Die späthallstatt - frühlatènezeitliche Siedlung von Mannheim-Feudenheim


Magisterarbeit, 1998
64 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Topographie

4. Forschungsgeschichte von Mannheim-Feudenheim

5. Grabungsablauf

6. Grabungsbefund
6.1. Die Befundaufnahme
6.2. Die Befundtypen
6.2.1. Einfache Gruben
6.2.2. Silogruben
6.2.3. Hausartige Strukturen
6.2.4. Pfostengruben
6.2.5. Ständerwerk
6.2.6. Grubenhäuser
6.2.7. Gräber
6.2.8. Unbestimmbare Befundarten
6.3. Die Lage der Befunde

7. Materialvorlage
7.1. Die Keramik
7.1.1. Schalen
7.1.2. Schüsseln
7.1.3. Töpfe
7.1.4. Becher und Kleingefäße
7.1.5. Backteller
7.1.6. Siebe
7.1.7. Flaschen
7.1.8. Unbestimmte Gefäßformen
7.1.9. Drehscheibenkeramik
7.1.10. Fremdkeramik
7.1.11. Warenanalyse
7.1.12. Die Verteilung der Gefäßformen
7.2. Geräte aus Ton
7.2.1. Gusstiegel
7.2.2. Briquetagefragmente
7.2.3. Webgewichte
7.2.4. Spinnwirtel
7.3. Die Metallfunde
7.3.1. Artefakte aus Bronze
7.3.2. Artefakte aus Eisen
7.4. Die Knochen
7.5. Sonstige Funde

8. Graphische Umsetzung

9. Zusammenfassung

10. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Die vorliegende Arbeit über die späthallstatt-frülatènezeitliche Siedlung von Mannheim-Feudenheim ist eine Abschlußarbeit meines Magisterstudiums am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Fakultät für Orientalistik und Altertumswissen-schaften an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Mit diesen Zeilen möchte ich mich bei all denen bedanken, die mir bei der Vorbereitung dieser Arbeit behilflich waren.

Durch die freundliche Vermittlung von Herrn Prof. Dr. J. Maran, wurde es mir ermöglicht, am Reiss-Museum (Mannheim) im Februar 1997 mit der Aufnahme von hallstattzeitlichem Siedlungsmaterial zu beginnen. Ich möchte mich bei ihm für die Vermittlung und intensive Betreuung während dieser gesamten Zeit bedanken, besonders für die wertvollen Hinweise, die mir viel Arbeit erspart haben. Dank möchte ich auch für die unendliche Geduld aussprechen, die er mir im Laufe der schriftlichen Arbeit entgegenbrachte.

Ich möchte mich sehr herzlich bei Prof. Dr. C. Eibner bedanken, durch den das Interesse an der Hallstatt- und Latènezeit geweckt wurde. Durch Herrn Eibner lernte ich die Liebe zur experimentellen Archäologie kennen, deren Erkenntnisse mir bei der Auswertung der Metallfunde sehr behilflich waren.

Daneben möchte ich mich bei Dr. F. Falkenstein bedanken, der mir sehr viele wertvolle technische Hinweise zur Arbeit gegeben hat.

Dank möchte ich auch den inzwischen leider verstorbenen Priv. Doz. Dr. H. Spatz aussprechen, der mir durch seine Kenntnisse sehr geholfen hat, vor allem dadurch, dass er durch sein fachkundiges Zutun zur Bestimmung eines problematischen Artefaktes beigetragen hat.

Für die Möglichkeit das Siedlungsmaterial aus Mannheim-Feudenheim bearbeiten zu dürfen, schulde ich allen Mitarbeitern des Reiss-Museums Mannheim herzlichsten Dank.

Diesen möchte ich vor allem auch Dr. I. Jensen vom Reiss-Museum Mannheim aussprechen, die mir während der gesamten Zeit meiner Arbeit geduldig zuhörte und sehr viele wertvolle Tipps geben konnte; vor allem für ihr Entgegenkommen bei allen Fragen und Wünschen. Danken möchte ich auch Dr. K. W. Beinhauer vom Reiss-Museum Mannheim, mit dem ich mich während der gesamten Zeit meiner Materialaufnahme nicht nur über meine Materialien unterhalten konnte, sondern auch über fachübergreifende Themen, die mir die Augen für neue Ansätze zu meinem Thema öffneten.

Besonderen Dank schulde ich Herrn H. Geil, dem Grabungstechniker des Reiss-Museums Mannheim, der mir während der Aufnahme der Funde sehr behilflich war. Durch seine Betreuung ermöglichte er mir ein zügiges Arbeiten. Aufgrund seiner freundlichen Vermittlung beim Landesvermessungsamt-Mannheim war es möglich, den Gesamtplan der Grabung in den Computer einscannen zu lassen, so dass mir viel Arbeit beim Umzeichnen der Gesamtpläne erspart wurde.

Ich möchte mich bei Dr. M. Löscher vom Institut für Geologie an der Universität-Heidelberg bedanken, der mir für meine Arbeit wichtige Publikationen zur Verfügung stellte und mir zu allen - manchmal etwas laienhaften - Fragen, Rede und Antwort stand.

Besonderen Dank schulde ich Prof. Dr. A. von den Driesch am Institut für Palaeoanatomie, Domestikationsforschung und Geschichte der Tiermedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die mir freundlicherweise die Tierknochen aus der Siedlungsgrube 006 bestimmt hat. Diesbezüglich möchte ich mich recht herzlich bei J. Pechtel bedanken, der die Tierknochen dieser Siedlungsgrube zwischen Heidelberg und München hin und her transportierte. Ganz herzlich möchte ich mich bei allen Kommilitonen des Instituts und Freunden bedanken, die meine Texte gelesen und korrigiert haben. Besonderen Dank schulde ich C. Sachße, C. Wilkens, M. Bernhard und vor allem U. Damm, die meine manchmal sehr chaotischen Expertisen in die richtigen Bahnen lenkte. Danken möchte ich auch T. Städtler, der mir oft durch sehr gute Ratschläge weitergeholfen hat.

Speziellen Dank möchte ich meinem Mann O. T. Hoffmann aussprechen, durch den es mir ermöglicht wurde die neuesten Errungenschaften der Computertechnologie für meine Arbeit zu nutzen. Er hat durch sein spezielles Fachwissen bei der Erstellung des Katalogs entscheidend beitragen können. Vor allem hat er mich aus allen geistigen Tiefpunkten gerettet und so zu einem schnellen Gelingen der Arbeit beigetragen.

gez. Stephanie Hoffmann (geb. Otto)

2. Einleitung

Zur Erforschung der späten Westhallstatt- und Frühlatènezeit standen in Baden-Württemberg jahrzehntelang ausschließlich Gräber im Blickpunkt des allgemeinen Interesses.

