Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Musicology - Miscellaneous

Notation und Spielvorschrift im Buxheimer Orgelbuch

Title: Notation und Spielvorschrift im Buxheimer Orgelbuch

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 24 Pages , Grade: gut

Autor:in: Jennifer Ruwe (Author)

Musicology - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

[...] Mit der Beantwortung derartiger Fragen beschäftigen sich diverse wissenschaftliche Teilgebiete. Von der Kodikologie (Untersuchung der physischen Beschaffenheit) bis zur Dialektologie, Schriftund Repertoire-Untersuchungen: jedes scheinbar unwichtige Detail könnte eine Antwort auf eine Vielzahl von Fragen sein. Wer war der Komponist, wer der Schreiber? Wo wurde die Handschrift verfasst und wann? Für wen war sie bestimmt und was genau ist da eigentlich notiert? Dabei gliedert sich die Musikalien betreffende Quellenkunde in drei Bereiche: die Bibliografie (Erfassung von Fundort, physischer Gestalt und Inhalten, sowie Datierung, Provenienz und Überlieferungsgeschichte), die Textphilologie (Beschäftigung mit der Überlieferung des musikalischen Textes) und die Bibliologie („...Frage nach der Beziehung zwischen Struktur und Funktion von buchartigen Quellen, sowie nach ihren soziokulturellen Implikationen.“). Die Besonderheit bei der Arbeit an einer musikalischen Quelle liegt in der Zweischichtigkeit derselben. Über die physische, also mit den menschlichen Sinnen unmittelbar erfassbare, Existenz hinaus verbirgt sich hinter dem Notentext klingende Musik. Darüber, w i e diese Musik einmal geklungen haben mag kann im Falle von Quellen aus der Zeit vor Schallplatte, Kassette und CD nur spekuliert werden. Ist der einzige Zugang zur Musik – die Notation – außerdem in einer uns unbekannten Form, erschwert dies das Vorhaben um so mehr. Wenn sich in einem solchen Fall keine Erklärung zur Notationsweise findet, bleibt die Musik nur ein paar Zeichen und klanglos. Umso interessanter, dass sich im Falle des B.O. eine derartige Erklärung findet. Und nicht nur das: Darüber hinaus wird sogar etwas über die Regeln der Komposition verraten. Die Besonderheit des B.O. als musikwissenschaftliche Quelle liegt darin begründet, dass diese Handschrift am Beginn einer neuen Art von Musik steht, die sich aus der vokalen Tradition löst und ohne Sprache, rein instrumental, existiert. Aus der Art der Notation und der dahinter stehenden Theorie können Rückschlüsse auf jene anfängliche Entwicklung der Instrumentalmusik gezogen werden. Das Hauptaugenmerk wird dabei im Folgenden dem theoretischen Anhang des B.O. – dem modus organizandi – und den in engem Zusammenhang dazu stehenden Fundamenta der Handschrift gelten. Zunächst soll jedoch das nötige Hintergrundwissen zur Quelle durch die Behandlung der Themen Provenienz, Repertoire und Komponisten gegeben werden.

Excerpt


Gliederung

Einleitung

2. Physis der Quelle

3. Repertoire und inhaltlicher Aufbau

4. Aspekte zur möglichen Provenienz

5. Notation zwischen Theorie und Praxis

5.1. Der modus organizandi

5.2. Die Notation als Abbildung des Spielvorgangs

6. Die Fundamenta des Buxheimer Orgelbuchs

6.1. Aufbau

6.2. Von melodischer Umspielung zum musikalischen Satz

7. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen

Diese Arbeit widmet sich der musikwissenschaftlichen Untersuchung des Buxheimer Orgelbuchs, wobei der Fokus auf der Analyse der Notation, der Provenienz sowie des theoretischen Gehalts der sogenannten Fundamenta liegt, um Rückschlüsse auf die Entwicklung der frühen Instrumentalmusik zu ziehen.

  • Provenienzgeschichte und Datierung der Handschrift
  • Struktureller Aufbau und Repertoire-Kategorien
  • Theoretische Grundlagen und Spielanweisungen (Modus organizandi)
  • Notation als Abbild des Spielvorgangs vs. theoretische Abgrenzung
  • Didaktik und musikalische Satzlehre in den Fundamenta

