Der Einsatz neuer Medien im Unterricht und daraus resultierende Anforderungen hinsichtlich Medienbildung


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Neue Medien in der Schule
2.1 Die historische Entwicklung neuer Medien bis in die Gegenwart
2.2 Gesellschaftliche Anforderungen an Schule in Zeiten der Globalisierung
2.3 Medienbildung und Medienkompetenz in der Schüler- und Lehrerausbildung
2.4 Verwendungsmöglichkeiten neuer Medien im Elnterricht

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit, welche den Titel „Der Einsatz neuer Medien im Unterricht und daraus resultierende Anforderungen hinsichtlich Medienbildung“ trägt, befasse ich mich mit der Tragweite, die digitale Medien in der heutigen Zeit haben, welche Kompetenzen seitens der Lehrer und Schüler im Umgang mit ihnen benötigt werden und auf welche lemprozessförderliche Art und Weise man sie im Unterricht einsetzen kann.

Zunächst werde ich einen historischen Überblick über die Verwendung von bis dato neuen Medien im Unterricht, vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart geben. Als nächstes möchte ich die Auswirkungen neuer Medien auf den Arbeitsmarkt, in Zeiten der Globalisierung, aufzeigen, mit Ausblick auf die Anforderungen, die der Schule hinsichtlich Medienerziehung zukommen. Des Weiteren möchte ich mich mit den Begriffen „Medienbildung“ und „Medienkompetenz“ auseinandersetzen und untersuchen, in welchem Ausmaß digitale Medien die Lebenswelt von Heranwachsenden bestimmen und dementsprechend Verwendung im Unterricht finden sollten. Hierbei werde ich ebenfalls thematisieren, welchen Stellenwert Medienbildung in der Lehrerausbildung zukommt. Zu guter Letzt möchte ich einige exemplarische Beispiele zum sinnvollen Einsatz neuer Medien im Unterricht nennen. Am Ende werde ich unter Bezugnahme des Hauptteils ein Fazit ziehen.

Kinder lemen am Computer, programmieren Lemspiele oder kommunizieren über Datennetze mit Gleichaltrigen in Tokio und New York. Während die Schüler neuen Spaß am Lemen entdecken, schläft die Kuhusbürokratie. In der Lehrerausbildung kommen Computer kaum vor. (Blumencron/Mohr 1994: 96.)

Dieses Zitat von Blumencron und Mohr, zitiert nach Tuldoziecki, ist der Untertitel eines Artikels mit dem Thema „Lemen am Computer“, herausgegeben von „Der Spiegel“ im Jahr 1994. Obwohl diese Aussage bereits über 20 Jahre zurückliegt, ist sie nach wie vor aktuell, zeigt sie doch, dass schon damals neue Medien bei den Kindern, sowohl im Privatleben als auch in der Schule Anklang gefunden haben und man sich der Wichtigkeit einer Sensibilisierung der Lehrkräfte mit eben jenen Medien bewusst war. Meiner Ansicht nach, wird auch heute in der Lehrerausbildung der pädagogisch sinnvolle Einsatz von Medien im Unterricht, sprich Medienbildung, viel zu wenig berücksichtigt, obwohl digitale Medien heute noch stärker als früher den Alltag der Schüler prägt und sie in naher Zukunft eine Kompetenz im Umgang mit ihnen innehaben müssen, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben. Demgemäß möchte ich mich in dieser Hausarbeit der Erörterung und Beantwortung der Frage widmen, ob Medienbildung ein festverankerter Bestandteil der Lehrerausbildung werden soll.

