Die Bauernkriegsbewegung der Jahre 1524 - 1526


Seminararbeit, 2005

24 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Einführung

1. Bauernkriegsbewegung im Allgemeinen
1.1 Vorläufer im 14. und 15. Jahrhundert
1.2 Neue Bauernkriegsbewegung – Forderungen, Begründungen, Inhalte
1.3 „Christliche Vereinigung“ der Bauern und die „Zwölf Artikel“

2. Bauernkrieg sbewegung im SpeziellenDie habsburgischen Länder
2.1 Kriegsverlauf 1524 – 1526
2.2 Monopolisierung des Bergbaus und die Rolle der Bergarbeiter
2.3 Ursachen und Inhalte der Aufstände
2.3.1 Tirol
2.3.2 Oberösterreich

3. Martin Luther und die Bauernkriegsbewegung
3.1 Position Luthers vor der Bauernkriegsbewegung
3.2 Wandel und Meinungsentwicklung Luthers

4. Fazit und Ausblick

Literaturangaben

Einführung

Die Historiographie der Bauernkriege in der Frühneuzeit war lange durch den marxistischen Begriff der „frühbürgerlichen Revolution“[1] geprägt. Besonders in der ehemaligen DDR- Forschung verwies man auf den materiell fundierten Gegensatz von Adel und Bauer. In der marxistischen Forschung interessierten neben den Ursachen, Programmen und Abläufen die Beziehungen zwischen reformatorischer und bäuerlicher Bewegung. Beide wiesen ein eigenes Profil auf, aber es bestanden Wechselbeziehungen, und beide verkörperten einen revolutionären Prozess. Das Resultat der marxistischen Interpretation lautete: Der Bauernkrieg bilde den Höhepunkt einer „frühbürgerlichen Revolution“. Im Gegensatz interpretiert und charakterisiert Peter Blickle die Bauernkriegsbewegung der Jahre 1524 – 1526, als eine „Revolution des gemeinen Mannes“[2]. In dieser Bewegung forderten nicht nur die Bauern ihr Recht und eine angemessene Integration in die Gesellschaft des 16. Jahrhunderts, wie sie ihnen nach Gottes Gerechtigkeit („Göttliches Recht“) zustand, sondern auch die nicht privilegierten Schichten.[3]

Ausgehend von den Forschungen von Peter Blickle[4] und Günther Vogler[5] untersuche ich die Fragestellung, ob die Bauerkriegsbewegung eine soziale, eine bürgerliche oder frühbürgerliche Revolution war. Der erste Teil der Hausarbeit beschäftigt sich mit der aktuellen, historischen Darstellung der Bauernkriegsbewegung im Allgemeinen. Im zweiten Teil wird die Bauernkriegsbewegung im Speziellen, anhand der habsburgischen Länder, des Kriegsverlaufs von 1524 bis 1526, der Monopolisierung des Bergbaus und der Rolle der Bergarbeiter untersucht. Den Ursachen und den Inhalten der Aufstände in Tirol und in Oberösterreich widmet sich dieses Kapitel detaillierter. Im dritten Teil behandele ich die Position Martin Luthers vor der Bauernkriegsbewegung, dem Wandel und die Meinungsentwicklung Luthers während dieser Zeit. Das Fazit und der Ausblick schließen die Hausarbeit ab.

1. Bauernkriegsbewegung im Allgemeinen

1.1 Vorläufer im 14. und 15. Jahrhundert

Die Bauernkriegsbewegung, die im Mai und Juni 1524 mit der Erhebung der Stühlinger Bauern im Südschwarzwald7 begann, hatte schon Vorläufer im 14. und 15. Jahrhundert. Hier ist an die Bewegung des „armen Konrad“[8] 1514 in Würt­temberg und die Bewegung des „Bundschuh“[9] in Südwestdeutschland zu erinnern. Letztere nahm 1483 im Gebiet von Schlettstadt ihren Anfang und wurde 1502 im Bistum Speyer, 1513 im Breisgau und 1517 am Oberrhein aktiv. Sie wurde geführt von Joß Fritz, der ein leibeigener Bauer des Bischofs von Speyer war.[10]

Die Bundschuh- Bewegung forderte die Abschaffung der Leibeigenschaft mit Zinsen und Zehnten und die Freigabe der Allmenderechte, wie Jagd und Fischfang. Ferner wandte sie sich gegen „Pfaffen“- und Klösterherrschaft. Papst und Kaiser wollte man als einzige Herren aner­kennen. Die Parole der Bundschuh-Bewegung „nichts denn die Gerech­tigkeit“10 stammte aus der „Reformatio Sigismundi“[11] des Jahres 1438/39. Sie stand auf der Fahne der Bewegung über dem Bilde des gekreuzigten Hei­lands, an dessen Seite der den Bauern im Unterschied zum Ritter kenn­zeichnende Bundschuh zu sehen war.[12] Ähnliche Bewegungen fanden sich auch in den österreichischen Alpen, im Allgäu, in Oberschwaben und in der Schweiz.[13]

