Komposita in der Freud'schen Terminologie


Diplomarbeit, 2016
40 Seiten, Note: 10/A

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Leben Freuds
1. 1 Die Psychoanalyse und ihre Fachsprache

2. Komposita als Wortbildungsprodukte
2. 1 Wortbildungsmodelle der Komposita
2. 2 Kompositionstypen
2. 3 Wortbildungsbedeutung der Komposita

3. Komposita in der Freud‘schen Terminologie
3. 1 Komposita als Termini
3. 2. Wortbildungsmodelle der Freud’schen Komposita
3. 2. 1 Kompositionsglieder der Freud’schen Komposita
3. 3 Kompositionstypen
3.4. Wortbildungsbedeutung der Freud’schen Komposita

4. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Diplomarbeit habe ich mich für das Thema „Komposita in der Freud‘schen Terminologie“ entschieden. Komposita stellen eine recht produktive Wortbildungsart der deutschen Sprache dar. Das allgemeine Ziel dieser Arbeit ist es, auf die Besonderheiten der Freud’schen Komposita einzugehen. Im Besonderen sollen hier Form und Bedeutung der Komposita im Rahmen der Freud’schen Terminologie der Psychoanalyse und der Naturwissenschaften behandelt werden.

Jeder wissenschaftliche Bereich enthält eine Menge besonderer Fachausdrücke und Erklärungsmittel, um Prozesse und Gegenstände, die typisch für ihn sind, entsprechend beschreiben zu können. Die Schaffung des Fachvokabulars ist ein bewusster Akt. Die Namengebung unterliegt bestimmten Regeln, die einmal festgelegt worden sind und deren Befolgung überwacht wird. So z.B. in der Botanik, Chemie, Psychologie usw. Die Grundlagen einer Fachsprache werden nicht selten durch einen einzelnen Forscher bestimmt. Ein Forscher inauguriert eine Fachsprache und sie wird zum Instrument einer enormen Ausweitung des Wissens. In der Chemie wären in diesem Zusammenhang die Forscher Lavoisier und Brezelius, in der Mineralogie Cronstedt, in der Psychanalyse Freud usw. zu erwähnen (Pörksen 1977, 147-150).

Das Wörterbuch „Das Vokabular der Psychoanalyse“ von Laplanche und Pontalis, das 1973 in deutscher Sprache erschienen ist, erläutert 331 Termini, von denen mehr als 300 von Freud selbst geprägt worden sind und nur 25 von seinen Kollegen und Schülern (Pörksen 1977, 151).

Uwe Pörksen hat festgestellt, dass ein Teil der Freud‘schen Terminologie aus dem naturwissenschaftlichen Inventar der Chemie, Biologie und Physik stammt. In Freuds Wissenschaftssprache erkannte Pörksen die „Verbindung eines quasinaturwissenschaftlichen Sprachtyps mit dem literarischen“ (Kämper 2002, 239).

Forscher der Naturwissenschaftssprache, wie z.B. Uwe Pörksen, Lena Langensiepen, Achim Stephan, Thorsten Roelke, Eugen Wüster, bewundern die Bildmächtigkeit der deutschen Sprache und wie sich Freud dieser zur Beschreibung der Psyche bedient hat.

Der erste Teil meiner Diplomarbeit ist eine kurze Einleitung ins Freud‘sche Leben und in die Fachsprache der Psychoanalyse. Danach werden die Komposita als eine produktive Wortbildungsart der deutschen Gemeinsprache dargestellt und es werden Komposita unterschiedlicher Fachbereiche bzw. Komposita als Termini dargestellt. Im Anschluss werden die Komposita in der Freud’schen Terminologie analysiert, d.h. ihre Wortbildungsmodelle, ihre Kompositionssglieder sowie ihre Wortbildungsbedeutung.

Das Korpus der vorliegenden Arbeit bildet eine Auswahl der exzerpierten Komposita der im Quellenverzeichnis angeführten Werke Freunds. Die Analyse des zugrunde liegenden Korpus zeigt, dass die Mehrheit der Freud’schen Komposita Nominalkomposita sind. Die verbalen und die adjektivischen Komposita sind in der Freud’schen Terminologie seltener anzutreffen, gerade deswegen werden sie nur bei der Wortbildungsmodelle vorgebracht. In anderen Fällen beschränke ich mich sowohl in der Freud’schen Terminologie als auch überhaupt im Deutschen nur auf Nominalkomposita als die produktivste Art der Komposition.