2. Neue Medien in der Schule

2.1 Die historische Entwicklung neuer Medien bis in die Gegenwart

In ihrem Aufsatz „Schule und Medien“, welcher einen Beitrag für das „Handbuch der Schulforschung“, herausgegeben von Helsper und Böhme, darstellt, beschreibt Dorothee M. Meister die Integration neuer Medien in Bildungszusammenhänge. Laut Meister, vollzieht sich eben jene nicht erst seit den letzten Jahrzehnten, da Medien schon lange Verwendung in der Schule finden. Hierbei steht traditionellerweise das didaktische Bemühen etwas zu veranschaulichen, zu erklären und üben im Vordergrund. Bereits in der Antike kommen pädagogische Gegenstände zum Einsatz, wobei das Buch als das herausragende Medium der abendländischen Schule galt und bis heute, seit der Erfindung des Buchdrucks, ebenfalls als zentrales Medium zur Wissensvermittlung im Lernkontext angesehen wird.[1]

Im Gegensatz zur Einführung und Integration des Buches in den Schulalltag, wurden (audio-) visuelle Medien zunächst kontrovers betrachtet, da sie nicht von Anfang für diesen Bereich entwickelt worden sind und dementsprechend sich erst ein Nutzen für Schule und Unterricht herauskristallisieren musste.[2] Die Entwicklung zur Nutzung neuer Medien für schulische Interessen begann bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Einsatz von Lichtbildarbeit, welche allerdings erst mit der Aufnahme von Projektionsapparaten in die Lehrmittelsammlung zum Tragen kam. Ebenfalls wurden Filme eingesetzt, wobei in den 1920er Jahren Schulkinosäle eingerichtet sowie „Landesverbände zur Förderung des Lichtbildwesens in Erziehung und Unterricht“ gegründet wurden. Nach Integration der Medienarbeit in das Curriculum, hat sich der Film seit den 1930er Jahren als didaktisches Anschauungsmittel durchgesetzt, wobei dieser den Unterricht lediglich ergänzen sollte und die Lehrperson ihre zentrale pädagogische Rolle beibehielt.[3]

Die Einbindung des Filmes in den Unterricht wurde zunächst nicht nur durch didaktische, technische und organisatorische Hemmnisse erschwert, sondern auch durch kritische Stimmen, welche bemängelten, dass Filme große Gefahren beinhalten, da sie in der Lage sind, das Denken und Handeln von Kindern und Jugendlichen stark zu beeinflussen. Dabei spielte insbesondere die Frage nach dem Wahrheitsgehalt des Abgebildeten eine Rolle. Man wollte die Jugend vor einer Orientierungslosigkeit und einem Werteverlust bewahren, weshalb erstmals Fragen der Zensur und des Jungendschutzes diskutiert wurden. Demgegenüber war die Kinoreformbewegung bestrebt, das Medium Film als erzieherisches Mittel einzusetzen, da es der „Volksbelehrung und Volksveredelung“[4] dienen sollte. Dies steht im Kontrast zu den handlungsorientierten Ansätzen der heutigen Medienpädagogik, bei welcher der kreativitätsbezogene Umgang mit Medien in der Schule im Fokus steht.[5]

Ein weiterer Einsatz von Medien in der Schule in der Nachkriegszeit, welcher sowohl die grundsätzlichen Ziele von Bildung und Erziehung als auch die Rolle des Lehrers konkret betrifft, stellt die Einführung des Schulfernsehens in den 1960er Jahren dar. Mit diesem bestand die Hoffnung, den Mangel an Lehrkräften kompensieren zu können. Diese konnte jedoch nicht erfüllt werden, weshalb man in den 1970er Jahren zu der Ansicht kam, dass das Schulfernsehen stattdessen eine Entlastung für die Lehrkraft beinhalten sollte, indem es vollständige Lehrfunktionen übernahmen und mehrmals einsatzfähig sein sollte.[6] Letzteres gelang erst mit dem Aufkommen der Videotechnik Ende der 1970er Jahre, dank welcher man, unabhängig vom Ausstrahlungstermin, dem Unterrichtsstoff und Lehrplan folgen konnte unter dem Einsatz von Filmen. Des Weiteren kam es Ende der 1960er bis in die 1970er Jahre hinein zu Neuerungen im Bildungsbereich wie der Technisierung der Lehr- und Lernvollzüge oder die Einführung eines programmierten Unterrichts, wobei die Hoffnung auf ein objektivierbares Lernverfahren gelegt wurde. Dies bedeutet, dass die Leistungen einer Lehrkraft an ein Objekt in Form eines Lehrprogramms übertragen werden. Dabei sollten die Aktivitäten der Lernende auf dieses Programm verlagert werden, dieses sollte ein zeitunabhängiges Lernen ohne Lehrer ermöglichen und der Lernprozess sollte kontrolliert verlaufen. Das Ziel hierbei war, dass die Schüler ein individuelles Lerntempo und Lernrhythmus entwickeln.[7] Der programmierte Unterricht verlief in Deutschland jedoch wenig erfolgreich ab, da zum einen die Geräte und Programme unkomfortabel zu bedienen waren. Zum anderen, sprach man von einer schwierigen „Vereinbarkeit mit dem traditionellen Klassenunterricht, in dem das Aufbrechen homogener Lerngruppen durch individuelle Lernformen von den Lehrkräften eher als Störung denn als Erleichterung empfunden wurde“[8]