Das führte dazu, dass unsere Chronologie auf Leitfossilien fußt, die in den Gräbern als Beigaben mitgegeben wurden, vor allem Bronzen. So stellen wir auch heute noch von den Bronzen die Fibeltypologie in den Mittelpunkt, da sie allgemein als die chronologisch empfindlichste Form der Beigabe gilt.

Dies mag als ein Beispiel verschiedener Formen von Bronzen gelten die Bestandteil einer Trachtausstattung sind, doch ist noch nicht geklärt, wie und ob solche Dinge im Alltag wirklich getragen wurden. Die Rekonstruktion der Grablege kann dabei lediglich ein Anhaltspunkt sein. In der Forschung wird die Grabausstattung aber als die wichtigste Fundform angesehen, mit der, da ein Grab in der Regel ein geschlossener Befund ist, datiert wird. Deshalb verwundert es nicht, dass zahlreiche Publikationen von Grabhügeln existieren, während die von zeitgleichen Siedlungen nur selten ausführlich vorliegen.

Erst seit dem Beginn der Ausgrabung auf der Heuneburg, Mitte der 50er Jahre scheint das allgemeine Interesse, sich mit Siedlungsbefunden auseinanderzusetzen, erwacht zu sein. Noch heute gilt die Heuneburg als wichtigste hallstattzeitliche Siedlung, nicht nur weil sie für damalige Verhältnisse mit geradezu revolutionären Methoden aufgenommen wurde, sondern auch deshalb, weil sie ein für eine Siedlung sehr ausgewogenes Fundspektrum aufweist, dazu eine detaillierte Fundbearbeitung vorliegt, mit der man das Material für eine chronologische Einordnung gut an hallstattzeitliche Grabfunde anhängen kann. Diesbezüglich hatten wir bis vor kurzem kaum Vergleiche.

Seit dem sind zahlreiche Höhensiedlungen besser untersucht, allerdings zum größten Teil nicht publiziert worden.

Flachlandsiedlungen wurden bisher seltener untersucht, und es gibt dazu meistens lediglich Vorberichte, allerdings keine Monographien so dass mit der Bearbeitung der späthallstatt-frühlatènezeitlichen Siedlung von Mannheim-Feudenheim fast noch Neuland betreten wird[1].

3. Topographie

Siedlungen sind immer in Verbindung zu ihrer topographischen Lage zu sehen. Denn nur mit der Kenntnis über das Vorkommen fruchtbaren und unfruchtbaren Erdreichs erhält die Lage einer Siedlung wie Mannheim-Feudenheim einen besonderen Stellenwert, genauso das Gebiet um Heidelberg und Mannheim.

Wie der Rhein, so hat auch der Neckar während der letzten Eiszeit in der Oberrheinischen Tiefebene Schotter und Sande abgelagert und damit die Umgebung nachhaltig geprägt[2].

Ursprünglich floss der Neckar entlang der Bergstraße und mündete erst bei Trebur in den Rhein. Etwa um 7000 v. Chr. erfolgte der Durchbruch des Neckars bei Mannheim. Der daraus resultierende Neckarschwemmlehm, der auch Schwemmfächer genannt wird, verteilt sich daher über ein relativ großes Areal und ist bei Heidelberg, Leimen, Schwetzingen, Friedrichsfeld, Neuenheim, Feudenheim und Viernheim sowie entlang der Bergstraße zu finden. Zu beiden Seiten des Neckars erstrecken sich heute an der Oberfläche Schwarzerden (A-Horizonte), die im Anschluss an die bis in die Mitte dieses Jahrhunderts noch existierenden Neckarauen nach Wieblingen hinauf, entstanden sind. Bei Wieblingen besitzen sie eine Mächtigkeit von bis zu 1m. Sie sind besonders kalkhaltig und lagern über ebenso kalkhaltigem Schwemmlehm.

Anhand von Bohrproben in der Zeit zwischen 1976 und 1979 bei Mannheim-Wallstadt konnten von den Flüssen mitgebrachte Materialien von der Oberfläche aus, bis in eine Tiefe von 11 m verfolgt werden. Aus ihnen ergaben sich fünf übereinander liegende Schichten[3].

Die oberste Schicht besteht aus schluffigem und lehmigem Sand, darunter folgen (Schicht IIa) fluviale Mittel- und Grobsande sowie Kiese (Schicht IIb)[4]. Aus ihnen entstanden im Laufe der Zeit fruchtbare Böden. Flächen mit weniger ertragreichen Böden, bei denen der Kies noch heute sehr hoch ansteht, befinden sich zwischen Kirchheim und Plankstadt sowie Schriesheim und Heddesheim[5].

Ab einer Tiefe von etwa 5 m (Schicht III), folgt eine Groblage aus Buntsandstein und Muschelkalkbrocken von ca. 1,5 m Mächtigkeit. Mit Beginn der Schicht IVb[6] folgt eine Sedimentation von 2 m Stärke aus Ton, viel Schluff, Sand, Kies und vereinzelten Sandsteinblöcken. Die unterste Schicht (Schicht V) gleicht von der Korngröße her der Schicht IIb und verläuft in einer Tiefe von zwischen 8 und 10,5 m. Erst ab dieser Tiefe von 10,5 m wurde mit der Bohrung im Sommer 1977 der Grundwasserspiegel erreicht.

In unmittelbarer Nähe der alten Rhein- und Neckararme liegt der Grundwasserspiegel allgemein sehr viel höher, nur etwas mehr als 1m unter der Oberfläche; bei Hochwasser ist dieser Pegel jedoch oberflächennah. Dort sind echte Nassböden mit hohen Grundwasserständen, Gleye (Bruchböden) und Moorböden verbreitet.

Im östlichen Bereich des Rheingrabens, erstrecken sich oberhalb dieser Schwemmschichten, zwischen Wallstadt und Wiesloch große Bereiche mit äolischen Sandablagerungen (Sanddünen). Dort befinden sie sich vorwiegend auf den Niederterrassen, in lößartigen Fließerden eingelagert sowie am Fuße der Bergstraße. Südlich von Wiesloch-Speyer und nördlich des Neckars nimmt die Sandmächtigkeit scheinbar etwas ab. In diesen Gebieten dominieren heute reliefarme Flugsanddecken.

Erst am Ende der letzten Eiszeit entstanden, durch das Einschneiden des Rheins in die Niederterasse und der daraus resultierenden Ausbildung tiefer gelegener Auswehungsflächen, die heute noch das Landschaftsbild prägenden Dünen. Durch die langsame Erwärmung des Klimas (mit Beginn des Holozäns um ca. 10.000 B.P.) begann eine rasche Wiederbewaldung der Rheinauen. Damit fanden die Auswehung und häufigen Umlagerungen der Dünensande ihren Abschluss[7].

