Die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen 1994


Seminararbeit, 2004

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Problematik des Bevölkerungswachstums
2.1. Die demographische Ausgangslage
2.1.1. Steilkurve nach oben: Das weltweite Bevölkerungswachstum
2.2. Ursachen des Wachstums
2.3. Die drei Wachstumsprognosen
2.4. Folgen des Bevölkerungswachstums

3. Der lange Weg nach Kairo – historischer Abriss
3.1. Bukarest, Mexiko, Kairo - die drei Weltbevölkerungskonferenzen

4. Die Konferenz in Kairo
4.1. Der neue Blickwinkel
4.2. Teilnehmer der Konferenz
4.3. Das Aktionsprogramm
4.4. Finanzierung
4.5. Die zentralen Themen
4.5.1. Der Integrativer Politikansatz
4.5.2. Empowerment of Women
4.5.3. Schutz und Förderung der Familie

5. Folgeprozesse nach Kairo
5.1. Die UN-Feldstudie 1998
5.2. Die UN-Sonderversammlung ICPD+5

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Internet

1. Einleitung

Nummer 5 000 000 000 kam 1987 in Zagreb zu Welt. So wollte es zumindest der Dienstplan von Javier Perez de Cuellar, dem damaligen UN-Generalsekretär. Am 11. Juli jenes Jahres war er gerade dienstlich in Zagreb, und weil die Vereinten Nationen für diesen Tag die Geburt des fünfmilliardsten Erdenbürgers berechnet hatten, eilte Cuellar in die Frauenklinik von Kroatiens Hauptstadt und begrüßte dort medienwirksam den frisch geborenen Matej Gaspar als Jubiläumsbaby. Dass der kleine Kroate wirklich exakt Nummer fünf Milliarden war, ist unwahrscheinlich, schließlich werden laut dem UN-Bevölkerungsfonds UNFPA weltweit pro Minute 260 Kinder geboren. Doch wollten es der Zufall und die Dienstreise von Cuellar auf den Balkan eben so, dass Gaspars Foto durch die Weltpresse ging. 1974, also 13 Jahre zuvor, hatten die Zeitungen noch das Bild von Nummer vier Milliarden gedruckt. 14 Jahre vorher waren die drei Milliarden voll gewesen, 33 Jahre davor (1927) die zwei Milliarden. Und als 1804 der milliardste Erdenbürger das Licht der Welt erblickte, da wurde das noch gar nicht registriert. Die Chronologie zeigt: Die Weltbevölkerung wächst immer schneller, im 20. Jahrhundert hat sie sich vervierfacht. Inzwischen leben auf der Erde längst mehr als sechs Milliarden Menschen, so viele wie nie zuvor.

Dass diese Bevölkerungsexplosion nicht ohne Folgen bleiben würde – diese Erkenntnis dämmerte den Politikern und Wissenschaftlern in den 60er Jahren. Nach weiteren Konferenzen fand vom 05. bis 13. September 1994 in Kairo die „Internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung“ statt, die sogenannte ICPD[1]. Sie wurde von den Vereinten Nationen und dem UNFPA durchgeführt und beschäftigte sich vor allem mit der globalen Bevölkerungsentwicklung, ihren negativen Konsequenzen und möglichen Gegenmaßnahmen. In dieser Hausarbeit soll zunächst das Bevölkerungswachstum dargestellt und ein historischer Abriss geliefert werden, der den Weg nach Kairo aufzeigt. Anschließend werden die zentralen Themen der ICPD geschildert und die beschlossenen Maßnahmen dargestellt. Einhergehend damit sollen die wichtigsten Konfliktlinien der Konferenz erläutert und die Ergebnisse von Kairo bewertet werden. Zum Abschluss ist noch auf die Entwicklungen nach 1994 einzugehen.