In den 1980er Jahren kam es zu einer größeren Verbreitung des Personal Computers, welche zu Diskussionen um die Bedeutung neuer Medien für die Schule führte. Die Meinungen waren gespalten, es gab sowohl Extreme optimistischer als auch skeptischer Einschätzungen auf der gesell Schafts- und bildungspolitischen Ebene, wohingegen sich die lemtheoretische Ebene stärker mit den sozialen und kognitiven Effekten befasste. Jedoch konnten eben jene Diskussionen um den Computereinsatz in Schulen lediglich theoretisch geführt werden. Der Grund dessen war die mangelhafte technische Ausstattung der Schulen, welche es nicht ermöglichte, dass die Befürworter und Skeptiker ihre Überzeugungen durch fundierte empirische Daten zu verifizieren.[9] Ebenfalls im privaten Bereich steckte die Computerisierung noch in der Anfangsphase. Diese fehlende flächendeckende Verbreitung von Computern, sowohl in Schulen als auch in Privathaushalten, führte bis in die 1980er Jahre hinein zu großen Differenzen zwischen Befürwortern und Gegnern des Computereinsatzes, auf Grund der Tatsache, dass lediglich einzelne Fallbeispiele zur Verfügung standen und es an breiteren Erfahrungen hinsichtlich des Einsatzes von Computern in Schulen mangelte.[10]

Seit den 1990er Jahren kam es zu weiteren Entwicklungen in der Technik und Gesellschaft, wobei sich schulische Einrichtungen eben jenen neuen technologischen Herausforderungen stellen mussten. Der Computer sowie das Internet als neue Medien haben Einzug in die Schulen gehalten, da sie sich als Arbeits-, Informations- und Kommunikationsmittel durchsetzten. Seitdem etablierten sich Initiativen, die der Integration neuer Medien in den Schulalltag dienen sollten. Ein Beispiel dafür war die Bundesinitiative „Schulen ans Netz“, welche in Kooperation des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Deutschen Telekom AG 1996 betrieben wurde und deren Ziel es war, einen pädagogischen Nutzen von Telekommunikation mittels technischer Ausstattung und Förderungen zu erreichen. Man sah vor, die Lernprozesse im Unterricht sowie deren Planung und Auswertung zu unterstützen. Des Weiteren sollte infolgedessen die Zusammenarbeit der Schüler untereinander positiv verstärkt werden und eine Unterstützung der alten wie neuen Formen von Förderung und Beratung stattflnden.[11]

Heutzutage sind nahezu alle Schulen mit Computern ausgestattet, wobei zu beachten ist, dass der Ausstattungsgrad je nach Schulform variiert. Auf Grund der zunehmenden Technisierung, sind Schulen angehalten, Möglichkeiten zu finden, diese neuen Technologien in den Unterricht zu integrieren. Dabei müssen notwendige Kompetenzen, die die Nutzung der neuen Medien erfordern, berücksichtigt werden und es bedarf Überlegungen, welche Rolle ihnen im Schulalltag zukommt. Insbesondere Letzteres wirft die Frage hervor, ob neue Medien eine neue Art des Unterrichts erfordern und ob sich die Rolle des Lehrers in Zuge dessen ändert.[12]

