Auswirkungen des Krieges auf die Menschen in "Thränen des Vaterlandes" von Andreas Gryphius


Hausarbeit, 2016

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kontext des Gedichts
2.1 Historischer Hintergrund
2.2 Andreas Gryphius

3. Einfluss auf Mensch und Gesellschaft
3.1 Erzählstruktur
3.2 Direkte Folgen des Krieges
3.3 Die Bedeutung der Religion in Thränen des Vaterlandes
3.4 Konsequenzen für die Öffentlichkeit

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Laufe der Geschichte gab es immer wieder wichtige Ereignisse, die einen großen Einfluss auf die Menschen und das Bürgertum genommen haben. Neben gesellschaftlichen und politischen Revolutionen, gilt es auch Kriege in dieser Kategorie zu nennen. Der wichtigste Krieg und zugleich auch der längste und verlustreichste im 17. Jahrhundert war der Dreißigjährige Krieg von 1618-1648. Er sorgte für viele Tote und eine komplette Umwälzung der Bevölkerung. In dieser Arbeit wird versucht mit Hilfe von dem Gedicht Thränen des Vaterlandes von Andreas Gryphius einen Zusammenhang des Krieges mit den damit verbundenen Auswirkungen auf die Menschen und die Gesellschaft im 17. Jahrhundert herauszustellen. Um dies nachvollziehen zu können muss man sich als erstes mit dem konkreten historischen Hintergrund des Textes beschäftigen, sowie mit dem Leben des Autors, welches für die Entstehung ebenfalls eine große Rolle spielt. Danach beschäftige ich mich mit dem formalen Aufbau des Textes, der sich in seiner bemerkenswerten Erzählstruktur äußert. Ebenfalls gilt es die sehr bildhafte und ausdrucksstarke Darstellung der Gewalt, sowohl in physischer als auch in psychischer Form, zu betrachten, was Gryphius durch Symbole und Verweise instrumentalisiert. Der Einfluss auf die Gesellschaft erfolgt nicht nur durch den bloßen Druck und die Härte der Auseinandersetzungen, sondern widerfährt den Menschen auch auf einer höheren, übermenschlichen Ebene. Der Autor nutzt die Schrecken der Kriegszeit um auf körperliche sowie seelische Missstände aufmerksam zu machen. Er bezieht die Religion in seinen Text mit ein, um die Signifikanz des Glaubens in der damaligen Zeit zu artikulieren. Dies ist die nächste Leitfrage mit der ich die Verbindung zwischen Krieg auf der einen Seite und Mensch auf der anderen untersuche. Die letzte Frage die sich in dem Bezug auf dieses Thema zu stellen gilt ist der Bereich der konkreten Konsequenzen die sich ereigneten. Somit wird die Auswirkung des Krieges auf Mensch und Gesellschaft in Thränen des Vaterlandes auf zwei Ebenen parallel geführt, die sich jedoch gegenseitig bedingen und gleichzeitig beeinflussen. Zum einen gilt es zu zeigen, welche Bereiche der Menschen im Gedicht überhaupt berührt werden und in welche Richtung (positiv oder negativ) sie verändert werden. Zum anderen wird gezeigt, mit welchen Mitteln der Krieg die Gesellschaft verändert und es schafft, in Bereichen wie Kunst und Literatur eine ganze Epoche gewaltig zu verändern, die in der Gegenwart als charakteristisch für die Denkweise der damaligen Bevölkerung gilt.

