Autoritarismus als eine Form abweichenden Verhaltens bezeichnet eine
Verhaltensweise, die ganz allgemein durch die Unterordnung unter Mächtigere und
die Unterdrückung Schwächerer gekennzeichnet ist.
Erstmals wurde sich mit dem Autoritarismusbegriff in den „Studien über Autorität und
Familie“, welche durch die Machtergreifung Hitlers abgebrochen und 1936 in Paris
veröffentlicht wurden, auseinandergesetzt. Erich Fromm arbeitete im
sozialpsychologischen Teil dieser Studien den Zusammenhang zwischen
Unterordnung unter Mächtigere und Aggressivität heraus. Er entwickelte das
Konzept des „sadomasochistischen Charakters“, welches zu den relevanten
Vorläufern der „autoritären Persönlichkeit“ gehört.
In den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Figur des „autoritären
Charakters“ von Adorno zur Erklärung der massenhaften Gefolgschaft der
Deutschen unter dem Nationalsozialismus herangezogen.
1950 ging es in der Untersuchung zur „autoritären Persönlichkeit“ der Berkeley-
Gruppe (Adorno, Frenkel-Brunswick, Levinson, Sanford u.a.) um potentiell
faschistische Menschen, die von ihrer psychischen Struktur her durch faschistische
Propaganda besonders leicht zu beeinflussen sind und nicht primär um Menschen,
die schon Mitglied in faschistischen Organisationen waren. Mit den Vorarbeiten zu dieser Studie wurde 1943 in Kalifornien begonnen, indem Daniel Levinson und Nevitt Sanford eine Skala zur Messung antisemitischer Orientierungen entwickelten. Else Frenkel-Brunswick, eine österreichische
Psychologin, die aufgrund der Verfolgungen infolge des Anschlusses Österreichs an Deutschland, Österreich verlassen mußte, trug dazu bei, daß in den Untersuchungen zur autoritären Persönlichkeit auch qualitative Zugangsweisen und biographisch orientierte Interviews mit eingingen. 1944 begann
die Zusammenarbeit von Frenkel-Brunswick, Levinson und Sanford mit Theodor W. Adorno.
Nach dieser Studie gab es natürlich andere Versuche, das Autoritarismuskonzept
neu zu bestimmen:
So entwickelte Rokeach um 1960 zur Erklärung von Rechts- und Linksextremismus
das Dogmatismus-Konzept. Milgram machte Experimente über die Autorität von
Wissenschaftlern.
Christel Hopf hat zusätzlich zur klassischen Beschreibung des autoritären Charakters
noch bindungstheoretische Aspekte betrachtet. Wilhelm Heitmeyer hat das Phänomen Rechtsextremismus unter dem Gesichtspunkt der politischen Sozialisation betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der autoritäre Charakter (nach der Berkeley-Gruppe)
3. weitere Aspekte
3.1. Narzißmustheoretische Aspekte
3.2. Bindungstheoretische Aspekte
4. Zusammenfassung
4.1 Ursachenfaktoren von Rechtsextremismus
4.2. Merkmale von Rechtsextremismus
5. Fallbeispiele
5.1. In einem Vorort der Stadt N. …
5.2. Torsten
6. Sozialpädagogische Handlungsmöglichkeiten
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Autoritarismus als eine Form abweichenden Verhaltens und analysiert dessen zentrale Bedeutung für rechtsextremistische Einstellungen und Gewalthandlungen bei Jugendlichen, unter Einbezug psychologischer und sozialer Faktoren.
- Theoretische Grundlagen des autoritären Charakters
- Narzißmustheoretische und bindungstheoretische Erklärungsansätze
- Ursachen und Merkmale des Rechtsextremismus
- Biografische Fallbeispiele und ihre Analyse
- Sozialpädagogische Handlungsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
3.1.Narzißmustheoretische Aspekte
Aus psychoanalytischer Perspektive steht das Subjekt mit seinen unbewußten Motiven, die das Handeln wesentlich mitbestimmen, im Vordergrund. Es sind innere Konflikte, die Anteil daran haben, warum äußere, gesellschaftliche Bedingungen in je spezifischer Art Bedeutung gewinnen.
