Wie wirken sich die Perspektiven der Lebenszeit und des Lebensraumes auf die Berufswahl und Berufsentwicklung aus? Der Lebenszeit- und Lebensraumansatz nach Donald E. Super


Hausarbeit (Hauptseminar), 2017

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Entstehung des Lebenszeit-, Lebensraumansatzes

3. Das Torbogen-Modell

4. Der Lebenszeit-; Lebensraumansatz
4.1 Entwicklungsstufen
4.2 Rollenmodelle
4.3 Der Regenbogen der Berufs- und Lebenslaufbahn
4.4 Selbstkonzept

5. Kritische Würdigung

6. Relevanz

7. Aktualität

8. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abstract

Die vorliegende Seminararbeit soll zur Klärung der Frage beitragen, wie sich die Perspektiven der Lebenszeit und des Lebensraumes auf die Berufswahl und -entwicklung auswirken. Zur Beantwortung dieser Frage soll auf den Lebenszeit-; Lebensraumansatz von Donald Super zurückgegriffen werden. In diesem Kontext soll das Ziel darin bestehen, den Lebenszeit-; Lebensraumansatz theoriebasiert zu erläutern. Darüber hinaus soll auf die Relevanz und die Aktualität dieses Ansatzes eingegangen werden.

Der Lebenszeit-; Lebensraumansatz besagt, dass Menschen sich kontinuierlich weiterentwickeln und im Rahmen dieser Entwicklung verschiedene Entwicklungsphasen durchlaufen. Während dieses Entwicklungsverlaufes nehmen Individuen diverse Rollen ein. Die Kombination aller Rollen bildet den Lebensraum. Die Entwicklungsstufen und der Lebensraum bestimmt im Wesentlichen wie ein Mensch sich selbst ansieht. Dieses Selbstkonzept stellt das zentrale Element der Theorie dar, denn Individuen versuchen Super zufolge über Berufswahl und -entwicklungsentscheidungen ihr Selbstkonzept zu realisieren. Der Lebenszeit-; Lebensraumansatz ist von enormer praktischer und theoretischer Bedeutung. Die Auswirkungen auf die Wissenschaft sind dabei als indirekt zu verstehen, da der Ansatz hauptsächlich Inspirationen für weiterführende Forschungen lieferte. Obwohl sich die Zeiten geändert haben, kann der Lebenszeit-; Lebensraum trotz geringfügigen Modifikationsbedarf insgesamt noch als aktuell erachtet werden. Es kann sogar abgeleitet werden, dass das Selbstkonzept, als zentrales Element der Lebenszeit-; Lebensraumansatz, an Bedeutung gewonnen hat.

1. Einleitung

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts begannen Wissenschaftler sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Einflussfaktoren auf eine erfolgreiche Berufswahl einwirken und wie diese optimiert werden kann. Zunächst handelte es sich dabei um sogenannte kongruenztheoretischen Ansätze, welche die Berufswahl als einmaligen Passungsprozess zwischen Persönlichkeitsstrukturen und Berufsmustern ansahen (Ratschinski, 2008). Grundlage für alle weiteren kongruenztheoretischen Ansätze stellte das Werk von Parsons aus dem Jahr 1909 dar (Betz, 2008). Aufgrund ihres statischen Charakters wurden die kongruenztheoretischen Berufswahlmodelle ab den 1950er Jahren langsam um entwicklungstheoretische Ansätze ergänzt, so z.B. von Ginzberg et al. (1951), welche die Berufswahl als einen über mehrere Jahre hinwegziehenden Prozess verstanden. Entsprechend diesem Ansatz gliedert sich die Berufswahl hierbei in drei idealtypische Entwicklungsstufen, die sich über das frühe Kindesalter bis hin zum jungen Erwachsenenalter erstrecken. Der Entwicklungsprozess ist dabei mit der ersten Berufswahlentscheidung endgültig abgeschlossen. 1957 nahm Super den Grundgedanken von Ginzberg et al. (1951) auf und erweiterte die Theorie um zusätzliche Phasen, da seiner Ansicht nach die berufliche Entwicklung eines Menschen nicht mit der Berufswahl endet. Ende der 1970 ergänzte Super die Perspektiven des Lebensraumes und der Lebenszeit, wodurch der sogenannte Lebenszeit-, Lebensraumansatz der Laufbahnentwicklung begründet wurde (Super, 1980; 1990).

