Konformität und institutionelle Sanktionen.
Was unterscheidet laut Robert K. Merton 'Nonconformers' von 'Aberrants'?
Merton unterscheidet sie nach ihrer Motivation: Während 'Nonconformers' aus einem (oft uneigennützigen) Reformeifer handeln, verfolgen 'Aberrants' mit ihren Normbrüchen primär eigene, egoistische Interessen.
Warum kommt soziale Kontrolle laut der Arbeit oft an ihre Grenzen?
Die Arbeit weist auf die Existenz einer hohen Dunkelziffer hin und argumentiert, dass soziale Kontrolle oft mit hohem Aufwand verbunden ist, während statistisch gesehen die Raten bestimmter Deliktsformen dennoch zunehmen, was auf eine begrenzte Wirksamkeit hindeutet.
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- Kun Yu (Author), 2004, Sozialwissenschaftliche Handlungstheorien und normabweichendes Verhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37952