Auszug aus dem Buch

5.2. Die Notation als Abbildung des Spielvorgangs

Eine schriftliche Einweisung in die verwendete Notation ist heute sicherlich kein üblicher Bestandteil von Notentexten. Derartige Aufstellungen von Notenzeichen, Tonumfang und Pausenzeichen sind Teil von einführenden Werken zur Musiktheorie wie sie im Schul- und Musikschulunterricht Verwendung finden. Doch auch für das 15. Jh. stellt eine Verbindung von Notentext und theoretischer Einführung wie wir sie im B.O. finden eine Besonderheit dar, die Aufschluss über die Anfänge der Notation von Instrumentalmusik geben kann. Während die Vokalmusik im 15. Jh. nämlich bereits hoch polyphon entwickelt war und in jener auf Guido von Arezzo zurückgehenden standardisierten Mensuralnotation in Singbüchern oder auf Lesefeldern notiert wurde, steckte die rein instrumentale Musik noch in den Kinderschuhen. Die Idee, Musik ohne Bindung an das gesungene Wort sozusagen als eigene Sprache zu gestalten, war derart revolutionär, dass eine bloße Übernahme der für die Vokalmusik bekannten Notationsmuster scheinbar nicht in den Sinn kam. Instrumentalmusik – und das bedeutet zunächst Lauten- und Orgelmusik – wurde als eine gänzlich neue Art der Musik gesehen und verlangte somit auch eine eigene Notation. Dennoch finden sich in dieser neuen Notation für Orgelmusik auch Teile der in der Vokalmusik verwendeten Mensuralnotation. Lediglich die Tenorstimme wird in dieser Form widergegeben, während die restlichen zwei bis drei Stimmen – wie bereits erwähnt – durch Buchstabenreihen definiert sind.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Buxheimer Orgelbuch als musikalische Handschrift und Vorstellung der wissenschaftlichen Fragestellungen sowie methodischen Teilgebiete der Quellenkunde.

2. Physis der Quelle: Beschreibung der äußeren Beschaffenheit der Handschrift, des Index sowie eine erste Erläuterung der verwendeten älteren deutschen Orgeltabulatur.

3. Repertoire und inhaltlicher Aufbau: Kategorisierung der ca. 250 Stücke in Intavolierungen, geistliche Werke sowie Fundamenta und Praeambula inklusive einer tabellarischen Übersicht.

4. Aspekte zur möglichen Provenienz: Diskussion über Datierung und Herkunft der Handschrift unter Einbeziehung von Wasserzeichen, Dialektforschung und musikwissenschaftlichen Analysen.

5. Notation zwischen Theorie und Praxis: Analyse der theoretischen Anweisungen im "modus organizandi" und Untersuchung der Hypothese, ob die Notation als direktes Abbild des Spielvorgangs zu verstehen ist.

6. Die Fundamenta des Buxheimer Orgelbuchs: Detaillierte Betrachtung des Aufbaus der Orgelspiellehre und der Entwicklung von rein melodischen Umspielungen hin zu komplexen Sätzen.

7. Zusammenfassung: Resümee über die Verknüpfung von Spiel und Komposition und die Bedeutung der Quelle für das Theoriebewusstsein früher Organisten.

Schlüsselwörter

Buxheimer Orgelbuch, Mensuralnotation, Orgeltabulatur, Modus organizandi, Fundamenta, Conrad Paumann, Instrumentalmusik, Vokalmusik, Provenienz, Quellenkunde, Kontrapunkt, Spielpraxis, Kodikologie, Orgelmusik, Musikhandschrift.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Buxheimer Orgelbuch, eine bedeutende Musikquelle aus dem 15. Jahrhundert, hinsichtlich ihrer physischen Beschaffenheit, Notation und musiktheoretischen Bedeutung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Kernbereichen zählen die Provenienzforschung, die systematisierte Notation für Instrumentalmusik sowie die didaktische Funktion der enthaltenen "Fundamenta" zur Orgelspiellehre.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch die Analyse von Spielanweisungen und theoretischen Anhängen zu verstehen, wie Instrumentalmusik in dieser Zeit notiert, gelehrt und kompositorisch konzipiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden musikwissenschaftliche Quellenkunde, Kodikologie, Textphilologie sowie vergleichende Analysen von Notationsformen und musiktheoretischen Traktaten angewandt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der physischen Quelle, das Repertoire, Herkunftsaspekte, die detaillierte Analyse des Modus organizandi und den didaktischen Aufbau der Fundamenta.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Buxheimer Orgelbuch, Orgeltabulatur, Modus organizandi, Fundamenta, Kontrapunkt und Spielpraxis definiert.

Warum spielt die Notation als Abbild des Spielvorgangs eine Rolle?

Sie ist zentral, um zu klären, ob die Tabulatur direkt die Tastenfolge abbildet oder ob kompositorisch-theoretische Prinzipien, wie die Abgrenzung zur Vokalmusik, die Aufzeichnungsform bestimmt haben.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Fundamenta?

Der Autor stellt fest, dass sich die Fundamenta von einfachen melodischen Übungen zu komplexeren Sätzen entwickeln, wobei kompositorische Aspekte über eine bloße Spielanweisung hinaus an Bedeutung gewinnen.

Excerpt out of 24 pages  - scroll top

Details

Title
Notation und Spielvorschrift im Buxheimer Orgelbuch
College
University of Würzburg  (Institiut für Musikwissenschaft)
Grade
gut
Author
Jennifer Ruwe (Author)
Publication Year
2005
Pages
24
Catalog Number
V38006
ISBN (eBook)
9783638372022
Language
German
Tags
Notation Spielvorschrift Buxheimer Orgelbuch
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jennifer Ruwe (Author), 2005, Notation und Spielvorschrift im Buxheimer Orgelbuch, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38006
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  24  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint