Die vorliegende Seminararbeit soll zur Klärung der Frage beitragen, wie sich die Perspektiven der Lebenszeit und des Lebensraumes auf die Berufswahl und -entwicklung auswirken. Zur Beantwortung dieser Frage soll auf den Lebenszeit-; Lebensraumansatz von Donald Super zurückgegriffen werden. In diesem Kontext soll das Ziel darin bestehen, den Lebenszeit-; Lebensraumansatz theoriebasiert zu erläutern. Darüber hinaus soll auf die Relevanz und die Aktualität dieses Ansatzes eingegangen werden.
Der Lebenszeit-; Lebensraumansatz besagt, dass Menschen sich kontinuierlich weiterentwickeln und im Rahmen dieser Entwicklung verschiedene Entwicklungsphasen durchlaufen. Während dieses Entwicklungsverlaufes nehmen Individuen diverse Rollen ein. Die Kombination aller Rollen bildet den Lebensraum. Die Entwicklungsstufen und der Lebensraum bestimmt im Wesentlichen wie ein Mensch sich selbst ansieht. Dieses Selbstkonzept stellt das zentrale Element der Theorie dar, denn Individuen versuchen Super zufolge über Berufswahl und -entwicklungsentscheidungen ihr Selbstkonzept zu realisieren. Der Lebenszeit-; Lebensraumansatz ist von enormer praktischer und theoretischer Bedeutung. Die Auswirkungen auf die Wissenschaft sind dabei als indirekt zu verstehen, da der Ansatz hauptsächlich Inspirationen für weiterführende Forschungen lieferte. Obwohl sich die Zeiten geändert haben, kann der Lebenszeit-; Lebensraum trotz geringfügigen Modifikationsbedarf insgesamt noch als aktuell erachtet werden. Es kann sogar abgeleitet werden, dass das Selbstkonzept, als zentrales Element der Lebenszeit-; Lebensraumansatz, an Bedeutung gewonnen hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung des Lebenszeit-, Lebensraumansatzes
3. Das Torbogen-Modell
4. Der Lebenszeit-; Lebensraumansatz
4.1 Entwicklungsstufen
4.2 Rollenmodelle
4.3 Der Regenbogen der Berufs- und Lebenslaufbahn
4.4 Selbstkonzept
5. Kritische Würdigung
6. Relevanz
7. Aktualität
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den Lebenszeit-, Lebensraumansatz von Donald Super theoretisch zu erläutern und dessen aktuelle Relevanz für die moderne Berufswahl- und -entwicklung zu untersuchen, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von individuellen Entwicklungsphasen und Rollenkonstellationen liegt.
- Grundlagen des Lebenszeit-, Lebensraumansatzes nach Donald E. Super
- Die Bedeutung des Selbstkonzepts im beruflichen Entwicklungsprozess
- Analyse der Entwicklungsstufen und des Torbogen-Modells
- Diskussion der theoretischen und praktischen Relevanz in der heutigen Arbeitswelt
- Kritische Reflexion der Aktualität und Übertragbarkeit des Modells
Auszug aus dem Buch
4.4 Selbstkonzept
Das zentrale Element des Lebenszeit-, Lebensraumansatz ist nach Super (1980,1990) das Selbstkonzept des Individuums. Darunter versteht er, wie ein Mensch sich selbst ansieht. Das Selbstkonzept ist stark von der Entwicklungsstufe sowie den eingenommenen und angestrebten Rollenmodellen abhängig. Darüber hinaus formen die angeborenen Fähigkeiten, die körperliche Ausstattung sowie die wahrgenommene Anerkennung das Selbstkonzept. Nach der sozialen Lerntheorie von Krumboltz (1979) resultieren aus der Interaktion zwischen Individuum und Gesellschaft generalisierte Selbstwahrnehmungen bzw. -beobachtungen. Darunter fasst Krumboltz (1979) alle Selbsteinschätzungen zusammen, wie z. B. ,Ich bin ein ziemlich guter Fußballspieler, aber in die Bundesliga werde ich es nie schaffen‘. Gemäß der Selbstkonzepttheorie nach Super (1963) werden Selbstwahrnehmungen und -beobachtungen zu generalisierten Selbstkonzepten zusammengesetzt. Das Individuum entwickelt dabei nicht nur ein singuläres Selbstkonzept, sondern die Kombination verschiedenen Selbstkonzepte, führt zu einem übergeordneten Selbstkonzept.
Im Wesentlichen besteht der Prozess der beruflichen Entwicklung zunächst in der Herausbildung und später in der Umsetzung der beruflichen Selbstkonzepte (Super, 1990). Der Theorie des Selbstkonzepts zufolge ist die Berufswahl somit als einen Versuch zu verstehen, sein individuelles Selbstkonzept zu realisieren (Super, 1951). Es handelt sich hierbei um einen Synthese- bzw. Kompromissprozess zwischen den individuellen und sozialen Faktoren (Super & Bachrach, 1957). Während der beruflichen Laufbahn wird jeder Mensch laut Super (1990) mit einer Reihe von Entwicklungsaufgaben konfrontiert, welche er so zu lösen versucht, dass er nach und nach zu dem Menschen heranreift, der er gerne sein möchte. Die beruflichen Präferenzen und Fähigkeiten sowie die äußeren Lebens- und Arbeitsbedingungen verändern sich im Zeitablauf und aufgrund von neuen Erfahrungen (Krumboltz, Mitchell & Jones, 1979; Super, 1980). Das führt dazu, dass sich Selbstkonzepte auch weiterentwickeln und verändern, obwohl diese sich von der späten Adoleszenz bis ins Seniorenalter zunehmend stabilisieren (Super, 1953). Da sich das Selbst oder die Umwelt ändern können, ist der Prozess der reziproken Anpassung nie vollends abgeschlossen (Super, 1990). Die individuelle Arbeits- und Lebenszufriedenheit eines Menschen bedingt sich letztendlich durch den Grad, in welchem es ihm möglich ist, sein Selbstkonzept zu realisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung der Berufswahltheorien ein und positioniert den Lebenszeit-, Lebensraumansatz von Super als eine Erweiterung kongruenztheoretischer Ansätze um entwicklungsorientierte und umweltbezogene Perspektiven.