Ich möchte die Besonderheit dieses Sprachmaterials Freuds am Beispiel der Komposita, die ich beim Lesen der Freud‘schen Werke und Vorlesungen angetroffen habe, hervorheben. Die in dieser Arbeit analysierten Komposita, die nur einen Bruchteil der von Freud verwendeten Terminologie darstellen, zeigen die deutsche Kompositionsfreudigkeit und den Verdienst Freuds um die terminologische Bereicherung der Welt der Naturwissenschaftssprache.

1. Das Leben Freuds

Sigmund Freud ist am 6. Mai 1856 in einer kleinen Stadt - Freiberg - in Mähren geboren. Sein Vater war ein Wollkaufmann von scharfem Verstand und mit einer guten Portion Humor ausgestattet. Seine Mutter war eine lebhafte Frau, die zweite Ehefrau ihres Mannes, und gut zwanzig Jahre jünger. Sie war 21 Jahre alt, als sie ihren ersten Sohn zur Welt brachte: Sigmund. Sigmund hatte zwei ältere Halbbrüder und sechs jüngere Geschwister. Als er vier oder fünf Jahre alt war, zog die Familie nach Wien, wo er die meiste Zeit seines Lebens verbrachte (Boeree 1997, 4).

Freud war ein intelligentes Kind, war immer Klassenbester. Er besuchte die Medizinische Hochschule - eine der wenigen Möglichkeiten für einen schlauen jüdischen Jungen im Wien seiner Zeit. Dort beteiligte er sich an Forschungen unter der Leitung eines Physiologieprofessors namens Erich Brücke.

Freud war sehr gut in seinen Forschungen, dabei konzentrierte er sich auf Neurophysiologie und erfand sogar eine spezielle Technik. Brücke verhalf ihm zu einer Art Stipendium, zunächst bei dem großen Psychiater Charcot in Paris, dann bei seinem Rivalen Bernheim in Nancy. Beide Herren erforschten die Anwendung von Hypnose bei Hysteriepatienten (Boeree 1997, 4).

Er arbeitete einige Zeit als Direktor eines Kinderheims in Berlin, kehrte dann nach Wien zurück und heiratete seine geduldige Verlobte Martha Bernay. Seine Schriften und Vorlesungen brachten ihm Ruhm und Ächtung seitens des Mainstream medizinischer Kreise ein. Er scharte eine Reihe sehr kluger Sympathisanten um sich, die den Kern der psychoanalytischen Bewegung darstellten. Es gab auch Menschen, die nicht mit ihm übereinstimmten. Einige trennten sich auf freundschaftlicher Basis; andere nicht, und diese gingen dazu über, konkurrierende Schulen zu gründen.

Kurz vor dem zweiten Weltkrieg emigrierte Freud nach England, während Wien eine zusehends gefährlichere Umgebung für jüdische Bürger wurde, insbesondere wenn man so berühmt war, wie Freud. Bald darauf starb er an Krebs, woran er die letzten zwanzig Jahre seines Lebens gelitten hatte (Boeree 1997, 5).

1.1 Die Psychoanalyse und ihre Fachsprache

Die Psychoanalyse gehört zu jenen Fachgebieten, die Ende des 19. Jahrhunderts entstehen, deren Begründer Sigmund Freud ist. Sie bildet sich als wissenschaftliche Disziplin aus der Medizin heraus. Sigmund Freud befasst sich als erster Wissenschaftler ernsthaft mit den unbewussten seelischen Vorgängen. Seine praktischen Erfahrungen mit Patienten veranlassen ihn, die Hysterie und andere Formen der Neurose zu erforschen. Die daraus hervorgehenden Beobachtungen und Erkenntnisse systematisiert Freud und setzt sie in die Theorie über psychische Prozesse um, die die Grundlage für eine neue Fachrichtung bildet, deren Bezeichnung ,Psychoanalyse‘ verwendet ihr Begründer erstmals im Jahr 1896. Freud ist der ausschließliche Inaugurator der Psychoanalyse und ihres Fachvokabulars (Langensiepen 2005, 20-21). Mit dem Begriff ,Psychoanalyse‘ bezeichnet Freud zum einen seine Forschungsmethode, zum zweiten das Therapieverfahren, welche beide in der Praxis zur Anwendung kommen, und drittens die psychoanalytische Theorie (Lickint 1996, 10- 11).