Seitdem muss es allerdings an verschiedenen Stellen auch in jüngster Zeit zu Umlagerungen der Dünen gekommen sein, je nachdem ob eine Bewaldung der Dünenflächen vorlag oder ob sie frei lagen und dem Wind ausgeliefert waren. Anhaltspunkte für eine jüngere Umlagerung ergaben Holzkohlereste, die man zwischen zwei kalkführenden Sandschichten im östlichen Dünenwall der Hardt bei Sandhausen fand[8]. Eine 14C-Datierung ergab ein Alter vor 920+/-30 B.P.

M. Löscher, der diese Untersuchungen vornahm, glaubt, dass diese Umlagerung in der im Mittelalter häufigen flächendeckenden Abholzung von Wäldern begründet liegt.

Die markanteste Düne nördlich des Neckars ist bis zu Beginn dieses Jahrhunderts der Atzelbuckel gewesen. Durch den intensiven Ackerbau vor allem aber durch den Bau der Autobahn in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts, wurde er beinahe bis zur Unkenntlichkeit eingeebnet[9]. Davor muss er jedoch, auch durch seine separate Stellung in der Landschaft, Anziehungspunkt mancher Menschengruppen gewesen sein, da er ihnen nicht nur Schutz vor regelmäßigem Hochwasser bot, sondern aufgrund seiner leichten Höhenlage ein guter Aussichtspunkt war.

Auch der alte Dorfkern von Mannheim-Feudenheim wurde, nur wenige km vom Atzelbuckel entfernt, auf einer Düne erbaut. Bohrungen auf dem obersten Dünenkamm innerhalb des Dorfzentrums ergaben eine noch 10-15 m mächtige Sandschicht[10]. Die zahlreichen Siedlungs- und Grabfunde sind, wie wir im folgenden noch sehen werden, in der jüngsten Vergangenheit zum größten Teil im Bereich dieses Dünenkammes beobachtet worden. Die Tatsache, dass diese Funde relativ oberflächig bei Bauarbeiten zu Tage kamen, spricht für einen ständigen Bewuchs der Düne und einer permanenten Nutzung des Areals auf dem Dünenkamm.

4. Forschungsgeschichte von Mannheim-Feudenheim

Um eine Vorstellung der regen Siedlungstätigkeit im Neckarmündungsgebiet zu vermitteln, möchte ich einen kleinen Einblick in die Geschichte der frühest datierten Fundstellen bis zur Latènezeit zwischen Heidelberg und Mannheim-Feudenheim geben.

Der Dünenbereich von Mannheim-Feudenheim, auf dem sich der ursprüngliche Dorfkern befindet, ist schon seit 1928 als Fundplatz bekannt. Damals fand man in einer Baugrube der Wohnhäuser Görresstraße Nr. 1 und 3 zahlreiche, bandkeramische Siedlungsgruben.

Eine weitere Bebauung in diesem Bereich von Mannheim-Feudenheim erbrachte in den folgenden Jahren noch weitere Gruben[11], so dass bald eine Siedlungsausdehnung von ca. 4 ha erreicht wurde. Offenbar ist der ganze Raum im Neckarmündungsgebiet ein sehr beliebtes Siedlungsareal gewesen, denn ähnliche Siedlungen wurden auch in Seckenheim, Suebenheim, Neu-Edingen, Gewann Sandweier, Heddesheim, nördliches Neubaugebiet, Wallstadt, Gewann auf dem Ackelsack (heute Vogelstang) und Wallstadt, Gewann Elkersberg bekannt. Damit ist belegt, dass bereits im frühen Jungneolithikum diese Gegend stark besiedelt war.

Doch brach die Siedlungstätigkeit danach nicht ab, das Mittelneolithikum ist in Feudenheim durch rössenzeitliche Siedlungsgruben an der Heddesheimerstraße (Atzelbuckel) vertreten[12].

Im Bereich des Atzelbuckels scheint besonders gern gesiedelt worden zu sein, was anhand von schnurkeramischem Siedlungsmaterial belegt ist[13].

16 Hockergräber dieser Periode wurden nach G. Gember[14] in Feudenheim, im Süden der Wilhelmstraße, geborgen.

Im Jahr 1927 und 1938 gelang auch der Nachweis glockenbecherzeitlicher Gräber in Feudenheim. Man fand ein Grab, am neuen Sandloch nahe des Friedhofs, bei dem sich das Skelett nicht mehr erhalten hatte, dessen Beigaben jedoch eindeutig auf eine glockenbecherzeitliche Datierung hinwiesen und ein weiteres Grab an der Ecke Scheffelstraße/Ziethenstraße.

Bronzezeitliche Funde, nach den Beigaben wohl mittelbronzezeitliche Funde, sind in Feudenheim durch 50 Gräber belegt. Gember spricht sogar von 4 kleinen Friedhöfen, die sich über das Feudenheimer Gebiet, an der Wilhelmstraße, der Schützenstraße, Traube/Scheffelstraße und an der katholischen Kirche, erstreckten[15].

Für die Urnenfelderzeit liegen im Feudenheimer Stadtgebiet wieder Siedlungsfunde vor, am Aubuckel/Ziethenstraße, in der Nadlerstraße Nr. 4, der Körnerstraße Nr. 34, und an der katholischen Kirche sowie ein Urnenfund am Atzelbuckel bei Ilvesheim. In der Straße Am Bogen Nr. 3/5 wurde ein Ofen mit einem kompletten Keramikinventar geborgen. In unmittelbarer Nähe der Siedlungen, wurden verstreut Brandgräber geborgen so dass F. Gember in ihnen jeweils zugehörige Gräberfelder vermutet[16].