2. Kontext des Gedichts

2.1 Historischer Hintergrund

Der Dreißigjährige Krieg gilt als eines der bedeutensten Ereignisse der deutschen Geschichte. Der Krieg, der 1618 begann, forderte das Leben unzähliger Menschen, sorgte für enorme Verwüstung und Zerstörung und konnte erst 1648 durch den Westfälischen Frieden beendet werden.[1] Der Krieg an sich kann als eine Eskalation in zweierlei Hinsicht betrachtet werden: Auf der einen Ebene war er ein Religionskrieg zwischen dem Kaiser und der katholischen Liga auf der einen und der protestantischen Union auf der anderen Seite, auf der zweiten Ebene ein Machtkampf im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen und in Europa.[2] Die Sicht auf diesen Konflikt unterlief einigen Veränderungen im Laufe der Zeit. Im 17. Und 18. Jahrhundert wurde dem Thema von Geschichtsschreibern kaum Bedeutung zugewiesen, im Verlaufe des 19. Jahrhunderts wurde es aber, unter anderem von Schiller, wieder aufgegriffen.[3] Von den Autoren neu konnotiert, galten sowohl der Krieg, aber auch der Westfälische Frieden als „nationale Tragödie Deutschlands“.[4] Der Krieg beeinflusste somit viele nachfolgende Generationen und die Auswirkungen können sogar heute noch teilweise in unserem Kulturkreis greifbar sein. Der Dreißigjährige Krieg kann somit als Wegweiser für die Entwicklung unserer deutschen Kultur und unserem geschichtlichen Werdegang angesehen werden,[5] der nicht nur damals für viele Veränderungen sorgte, sondern bis in die Gegenwart für Kontroversen verantwortlich ist.

Allerdings beeinflusste er nicht nur folgende Generationen, sondern ebenso die Menschen die in dieser Zeit lebten, so auch viele Autoren. Die Dichter, die der Epoche des Barock zuzuordnen sind, beschreiben in ihren Werken das Elend, dass sie persönlich erfahren mussten. Ihre Gedichte enthalten viele der Themen, die für die Barocke Literatur charakteristisch sind, so zum einen das große Leid, welches den Menschen zu Teil wurde. Dies ist unter anderem damit zu erklären, dass sich der Dreißigjährige Krieg von seiner Dauer mit der Epoche des Barocks deckt, die hauptsächlich im 17. Jahrhundert vorherrschte. Das bekannteste Motiv des Barocks, die Vergänglichkeit, ist in vielen Texten zu erkennen, da sie sich oft mit dem Tod als solchem, sowie mit dem Sterben an sich, auseinander setzt. Das Erleben von Hunger, Zerstörung und Tod brachte eine Art des Schreibens mit sich, die man bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte. Der Einfluss der Geschehnisse schlug sich eindeutig in den Werken der Autoren nieder und trug somit zur Weiterbildung und Veränderung der vorherrschenden Epoche bei. Diese Art der Dichtung findet man auch bei Andreas Gryphius, insbesondere in seinem Gedicht Thränen des Vaterlandes Anno 1636, dessen Titel direkt auf eine historische Einordnung auf eine Zeit während des Dreißigjährigen Krieges hinweist. Diese Einordnung konnte bei dem ursprünglichen Titel Trauwrklage des verwüsteten Deutschlandes noch nicht geschehen. In diesem Gedicht beschreibt er den Schrecken des Krieges, die Vernichtung und Verwüstung in seiner kompletten Form.[6]

2.2 Andreas Gryphius

Gryphius wurde am 02.Oktober.1616 in Glogau geboren und starb am 16.Juli.1664 dort.[7] Somit erlebte Gryphius den kompletten dreißigjährigen Krieg während seiner Lebenszeit, was ihn stark beeinflusste, wie sich in seinen Werken zeigt. Sein berühmtestes Werk ist das Buch „Sonnete“. Es erschien 1637 und in ihm sind die bekanntesten Gedichte des Lyrikers und sogar der ganzen Epoche des Barocks enthalten.[8] In seiner Dichtung ist besonders die geschickte Verwendung von metrischen und rhetorischen Mitteln auffällig, sowie der häufige Einsatz von Alexandrinern und Sonetten um seiner Erzählung fühlbare Tiefe zu verleihen. Er bemühte sich sehr die Paradigma der von Opitz verfassten Regelpoetik[9] einzuhalten, auf die zu damaliger Zeit höchsten Wert gelegt wurde. Ebenso ist er berühmt für seine Verwendung der Enjambements, die auch über die Zäsur hinausreichen[10], wie man in Zeile drei und vier, sieben und acht, zehn und elf sowie dreizehn und vierzehn in Thränen des Vaterlandes sehen kann.