Die Entstehung von Fachsprachen beruht auf der Bildung von Fächern, die durch eine Differenzierung beruflicher Tätigkeitsfelder bedingt ist. In den spezialisierten Bereichen besteht die Notwendigkeit sich über die das Fach betreffenden Gegenstände und Sachverhalte verständigen zu können (Fluck 1996, 27). In den wissenschaftlichen Fachsprachen herrscht lange Zeit das Lateinische vor, das aber ab dem 18. Jahrhundert zum großen Teil durch deutsche Fachwörter ersetzt und von diesen zugunsten einer nationalen Wissenschaftssprache verdrängt wird. Diese Ersetzung erfolgt u.a. durch Wortneubildungen, wie z.B. durch Komposition und Derivation, und Übersetzungen sowie durch die Eingliederung von Fremdwörtern in die deutschen Fachsprachen unter Anpassung an das grammatische System (Roelke 2010, 183).

Freud entwickelt einen neuen, eigenständigen Fachwortschatz, der die Voraussetzung für seine Theoriebildungen darstellt und dessen Begriffe er durch weitere Erkenntnisse vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts stetig erweitert. Es findet hier eine Verselbstständigung auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Fachsprache statt (Langensiepen 2005, 20-21).

Freuds Terminologie gehört einem anderen Typus an als die der Botanik, Chemie oder auch der Medizin. Bei dieser Terminologie könnte man von einer terminologisierten Umgangssprache sprechen. Sie ist ganz überwiegend gemeinsprachlich: Abwehr, Verneinung, Lustprinzip, manifester Inhalt, Zensur, Konflikt. Das sprachliche Material Freuds besteht etwa zur Hälfte aus Erbwörtern des Deutschen. Die verwendeten Lehnwörter bzw. Fremdwörter sind ganz überwiegend eingebürgerte, gängige Wörter der Gemeinsprache oder doch der Bildungssprache. Es gibt aus lateinisch-griechisches Wortmaterial in den Freund’schen Neubildungen: z.B. Eltern-Imago, Neuropsychose, Libido usw. (Pörksen 1977, 151).

Auf der anderen Seite ist es bemerkenswert, wie viele Begriffe Freuds in die Gemeinsprache übernommen worden sind: abreagieren, Identifizierung, Komplex, Narzissmus, Neurose, das Unbewusste, Verdr ä ngung, um nur einige Beispiele zu nennen. Bei diesem Vorgang scheint es charakteristisch zu sein, dass die Wörter etwas von ihrem speziellen Inhalt verlieren und ihren Anwendungsbereich erweitern. Das Wort Trauma hat bei Freud einen genau definierten Inhalt und einen begrenzten Umfang. In der Umgangssprache ist der Inhalt verblasst und der Anwendungsbereich größer (Pörksen 1977, 154).

Hinsichtlich der Frage ihrer Übersetzbarkeit ist die Terminologie bei Freud als sehr interessant einzustufen. Lagache macht in der Einleitung zum „Vokabular der Psychoanalyse” auf die Schwierigkeit aufmerksam, die deutschen Ausdrücke Freuds in den anderen Sprachen wiederzugeben. Oft fehlt ein genaues Äquivalent und dasselbe Wort wird in der Übersetzungssprache von verschiedenen Autoren unterschiedlich weitergegeben (Pörksen 1977, 145).

Die pychoanalytische Sprache hat letztlich einen sprachprägenden Einfluss nicht nur auf die Gemeinsprache im Deutschen, sondern auch auf unterschiedliche Fachsprachen. Durch interdisziplinäre Forschungsbemühungen finden die psychoanalytischen Theorien und damit ihre Sprache Eingang in andere Disziplinen, so z.B. in die Sozialwissenschaften oder die Neuropsychologie (Mertens 2004, 41).

2. Komposita als Wortbildungsprodukte

Die Komposition wird auch Zusammenstellung oder Zusammensetzung genannt und ist im Deutschen neben der Derivation eines der beiden Hauptverfahren zur Bildung neuer Wörter (vgl. Donalies 2002, 53). Wortbildungskonstruktionen entstehen durch die Verbindung von zwei oder mehreren Wörtern - unmittelbaren Konstituenten (Fleischer/Barz 1995, 45). Die beiden unmittelbaren Konstituenten werden bei Komposita als Erstglied oder Zweitglied unterschieden und können gebildet werden durch:

1. (freie) Grundmorpheme bzw. freie Morphemkonstruktionen, die außerhalb des Kompositums als Wort oder Wortgruppe auftreten können (Gemeindeoberhaupt, Rettungsanker, Geldw ä sche-Dilemma)
2. Konfix und Grundmorphem (Bioregal, Schwiegervater, Autopilot, Stiefschwester)
3. Konfixe (Diskothek, bibliophil)
4. Fremdwörter als Erst- oder Zweitglied (Zinsexplosion, Retourkutsche, Print-Welt, Eurotower, Kreditklemme) (vgl. Duden 2006, 692).