Im Jahre 1863 vermerkte man die ersten frühlaténzeitlichen Funde. Aus der zu Ladenburg zugehörigen Kiesgrube „Am Galgen“ wurden zahlreiche Bronzen geborgen, die aufgrund ihrer Zusammensetzung als Grabbeigaben interpretiert werden können, vermutlich von Körperbestattungen da sie keine Brandspuren aufwiesen. 1865 machte ein Unbekannter der Großherzoglichen Staats- und Altertümersammlung (Karlsruhe) weitere Bronzen zum Geschenk. Doch auch sie waren aus dem Fundzusammenhang gerissen, müssten aufgrund ihrer Zusammensetzung aber ebenfalls als Grabbeigaben interpretiert werden. Sie sollen aus demselben Kiesgrubengelände „Am Galgen“ stammen[17]. Von 1953 bis 1957 wurden dort sieben weitere Körperbestattungen geborgen, die frühlatènezeitlich datiert werden[18]. Nördlich dieser Kiesgrube vermerkte man 1951 und 1954 zwei weitere Körpergräber. In der Kiesgrube wurde ein Dorf mit mehr als 100 Gruben archäologisch erfasst. Wie wir inzwischen wissen, handelt es sich bei dem Material um späthallstatt-frühlatènezeitliches Siedlungsinventar, das neben zahlreichen Restprodukten der Metallverarbeitung auch scheibengedrehte Keramik enthielt. 1933 wurden in der Kiesgrube Back bei Ilvesheim vier Körpergräber geborgen, die frühlatènezeitlich datiert werden[19]. Ein weiteres Körpergrab, das 1955 entdeckt wurde, datiert aufgrund einer Fußzierfibel in die Stufe Hallstatt D3. 1934 wurde während des Autobahnbaus, östlich der Strecke bei Wallstadt, eine hallstatt- oder latènezeitliche „Hütte mit 2 Pfostenlöchern und einer zugehörigen (?) Kellergrube“ angeschnitten[20].

Am zu Ilvesheim gehörenden Atzelbuckel wurde eine „Wohnstelle“, vermutlich ein Grubenhaus, entdeckt, dass neben umfangreichem Scherbenmaterial auch eine eiserne Speerspitze barg. Unweit davon, im Gewann „Altwasser“, fand man zwei Körperbestattungen, die F. Gember lediglich als „keltisch“ bezeichnet.

In Neckarhausen, nahe Ilvesheim, wurden 1932 im Gewann „Bei den Kirchhofäckern“, westlich des Ortes, insgesamt sechs Körpergräber geborgen. In der Schlossparksiedlung (Haus 2) zwei weitere Körpergräber, die nahe beieinander lagen. Eine der Bestattungen trug u.a. eine Fibel vom Typ Münsing, was für eine frühlatènezeitliche Datierung spricht.

An der Ostseite des zu Wallstadt zugehörigen Schultheißenbuckels, wurden Siedlungsreste entdeckt. 1950 fand man dort in der Flur „Klingeleck“ eine Kinderbestattung, die aufgrund der Beigabe einer Eisenfibel, als frühlatènezeitlich eingestuft werden darf. Eine weitere Kinderbestattung fand man 1960, im Gewann „Hinter der Nachtweide“, der u.a. eine Fibel vom Typ Münsing beigegeben wurde, was für eine frühlatènezeitliche Datierung spricht[21].

Ein in Mannheim-Feudenheim um 1953 vermerktes Urnengrab darf wohl aufgrund der Tatsache, dass es sich um Alb-Hegau-Keramik handelt in die Phase Hallstatt C datiert werden. F. Gember gibt an, dass die Gräber Bestattungen mit Hügelaufschüttungen waren, versäumt es allerdings, einen Beleg hierfür anzufügen[22]. In der Ziethenstraße Nr. 121 fand man außerdem eine Siedlungsgrube der Phase Hallstatt C.

Im Ortszentrum wurde in der Hauptstraße Nr. 125 ein Körpergrab geborgen, das aufgrund der Beigaben als frühlatènezeitlich eingestuft werden kann[23].

Auffällig bei dieser Siedlungsgeschichtlichen Betrachtung im unmittelbaren Neckarmündungsgebiet ist, dass sich die Befunde durch alle Zeiten hindurch zumeist an denselben Punkten der Umgebung sowie in Feudenheim selbst im Westen des alten Dorfkerns konzentrieren. In Anbetracht der hohen Befunddichte der Gegend um Feudenheim ist es eigentlich nicht überraschend, dass sich auch im östlichen Bereich des heutigen Stadtteils Feudenheim, südlich der großen Heerstraße, in der Phase der späten Hallstattzeit, Menschen niedergelassen haben und eine Siedlung errichteten.

Dieser in der Forschung noch unbekannten Siedlung, die im Zeitraum zwischen 1977 und 1985 in unregelmäßigen Abständen ergraben wurde, will sich die Autorin in dieser Magisterarbeit widmen.

5. Grabungsablauf

Offenbar waren diese zahlreichen Befunde im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, denn Mannheim-Feudenheim war weder dem zuständigen Landesdenkmalamt noch dem Mannheimer Reiss-Museum als reiche Fundstelle bekannt. Aus diesem Grund reagierte man zunächst auch nicht, als 1977 mehrere südöstlich von Feudenheim gelegene Gewanne, die im Folgenden noch behandelt werden, zur Bebauung freigegeben wurden. Erst nachdem bei ersten Baggerarbeiten ein Grab zu Tage gekommen war, entschloss sich die zuständige Baufirma, das Museum von dem Fund in Kenntnis zu setzen. So vergingen wertvolle Tage, bis die ersten Befunde, inzwischen waren ein weiteres Grab und mehrere Gruben aufgetaucht, aufgenommen und geborgen werden konnten.

Insgesamt fanden vier Grabungskampagnen statt, die von einem immensen Zeitdruck seitens der Baufirmen geprägt waren. Es ist vor allem dem Engagement des Grabungstechnikers, H. Geil, einem Mitarbeiter des Reiss-Museums, zu verdanken, dass unter schwersten Bedingungen ein immer noch gutes Grabungsergebnis erzielt wurde.

In Feudenheim sollte ein Neubaugebiet erschlossen werden, was hieß, dass zunächst Kanalgräben entlang der späteren Straßen verlegt werden mussten. Offenbar konnte das Grabungspersonal, wie es leider bei Notgrabungen häufig der Fall ist, nichts anderes tun, als hinter dem Bagger und der Planierraupe herzugehen um wenigstens „das, was übrig blieb“ zu erfassen. Aus diesem Grund liegen in den meisten Fällen von den Befunden, insofern diese erfasst werden konnten, lediglich Profilpläne vor; nur selten wurden Plana erstellt.

Die verschiedenen Befunde wurden in der Reihenfolge ihres Auffindens nummeriert, so dass die Fundstellen-Nummern oft mehrere Meter auseinander liegen können. Insgesamt wurden 105 Befunde geborgen, von denen 95 Befunde spätthallstatt-frühlatènezeitlich eingeordnet werden können. Die übrigen Befunde werden urnenfelderzeitlich datiert und im Rahmen dieser Arbeit nicht bearbeitet.

