Motive für den Sturz Heinrichs des Löwen. Eigenverschuldung oder Missgunst?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

18 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Vorgeschichte

3. Beteiligte Personen
3.1 Friedrich Barbarossa
3.2 Askanier Bernhard
3.3 Philipp von Heinsberg

4. Formelle Sturz
4.1 Der Prozess
4.2 Gelnhäuser Urkunde

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Heinrich der Löwe, Herzog von Bayern und Sachsen. Einer der wohl mächtigsten und einflussreichsten Fürsten des Hochmittelalters. Sein Name spricht für sich: „der Löwe“, eine heraldische Figur, die für Größe und Macht steht.

Dieser Löwe wurde im Jahr 1180 nach langen Hoftagen und Prozessen gestürzt. Fraglich warum ausgerechnet ein Fürst wegen immer wachsenden Territoriums gestürzt wurde. Wie konnte es soweit kommen? Wer war dieser Fürst Heinrich der Löwe? Und welche Faktoren sind schuld an dem Sturz Heinrich des Löwen?

Jene Geschehnisse werden als Markstein deutscher Geschichte bezeichnet.1 Zudem ist von einem „welthistorische[m] Ereignis von ungewöhnlicher Tragweite“2 die Rede. Ferdinand Güterbock spricht von „eine[m] Wendepunkt in der Entwicklung des Sächsischen und des bayrischen Herzogtums, einen Wendepunkt in der deutschen Kolonialgeschichte und […] in der Universalgeschichte des Reiches“3.

Das Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es den Sturz Heinrich des Löwen genauer zu thematisieren. Hierbei wird auf die jeweiligen Stationen und Ereignisse, die zum Sturz führten, genauer eingegangen. Zudem soll offengelegt werden, durch welche Motive und Faktoren der Sturz des Löwen vollzogen wurde. Abschließend soll geklärt werden, ob der Löwe die Schuld an seinem Sturz trägt oder jener Sturz auf Fremdverschulden zurück zu führen ist.

2. Vorgeschichte

Für Höhepunkt und Niedergang des mittelalterlichen deutschen Kaisertums im 12. Jahrhundert steht die Dynastie der Staufer. Die Erhebung Barbarossas im März 1152 4 geht auf eine Fürstengruppe zurück. Deren wichtigste Personen seine welfischen Verwandten waren. Friedrich Barbarossa war sowohl mit Konrad III, als auch mit Welt VI und Heinrich dem Löwen Blutsverwandt.5 Er galt als „<< Eckstein>> (lapis angularis)“6 beider Familien.

Heinrich der Löwe wurde vermutlich zwischen 1129 und 1135 geboren. 7 Seine Eltern waren Heinrich der Stolze und Gertrud von Sachsen. Er stammt aus dem Geschlecht der Welfen, einer der ältesten europäischen Adelsfamilien, welche ursprünglich vom fränkischen Adelsgeschlecht aus dem 9. Jahrhundert abstammt.8 Schon sein Vater erreichte nahezu eine königliche Stellung, indem er die Herzogtümer Bayern und Sachsen für sich gewann.9 Seine Kindheit war geprägt vom Machteinfluss der ganzen Familie.

Der junge Welfe war Friedrich fortan dienst- und hilfsbereit. Jene 10 „scheinbare Freundschaft“ , welche aus der Sicht des Löwen nur zum einseitigen Nutzen bestand, zerbrach als sich ihre Wege kreuzten.11

3. Beteiligte Personen am Sturz des Löwen

3.1 Friedrich Barbarossa

Barbarossa zog im September 1174 zum fünften Mal nach Italien. Die Friedensverhandlungen mit den Lombarden scheiterten. Da Friedrich an den Frieden glaubte und den größten Teil seines Heeres zurück nach Deutschland geschickt hatte, war er fortan auf Unterstützung aus Deutschland angewiesen. Vor allem baute er auf die militärische Hilfe von Heinrich dem Löwen. Jedoch wurde er maßlos enttäuscht, da Heinrich seine Bitte ablehnte. 12 13 1776 soll derDieses Ereignis im Jahr Entscheidende Bruch zwischen dem Kaiser und dem Herzog sein.