Dieser Typ von Konstituenten ist in der Freud‘schen Terminologie anzutreffen.

Es werden Sonderfälle der Komposita genannt, wenn eine unmittelbare Konstituente ein einzelner Buchstabe bzw. ein Initialwort (O-Saft ← Orangensaft; S-Bahn ← Schnellbahn) oder ein Satz (Lass-mich-in-Ruhe-Gesicht) ist. Auch phraseologische oder onymische Wortgruppen können als Konstituenten zu einem Kompositum gebunden werden (Vor-Ort-Bericht, Vier-Augen-Gespr ä ch, Schwarzmeerhafen) (Fleischer/Barz 1995, 45).

Etwa 30% aller Komposita weisen ein Fugenelement auf. Welche Fugenelemente das jeweils sind, hängt von der Wortart des Erstgliedes ab, außerdem von dessen Laut-, Silben- und Wortbildungsstruktur sowie, wenn es ein Substantiv ist, von seiner Flexionsklasse. Bei substantivischen Erstgliedern ist die Vielfalt an Fugenelementen besonders groß, bei verbalen findet sich nur -e (Hebeb ü hne). Adjektivische und unflektierbare Erstglieder werden ohne Fugenelement an das Zweitglied angeschlossen (Fremdsprache, Aufwind). Konfixkomposita haben meist das Fugenelement

- o (Duden 2006, 722).

Bei substantivischen Komposita treten folgende Fugenelemente auf, die die Kompositionsglieder miteinander verbinden:

-e:: Bad-e-tuch, G ä ns-e-bl ü mchen, Pfleg-e-fall, Les-e-ecke usw .

-s: Sch ö nheit-s-wettbewerb, T ä tigkeit-s-feld, Freundschaft-s-beweis, L ö sung-s-ansatz, Aufsicht-s-rat, Fr ü hling-s-anfang.

-es: Landesgrenze, Jahreszeit. Die meisten Erstglieder, die ein - es als Fugenelement haben können, kommen auch ohne Fugenelement oder mit anderen Fugenelementen vor: Tagtraum, Landurlaub, L ä nderspiel, Jahrbuch.

-(e)n: Held-en-mut, L ö we-n-fell, Decke-n-leuchte, Staat-en-bund, Bett-en-haus, Professor(en)titel.

-er: H ä us-er-meer. Rind-er-stall. Aller-dings wird nicht immer eine Vielheit signa-lisiert: Kind-er-wagen, H ü hn-er-ei (Duden 2006, 722-724).

-ens: Herz-ens-wunsch, Schmerz-ens-kind (vgl. auch Симоска 2010, 98-117).

2.1 Wortbildungsmodelle der Komposita

Was das Wortbildungsmodell anbelangt werden Komposita nach den Wortarten ihrer Kompositionsglieder unterteilt. Das Zweitglied kann ein Substantiv, ein Adjektiv, ein Verb oder eventuell ein Adverb sein. Man unterscheidet: Substantivische, adjektivische, verbale und adverbiale Kompositia. Das substantivische Kompositum ist die produktivste Art der Komposition, besonders wenn das Kompositum aus zwei Nomina besteht. Bei diesem Kompositionstyp ist der Kopf immer ein Nomen, der die Wortart des Determinans verändert (Naumann 2000, 44).

Folgende Komposita sind im Deutschen vertreten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Zahl der Adjektive in Bezug zum Gesamtwortschatz ist eher gering, deswegen sind deren Kompositionen nicht zahlreich vertreten. Außerdem sind Adjektive als Kopf untypisch.

Die verbale Kompositionen sind im Deutschen wenig entwickelt. Man unterscheidet:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Kompositionstypen

Die unmittelbaren Konstituenten können in unterschiedlichen Beziehungen stehen. Wenn es sich um die Unter- bzw. Überordnung (Subordination) handelt, spricht man von Determinativkomposita (Gro ß stadt, dunkelblau). Kopulativkomposita werden durch eine Gleichordnung (Koordination) charakterisiert (Hemdbluse, gr ü nblau).