6. Grabungsbefund

Diese Grabungsbefunde sind über eine Fläche von 1152 ha verteilt. Innerhalb der Fläche können im Abstand von ca. 50 m fünf Gruppierungen verschiedenster Befunde festgestellt werden. Es wurde bereits erwähnt, dass an den Stellen Befunde aufgenommen werden konnten, an denen die Grabungsarbeiten der Baufirmen stattfanden, weshalb die auffallende Gruppierung auch grabungsbedingt sein kann.

Durch das teilweise maschinelle Abschieben des Erdreiches in einer Tiefe von ca. 0,50 m, ergab sich eine einheitliche Tiefenlage der Befunde, die auf diese Weise zeichnerisch erfasst wurden. Die absolute Tiefe ist bis auf 23 Befunde der Grabungen von 1984 nicht mehr feststellbar. Man kann davon ausgehen, dass zahlreiche Befunde aus höher liegenden Niveaus, wenn sie nicht vorher schon dem Pflug zum Opfer gefallen waren, auf diese Weise unwiderruflich verlorengingen.

Häufig war die obere Hälfte der Befunde abgegraben oder auch in manchen Fällen bis zu zwei Drittel zerstört.

Insgesamt konnten 105 Befundeinheiten erfasst werden, wobei diese in einigen Fällen noch in Unterbefunde untergliedert werden können. Lediglich bei 17 Befunden wurde neben einem Profilschnitt auch ein Planum angelegt, das in diesen Fällen allerdings nicht flächenübergreifend erstellt wurde, sondern sich auf den jeweiligen Befund konzentrierte. In allen anderen Fällen liegen ausschließlich Profilschnitte vor, deren alleinige Aussagemöglichkeit vor allem dann auf ihre Grenzen stößt, wenn größere und kompliziertere Strukturen vorliegen, wie es vor allem bei Pfostenbauten, Grubenhäusern und allen weiteren hausartigen Strukturen der Fall ist.

6.1. Die Befundaufnahme

- Befundnummer

Die Befundnummer setzt sich aus einer dreistelligen arabischen Ziffer, z.B. „005“, zusammen. In einigen Fällen wurde erst während der Bearbeitung festgestellt, dass sich ein Befund in ein oder zwei weitere Befunde aufgliedern lässt. Diese wurden dem eigentlichen „Hauptbefund“ untergeordnet, erhielten also dieselbe Befundnummer. Hinter der entsprechenden Nummer wurde jeweils ein Kleinbuchstabe des Alphabets gesetzt, um diese zusätzlichen Befunde so kenntlich zu machen. Im Katalog wird auf diesen Aspekt noch einmal extra verwiesen.

Eine Ausnahme stellt der Befund 005 dar, der schon während der laufenden Ausgrabung in unterschiedliche Teilbereiche mit zusätzlichen Buchstaben des Alphabets untergliedert worden war, um ihm bestimmte Fundpakete zuordnen zu können. Diese Einteilung wurde hier übernommen und dadurch kenntlich gemacht, dass hinter der Befundnummer ein Punkt steht und der betreffende Großbuchstabe hinten anfügt wird; der Befund 005 wurde auf diese Weise in die Strukturen 005.A, 005.B und 005.C untergliedert. Bei diesem Befund wurde ein zweites Planum erstellt, in dem weitere Befunde als „Unterbefunde“ aufgenommen werden konnten. Sie stehen unmittelbar mit dem Hausbefund in Verbindung, wie etwa ein Pfostenloch innerhalb des Grubenhauses. Diese „Unterbefunde“ sind mit arabischen Ziffern, hinter der eigentlichen Befundnummer und der Nummer des Planums gekennzeichnet. So erhält zum Beispiel die Pfostengrube Nr. 1 des Befundes 005, die im zweiten Planum erst sichtbar wurde, die Befundnummer 005.2.1.

- Gewanname

Die gesamte Grabungsfläche umfasst vier im Karree liegende Gewanne südöstlich des alten Dorfkerns von Mannheim-Feudenheim, deren Grenzen zwei sich kreuzende Feldwege sind. Die vier Gewanne haben entgegen dem Uhrzeigersinn die Namen:

1. „An der Kanalbreite“ (Südliche Umgehungsstraße) und „An der Kanalbreite“ (Neubaugebiet Südost);
2. „Der Lös“;
3. „Der Birnzweig“;
4. „Die Breitgewann“.

Sie gehören alle der Gemarkung „Feudenheim“ an. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Lage der Gewanngrenzen nach den alten Karten von 1933[24] nicht mit der Position übereinstimmt, die auf der Grabung zugeordnet wurde.

Bergungsdatum

Das Bergungsdatum der Befunde ist angegeben, um die Möglichkeit offen zu halten, die Originalpläne im Reiß-Museum-Mannheim einsehen zu können. Die Pläne sind dort nach Jahreszahlen und weiterhin nach Befundnummern sortiert.

- Maße

Maßeinheiten sind in zwei Kategorien unterschieden. Zum einen setzen sie sich aus a) einer Definition des Wertes zusammen und zum anderen aus b) dem Wert selbst.

Die Definition des Wertes kann sein:

- Eine Angabe der allgemeinen Länge und
- eine Angabe der allgemeinen Breite.

Beide Definitionen erfolgen bei rechteckigen Objekten, wenn diese in einem Planum erfasst wurden und bei undefinierbaren Objekten.

Eine Angabe der allgemeinen oberen und unteren Breite.

Diese Angabe erfolgt bei Befunden, die lediglich im Profil erfasst wurden und somit über keine Angabe von Länge, Breite oder Durchmesser verfügen.

Eine Angabe des Befunddurchmessers.

Die Angabe dieser Kategorie setzt voraus, dass der Befund in einem Planum erfasst wurde und die Angabe der oberen Breite des Befundes somit nicht aus dem Profil resultiert. Zumeist handelt es sich um einen Befund, der im Planum eine annähernd runde oder ovale Kontur aufweist.

- Eine Angabe der allgemeinen Tiefe.

Diese Wertdefinition bezieht sich fast ausschließlich auf die eigene Tiefe des Befundes in „m“-Meter unter der Grabungsoberkante und nicht auf die absolute Tiefe als Nivellierwert. Nivellierwerte wurden erst ab der Grabungskampagne von 1984 vergeben. In den meisten Fällen wurde ein absoluter Wert mitten im Profil eingemessen. Aus Gründen des besseren Überblicks wurden diese Werte in den Tafeln auf die Profiloberkante übertragen und umgerechnet.

- Eine Angabe der Planumstiefe.

Diese Wertdefinition kann nur dann erfolgen, wenn vom Befund ein Planum bzw. ein Zwischenplanum erstellt und aufgenommen wurde. Der Wert kann bei Angabe von Nivellierwerten ein absoluter NN-Wert sein oder sich auf eine Tiefe unterhalb der Ackeroberkante bzw. Grabungsfläche beziehen.