Im gleichen Jahr kam es zu einem persönlichen Gespräch zwischen dem Löwen und Heinrich in Chiavenna, indem über das weitere Vorgehen diskutiert wurde. In dieser Konversation forderte Heinrich die Stadt Glosar, welche für die damalige Zeit von großer Bedeutung war, da sie durch das Silberbergwerk die Reichseinkünfte Barbarossas sicherte.14 Der Kaiser lehnte diesen Erpressungsversuch aufgrund von „Verlust von Einkünften und dergleichen“15 ab, zudem hätte es den „„Rückzug der kaiserlichen Territorialpolitik aus Niedersachen“ bedeutet und damit einen nicht zu unterschätzenden Machtzuwachs, sowie freiere Hand für den Welfen in dieser Gegend“ 16. Der Bann war gebrochen und Heinrich konnte nun fortan mit keiner Hilfe des Kaisers mehr rechnen. Schließlich muss an dieser Stelle geklärt werden, warum es zu einer Verweigerung seitens Heinrichs kam. Abgesehen vom Streit um Glosar, bestehen noch andere Gründe, die zu der Entfremdung der beiden beitrugen, und letztendlich auch zum Bruch 1176.

Es wird vermutet, dass der Verkauf im Jahre 1175 des schwäbischen Allodialbesitzes an den Kaiser Barbarossa ausschlaggebend für das schlechte Verhältnis der beiden gewesen sein könnte. Herzog Welf VI verlor 1167 seinen einzigen Sohn und somit auch seinen einzigen Erben. Er verlor jegliches politisches Interesse und gab seine italienischen Reichslehen dem Kaiser, gegen Geld, zurück. Seinem anderen Neffen Heinrich wollte er die Erbschaft des schwäbischen Allodialbesitzes übergeben. Da jedoch Heinrich mit seinem Geld geizte und sie keinen gemeinsamen Nenner gefunden hatten, verkaufte er den Besitz auch an den großzügigen Kaiser. 17

Ein weiterer Aspekt, welcher zum Konflikt beigetragen hat, ist der Gegensatz ihrer Persönlichkeiten, Denkart und Anschauungsweisen. Während seinen jungen Jahren lies sich der Löwe den Schutz und Beistand des Kaisers gern gefallen und profitierte in jeglicher Hinsicht von ihm. Nach seiner Heirat mit der englischen Königstocher Mathilde 1168 und dem Tod Albrechts des Bären 1170, galt er als mächtigster und reichster deutscher Fürst. Er hatte somit seine Unabhängigkeit erreicht.18 Mit dem idealistisch denkenden Kaiser, welcher hauptsächlich italienische Ziele im Visier hatte, war fortan für den Löwen uninteressant geworden. Er war der Meinung, dass die Interessen im Norden Deutschlands liegen sollten.19

Desweiteren wurden Heinrich Verbindungen mit anderen Mächten, die dem deutschen Kaiser Missachtung schenkten, nachgesagt. Hierbei ist das griechische Kaisertum von Wichtigkeit. Im Jahr 1176 reiste Heinrich der Löwe nach Konstantinopel. Im Gegensatz zum Kaiser, wurde Heinrich herzlichst empfangen und beschenkt. Sehr verwunderlich, da die Deutschen als Feinde der Griechen und als Rivalen der deutschen Herrschaft in Italien galten. Die Griechen hatten mit dem Papst Alexander Verbindungen hergestellt und Sanktionen über die lombardischen Städte verhängt. Es entstand das Gerücht, dass der Herzog in Konstantinopel bestochen worden war.20

Die nun nicht mehr vorhandene schützende Hand des Kaisers über Heinrich, veranlasste nach und nach immer mehr Fürsten, sich dem Herzog zu widersetzen. Dem Kaiser war bewusst, dass wenn er nicht politisch gegen Heinrich handeln würde, sein Machtanspruch verloren gegangen wäre.21 Da kamen ihm die mächtigen Fürsten, die voll Zorn auf die anwachsende Machtposition des Löwen waren, gerade richtig. Durch die nicht erhoffte Hilfe Heinrichs, hatte er fortan ein offenes Ohr für die Klagen und Beschwerden der Fürsten und Adeligen.22