Die sogenannten Possessivkomposita (Dummkopf, Schwarzkehlchen) sind unter diesem Gesichtspunkt als Determinativkomposita zu betrachten (Fleischer/Barz 1995, 45-46; Simoska 2012, 220ff.).

Die Determinativkomposita spielen nach Häufigkeit und Leistung eine außerordentlich wichtige Rolle (Erben 2006, 67). Bei den Determinativkomposita wird die B-Konstituente (Zweitglied, Grundwort, Basiswort) durch die A-Konstituente (Erstglied, Bestimmungs- wort) direkt modifiziert. A ist B dabei semantisch und syntaktisch untergeordnet, B ist semantisch und syntaktisch der Kern (=Kopf) der Konstruktion. Die Bedeutung des Grundworts wird durch das Bestimmungswort spezifiziert. Das Grundwort bestimmt die Wortart und die grammatischen Kategorien (z.B. Genus) der gesammten Konstruktion (Kessel/Reimann 2005, 104).

Dadurch wird der Referenzbereich des Zweitglieds eingeschränkt (vgl. Симоска 2010, 80f.; Simoska 2012: 75). Waldtier (, Tier, das im Wald lebt‘), Wolljacke (,Jacke aus Wolle‘), Apfelsaft (,Saft aus Äpfeln’) usw. Die Determinativkomposita können auch mehrgliedrig sein. Sie lassen sich im Allgemeinen auf eine binäre Struktur zurückführen. Dies kann mithilfe von Umschreibungen (Paraphrasen) verdeutlicht werden: Autobahntankstelle (,Tankstelle an der Autobahn‘), Lebensmittelvergiftung (,Vergiftung durch Lebensmittel‘), Bahnhofsgastst ä ttenbesitzer (,Besitzer der Bahnhofgaststätte’) (Lohde 2006, 37).

Bei Kopulativkomposita herrscht ein nebengeordnetes Verhältnis zwischen den beiden Bestandteilen. Ihre Reihenfolge ist theoretisch austauschbar und beide Teile bezeichnen gleichermaßen das Gemeinte (Kessel/Reimann 2000, 44, Симоска 2010, 90). Die Konjuktion und findet hier Anwendung: Dichter-Komponist - ‚Dichter und Komponist‘.

Beispiele für nominale Kopulativkomposita: Hassliebe, Uhrenradio, Autor-Regisseur , Hosenrock, Strumpfhose, Blusenjacke usw. Dichterkomponist benennt eine Person, die sowohl Dichter als auch Komponist ist. Hosenrock in der Bedeutung ,Hose und (gleichzeitig) Rock’ ist ein Kopulativkompositum, in der Bedeutung, eine bestimmte Art von Rock, ähnelt’ mit der determinierenden Relation. Insgesamt ist diese Wortbildungsart zwar produktiv, jedoch nicht häufig (Elsen 2014, 65).

Possessivkomposita werden als Komposita mit determinativem Verhältnis beschrieben. Das Zweitglied bezeichnet dabei keinen Oberbegriff, unter den sich das Denotat einordnen lässt (Fleischer/Barz 1995, 125; Simoska 2012, 220ff.).

Zu den Personenbenennungen werden noch Pflanzen- und Tierbezeichnungen gerechnet: Spitzbauch, Gr ü nschnabel, L ä sterzunge, Graukopf, Hahnenfu ß , L ö wenzahn, Gelbschwanz, Neunauge, Rotkehlchen, Silbermond usw . (vgl. Simoska 2012, 220ff).

[...]

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Komposita in der Freud'schen Terminologie
Hochschule
Universität St. Kyrill und Method Skopje  (Philologische Fakultät "Blaze Koneski" an der Universität "Hll. Kyrill und Method")
Veranstaltung
Verteidigung/Bewertung
Note
10/A
Autor
Jahr
2016
Seiten
40
Katalognummer
V379692
ISBN (eBook)
9783668570757
ISBN (Buch)
9783668570764
Dateigröße
548 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine Diplomaarbeit über die Komposita der Freud'schen Terminologie im Bereich der Deutschen Wortbildung
Schlagworte
Freud Terminologie Komposita Wortbildung Fachsprache Psychoanalyse, Freud, Terminologie, Komposita, Wortbildung, Fachsprache, Psychoanalyse, Freud'sche Terminologie, Naturwissenschaftssprache, Wortneubildungen, Fachwortschatz, terminologisierte Umgangssprache, Wortbildungsprodukte
Arbeit zitieren
Andjela Gruber (Autor), 2016, Komposita in der Freud'schen Terminologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379692

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