Ausländerfeindlichkeit kann man aus diesem Blickwinkel heraus wie folgt erklären: Ein neugeborener Säugling befindet sich zunächst in einer „paranoid-schizoiden Position“. Er unterscheidet nur zwischen einer befriedigenden und einer versagenden Mutterbrust, es besteht also eine scharfe Trennung in Liebe und Haß. Damit verbunden sind natürlich übermächtige, bedrohliche Ängste. Normalerweise folgt darauf eine „depressive Position“, in welcher diese widersprechenden Gefühle aneinandergebracht werden und nebeneinander, miteinander verbunden, existieren können. Die depressive Angst gewinnt jetzt Übergewicht über die Verfolgungsangst der ersten Phase.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definition des Autoritarismus und Rechtsextremismus sowie historischer Abriss der Forschung zur autoritären Persönlichkeit.
2. Der autoritäre Charakter (nach der Berkeley-Gruppe): Erläuterung der zentralen Merkmale wie Konventionalismus, autoritäre Untertänigkeit und aggressive Autoritätssucht.
3. weitere Aspekte: Analyse rechtsextremer Orientierungen durch narzißmustheoretische und bindungstheoretische Perspektiven.
4. Zusammenfassung: Systematisierung der Ursachenfaktoren für Rechtsextremismus sowie Darstellung der typischen Merkmale rechtsextremer Ideologien.
5. Fallbeispiele: Veranschaulichung der theoretischen Erkenntnisse anhand eines Vorfalls in einem Vorort und der Biografie eines rechtsextrem orientierten jungen Mannes.
6. Sozialpädagogische Handlungsmöglichkeiten: Erörterung der Aufgaben und Grenzen der Sozialen Arbeit bei der Prävention und Intervention gegenüber rechtsextrem orientierten Jugendlichen.
Schlüsselwörter
Autoritarismus, Rechtsextremismus, abweichendes Verhalten, autoritärer Charakter, Berkeley-Gruppe, Sozialisation, Narzißmustheorie, Bindungstheorie, soziale Deprivation, Aggression, Projektion, Ethnizentrismus, Biografieanalyse, Sozialpädagogik, Prävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Autoritarismus als eine Form abweichenden Verhaltens und setzt diesen in den Kontext rechtsextremer Einstellungen und Handlungen bei Jugendlichen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die psychologischen Grundlagen des Autoritarismus, die Rolle von Erziehung und Sozialisation sowie die Entstehung rechtsextremer Orientierungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Verbindung zwischen autoritären Persönlichkeitsstrukturen, familiärer Sozialisation und dem Abrutschen in rechtsextreme Szenen nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine theoretische Literaturanalyse sowie die qualitative Auswertung von Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Konzepte des autoritären Charakters, narzißmus- und bindungstheoretische Aspekte, Ursachenfaktoren sowie Fallbeispiele und pädagogische Handlungsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Autoritarismus, Rechtsextremismus, Sozialisation, narzißtische Wut, Bindungsrepräsentation und Sozialpädagogik.
Welche Rolle spielt die Familie bei der Entstehung autoritärer Charaktere laut der Arbeit?
Die Arbeit zeigt, dass unsichere Bindungserfahrungen, Gewalt in der Erziehung oder mangelnde Zuwendung Faktoren sind, die autoritäre und aggressive Persönlichkeitsstrukturen begünstigen können.
Warum wird im Dokument die Rolle der Polizei und der Öffentlichkeit thematisiert?
Das Beispiel im Vorort der Stadt N. verdeutlicht, dass ein „lasches“ Vorgehen der Behörden und das gesellschaftliche Wegsehen rechtsextrem agierenden Jugendlichen eine Art Bestätigung bieten kann.
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- Jasmin Becker (Author), 2004, Autoritarismus als eine Form abweichenden Verhaltens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/37992