Eine Angabe der Profiltiefe.

Die Angabe dieses Wertes dient zur weiteren Orientierung. Er wird vor allem dann wichtig, wenn ein Befund nicht vollständig ergraben wurde, seine Tiefe somit erheblich größer sein kann, als der Profilschnitt zeigt.

- Planumsbeschreibung

Die „erste Beschreibung“ des Befundes erfolgt in der Regel dann, wenn ein Planum angelegt wurde, sie ist dessen Beschreibung der Oberfläche und enthält die Angaben über die Kontur und Verfüllung so wie die Umgebung des Befundes. Letztgenannte wird dann angegeben, wenn diese sich von der im Planum zu sehenden Umgebung unterscheidet; wenn beispielsweise im Profilschnitt zu sehen ist, dass sich die Umgebung des Befundes in der Tiefe ändert.

- Profilbeschreibung

Die Profilbeschreibung ist zumeist die eigentliche Beschreibung des Befundes, da ihre Angaben auf den im Profil angegebenen Aufzeichnungen, insofern diese vorhanden sind, und auf den Angaben im Grabungstagebuch beruhen. Sie enthalten die Angaben über Anzahl und Bezeichnung der Profile sowie ihre Blickrichtung. Die Blickrichtung wurde in Gradzahlen angegeben, die mittels eines handelsüblichen Kartenkompaß anhand der Grabungszeichnungen ermittelt wurden. Fehlerabweichungen von bis zu 5° sind deshalb vorbehalten.

Die Beschreibung besteht aus Angaben zur Kontur im Profil und die einzelnen Verfüllschichten des Befundes. Hinzu kommen Angaben über eventuell bestehende stratigraphische Überlagerungen. Wenn es sinnvoll erschien, erfolgte eine Aufteilung des Befundes in Unterbefunde, die dann mit einem zusätzlichen kleinen Buchstaben gekennzeichnet wurden. Die Angaben über den Inhalt der einzelnen Schichten basieren auf den Grabungsaufzeichnungen.

Von besonderer Bedeutung ist hierbei, dass die Funde aus den jeweiligen Befunden nicht stratigraphisch, sondern nur „im Paket“ geborgen wurden. Das birgt das Problem, dass eine endgültige Interpretation oder Feindatierung, die nur über die jeweiligen Funde vorgenommen werden kann, bei komplizierten Befundkomplexen unzureichend sein muss.

6.2. Die Befundtypen

Vor diesem Hintergrund ergibt sich für die Gesamtfläche kein verifizierbares Siedlungsbild, so dass wir ohne Vergleiche mit anderen Siedlungsgrabungen kaum eine Vorstellung über eine mögliche Struktur unserer Siedlung erhalten. Trotz der unzureichenden Informationen, können neun unterschiedliche Befundarten, aufgrund ihrer Kontur und ihrer Größe differenziert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Befundtypen

Die große Masse der Befunde sind Gruben unterschiedlicher Form und wahrscheinlich auch unterschiedlicher Funktion. Sie definieren sich anhand der Größe von mindestens 1m Durchmesser und der Kontur, die in den meisten Fällen aus einer flachen Grubensohle besteht. Da sie, wie oben erwähnt wurde, sehr häufig im oberen Bereich gestört sind, ist ihre Interpretation nicht selten problematisch. Aus diesem Grund nimmt die Autorin, je nach Aussagemöglichkeit des Befundes, eine Differenzierung dieser Strukturen vor und benennt sie unterschiedlich, als einfache Gruben, wenn sie nur noch in Resten erhalten sind, und als Silogruben, wenn sie konkrete Strukturen erkennen lassen

6.2.1. Einfache Gruben

Einfache Gruben sind Eintiefungen im Boden mit einem Mindestdurchmesser von 1m an der Oberfläche der eine Interpretation als Pfostengrube oder als hausartige Struktur ausschließt. Sie sind zumeist nur noch nahe der Grubensohle erhalten, weshalb ihre ursprüngliche Ausdehnung an der Oberfläche nicht mehr einzuschätzen ist. Sie weisen zwei unterschiedliche Formen auf, die aufgrund ihres Erhaltungszustandes in keine feste Kategorie einzuordnen sind. In der Regel ist diese Form sehr flach oder hat eine sehr verwischte, unklare Kontur (Abb. 2). Aus diesem Grund und aufgrund ihres reduzierten Fundmaterials lassen sie keine direkte funktionale Interpretation zu. Es können insgesamt 19 Strukturen anhand dieser Merkmale als Gruben interpretiert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Grubenformen

6.2.2. Silogruben

Silogruben sind Eintiefungen im Boden, die in fünf unterschiedliche Grubenstrukturen unterschieden werden können, was anhand von Abb.2 verdeutlicht wird. Zumeist haben sie einen Durchmesser von mindestens 1,0-1,5 m an der Oberfläche und weisen eine Tiefe von über einen Meter auf, weshalb sie - wie wir noch sehen werden - anhand von Vergleichen mit anderen Siedlungen bestimmten unterschiedlichen Funktionen zugeordnet werden können.

Die näher zu bestimmenden Silogruben weisen drei unterschiedliche Formen auf. Sie sind entweder rechteckig, kegelförmig oder rund.

Am verbreitetsten sind die kegelförmigen Silogruben, die in Feudenheim bei 28 Befunden vorliegen.

Alle Gruben haben eine auffallend gleichmäßige Form der Verfüllung. Eine wirklich feinstratigraphische Unterteilung ist lediglich im unteren Bereich der Gruben feststellbar. Dort sind die Schichten zumeist nur wenige cm stark und füllen in der Regel die gesamte Breite der Grube aus. Im oberen Bereich wird diese Schicht zumeist von einem relativ homogenen Schichtpaket überlagert, das aufgrund seiner teilweisen Hüttenlehm- und Holzkohleeinschlüsse vermutlich von den dazugehörigen Grubenhäusern stammt und im Laufe der Zeit in die Gruben eingeschwemmt wurde.

Ein Vergleich mit anderen Siedlungen wie etwa der in Tauberbischofsheim „Fronbrunnenäcker“[25] oder auch Rosheim „Mittelweg“[26] zeigt dort einen ähnlichen Konturverlauf und in Rosheim „Mittelweg“ eine ähnlich Form der Verfüllung. C. Jeunesse meint diese Form der Verfüllung als Indiz für ein Offenlassen der Siedlung deuten zu können[27].