Als zentrales Thema für seine Arbeiten gilt die „Anklage gegen sein Schicksal“[11]. Er empfindet sein Leben und seine Umgebung als beklagenswert, er äußert sich negativ über seine Kindheit, Krankheiten und über den Zerfall und die Zerstörung seines Landes. Diese, für ihn persönlich schweren, Zeiten schienen ihn so zu verfolgen, dass er aus diesen Erfahrungen sein Hauptthema ableitet, den Vanitasgedanken.[12] Durch dieses berühmte Antikriegsgedicht und durch die ausgeprägte „Vanitasdichtung“ von Gryphius zählt man ihn in der Gegenwart zu einem der bekanntesten Barocklyriker.[13]

Für ihn spielt in seinen Publikationen der Glaube ebenfalls eine große Rolle, er selber war Sohn eines Diakons und musste während seines ganzen Lebens einen ideologischen Kampf führen. Es kommen ebenfalls Begriffe aus der Bibel und aus Leichenpredigten in seinen Texten vor, die noch einmal unterstreichen, was für eine wichtige Rolle der Glauben für Gryphius spielte.[14] Die Religion, beziehungsweise das Übermenschliche, erhält auch in Thränen des Vaterlandes einen hervorgehobenen Charakter, da in der letzten Strophe von einem „Seelen Schatz“ (V. 14) gesprochen wird. Da er während des Krieges aufgewachsen ist, war es ihm sehr wichtig eine Struktur in seine Werke zu bringen, die er aus seinem realen Leben vermutlich nur bedingt kannte, was man auch sehr gut an diesem Gedicht erkennen kann. Er wählt die Form eines Sonetts in italienischer Form (dies bedeutet 2 Quartette und 2 Terzette), welche zudem mit der Regelpoetik konform ist.

3. Einfluss auf Mensch und Gesellschaft

3.1 Erzählstruktur

Das Gedicht ist wie bereits erwähnt in einer sehr regelmäßigen Form aufgebaut, ein Sonett mit 14 Zeilen, italienische Form, das Versmaß ist ein Alexandriner (6-hebiger Jambus mit Zäsur in der Mitte), es sind jeweils umarmende Reime in den Quartetten und Schweifreime in den Terzetten. Außerdem findet man viele Enjambements vor. Dies ist soweit sehr standardmäßig für den Barock, da zu dieser Zeit sehr auf Regelmäßigkeit und Struktur geachtet wurde.[15] Diese Struktur versucht oft zu kompensieren, was im echten Leben nicht gegeben war, durch die ewig andauernden kriegerischen Handlungen herrschte in den Städten, sowie auf dem Land, absoluter Ausnahmezustand und totales Chaos. Dieses, auf den ersten Blick, scheinbar dem Leitfaden nachempfundene Sonett, weist allerdings einige Abweichungen vom sonst klar strukturierten Muster auf.

Als erstes betrachten wir die Redesituation welche von „Wir“ (V. 1, 7) und „unser“ (V. 10) sich im Laufe des Gedichts zu „ich“ (V. 12) verändert. Diese Abweichung, im Kontrast zur äußerlichen Norm, verkörpert durch einen Wechsel in der Erzählperspektive im zweiten Terzett, erfüllt eine bestimmte Funktion. Es dient dazu, eine persönliche Meinung zu den Gefechten herauszustellen und warnt den Leser in klagendem Ton nicht von seinem Glauben abzulassen. Grundsätzlich lässt sich das Gedicht somit in 2 Teile gliedern, Strophe eins bis drei befassen sich wirklichkeitsnah mit dem Leid, welches die Menschen erfahren, die vierte Strophe ist ein Kommentar des auktorialen lyrischen Ichs. In den ersten drei Strophen wird mithilfe verschiedener Mittel der Krieg beschrieben. In der ersten Strophe und somit dem ersten Quartett wird das Thema Krieg eingeführt und durch die Nennung von Kriegswerkzeug verdeutlicht (V. 2 „die rasende Posaun“, V. 3 „Das vom Blutt fette Schwerdt/ die donnernde Carthaun“). Ebenfalls wird in der ersten Zeile die Redesituation „wir“ (V. 1) eingeführt, welche sich im weiteren Verlauf noch als wichtig erweisen soll. Auffällig ist auch, dass in der ersten Strophe nur wenige Verben verwendet werden, während in der darauffolgenden Strophe wesentlich mehr Verben enthalten sind, was man auf die anwachsende Zerstörung des Krieges beziehen kann. Das zweite Quartett befasst sich mit den, durch in Strophe eins beschriebenen Zuständen, ausgelösten physischen Auswirkungen auf die Stadt und die Menschen, die darin wohnen. Die weltlichen Kräfte, repräsentiert durch Militär (V. 5 „Türme stehn in Glutt“ V. 6 „die Starcken sind zerhaun“) und Staatsorgane (V. 6 „Das Rathaus ligt im Grauß“) haben keine Macht mehr und selbst die geistlichen Kräfte, repräsentiert durch die Kirche (V. 5 „die Kirch ist umgekehret“), sind durch den Krieg vernichtet. Gegen Ende der Strophe folgt dann ein Wechsel auf die psychologische Ebene die durch das Erwähnen des „Geistes“ (V. 8) stattfindet. Die dritte Strophe und somit das erste Terzett beschreibt die Dauer des Krieges, die für die Menschen damals schier endlos schien. Es wird eine konkrete Zahl genannt (V. 10 „Dreymal sind schon sechs Jahr“) und durch den Ausdruck „frisches Blutt“ (V. 9) kann man davon ausgehen, dass die feindseligen Handlungen immer noch, jeden Tag aufs Neue, im Gange sind. Die darauf folgende vierte Strophe ist das, was in diesem Gedicht besonders hervorsticht. Sie bettet in die Darstellung des 30-jährigen Krieges die persönliche Meinung des Autors ein, dies wird besonders in der letzten Zeile deutlich gemacht (V. 14 „Das auch der Seelen Schatz / so vilen abgezwungen“).