Das sogenannte „Wettrüsten“ von Kaiser und dessen Herzog musste dauerhaft zu Gegenüberstellung führen. Somit wurde der Wettlauf zwischen beiden zu einem Wettkampf.23

3.2 Askanier Bernhard

Anfang 1175 zwang Askanier Bernhard Heinrich dem Löwe zum Rückzug, da der Löwe „die Machtstellung der Askanier zu schwächen“24 versuchte. Inwiefern hat der Askanier mit der Entmachtung des Löwen zutun? In der historischen Forschung wird ihm wenig Beachtung geschenkt und unteranderem kommt er nicht für eine Führungsrolle während des Prozesses in Frage.25

[...]


1 Heinemeyer, Karl: Der Prozeß Heinrichs des Löwen. In: Internet Portal - Westfälische Geschichte http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/ langDatensatz.php?urlID=276&url_tabelle=tab_texte (abgerufen am 08.01.2015)

2 Güterbock, Ferdinand: Der Prozeß Heinrich des Löwen - Kritische Untersuchungen. Berlin 1909. S. 1.

3 ebd.

4 Vgl. Opll, Ferdinand: Friedrich Barbarossa. Darmstadt, 2009. S. 19.

5 Vgl. Ehlers, Joachim : Heinrich der Löwe: Eine Biographie. München, 2008. S. 12 f.

6 Vgl. Ebd. S, 13.

7 Vgl. Jordan, Karl: Heinrich der Löwe: Eine Biografie. München, 1979. S. 25.

8 Vgl. Ehlers, Joachim. S. 21 f.

9 Vgl. ebd. S. 41.

10 Dr. Gronen, Editha: Historische Studien: Die Machtpolitik Heinrichs des Löwen und sein Gegensatz gegen das Kaisertum. Berlin, 1919. S. 15.

11 Vgl. ebd.

12 Vgl. Jordan, Karl: Heinrich der Löwe: Eine Biografie. München, 1979. S.187 f.

13 Vgl.RI IV,2,3 n. 2171, in: Regesta Imperii Online, URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ 1176-01-00_3_0_4_2_3_399_2171 (Abgerufen am 09.01.2015).

14 Vgl. Dr. Gronen, Editha. S. 70.

15 ebd.

16 ebd.

17 Vgl. Güterbock, Ferdinand. S. 34.

18 Hiller, Helmut: Friedrich Barbarossa und seine Zeit. München, 1977. S. 284 f.

19 Vgl. Güterbock, Ferdinand. S. 35.

20 Vgl. Güterbock, Ferdinand. S. 37 ff.

21 Vgl. Garnier, Claudia: Die Kultur der Bitte: Herrschaft und Kommunikation im mittelalterlichen Reich. Darmstadt, 2008. S.193.

22 Vgl. Mayer, Theodor: Friedrich I. und Heinrich der Löwe. Darmstadt, 1957. S.46.

23 Vgl. ebd. S.48

24 Marcus, Paus: Herzog Bernhard von Anhalt (um 1140 bis 1212) und die frühen Askanier in Sachsen und im Reich. Frankfurt am Main, 1993. S. 75.

25 Vgl. Weinfurter, Stefan: Erzbischhof Philipp von Köln und der Sturz Heinrich des Löwen, in: Köln. Stadt und Bistum in Kirche und Reich des Mittelalters. Festschrift Odilo Engels zum 65. Geburtstag, hg. Von Hanna Vollrath und Stefan Weinfurter, Köln, Weimar, Wien 1993. S. 477 f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Motive für den Sturz Heinrichs des Löwen. Eigenverschuldung oder Missgunst?
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,7
Jahr
2015
Seiten
18
Katalognummer
V379613
ISBN (eBook)
9783668566965
ISBN (Buch)
9783668566972
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gelnhäuser Urkunde, Friedrich Barbarossa, Heinrich der Löwe, Askanier Bernhard, Philipp von Heinsberg
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Anonym, 2015, Motive für den Sturz Heinrichs des Löwen. Eigenverschuldung oder Missgunst?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379613

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