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"Gefährliche Liebschaften?" Kant und Nietzsche aus der Perspektive von Schiller, Hesse und Mann

Ein literaturwissenschaftlicher Vergleich

Titel: "Gefährliche Liebschaften?" Kant und Nietzsche aus der Perspektive von Schiller, Hesse und Mann

Bachelorarbeit , 2014 , 64 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Tobias Thurau (Autor:in)

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Das Leben ist wert, gelebt zu werden, sagt die Kunst, die schönste Verführerin; das Leben ist wert, erkannt zu werden, sagt die Wissenschaft.“

Bereits in diesem einführenden Zitat von Friedrich Nietzsche wird die Spannung zwischen Kunst und Wissenschaft ersichtlich. Beide Seiten beleuchten das Leben des Menschen aus einer anderen Perspektive heraus. ‚Die Kunst‘ sieht den Sinn des Lebens im Genuss, im Spiel, ja in der Liebe, während es ‚der Wissenschaft‘ zuvorderst um eine verstandesgelenkte Ergründung der Welt geht. Beide Positionen scheinen auf den ersten Blick unversöhnlich gegenüber zu stehen. Doch wenn dies so ist: welche Position vereint dann mehr Wahrheit in ihrer Aussage? Gibt es so etwas wie Wahrheit überhaupt? Und wenn ja: brauchen wir diese für ein besseres Leben?

Zur Beantwortung der aufgeführten Fragen führt diese Arbeit durch die unterschiedlichsten philosophischen Strömungen vom kontinentalen Rationalismus bis zum pessimistischen Idealismus durch eine Spanne von etwa 200 Jahren hindurch. Sie umfasst Gedanken von beispielsweise René Descartes, John Locke und Georg Wilhelm Friedrich Schlegel. Die beiden wichtigsten Denker innerhalb dieser Arbeit sind jedoch zwei Philosophen, die das abendländische Denken seit Jahrzehnten und mehr maßgeblich beeinflusst haben und dies bis heute tun - Immanuel Kant und der bereits erwähnte Friedrich Nietzsche

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Prolog

2. Der kontinentale Rationalismus

2.1. René Descartes (1596 – 1650) - Der universelle Zweifel

2.2. Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646 – 1716) - Das Streben nach Harmonie

3. Der englische Empirismus

3.1. John Locke (1632 – 1704) - Das unbeschriebene Blatt Papier

3.2. David Hume (1711 – 1776) – der Skeptiker unter den Empiristen

4. Immanuel Kant (1720 – 1804) - der transzendentale Kompromiss

4.1. Kants Metaphysik

4.1.1. Die kopernikanische Wende

4.1.3. Das Schöne und das Erhabene

4.1.4. Was ist denn nun der Mensch?

4.2. Der Einfluss auf Schiller (1759-1805)

5. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) - der optimistische Idealismus

5.1. Hegel und der Weltgeist

5.2. Die Dialektische Entwicklung

6. Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) - der pessimistische Idealismus

6.1. Die Welt als Selbsterkenntnis des Willens

6.2. Erlösung durch Kunst?

7. Friedrich Nietzsche – Die Geburt des Ästhetizismus

7.1. Biographie / Werke

7.2. Die Frage nach der Lebenskraft des Menschen

7.2.1. Moral- und Wahrheitskritik

7.2.2. Die Umwertung aller Werte

7.2.3. Der Übermensch und die ewige Wiederkehr

7.3. Der Einfluss auf Thomas Mann (1875-1955) und Hermann Hesse (1877-1962)

8. Epilog

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Philosophie und Literatur, wobei der Fokus auf dem Einfluss von Immanuel Kant und Friedrich Nietzsche auf bedeutende Literaten wie Schiller, Thomas Mann und Hermann Hesse liegt. Ziel ist es, die philosophische Fundierung ihrer Werke zu analysieren und zu erörtern, welche Bedeutung diese für das gesellschaftliche Denken jener Zeit hatten.