Bis auf Befund 017 sind die Verfüllungen der Silogruben in Feudenheim von relativ gleichmäßiger Konsistenz[28]. Hier ist eine deutliche Verengung des Einstiegsloches zu beobachten. Auffallend ist die kompakte Holzkohleschicht an der Grubensohle, die nur wenig eingeschwemmtes Material aufweist. Die von oben her in den Befund hineinreichende Struktur deutet auf den Rest eines zu einem Haus gehörenden Pfostenloches hin. Allerdings scheint es eher den vorliegenden Befund zu schneiden, als auf ihn Rücksicht zu nehmen, womit eine jüngere Datierung des überlagernden Befundes wahrscheinlich ist.

Die Silogruben, die mit Grubenhäusern in unmittelbarer Verbindung stehen, weisen sehr häufig eine von den Grubenhäusern nicht zu trennende Verfüllung auf. Offenbar wurden die Silogruben, wenn ein Haus aufgegeben wurde, ebenfalls offen gelassen.

Betrachtet man sich das Keramikinventar der Silogruben, fällt auf, dass die Verfüllung der Gruben durchgehend sehr klein zerscherbtes Material enthält. Auf ein ähnliches Problem stieß auch B. Röder in Rosheim „Mittelweg“[29], die daraufhin zu dem Schluss kam, dass die Befunde planmäßig ausgeräumt wurden und damit auch nicht das benutzte Gefäßspektrum widerspiegeln.

Eine derartige Befundsituation könnte in Feudenheim auch vorliegen, deutlich wird dies wenn sie mit Grubenhäusern in Verbindung stehen und mit diesen auch eine homogene Verfüllung aufweisen.

Um sich ein Bild von besonders gut erhaltenen Silogruben machen zu können, ist ein Vergleich mit in Hochdorf gefundenen Silogruben oder Erdkellern[30] angebracht, da die dortigen Strukturen nicht nur besser erhalten sind, sondern auch besser aufgenommen wurden als in Rosheim „Mittelweg“ und in Feudenheim.

Bei besonders gut erhaltenen Befunden wird anhand der Profilschnitte deutlich, dass diese im oberen Bereich röhrenförmig und wesentlich schmaler als ihre Breite im unteren Bereich der Grube sind, der sehr eben verläuft. Diese Verschmälerung wird gemeinhin als Einstiegsloch zu einem Keller interpretiert. In Hinblick auf diese Deutung könnte man Inneneinbauten zur besseren Aufbewahrung vermuten. Sie wurden in Hochdorf allerdings nicht beobachtet[31].

Die Gruben streuen nach J. Biel, ähnlich wie in Mannheim-Feudenheim, wahllos über das gesamte Grabungsareal, und es wurden keine Siloareale beobachtet. In einigen Fällen kommen Doppelt- oder Dreifachstellungen der Silos vor, was für eine Erneuerung des Kellers spricht. Die Silos in Hochdorf liegen nach Aussagen von J. Biel nicht innerhalb der Häuser[32]. Es darf jedoch angenommen werden, dass sich Silogruben allgemein auch innerhalb von Häusern befunden haben, was durch einen Hausbefund in Breisach (auf dem Rand des Hochgestades, an der Straße nach Ihringen) belegt ist[33]. Dort befand sich unterhalb eines Grubenhauses im Kies eine 1,1 m tiefe Grube, deren Verfüllung aus grauem Sand und Ton mit wenigen Scherben bestand. Darüber lagen verkohlte Reste einer Abdeckung des Kellers aus Holzbohlen, die von den Resten des eingesunkenen Fußbodens des Grubenhauses bedeckt war.

Das zeigt, dass man sich diese Gruben nicht ausschließlich als, in die Erde eingetiefte Abfallgruben vorzustellen hat, sondern dass sie vielmehr Bestandteil der gesamten Baustruktur der Siedlung waren.

Einen Hinweis zur Funktion dieser Gruben gibt L. Pauli mit dem Beispiel der Grube 20/3[34], die auffallend viel komplett erhaltenes Keramikinventar barg. Das könnte bedeuten, und damit stimmt die Bearbeiterin L. Pauli zu, dass das Material offenbar zum Zweck der Deponierung und Vorratshaltung in die Grube hineingestellt wurde. Wir haben es also mit einer sehr komplexen, äußerst diffizilen Befundform zu tun.

Da in Feudenheim die Anzahl der Silogruben deutlich höher ist als die der Häusern, darf angenommen werden, dass diese scheinbar freistehenden Silogruben ursprünglich in der Nähe von Häusern gestanden haben. Wie oben bereits erwähnt, sind die Befunde fast ausnahmslos von der Oberfläche her gestört, so dass Bauten, die lediglich an der Oberfläche zu fassen sind, wie zum Beispiel Schwellbalkenkonstruktionen, die wir von der Heuneburg her kennen, in Feudenheim nicht mehr erhalten sind. Dazu tritt die Schwierigkeit, dass Erneuerungen von Silogruben, wie sie zuvor in Hochdorf besprochen wurden, in Mannheim-Feudenheim stratigraphisch nicht zu fassen sind. Allein anhand dieser Informationen ist die ursprüngliche Lage der Silogruben in Bezug zu den Häusern somit nicht zufriedenstellend zu klären.

6.2.3. Hausartige Strukturen

Unter hausartigen Strukturen werden Eintiefungen im Boden verstanden, die eine kastenartige Kontur und eine Größe zwischen 2,0-2,65 m aufweisen. Sie sind damit leicht von Pfostengruben zu unterscheiden, schwieriger jedoch von Silogruben zu trennen, die eine rechteckige Kontur besitzen. In Feudenheim gibt es 6 solcher Befunde, die als „hausartige Struktur“ definiert werden können. Ihre Funktion ist aufgrund der Kontur und des Fundinventars nicht klar zu erkennen. Eine Ausnahme stellt der Befund 099 dar[35], der aufgrund seiner Form eine grubenhausähnliche Struktur zeigt. Im Süden weist der Befund eine 35cm hohe Schwelle auf, die möglicherweise als Stufe für den Einstieg in das Gebäude gedient hat.

Die Breite des Befundes von 2,65 m im oberen Bereich und 2,15 m im Fußbodenbereich lässt eine Interpretation als Grubenhaus nicht unbedingt zu. Im Profil sind außerdem keinerlei Spuren zu finden, die auf eine Pfostenkonstruktion hinweist. Vielleicht wurden die zum Befund zugehörigen Pfostengruben durch den Profilschnitt nicht erfasst, wie es bei einigen Grubenhäusern auch der Fall ist. Diese Gebäudegröße ist ideal für einen Speicher oder einen kleinen Werkraum. Im Grubeninventar deuten ein kleiner Spinnwirtel und ein großes Fragment eines bearbeiteten Geweihes die Möglichkeit von handwerklicher Tätigkeit an. Die anderen fünf Strukturen sind von in ihrer möglichen Funktion nicht so klar anzusprechen wie der Befund 099. Ihr Fundinventar weist keinerlei Besonderheiten auf, so dass die Ansprache ihrer Funktion schwierig ist. Vermutlich haben sie eine ähnliche Funktion wie einige Silogruben gehabt, als Vorratsraum.