2. Entstehung des Lebenszeit-, Lebensraumansatzes: Dieses Kapitel erläutert die interdisziplinäre Herkunft der Theorie, die Erkenntnisse aus der Differential-, Entwicklungs- und Sozialpsychologie zu einem segmentalen Gesamtmodell integriert.
3. Das Torbogen-Modell: Hier wird das Torbogen-Modell als visuelle Veranschaulichung eingeführt, welches die Berufslaufbahn als Zusammenspiel zwischen den zwei Säulen „Persönlichkeit“ und „gesellschaftliches Umfeld“ darstellt.
4. Der Lebenszeit-; Lebensraumansatz: Das Kernstück der Arbeit detailliert die fünf Entwicklungsstufen, die Bedeutung von Rollenmodellen, die Synthese im Regenbogen der Berufs- und Lebenslaufbahn sowie das zentrale Konzept des Selbstkonzepts.
5. Kritische Würdigung: Dieses Kapitel beleuchtet methodische Limitationen, wie das Fehlen breiter empirischer Befunde, die Problematik der Übertragbarkeit auf unterschiedliche Geschlechter und sozioökonomische Kontexte.
6. Relevanz: Hier wird der hohe praktische Wert von Supers Modell in der Berufsberatung sowie seine indirekte, aber bedeutende theoretische Wirkung auf nachfolgende Ansätze wie die konstruktivistische Laufbahnberatung diskutiert.
7. Aktualität: Die Analyse zeigt auf, dass sich zwar Altersgrenzen der Phasen leicht verschoben haben, das Grundmodell jedoch durch seine Flexibilität und Betonung von Minizyklen weiterhin als aktuell und anschlussfähig an heutige, diskontinuierliche Erwerbsbiografien gilt.
8. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die berufliche Entwicklung als lebenslanger, dynamischer Prozess zu verstehen ist, in dem das Selbstkonzept die zentrale steuernde Instanz bildet.
Schlüsselwörter
Donald Super, Lebenszeit-, Lebensraumansatz, Laufbahnentwicklung, Berufswahl, Selbstkonzept, Torbogen-Modell, Entwicklungsstufen, Rollenmodelle, Berufsberatung, Arbeitsmarkt, Sozialpsychologie, Berufslaufbahn, Identitätsbildung, Minizyklen, Erwerbsbiografie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den theoretischen Ansatz der Laufbahnentwicklung nach Donald E. Super, welcher Berufswahl nicht als punktuelles Ereignis, sondern als lebenslangen Prozess der Selbstkonzeptrealisierung versteht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Entwicklung von Laufbahnen, die Rolle des gesellschaftlichen Umfelds, die Bedeutung persönlicher Entwicklungsaufgaben und die Konstruktion des individuellen Selbstkonzepts über die Lebensspanne hinweg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die fundierte theoretische Erläuterung des Modells sowie die Klärung der Frage, wie relevant und aktuell dieser Ansatz unter Berücksichtigung moderner, flexibler Arbeitswelten noch ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Seminararbeit, die auf einer umfassenden Literaturrecherche und der kritischen Auseinandersetzung mit Supers primärwissenschaftlichen Werken und darauf aufbauenden empirischen Studien basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Torbogen-Modells, die Analyse der Entwicklungsstufen, die Funktion der Rollenmodelle und eine kritische Würdigung hinsichtlich empirischer Befunde und praktischer Implikationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie „Lebenszeit-, Lebensraumansatz“, „Selbstkonzept“, „Laufbahnentwicklung“ und „Berufsreife“ charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Supers Modell von älteren Ansätzen?
Im Gegensatz zu rein statischen kongruenztheoretischen Modellen betrachtet Super die Persönlichkeitsentwicklung als dynamisch und bezieht exogene Umwelteinflüsse sowie lebenslange Entwicklungsphasen mit ein.
Ist das Modell heute noch auf Frauen anwendbar?
Die Arbeit stellt kritisch fest, dass das ursprüngliche Modell primär auf Männern basierte und aufgrund der sozialen Rolle der Frau (Mutterrolle) in der ursprünglichen Form ohne Modifikationen nur bedingt auf beide Geschlechter übertragbar ist.
- Quote paper
- Anna Wild (Author), 2017, Wie wirken sich die Perspektiven der Lebenszeit und des Lebensraumes auf die Berufswahl und Berufsentwicklung aus? Der Lebenszeit- und Lebensraumansatz nach Donald E. Super, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379590