1.2. Neue Bauernkriegsbewegung – Forderungen, Begründungen, Inhalte

Im Juni 1524 erhoben sich die Untertanen in der Landgrafschaft Stühligen.[14]

Bald weitete sich dieser Aufstand zur Bauernkriegsbewegung in weiten Teil des Reiches aus.[15] Laut Vogler zeigen die Abläufe dieser Bewegung gleiche Muster auf:

„Artikulation von Beschwerden, Bildung von bewaffneten Bauernhaufen, Gründung christlicher Verbündnisse, Verhandlungen mit Grundherren, Ablehnung unzureichender Ergebnisse, bewaffnete Konfrontation“.[16]

Das Neue der Bauernkriegsbewegung waren nicht die von den Bauern erhobenen Forderungen, sondern deren Begründung. For­derten sie das alte Recht als göttliches Recht, so verstanden sie darunter das biblische Recht des Evangeliums.[17] Damit griffen sie die emanzipatorischen Anstöße auf, die die Wittenberger Reformation in den 20er Jahren mit sich führte.[18] Vogler bringt die Forderungen und deren Inhalte auf dem Punkt, indem er schreibt:

„Mit der Berufung auf das Göttliche Recht legitimierten die Aufständischen das Verlagen nach materieller Entlastung, sozialer Besserstellung und gemeindlicher Selbstbestimmung.“[19]

Inhaltlich wandte sich die Bauernkriegsbewegung gegen persönliche wie kollektive Belastungen. Die persönlichen Belastungen des einzelnen bezogen sich vor allem auf die Leibeigenschaft, sofern sie noch bestand, Höhe und Un­gleichheit von Diensten und Abgaben, Unterbindung der Ehefreiheit sowie Steuerdruck. Die kol­lektive Belastung meinte die Beschränkung dörflicher Autonomie, die Einschränkung der Allmenderechte in Nutzung von Land, Wald, Jagd und Fischerei.[20]

1.3 „Christliche Vereinigung“ der Bauern und die Zwölf Artikel

Die Stühlinger Bauern im Südschwarzwald ver­teidigten gegen die

Landesherrschaft[21] des[22] Grafen Sigismund ihr altes geschriebenes Recht. Ihr kriegserfahrener und wortgeübter Anführer war Hans Müller.[23]

Am 14. April 1524 wurde die „Christliche Vereinigung“ der Bauern in der Fürstabtei Kempen ausgerufen, durch die das Allgäu zum Aufstandsgebiet der Bauern hinzukam. Gleichzeitig griff die Bewegung auf Schwaben, das Elsass, Franken, Thüringen, Sachsen, Tirol und Kärnten über.[24] In Oberschwaben formulierte der Memminger Kürschnergeselle[25] Sebastian Lotzer zusammen mit dem Prädikanten[26] der Stadt Christoph Schappeler die Zwölf Artikel als Programm der schwäbischen Bauern, in denen die Forderungen der Bauern mit reformatorischen Grundgedanken verbunden und legitimiert wurden.[27] Die Zwölf Artikel der Bauernschaft in Schwaben[28] gehen über die in der Bundschuh – Bewegung geäußerten hinaus[29], indem sie die Stärkung der Dorfgemeinde und die freie Wahl der Pfarrer durch die Gemeinde verlangen.[30] Artikel 1 stellt die Heilige Schrift als Norm für die Legitimität der Forderungen der Bauern auf. In Artikel 2 sprechen sich die Bauern für die Verwendung des großen Zehnten zu Bezahlung der Pfarrer und für die Abschaffung des kleinen Zehnten aus. Artikel 329 fordert die Abschaffung der Leibeigenschaft, da uns Christus alle mit seinem kostbaren Blut erlöst und erkauft habe. Laut Blickle hat der dritte Artikel

„im Reich 1525 geradezu elektrisierend gewirkt, die Bauern mobilisiert, die Theologen provoziert und die Politiker alarmiert“.[31]

Blickle betont dabei, dass nicht nur die Folgen der Leibeigenschaft gemildert werden sollten, sondern dass die Freiheit der Bauern hergestellt werden sollte[32]. Blickle sieht die Freiheit dreifach begründet:

1. Theologisch: „[...] In Bezug auf den Erlösertod Christi [...]“. 2. Naturrechtlich: [...] Im Hinblick auf die Schöpfungsordnung, die sich in der Heiligen Schrift ausdrücke [...]“. Und 3. Ethisch: „[...] Mit dem Verweis auf die Nächstenliebe, die das Handeln der Menschen leiten soll [...]“.[33] Die Forderungen im Artikel 4 und 5 wenden sich gegen die Einschränkung von Jagd- und Fischereiprivilegien, sowie der Nutzung von Wald und der Gemeinde gehörenden Allmendwiesen. Die Artikel 6 bis 11 wenden sich gegen die persönlichen Belastungen der Bauern durch übermäßige Dienstleistungen durch Zinsen und gegen den sogenannten Todfall, dass heißt, gegen Abgaben der Hinterbliebenen beim Tode eines Hörigen oder Leibeigenen.[34] Zusammenfassend schreibt Blickle, dass der

[...]


[1] Wohlfeil, Rainer: Positionen der Forschung. „Bauernkrieg“ und die „frühbürgerliche Revolution“, S. 100 ff; Winterhager, Friedrich: Erträge der Forschung. Bauernkriegsforschung, S. 125 ff.

[2] Blickle, Peter: Der Bauernkrieg. Die Revolution des gemeinen Mannes, S. 8 f.

[3] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 – 1650, S. 406.

[4] Siehe: Literaturangaben Nr. 2. bis 6.

[5] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 – 1650.

[7] Ebenda S. 53f.

[8] Adam, Thomas/Joß Fritz - das verborgene Feuer der Revolution, S. 211.

[9] Ebenda S. 212 f.

[10] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 – 1650, S. 50.

[11] Ebenda, S.51 Altmann, Ursula: Reformatio Sigismundi.

[12] Adam, Thomas/Joß Fritz: Das verborgene Feuer der Revolution, S. 190, 206.

[13] Ebenda S.300 f.

[14] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 – 1650, S. 53.

[15] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 – 1650, S. 53.

[16] Ebenda, S. 53.

[17] Blickle, Peter: Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten, S. 88 ff.

[18] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 – 1650, S. 51, 297.

[19] Ebenda, S. 53.

[20] Ebenda, S. 230 ff.

[21] Blickle, Peter: Der Bauernkrieg: Die Revolution des gemeinen Mannes, S. 23.

[22] Ders., Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten, S. 90; Die Druckvorlage (nach Götze) der Zwölf Artikel befindet sich als Anhang I, in: Blickle, Peter: Die Revolution von 1525, S. 289 – 295.

[23] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 – 1650, S. 53.

[24] Ebenda, S. 53.

[25] Handwerksberuf, der sich mit der Herstellung und Verarbeitung von Pelztextilien beschäftigt.

[26] Prädikanten halten in ihrer Gemeinde Gottesdienste. Sie schreiben ihre Predigten selbst, im Gegensatz zu den Lektoren, die von anderen Theologen vorgefertigte Lesepredigten halten.

[27] Blickle, Peter: Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten, S.90 f.; ders.: Unruhen in der ständischen Gesellschaft 1300 – 1800, S. 29 f.; Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 - 1650, S. 54.

[28] Blickle, Peter: Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten, S. 90.

[29] Siehe: Kapitel 1.1. Vorläufer im 14. und 15. Jahrhundert, S. 4 f.

[30] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 – 1650, S. 54.

[31] Blickle, Peter: Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten, S. 90 f.

[32] Ebenda, S. 91.

[33] Blickle, Peter: Von der Leibeigenschaft zu den Menschenrechten, S. 90 ff.

[34] Vogler, Günther: Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500 - 1650, S. 54; Blickle, Peter: Die Revolution, S. 323 f.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Bauernkriegsbewegung der Jahre 1524 - 1526
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Historisches Seminar in Braunschweig/ Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung in Braunschweig)
Veranstaltung
Proseminar
Note
1.0
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V38003
ISBN (eBook)
9783638371995
ISBN (Buch)
9783638654241
Dateigröße
582 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Fragestellung: War die Bauerkriegsbewegung eine soziale, eine bürgerliche oder frühbürgerliche Revolution? 28 Primär- und Sekundärquellen (128 Fußnoten)
Schlagworte
Bauernkriegsbewegung, Jahre, Proseminar, Martin Luther, Revolte, 1524, 1526, 1555, 1524-1526, 1524 - 1525, horizontale und vertikale soziale Mobilität
Arbeit zitieren
Darius Windyka (Autor), 2005, Die Bauernkriegsbewegung der Jahre 1524 - 1526, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38003

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