6.2.4. Pfostengruben

Pfostengruben sind Eintiefungen im Boden, die in der Regel eine rechteckige Form und einen Durchmesser von 0,30-1,05 m aufweisen. Aufgrund der Befundsituation konnte ihnen eine architektonische Funktion zugeordnet werden. Ihre Fundlage in Feudenheim ist in der Regel im Zusammenhang mit Grubenhäusern zu sehen. Sie sind in günstigen Fällen innerhalb der Grubenhäuser, z.B. in Form von Firstpfosten zu suchen, seltener stehen sie allein.

In Feudenheim konnten 9 Pfostenkonstruktionen einzeln erfasst werden, unabhängig davon, ob sie im Hausverband stehen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Pfostenverfüllungen, die während der Grabung nicht einzeln erfasst wurden, hier auch nicht einzeln aufgeführt werden können. Dieser Fall tritt zum Beispiel bei Befund 017[36] und Befund 028 und 029 auf[37], die deutlich sichtbare Pfostenstellungen zeigen, aber im Verbund mit dem Grubenhaus als ein Befund erfasst sind. Im Befund 061[38] sind möglicherweise noch Spuren von mehreren Pfostengruben erhalten. Der zu Befund 061 vorliegende Profilschnitt reicht nicht aus, um die im Planum sichtbaren Verfärbungen als Pfostengruben ansprechen zu können. Die Verfärbungen könnten auch Spuren eines Flechtwerkes sein, welche das Inneren des Grubenhauses unterteilte.

Mit Ausnahme von Befundkomplex 061 und den einzeln liegenden Pfostengruben, darf man wohl allen anderen Pfosten aufgrund ihrer Situation innerhalb der Befunde eine Funktion als Firstpfosten zuweisen. Dazu sei noch erwähnt, dass sie durchaus, wie man in Hochdorf sehen kann, im Verbund mit Ständer- oder Schwellbalkenkonstruktionen stehen können. Da in Feudenheim, die gesamte Oberfläche stark erodiert ist, konnten derartige Konstruktionen nur in einem Fall beobachtet werden. Es muss jedoch angenommen werden, dass es sie in Feudenheim, wie auch in allen anderen zeitgleichen Siedlungen mehrfach gegeben hat.

[...]


[1] Der Unterschied zwischen einer Flachland- und einer Höhensiedlung liegt bereits in deren Lage. Es ist einleuchtend, daß eine freie Entfaltung zum Bau einer Siedlung am ehesten bei Flachlandsiedlungen ermöglicht wird, während die Entfaltung von Höhensiedlungen durch ihre natürliche Begrenzung eingeschränkt wird.

[2] Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg (1966) 84.

[3] Löscher/Becker/Bruns u.a., 1980, 91 Abb. 2.

[4] Staatliche Archivverwaltung Baden-Württemberg (1966) 83.

[5] In diesen Schichten fand man ab einer Tiefe von 2 m Konchylienschalen, von denen eine Probe einer dieser Schalen ein 14C-Alter von 9700+/- 500 Jahre ergab.

[6] Schicht IV a wurde hier nicht erwähnt.

[7] Löscher, 1994, 17-18.

[8] Die oberen Bereiche von festen Dünen sind wie Löß bis in eine Tiefe von 1-4 m entkalkt und bilden darunter Osteokollen aus. Treten diese Osteokollen bei einer Bohrung oberflächennah zu Tage, darf die ursprüngliche Höhe der Dünen auf ca. 1-4 m ergänzt werden.

[9] Jüngste Bohrungen von M. Löscher im Januar 1998 ergaben, daß bereits wenige cm unterhalb der heutigen Ackeroberfläche der kalkhaltige Sand beginnt, was bedeutet, daß mehr als 3 m Sand seit Entstehung der Düne abgetragen wurden.

[10] Durch freundliche Mitteilung von M. Löscher (Geologisches Institut Universität-Heidelberg).

[11] Körnerstraße (südlich), Rückertstraße(nördlich), Aubuckelstraße (westlich) und Schützenstraße (östlich).

[12] Gember (1966) 24.

[13] Eine Bearbeitung des Materials wurde zum Zeitpunkt der Arbeit an der vorliegenden Magisterarbeit im Rahmen einer Magisterarbeit, später in Form einer Dissertation von D. Hecht (Universität-Heidelberg) vorgenommen. Die abgeschlossene Arbeit ist inzwischen unter dem Titel „Die endneolithische Besiedlung des Atzelberges bei Ilvesheim (Rhein-Neckar Kreis) (2003)“ erhältlich.

[14] Gember (1966) 24.

[15] Ebend., 27.

[16] Ebend., 28.

[17] Liebschwager (1969)b 68.

[18] Ebend., 71-72.

[19] Ebend., 67-68.

[20] Ebend., 16.

[21] Ebend., 78.

[22] Gember (1966) 30.

[23] Liebschwager (1969)b 76.

[24] Feudenheim 1933, Stadt Mannheim, Vermessungsamt, P.93045181.

[25] Oeftiger, 1996, 74, Abb. 38.

[26] Jeunesse (1992) 14 Abb. 2. Struktur 1, 15 Abb. 3 Struktur 18.

[27] Ebend., 8-9.

[28] Befund 017, Tafel B 10.

[29] Röder (1992) 26.

[30] Biel (1995) 33-34.

[31] Ebend., 33.

[32] Jeunesse (1992) 33.

[33] Stoll, 1940, 17.

[34] Pauli (1993) 41.

[35] Befund 099, Tafel B 41.

[36] Befund 017, Tafel B 10.

[37] Befund 028-029, Tafel B 15.

[38] Befund 060-061, Tafel B 26.

Ende der Leseprobe aus 64 Seiten

Details

Titel
Die späthallstatt - frühlatènezeitliche Siedlung von Mannheim-Feudenheim
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Ur- und Frühgeschichte der Fakultät für Orientalistik und Altertumswissenschaften)
Note
2,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
64
Katalognummer
V38
ISBN (eBook)
9783638100236
ISBN (Buch)
9783638930864
Dateigröße
10936 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Siedlung, Mannheim-Feudenheim
Arbeit zitieren
Dr. Stephanie Hoffmann (Autor), 1998, Die späthallstatt - frühlatènezeitliche Siedlung von Mannheim-Feudenheim, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38

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