2. Die Problematik des Bevölkerungswachstums

2.1. Die demographische Ausgangslage

Bevölkerungswachstum als weltweite Bedrohung zu erkennen, war eine der zentralen Erkenntnisse der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Zahl der Erdenbürger explodierte (s. oben). Ein Zeitpunkt, seit wann die Dynamik des Bevölkerungszuwachses so stark angezogen hat, ist nicht exakt zu verorten, geht jedoch einher mit dem Beginn des Industriezeitalters Mitte des 19. Jahrhundert. Zuvor war die Bevölkerungszahl Jahrhunderte lang recht konstant geblieben – Zuwächse wurden wieder aufgezehrt durch Kriege, Hungersnöte und Seuchen. So raffte die 1346 ausgebrochene Pest-Epidemie in den folgenden fünf Jahren ein Drittel der Europäer, etwa 25 Millionen Menschen, hinweg. Doch mit den Fortschritten in Hygiene- und Gesundheitswesen, der Technisierung der Kriege und der besseren Nahrungsversorgung stieg die Lebenserwartung (von rund 30 Jahren um 1800 auf über 75 in den heutigen Industrieländern). Beispielsweise lebten in Deutschland Frauen im Jahr 2000 im Durchschnitt 79,2 Jahre lang, Männer 72,8 Jahre.[2]

Wenn durchschnittlich jede Frau 2,1 Kinder bekommt, bleibt die Bevölkerungszahl einer modernen Gesellschaft langfristig konstant. Im „Baby-Boom“ nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Zahl in den meisten Industrieländern (IL) übertroffen, heute liegt sie hier im Durchschnitt bei 1,5.[3] Damit nimmt die Einwohnerzahl in vielen Ländern der westlichen Welt (Beispiel: Deutschland - 0.1 Prozent)[4] sogar leicht ab. Weltweit sieht es jedoch anders aus: Länder wie Uganda (6,9 Kinder pro Frau), Jemen (6,5) und Kenia (4,7) sind Ausreißer nach oben[5], doch auch in den Entwicklungsländern (EL) allgemein liegt die Kinderzahl mit 3,1 deutlich über dem IL-Niveau. Weltweit beträgt das Bevölkerungswachstum bei 2,8 Kindern pro Frau damit 1,3 Prozent per annum.[6] Grafisch dargestellt verläuft die Kurve des Bevölkerungswachstums exponentiell:[7]

2.1.1. Steilkurve nach oben: Das weltweite Bevölkerungswachstum

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: Die Zahlen zur Entwicklung der Weltbevölkerung nach 2000 beruhen auf Schätzungen der Mittleren Variante der UN-Projektion.

Quelle: Population Refernce Bureau und Vereinte Nationen. World Population Prospects: The 2002 Revision. New York 2003.

Mitte Juni 2004 umfasste die Weltbevölkerung rund 6,39 Milliarden Menschen.[8] Jährlich kommen knapp 84 Millionen hinzu – oben genannte 1,3 Prozent. Damit wächst die Bevölkerung

„etwas langsamer als in den 70er und 80er Jahren“[9], als mit Zuwachsraten von 2,1 Prozent per annum die höchsten Werte gemessen wurden. Allerdings „verzeichnen wir seit Mitte der 80er Jahre die höchsten absoluten Zuwächse“[10], da die damals geborenen Jahrgänge inzwischen fortpflanzungsfähig sind. Die Tatsache, dass der Rückgang der Geburtenrate die absoluten Bevölkerungszuwächse unbeeinflusst lässt, heißt „Trägheit des demographischen Schwungs“.[11]

Wissenschaftlich ist diese Entwicklung am Drei-Phasen-Schema der demographischen Transistion zu erläutern. In Phase eins steht einer hohen Sterblichkeit eine hohe Geburtenrate gegenüber, so dass die Bevölkerung insgesamt nur geringfügig wächst (weltweite Situation vor der Industriellen Revolution). In Phase zwei sinkt die Sterblichkeit bei konstanter Geburtenrate, so dass sich das Wachstum beschleunigt. Erst später in Phase drei findet der Übergang zu einer niedrigeren Geburtenrate statt. Die Länder der Dritten Welt durchlaufen derzeit überwiegend Phase zwei.[12]

2.2. Ursachen des Wachstums

Jedoch ist es nicht nur der Rückgang der Sterblichkeit, der das Bevölkerungswachstum antreibt. Dieser Aspekt ist unzweifelhaft entscheidend und war auch der Auslöser, der die Bevölkerungszahlen nach oben schnellen ließ. Doch sehr wichtig sind auch drei andere Faktoren (siehe Grafik links): einerseits der Alterstruktureffekt, der die Tatsache bezeichnet, dass die Bevölkerung im fortpflanzungsfähigen Alter immer größer wird. Zweitens ist der Wunsch nach mehr als zwei Kindern zu nennen, der vor allem in den Entwicklungsländern dominiert, weil dort viele Nachkommen als gute Altersversicherung gelten. Drittens gehören ungewollte Geburten zu den Einflussfaktoren auf das Bevölkerungswachstum. Gerade letzter Punkt stand in Kairo im Zentrum der Beratungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Die drei Wachstumsprognosen