  • Kontinentaleuropäischer Rationalismus versus englischer Empirismus
  • Die Philosophie Immanuel Kants und ihr Einfluss auf Friedrich Schiller
  • Idealistische Strömungen durch Hegel und Schopenhauer
  • Friedrich Nietzsches Kultur- und Moralkritik sowie der Ästhetizismus
  • Die literarische Rezeption Nietzsches bei Thomas Mann und Hermann Hesse

Auszug aus dem Buch

Die kopernikanische Wende

Zwar gelten seine Werke gemeinhin als schwer verständlich doch genau genommen folgt er in seinen Argumentationen einer konsequenten Ordnung. Sein Erstlingswerk, die Kritik der reinen Vernunft, widmete sich der ersten Fragestellung und erschien im Jahre 1781. Sie markierte die Geburt des deutschen Idealismus, wie ihn Hegel später maßgeblich beeinflussen sollte. Nicht wenige vermuten in der Kritik der reinen Vernunft den größten Beitrag zur modernen Philosophiegeschichte.

Ausgangspunkt unserer Erkenntnis ist also nach wie vor die Sinneserfahrung aber auch die Vernunft ist wichtig dafür, wie wir die Welt in uns auffassen. Demzufolge gibt es Bedingungen in uns selbst, die unsere Auffassung der Welt mitbestimmen. Um welche Bedingungen es sich dabei handelt, lässt sich in Kants transzendentaler Ästhetik nachlesen: „Vermittelst des äußeren Sinnes stellen wir uns Gegenstände als außer uns, und diese insgesamt im Raume vor. […] Die Zeit ist eine notwendige Vorstellung, die allen Anschauungen zu Grunde liegt.“ Die beiden Formen der Sinnlichkeit (Raum und Zeit) sind gleichzeitig auch ihre Rahmenbedingungen. „Außerhalb von Raum und Zeit gibt es keine Individuen, keine Vielheit a fortiori keine Personalität.“ Somit ist der Erkenntnisprozess nur über den Weg des Subjektes gangbar. Inhalt der transzendentalen Logik ist die Teilung des Verstandes in 12 Kategorien. Unter Kategorien versteht der Philosoph logische Strukturen, die bei jedem Urteil anwesend sind und der Erkenntnis der Dinge dienen. Erstmalig zeigte jemand, dass das, „was der Mensch an Wahrheit, an Erkenntnis hat, nicht einfach eine Widerspiegelung […] sei, sondern ein Konstrukt seiner Vernunft, der Kräfte seiner Subjektivität, seines Bewusstseins, ein Konstrukt in den Grenzen dessen, was ihm seine Vernunft an Erfahrungen ermöglicht.“

Im Kern steht mithin ein Wechsel vom Menschen als passives Objekt, welches die Sinneseindrücke ähnlich wie ein Schwamm in sich aufnimmt, hin zu einem selbsterkennenden Subjekt. Dieser Gedanke war damals so spektakulär, dass Kant ihn mit der kopernikanischen Wende in der Astronomie verglich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Prolog: Das Kapitel führt in die grundlegende Spannung zwischen Kunst und Wissenschaft ein und skizziert den Aufbau der Arbeit.

2. Der kontinentale Rationalismus: Hier werden René Descartes und Gottfried Wilhelm von Leibniz als Vertreter des Rationalismus vorgestellt, die das reine Denken über die Erfahrung stellten.

3. Der englische Empirismus: Dieses Kapitel behandelt die Erkenntnistheorien von John Locke und David Hume, die den Ursprung der Erkenntnis in der Sinneserfahrung sehen.

4. Immanuel Kant (1720 – 1804) - der transzendentale Kompromiss: Kant wird als Mittler zwischen Rationalismus und Empirismus dargestellt, der mit seiner Kritik der reinen Vernunft die Voraussetzungen für menschliche Erkenntnis neu definierte.

5. Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) - der optimistische Idealismus: Das Kapitel erläutert Hegels Geschichtsphilosophie und seine dialektische Methode als Prozess der Selbstverwirklichung des Geistes.

6. Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) - der pessimistische Idealismus: Hier wird Schopenhauers Philosophie des Willens als Antwort auf Hegel sowie seine Auffassung der Kunst als Fluchtweg aus dem Leiden analysiert.

7. Friedrich Nietzsche – Die Geburt des Ästhetizismus: Dieses umfangreiche Kapitel widmet sich der Biographie Nietzsches und seiner radikalen Kritik an Moral, Wahrheit und Christentum sowie seinem Konzept des Übermenschen.

8. Epilog: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und reflektiert die bleibende Bedeutung von Kant und Nietzsche für das geisteswissenschaftliche Denken.

Schlüsselwörter

Aufklärung, Rationalismus, Empirismus, Transzendentalphilosophie, Metaphysik, Idealismus, Ästhetizismus, Wille zur Macht, Übermensch, ewige Wiederkehr, Moralkritik, Literaturgeschichte, Subjektivität, Existenzphilosophie, Nihilismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das wechselseitige Verhältnis von Philosophie und Literatur, wobei der Fokus auf der Bedeutung von Kants Erkenntnistheorie und Nietzsches Kulturkritik für deutsche Literaten liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit deckt die Epoche vom kontinentalen Rationalismus und englischen Empirismus über den Idealismus bis hin zum Ästhetizismus von Friedrich Nietzsche ab.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Ziel ist es, den philosophischen Einfluss auf Denker und Literaten wie Schiller, Mann und Hesse aufzuzeigen und zu analysieren, wie diese philosophischen Konzepte in der Literatur verarbeitet wurden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um einen ideengeschichtlichen und literaturwissenschaftlichen Vergleich, der paradigmatisch anhand zentraler Schriften der Philosophen und Literaten durchgeführt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine philosophische Analyse von Kant, Hegel, Schopenhauer und Nietzsche sowie die anschließende Untersuchung, wie sich deren Theorien in den Werken von Schiller, Thomas Mann und Hermann Hesse niederschlagen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind der transzendentale Idealismus, die kopernikanische Wende, der Wille zur Macht, der Ästhetizismus und die Umwertung aller Werte.

Wie unterscheidet sich Nietzsches Philosophie von der Kants?

Während Kant nach den notwendigen Bedingungen der Erkenntnis sucht, kritisiert Nietzsche die Möglichkeit absoluter Wahrheit als solche und interpretiert Erkenntnis lediglich als perspektivische Konstruktion.

Warum spielt das Bild der „Brille“ bei Kant und Kleist eine so wichtige Rolle?

Es dient als Metapher dafür, dass wir die Welt nicht „an sich“ sehen können, sondern immer nur durch die Brille unserer eigenen Vernunftstrukturen, was bei Kleist eine existenzielle Krise auslöste.

Inwiefern beeinflusste Nietzsche Thomas Mann?

Mann thematisiert in seinen Werken, insbesondere im „Doktor Faustus“, die Isolation des Künstlers und die psychologische Belastung durch eine übersteigerte künstlerische Genialität, die direkt an Nietzsches Biographie und Philosophie anknüpft.

Welche Bedeutung hat der „Fluss“ bei Hesse?

Bei Hesse symbolisiert der Fluss das Ewig-Gegenwärtige und den unaufhörlichen Wandel, was als Kritik an Kants statischem Raum-Zeit-Begriff und als Verknüpfung mit Hegels Geschichtsverständnis gedeutet wird.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Gefährliche Liebschaften?" Kant und Nietzsche aus der Perspektive von Schiller, Hesse und Mann
Untertitel
Ein literaturwissenschaftlicher Vergleich
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,0
Autor
Tobias Thurau (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
64
Katalognummer
V379773
ISBN (eBook)
9783668620421
ISBN (Buch)
9783668620438
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nietzsche Kant Schiller Hesse Philologie Germanistik Philosophie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Tobias Thurau (Autor:in), 2014, "Gefährliche Liebschaften?" Kant und Nietzsche aus der Perspektive von Schiller, Hesse und Mann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/379773
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Leseprobe aus  64  Seiten
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