Diese Ausarbeitung soll die zentrale Frage aufgreifen, wie sich die Perspektiven der Lebenszeit und des Lebensraums en détail auf die Berufswahl und -entwicklung von Individuen auswirken. Dazu soll auf den Lebenszeit-, Lebensraumansatz von Super (1980,1990) zurückgegriffen werden. Ziel ist es diesen Ansatz theoriebasiert zu erläutern. Daher liegt der Fokus dieser Arbeit auf dem theoretischen Modell des Lebenszeit-, Lebensraumansatzes und weniger auf den Instrumenten zur praktischen Implikation.

Bis zu seinem Tod 1994 arbeite Donald Super intensiv an seinem Lebenszeit-; Lebensraumansatz. Nach seinem Tod veröffentlichten zahlreiche Wissenschaftler, wie beispielsweise Herr (1997), Blustein (1997) und Nevill (1997) Publikationen zu seiner Theorie, allen voran war hier Mark Savickas (1997). Seit der Jahrhundertwende existieren zum Lebenszeit-, Lebensraumansatz kaum neue Forschungsansätze. Darüber hinaus liegen kaum empirische Ergebnisse vor, welche diesen Ansatz stützen. Daraus lassen sich die Fragen ableiten, welche Relevanz dem Lebenszeit-; Lebensraumansatz zukommt und ob dieser heute noch als aktuell erachtet werden kann. Im Rahmen der vorliegenden Ausarbeitung sollen diese Fragen geklärt werden.

Zum besseren inhaltlichen und kontextuellen Verständnis wird zunächst auf die Entstehungsgeschichte des Lebenszeit-; Lebensraumansatzes eingegangen. Um sich der Klärung der Leitfrage anzunähern, wird im Anschluss über das sogenannte Torbogen-Modell erläutert was Super unter einer Berufslaufbahn versteht, d.h. es wird aufgezeigt wie sich eine Berufslaufbahn zusammensetzt und wodurch sie beeinflusst wird. Im vierten Kapitel wird detailliert auf die Perspektiven der Lebenszeit- und des Lebensraumes und deren Auswirkungen auf die Berufsentwicklung eingegangen. Im weiteren Verlauf der Arbeit soll dargestellt werden, welche praktische und theoretische Bedeutung dem Lebenszeit-, Lebensraumansatz, trotz der davor aufgeführten Schwachstellen, zukommt. Zur Klärung der Frage nach der Aktualität soll hauptsächlich betrachtet werden, inwieweit die Altersvorgaben der Lebensstufen noch mit den heutigen realen Gegebenheiten übereinstimmen

2. Entstehung des Lebenszeit-, Lebensraumansatzes

Beim Lebenszeit-; Lebensraumansatz nach Super (1990), handelt es sich um eine sogenannte segmentale Theorie, wobei Theorien aus unterschiedlichen Disziplinen aneinandergereiht werden. Hierbei handelt es sich primär um Erkenntnisse aus der Differential-, Entwicklungs- und Sozialpsychologie sowie aus der Persönlichkeitstheorie. Super greift bei der Konzeption seines Lebenszeit-, Lebensraumansatzes jeweils auf anerkannte Theorien der einzelnen Disziplinen zurück, wie beispielsweise Maslow (1954) und Allport (1937) im Bereich der Differentialpsychologie oder Rogers (1942) im Bereich der Persönlichkeitstheorie. Entscheidenden Einfluss hatte Davidson und Anderson (1937), welche in der Sozialpsychologie tätig waren, sowie Bühler (1933), der sich auf den Bereich der Entwicklungspsychologie spezialisierte. Die Studie von Davidson und Anderson (1937) vergegenwärtigte Super die Bedeutung von Umwelteinflüsse für die Berufsentwicklung. Bühler (1933) konstruierte ein Konzept der Lebensstufen, in welchem Super neue Erkenntnisse über die Formung und Entwicklung von Interessen, Wertvorstellungen und Fähigkeiten fand. Die Veröffentlichungen von Bühler (1937) sowie Davidson und Anderson (1937) inspirierten Super dazu, die bereits existenten Erkenntnisse im Forschungsfeld der Berufsentwicklung zusammenzuführen und in einem zusammenhängenden Modell zu integrieren (Super, 1990). Supers (1980;1990) Intention bestand darin, die Elemente einzelner Theorien, welche in unmittelbarem Zusammenhang standen, zu einem Modell der beruflichen Laufbahnentwicklung zu vereinen, das all diese Erkenntnisse berücksichtigt.