Die oben analysierte demographische Ausgangslage hat in den vergangenen Jahrzehnten Forscher immer wieder zu Wachstumsprognosen (s. Grafik) veranlasst. Im Laufe der Zeit wurden diese Erwartungen nach unten korrigiert. Ursache ist einerseits das oben bereits erwähnte, seit Mitte der 70er Jahre wieder gesunkene, Bevölkerungswachstum in den Entwicklungsländern. Entscheidender ist jedoch ein anderer Aspekt: „Die deutlich niedrigeren Prognosen (...) sind zu zwei Dritteln durch die erstmals seit 40 Jahren wieder ansteigenden Sterblichkeitsziffern verursacht. Der Hauptgrund dafür ist die Ausbreitung des AIDS-Virus“[13], vor allem in Afrika.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung. World Population Prospects: The 2002 Revision. New York, 2003.

In der Tat ging die Lebenserwartung in den 29 am stärksten betroffenen Staaten des „Schwarzen Kontinents“ um sieben Jahre zurück. Im besonders stark betroffenen Botswana, wo 38,8 Prozent der Erwachsenen HIV-positiv sind, sogar um 21 auf nur noch 40 Jahre.[14] Derzeit ist die Mittlere Variante die gängige Zukunftserwartung. Demnach werden 2050 insgesamt 8,9 Milliarden Menschen auf der Welt leben. Die 2,5 Milliarden Differenz zum heutigen Stand werden fast ausschließlich aus Zuwachs in den EL resultieren.

2.4. Folgen des Bevölkerungswachstums

Die negativen Folgen des starken Bevölkerungswachstums sind offensichtlich: Die betroffenen Länder und Menschen verarmen, es kommt im Extremfall zu Hungersnöten wie 1997 in Nordkorea oder 1998 im Sudan mit zehntausenden Toten. Nach Schätzungen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) litten 2002 rund 840 Millionen Menschen weltweit Hunger, zwei Drittel davon Frauen und Mädchen.

Ein weiteres Problem ist eine globale Umweltkrise, in welche die Welt durch die Überbevölkerung zu steuern droht. Der Zwang, mehr Menschen zu ernähren, führt zu einer Übernutzung der

[...]


[1] „International Conference on Population and Development“

[2] Harenberg Lexikon Verlag (1998), S. 219.

[3] vgl.: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung unter http://www.dsw-online.de/infothek_db.html (13.6.2004).

[4] vgl.: ebd.

[5] Quelle: Demographic and Health Surveys, 1997 – 2001. Population Reports, Vol. XXXI, Nr. 2, 2003.

[6] Quelle: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung: „Weltbevölkerung 2003.

[7] Leisinger (1993), S.41.

[8] vgl.: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung unter http://www. dsw-online.de/infothek_db.html (13.6.2004).

[9] Baratta (1999), S. 1292.

[10] Deutscher Bundestag (1995), S. 10.

[11] Woiwod (1996), S.197.

[12] Leisinger (1993), S. 381.

[13] Baratta (1999), S. 1293

[14] vgl.: Deutsche Stiftung Weltbevölkerung unter http://www.dsw-online.de/infothek_db.html (13.6.2004).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen 1994
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften)
Veranstaltung
Genese, Struktur und Funktionswandel der Vereinten Nationen
Note
1,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V38013
ISBN (eBook)
9783638372084
ISBN (Buch)
9783656821670
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In dieser Hausarbeit wird zunächst das Bevölkerungswachstum mit all Ursache und Konsequenezn dargestellt und ein historischer Abriss geliefert, der den Weg nach Kairo aufzeigt. Anschließend werden die zentralen Themen der Bevölkerungskonferenz geschildert und die beschlossenen Maßnahmen dargestellt. Einhergehend damit sollen die wichtigsten Konfliktlinien der Konferenz erläutert und die Ergebnisse von Kairo bewertet werden. Zum Abschluss ist noch auf die Entwicklungen nach 1994 einzugehen. Dichter Text- einzeiliger Zeilenabstand.
Schlagworte
Weltbevölkerungskonferenz, Vereinten, Nationen, Genese, Struktur, Funktionswandel, Vereinten, Nationen
Arbeit zitieren
Timm Rotter (Autor), 2004, Die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen 1994, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38013

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