Was unsere Körpersprache am Pokertisch über uns aussagt

Analyse der Mimik eines Pokerspielers


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
17 Seiten, Note: 2,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Was hat Poker mit Körpersprache zu tun?

3. Tells und Reads
3.1 Unbewusste Tells
3.2 Bewusste Tells

4. Gesichtsausdruck
4.1 Facial Action Coding System
4.2 Emotionen

5. Analyse

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Das „Pokerface“ steht für ein emotionsloses Gesicht, welches mit dem Glücksspiel Poker in Verbindung gebracht wird.

Mike Caro der in Pokerkreisen als „Mad Genius of Poker“ (engl. für verrücktes Pokergenie) bezeichnet wird und die wichtigsten Glücksspielkonzepte erforscht und durchleuchtet hat1, ist der Meinung, dass

Poker unsere Wahrnehmung [testet]. Es testet auch unsere Logik und unsere Instinkte in einer Wettkampfsituation. […] Der Pokerkrieg ist mehr als nur ein Hand-für-Hand-Kampf, weil es wichtige Dinge gibt, die zwischen den einzelnen Händen stattfinden - Dinge, die Sie beobachten sollten.2

Jenes Zitat von Mike Caro verdeutlicht, dass Poker kein reines Glücksspiel ist. Neben der richtigen Strategie und dem Geschick ist es wichtig die Fähigkeit zu besitzen, den Gegner lesen und analysieren zu können. Hierbei muss die Körpersprache des Gegners richtig gedeutet werden.

Ein bekanntes Zitat von Friedrich Nietzsche besagt: „Der Mensch kann mit dem Mund so viel lügen wie er will - mit dem Gesicht, das er macht, sagt er stets die Wahrheit.“3 Aus beiden Zitaten von Caro und Nietzsche ergab sich für mich die Frage und das Ziel der vorliegenden Hausarbeit, ob es möglich ist, ein Pokerface mit Hilfe der Körpersprache analysieren und deuten zu können.

Im Rahmen meiner Hausarbeit werde ich meinen Schwerpunkt auf das Gesicht legen. Zuvor erläutere ich das Zeichensystem des Pokers - die Tells. Infolgedessen thematisiere ich den Gesichtsausdruck des Menschens, indem ich auf das Koordinierungssystem FASC und auf die Emotionen eingehe. Abschließend werde ich anhand von Bilder die Theorie praktisch anwenden und eine Analyse von Pokerspieler durchführen.

2. Körpersprache und Poker

Was hat Körpersprache mit Poker zu tun? Warum kann ein falscher Blick, ein unscheinbares Zwinkern oder eine verdächtige Handbewegung über sehr viel Geld entscheiden?

Das Glücksspiel Poker ist reine Kommunikation. Um erfolgreich zu spielen ist es wichtig die Sprache des Gegners zu verstehen. Der Gegner sendet enkodierte Botschaften die wir dekodieren müssen, um die verbale und nonverbalen Botschaften richtig lesen zu können. Das so genannte Pokerface, welches oft noch mit klischeehaften Gangsterfilmen in Verbindung gebracht wird, bedeutet, dass ein Pokerspieler nicht lesbar ist.4 Diese Täuschungen, wie auch Bluffs, können anhand von Tells (engl. für erzählen), gedeutet werden.

Die Körpersprache ist eine Form der nonverbalen Kommunikation. Unter dem Begriff wird die Körperhaltung, Gestik, Mimik und das Blickverhalten verstanden.5 Diese Bereiche werden beim Pokern stark betrachtet, da sie den Spieler auf jegliche Weise entlarven können. Genauso kann durch ablesbare Gefühle und Emotionen des Spielers, das Kartenblatt gedeutet werden.

In Pokerkreisen spricht man von sogenannten „Tells", die Ausschluss über das gegnerische Verhalten geben und Bluffs durchschaubar machen. Im folgenden sollen diese Tells erörtert werden, um den Bezug zur Körpersprache deutlich zu machen.

3. Tells und Reads

Poker ist ein Spiel der Täuschung, bei dem es darum geht die wahre Absicht einer Person zu erkennen und die eigenen Absichten gut zu verbergen. Die Tells helfen dabei etwas über das Blatt des Gegners durch spezielle Verhaltensweisen zu erfahren. Die Reads (engl. für lesen) sind Fähigkeiten mit denen man diese speziellen Verhaltensweisen erkennen und deuten kann.6 Es gibt zwei Arten von Tells: Die bewussten und unbewussten Tells.

3.1 Unbewusste Tells

Die unbewussten Tells treten auf, sobald ein Spieler kleine Dinge macht, wenn er sich unbeobachtet fühlt oder von denen er nicht weiß, dass er sie macht.7 Einige Spieler verraten durch ihre Körperhaltung die Stärke ihres Kartenblattes. Die Sitzposition ist hierbei zu beachten: Spieler neigen dazu sich bei einem gutem Blatt nach vorne zu beugen oder eine aufrechte Sitzposition einzunehmen. Bei einer schwachen Hand weist der Körper keine Körperspannung auf. Die Schultern hängen und der Spieler sinkt in seinem Stuhl zusammen. Des Weiteren sind verschränkte Arme ein Zeichen von Desinteresse. Nur bei einer starken Hand kann davon ausgegangen werden, dass der Spieler seine Arme lockert und nicht bluffen tut.8

Ein weiterer unbewusster Tell ist die Nervosität. Offensichtliche Nervosität wird meist klischeehaft als schwache Hand gedeutet. Dies ist nicht der Fall, da Nervosität schlecht imitiert werden kann. Echte Nervosität ist ein Indiz für eine gute Handstärke.