3. Das Torbogen-Modell

Um zu verdeutlichen was er unter einer Berufslaufbahn versteht, entwickelte Super (1990) das sogenannte Torbogen-Modell, welches Abb. 1 entnommen werden kann. Ziel war es die segmentierte, aber dennoch ganzheitliche und entwicklungsorientierte Disposition der Laufbahnentwicklung zum Ausdruck zu bringen. In diesem Kontext sollen die einzelnen Segmente der Berufsentwicklung sowie deren Ursprung deutlich werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Das Torbogen-Modell

Eigene Darstellung; in Anlehnung an Super, 1990 Nach Super (1990) drückt sich die eigentliche Berufslaufbahn über den Torbogen aus. Wie aus Abb. 1 ersichtlich ist, basiert die Berufslaufbahn demnach auf zwei Säulen. Die linke Säule betrifft die Persönlichkeit des Individuums, die rechte das gesellschaftliche Umfeld.

Unter dem Begriff der Persönlichkeit lässt sich ein übergreifendes Konstrukt verstehen, welches die Summe aller individuellen Merkmale und Eigenschaften einer Person umfasst (Drever, 1952). Gemäß Super (1990) wird die Persönlichkeit von Bedürfnissen beeinflusst. Aus diesen Bedürfnissen werden Zielen abgeleitet, die sich auf individuelle Wertvorstellungen niederschlagen und über konkrete Aktivitäten realisiert werden sollen. Dieser Prozess synthetisiert der Theorie zufolge wiederum Interessen. Eignungen und Begabungen bauen laut Super (1990) auf der allgemeinen Intelligenz auf. Das Fundament der Persönlichkeit stellt sich über biologische Gegebenheiten dar, allerdings sollte stets bedacht werden, dass sich die beiden Säulen der Persönlichkeit und der Umwelt in permanenter Interaktion befinden. So wirken sich die konkreten Umweltbedingungen auf die individuellen Bedürfnisse und die Intelligenz aus und damit auch auf alle weiteren Persönlichkeitsdimensionen. Die einzelnen Persönlichkeitsdimensionen verschmelzen zu einem einheitlichen Ganzen, welches über die Säule der Persönlichkeit repräsentiert wird. Jedes Individuum hat dabei eine einzigartige Persönlichkeits- und Fähigkeitsstruktur und unterscheidet sich somit von Anderen. (Super, 1953). Der Gebrauch oder der Nicht-Gebrauch der persönlichen Ressourcen schlägt sich in den individuellen Leistungen und damit auch in dem objektiven Erfolgen nieder.

Die Säule der Gesellschaft vereint alle Umwelteinflüsse, die von außen auf das Individuum einwirken. Dazu zählt das soziale Umfeld, welches das Individuum über die Familie, die Peer-Groups und die Schule erlebt sowie die sozioökonomischen Gegebenheiten seines Lebensraumes, wie beispielsweise die Wirtschaft, der Arbeitsmarkt oder die Gemeinschaft. Das soziale und sozioökonomische Umfeld wird laut Super (1990) von den geographischen Gegebenheiten beeinflusst und gibt letztendlich die Beschäftigungspraktiken vor, die in der Praxis angewandt werden. Neben den geographischen Gegebenheiten, prägen auch einzelne Individuen mit ihren Persönlichkeitsmerkmalen eine Gesellschaft. Somit besteht zwischen den beiden Säulen eine interdependente Beziehung.

Gemäß Supers Torbogen-Modell wird die eigentliche Berufslaufbahn von Entwicklungsstufen und Rollenmodellen beeinflusst, die wiederum zu einem Selbstkonzept führen. Auf diese drei Subdimensionen soll im folgenden Kapitel näher eingegangen werden.

Dem Torbogen-Modell lässt sich sehr gut entnehmen, dass Super (1990) die kongruenztheoretischen Berufswahlmodelle nicht ersetzt, denn diese Ansätze spiegeln sich in der Säule der Persönlichkeit wieder, sondern dass er diese lediglich um die Perspektive der Umwelt und die Perspektive der Entwicklung ergänzt.