[...]


[1] Vgl. Niefanger, Dirk: Barock: Lehrbuch Germanistik Hrsg. v. Metzler Stuttgart; Weimar 2012, hier: S. 29

[2] Vgl. Niefanger (2012) S. 29

[3] Vgl. Kampmann, Christoph: Europa und das Reich im Dreißigjährigen Krieg. Hrsg. v. W. Kohlhammer, Stuttgart 2008, hier: S. 1

[4] Kampmann (2008), S. 2

[5] Vgl. Wehler. Hans-Ulrich: Scheideweg der deutschen Geschichte. Hrsg. v. C. H. Beck München 1995, hier: S. 61f

[6] Vgl. Meid, Volker: Die Deutsche Literatur im Zeitalter des Barock: vom Späthumanismus zur Frühaufklärung . München 2009, hier: S. 8

[7] Vgl. Wentzlaff-Eggebert, Friedrich-Wilhelm Wentzlaff-Eggebert, Erika: Andreas Gryphius. Hrsg. v. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1983, hier: S. 109f

[8] Vgl. Radler, Rudolf: Kindlers Neues Literatur Lexikon Band 6. Hrsg.v. Kindler Verlang GmbH München 1989 hier: S. 969

[9] Vgl. von Petersdorff, Dirk: Geschichte der deutschen Lyrik. Hrsg. v. C .H. Beck oHG München 2008, hier: S. 22

[10] Vgl. Szyrocki, Marian: Andreas Gryphius Sein Leben und Werk. Hrsg. v. Max Niemeyer Verlag Tübingen 1964, hier: S. 51

[11] Szyrocki (1964) S. 54

[12] Vgl. Szyrocki (1964) S. 55

[13] Vgl. Burdorf, Dieter Fasbender, Christoph Moennighoff, Burkhard: Metzler Lexikon Literatur Hrsg. v. J. B. Metzler Stuttgart September 2007, hier: S. 70

[14] Vgl. Szyrocki (1964) S. 55

[15] Vgl. von Petersdorff (2008), hier: S. 23f

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Auswirkungen des Krieges auf die Menschen in "Thränen des Vaterlandes" von Andreas Gryphius
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Proseminar "Katastrophen"
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V379663
ISBN (eBook)
9783668567467
ISBN (Buch)
9783668567474
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Hausarbeit wurde im Sommersemester 2016 in einem Proseminar über Katastrophen verfasst.
Schlagworte
Andres Gryphius, Thränen des Vaterlandes, Ältere Deutsche Literatur, Katastrophen, Dreißigjähriger Krieg
Arbeit zitieren
Karsten Klein (Autor), 2016, Auswirkungen des Krieges auf die Menschen in "Thränen des Vaterlandes" von Andreas Gryphius, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379663

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