Bedeckt ein Spieler seinen Mund mit seiner Hand, ist dies ein Zeichen für einen Bluff oder einer schwachen Hand. Somit fällt es dem Gegner schwer den Gesichtsausdruck des Spielers deuten zu können. Jenes geschieht unbewusst, da verhindert werden soll, von anderen gemustert zu werden.9

Wichtig ist es dem Blickverhalten des Gegners aufmerksam zu folgen. Viele Menschen können anderen beim Lügen nicht in die Augen schauen. Sowie dem eigenen Blick ausgewichen wird, ist der Gegner höchstwahrscheinlich am bluffen.10

Ein Spieler guckt sich normalerweise seine Karten an, wirft sofort einen kurzen Blick auf seine Chips und schaut dann wieder ganz schnell weg. Wenn ein Spieler einen verstohlenen Blick auf seine Chips wirft, hat er die Absicht zu setzten, da sich meistens seine Hand verbessert hat.11

Neben der Sitzhaltung, der Nervosität und dem Blickverhalten gibt es noch zahlreiche andere Tells die zu beachten sind. Unteranderem verrät der erste Eindruck von Kleidung und Auftreten einiges über den Spieler. Zudem erkennt jedermann eine gute Starthand des Gegners, wenn er seine Karten kurz anschaut, die Karten schnell verdeckt und seine Hände schützend über seinen „Goldschatz“ hält.

Ebenso wichtig ist es, seinen Gegner beim Griff zum Glas zu beobachten. Sobald es zu einer außergewöhnlichen Spielsituation kommt und der Gegner versucht zu bluffen oder eine gute Hand spielen will, wird er unbewusst zu seinem Glas greifen, um so normal wie möglich zu wirken.

3.2 Bewusste Tells

Bewusste Tells sind Zeichen die jemand schauspielert, wenn er etwas zu imitieren versucht. Diese bewussten Tells geschehen, sobald der Spieler glaubt beobachtet zu werden oder seine Entscheidung von Bedeutung ist. Hierbei bedeutet schwach zumeist stark und stark zumeist schwach.12

Vorgetäuschte Schwäche äußert sich in diversen Täuschungsmanövern. Mögliche Anzeichen von gespielten Desinteresse können Seufzen, Schulterzucken und langes Grübeln oder Zögern sein.13 Überdies spricht ein sanfter Einsatz und ein Wegschauen für vorgetäuschte Schwäche.14

Gespielte Stärke ist in Form von verschiedenen Einschüchterungsversuchen zu deuten. Spieler versuchen ihre Gegner nervös zu machen, indem sie mit ihren Chips spielen, obwohl sie nicht an der Reihe sind. Ebenso starren sie ihren Gegner, die Karten des Gegners oder den Flop, das sind „die ersten drei Gemeinschaftskarten, die beim Texas Hold´em auf einmal auf den Tisch kommen“15, an.16 Ein energischer oder auch ein übertriebener Einsatz spricht zudem für gespielte Stärke.17

Ob bewusste oder unbewusste Tells - sie helfen einem dem Gegner besser einschätzen zu können. Die Körpersprache eines Pokerspielers sagt viel über ihn aus. Die Tells spiegeln sich in der Körperhaltung, Gestik, Mimik und im Blickverhalten wieder.

Im folgendem werde ich meinen Schwerpunkt auf die Mimik legen und auf den Gesichtsausdruck des Menschen näher eingehen.

[...]


1 Vgl. Caro, Mike. S. 7. Caro, Mike: Poker Tells - Psychologie und Körpersprache am Pokertisch.

2 Königswinter, 2009. S. 40.

3 Meyer, Pamela: Wie man jede Lüge erkennt: Zeichen verstehen, Täuschung durchschauen, Wahrheit ermitteln. München, 2011. S. 71.

4 Vgl. Achenbach, Florian/Meinert, Jan: Rpyal Flush - Pokern oder Die Kunst, das Leben zu meistern. München, 2009. S. 93.

5 Vgl. Papst-Weinschenk, Marita: Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. München, 2004. S. 50.

6 Vgl. Achenbach, Florian/Meinert, Jan. S. 86.

7 Vgl. o.V. Pokertells - Geheime Körpersignale: Blufft er oder blufft er nicht? In: PokerStrategy http://de.pokerstrategy.com/strategy/live-poker/1045/1/ (abgerufen am 10.03.2015).

8 Vgl. Caro, Mike. S. 50 ff.

9 Vgl. o.V: http://de.pokerstrategy.com/strategy/live-poker/1045/1/ (abgerufen am 10.03.2015).

10 Vgl. Meinert, Jan: Die Pokerschule - Texas Hold´em für Anfänger und Fortgeschrittene. Ohne Limit, spielend Geld verdienen. München, 2007. S. 151.

11 Vgl. Caro, Mike. S. 92.

12 Vgl. Caro, Mike. S. 125.

13 Vgl. o.V: http://de.pokerstrategy.com/strategy/live-poker/1045/1/ (abgerufen am 10.03.2015).

14 Vgl. Caro, Mike. S. 212.

15 Meinert, Jan. S. 346.

16 Vgl. o.V: http://de.pokerstrategy.com/strategy/live-poker/1045/1/ (abgerufen am 10.03.2015).

17 Vgl. Caro, Mike. S. 212.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Was unsere Körpersprache am Pokertisch über uns aussagt
Untertitel
Analyse der Mimik eines Pokerspielers
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,3
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V379617
ISBN (eBook)
9783668564473
ISBN (Buch)
9783668564480
Dateigröße
1800 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Körpersprache, Poker, Tells und Reads, Gesichtsausdruck, Facial Action Coding System
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Was unsere Körpersprache am Pokertisch über uns aussagt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379617

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