4. Der Lebenszeit-; Lebensraumansatz

4.1 Entwicklungsstufen

Zentral für den Lebenszeit-Lebensraumansatz ist die Annahme, dass es sich bei der Berufswahl um kein einmaliges oder punktuelles Ereignis handelt, welches mit dem Abschluss der Sekundarstufe II zusammenfällt, sondern dass es sich hierbei um einen Entwicklungsprozess handelt, der sich über das gesamte Leben erstreckt (Super, 1981; 1990). Dieser lebenslange Entwicklungsprozess lässt sich dadurch begründen, dass sich Menschen und ihre Lebensbedingungen im Laufe des Lebens weiterentwickeln und verändern. Unter Entwicklung wird hierbei nicht nur ein Prozess der bloßen innerlichen Reifung verstanden, sondern auch die Anpassung an die Gegebenheiten der Umwelt (Super, 1990; Knafer & Ackermann, 2004).

Supers Theorie zufolge wird die Berufslaufbahn einzelner Individuen von Entwicklungsstufen beeinflusst. Diese stellen das Individuum vor spezifische Entwicklungsaufgaben, welches es zu bewältigen hat. Die konkreten Entwicklungsaufgaben sind nach Super (1990) abhängig vom Lebensalter und den sozialen Erwartungen. Insgesamt identifizierte Super fünf Lebensphasen, welche Abb. 2 entnommen werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Entwicklungsstufen im Laufe der Lebenszyklus

Eigene Darstellung; in Anlehnung an Super, 1990

Die erste Phase stellt das Wachstum dar, welche dem Kindheitsalter zuzurechnen ist. Das darauffolgende Jugendalter ist durch die Explorationsphase geprägt. In dieser Phase erkundet der Jugendliche das berufliche Umfeld. Eine Ausbildung oder ein Studium sieht Super (1990) als eine tiefergehende Form der Exploration an, bei welchem der Jugendliche erproben kann, ob ihm das auserwählte Berufsfeld liegt oder wie sich seine Spezifikationspräferenzen im entsprechenden Berufsfeld darstellen. Nachdem sich das Individuum konkrete berufliche Ziele gesetzt hat, folgt die Phase der Etablierung, welche dem jungen Erwachsenenalter zwischen 25 und 44 zuordnen ist. Diese Phase ist dadurch gekennzeichnet, dass das Individuum versucht, die von ihm angestrebte Position zu erarbeiten. Im weiteren Lebensverlauf folgt entsprechend des Lebenszeit-, Lebensraumansatz, die Erhaltungsphase, welche idealtypisch dem Alter zwischen 45 und 64 zuzuschreiben ist. In dieser Phase bemüht sich das Individuum, die Position, welche es in der Etablierungsphase erarbeitet hat, aufrecht zu erhalten. In Bezug auf die Theorie darf der Begriff Erhaltung keinesfalls mit Statik gleichgesetzt werden. Um die aktuelle Position aufrecht zu erhalten, muss der Mensch sich an verändernde Gegebenheiten und Technologien anpassen um nicht von der Konkurrenz verdrängt zu werden (Super, 1980; 1990). Die Bedeutung dieser beruflichen Anpassungsfähigkeit wird gestützt durch die Ergebnisse von Spurk und Volmer aus dem Jahr 2013, welche aufzeigen, dass zwischen beruflicher Anpassungsfähigkeit und Berufserfolg ein positiver Zusammenhang besteht. Die letzte Lebensphase wird als Rückzug beschrieben, da sich das Individuum langsam aus dem Arbeitsleben zurückzieht und letztendlich in die Rente eintritt (Super, 1980; 1990).

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Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Wie wirken sich die Perspektiven der Lebenszeit und des Lebensraumes auf die Berufswahl und Berufsentwicklung aus? Der Lebenszeit- und Lebensraumansatz nach Donald E. Super
Hochschule
Universität Konstanz
Veranstaltung
Erziehungswissenschaftliches Hauptseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
26
Katalognummer
V379590
ISBN (eBook)
9783668566378
ISBN (Buch)
9783668578289
Dateigröße
684 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Donald Super, Lebensphasentheorie, Lebenszeit- Lebensraumansatz, Laufbahnentwicklung, Berufsentwicklung, Berufsberatung, Berufswahltheorie, Entwicklungsorientierte Berufswahltheorie, Berufswahl
Arbeit zitieren
Anna Wild (Autor), 2017, Wie wirken sich die Perspektiven der Lebenszeit und des Lebensraumes auf die Berufswahl und Berufsentwicklung aus? Der Lebenszeit- und Lebensraumansatz nach Donald E. Super, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379590

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