2.2 Gesellschaftliche Anforderungen an Schule in Zeiten der Globalisierung

Im Folgenden werde ich näher auf die veränderten gesellschaftlichen Anforderungen an Schule infolge der Globalisierung eingehen. Mittlerweile besteht an die Institution Schule die Anforderung, dass die Ausbildung der Schüler an die Anforderungen des Arbeitsmarktes nahtlos anschlussfähig sein soll. Die Erfüllung dieser Aufgabe erweist sich jedoch auf Grund von bildungspolitischen und administrativen Hindernissen als schwierig, was rasche Veränderungen innerhalb des Schulsystems nur schwer zulässt. Ein weiterer Faktor ist die Wandlungsgeschwindigkeit innerhalb der Wirtschaft, welche ein zeitgenaues Reagieren erschwert.[13] Nebst diesen Wirtschaftswandlungen, sind es auch noch Entwicklungen der Digitalisierung, der erweiterten Internationalisierungen, der ökologischen Krisenpotentiale und der Erfordernissen innovativer Betriebs Strukturen, die zu Entwicklungen im Arbeitsmarkt und Berufsleben führen.[14] So hat in fast alle Arbeitsbereichen die Bedeutung der neuen Informations- und Kommunikationsmedien und -dienste zugenommen, infolge einer Informatisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt. Dadurch kam es zu einer Virtualisierung der Arbeitsvollzüge, was bedeutet, dass diese immer größere Räume in immer kürzeren Zeiten überwinden sollen, zum Beispiel in Form von Telekonferenzen. Die Folgen sind ein erhöhtes Tempo in Produktion und Dienstleistung auf der einen Seite, jedoch weniger Zeit, dichtere Handlungsfolgen und eine geringere Fehlertoleranz auf der anderen Seite. Um dieses Arbeitspensum erfüllen zu können, bedarf es eine soziale Individualisierung der Arbeitsverhältnisse und ein hohes Maß an eigenständiger Koordination und Selbstorganisation.[15] Das heißt, die Arbeitnehmer müssen heutzutage selbst aktiv werden und erweiterte Anforderungen verinnerlichen, da die Steigerung ihrer Arbeitsleistung nicht mehr über fremdgesetzte Kontroll- und Entlohnungsmechanismen geregelt wird. Außerdem spielt nicht mehr der gelernte Beruf selbst die zentrale Rolle, sondern vorweisbare Arbeitsergebnisse und -erfahrungen sowie individuelle Fähigkeits- und Erfahrungsprofile. Die Konsequenz, die sich daraus ergibt, ist die, dass es sich zunehmend um einen „individuellen Beruf‘ handelt, demgemäß der Arbeitgeber höhere Anforderungen an den Arbeitnehmer hat, wie beispielsweise eine stärkere Selbststeuerung und die Fähigkeit, sich ständig neuen Entwicklungen anzupassen und sich zudem Wissen und Kenntnisse auf Vorrat anzueignen.[16] Das relevante Wissen, das im Berufsalltag erfordert ist, verändert sich jedoch

[...]


[1] vgl. Meister (2008): 513.

[2] vgl. ebd., 513.

[3] vgl. ebd., 514.

[4] Meister (2008): 514.

[5] vgl. ebd., 514.

[6] vgl. ebd., 514f.

[7] vlg. ebd., 515.

[8] Issing/Strzebkowski (1995): 290, zit. ท. Meister

[9] vgl. Meister (2008): 515.

[10] vgl. ebd., 516.

[11] vgl. ebd., 521.

[12] vgl. ebd., 521.

[13] vgl. Meister (2008): 516.

[14] vgl. Brunn (2003): 183.

[15] vgl. ebd., (2003): 184.

[16] vgl. Meister (2008): 516f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Einsatz neuer Medien im Unterricht und daraus resultierende Anforderungen hinsichtlich Medienbildung
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V379674
ISBN (eBook)
9783668568037
ISBN (Buch)
9783668568044
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einsatz, medien, unterricht, anforderungen, medienbildung
Arbeit zitieren
Nele Maresa Fink (Autor), 2015, Der Einsatz neuer Medien im Unterricht und daraus resultierende Anforderungen hinsichtlich Medienbildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379674

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