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Die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen 1994

Titel: Die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen 1994

Seminararbeit , 2004 , 17 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Timm Rotter (Autor:in)

Politik - Thema: Entwicklungspolitik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nummer 5 000 000 000 kam 1987 in Zagreb zu Welt. So wollte es zumindest der Dienstplan von Javier Perez de Cuellar, dem damaligen UN-Generalsekretär. Am 11. Juli jenes Jahres war er gerade dienstlich in Zagreb, und weil die Vereinten Nationen für diesen Tag die Geburt des fünfmilliardsten Erdenbürgers berechnet hatten, eilte Cuellar in die Frauenklinik von Kroatiens Hauptstadt und begrüßte dort medienwirksam den frisch geborenen Matej Gaspar als Jubiläumsbaby. Dass der kleine Kroate wirklich exakt Nummer fünf Milliarden war, ist unwahrscheinlich, schließlich werden laut dem UN-Bevölkerungsfonds UNFPA weltweit pro Minute 260 Kinder geboren. Doch wollten es der Zufall und die Dienstreise von Cuellar auf den Balkan eben so, dass Gaspars Foto durch die Weltpresse ging. 1974, also 13 Jahre zuvor, hatten die Zeitungen noch das Bild von Nummer vier Milliarden gedruckt. 14 Jahre vorher waren die drei Milliarden voll gewesen, 33 Jahre davor (1927) die zwei Milliarden. Und als 1804 der milliardste Erdenbürger das Licht der Welt erblickte, da wurde das noch gar nicht registriert. Die Chronologie zeigt: Die Weltbevölkerung wächst immer schneller, im 20. Jahrhundert hat sie sich vervierfacht. Inzwischen leben auf der Erde längst mehr als sechs Milliarden Menschen, so viele wie nie zuvor.
Dass diese Bevölkerungsexplosion nicht ohne Folgen bleiben würde – diese Erkenntnis dämmerte den Politikern und Wissenschaftlern in den 60er Jahren. Nach weiteren Konferenzen fand vom 05. bis 13. September 1994 in Kairo die „Internationale Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung“ statt, die sogenannte ICPD . Sie wurde von den Vereinten Nationen und dem UNFPA durchgeführt und beschäftigte sich vor allem mit der globalen Bevölkerungsentwicklung, ihren negativen Konsequenzen und möglichen Gegenmaßnahmen. In dieser Hausarbeit soll zunächst das Bevölkerungswachstum dargestellt und ein historischer Abriss geliefert werden, der den Weg nach Kairo aufzeigt. Anschließend werden die zentralen Themen der ICPD geschildert und die beschlossenen Maßnahmen dargestellt. Einhergehend damit sollen die wichtigsten Konfliktlinien der Konferenz erläutert und die Ergebnisse von Kairo bewertet werden. Zum Abschluss ist noch auf die Entwicklungen nach 1994 einzugehen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Problematik des Bevölkerungswachstums

2.1. Die demographische Ausgangslage

Steilkurve nach oben: Das weltweite Bevölkerungswachstum

2.2. Ursachen des Wachstums

2.3. Die drei Wachstumsprognosen

2.4. Folgen des Bevölkerungswachstums

3. Der lange Weg nach Kairo – historischer Abriss

3.1. Bukarest, Mexiko, Kairo - die drei Weltbevölkerungskonferenzen

4. Die Konferenz in Kairo

4.1. Der neue Blickwinkel

4.2. Teilnehmer der Konferenz

4.3. Das Aktionsprogramm

4.4. Finanzierung

4.5. Die zentralen Themen

4.5.1. Der Integrativer Politikansatz

4.5.2. Empowerment of Women

4.5.3. Schutz und Förderung der Familie

5. Folgeprozesse nach Kairo

5.1. Die UN-Feldstudie 1998

5.2. Die UN-Sonderversammlung ICPD+5

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Genese, die zentralen inhaltlichen Schwerpunkte und die Bedeutung der Weltbevölkerungskonferenz von 1994 (ICPD) in Kairo im Kontext der internationalen Politik. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Verständnis von Bevölkerungspolitik durch diesen Meilenstein gewandelt hat und welche Auswirkungen das beschlossene Aktionsprogramm auf die globale Entwicklungszusammenarbeit hatte.

  • Historische Einordnung der Weltbevölkerungskonferenzen von Bukarest über Mexiko nach Kairo.
  • Analyse des "Integrativen Politikansatzes" als ganzheitliche Strategie.
  • Bedeutung des "Empowerment of Women" für die demographische Entwicklung.
  • Rolle der reproduktiven Gesundheit und reproduktiven Rechte als Menschenrechte.
  • Diskussion der Finanzierungsproblematik und der Konfliktlinien zwischen Säkularismus und Fundamentalismus.

Auszug aus dem Buch

4.1. Der neue Blickwinkel

Am 5. September begann dann die eigentliche Konferenz. Eine ganz wichtige Neuerung ist vor der Darstellung ihrer Ergebnisse vorweg zu nehmen: Im Gegensatz zu den Treffen in Bukarest und Mexiko City wurde das Bevölkerungswachstum nun ganzheitlicher, nicht mehr aus rein demographischer Sichtweise untersucht. Entwicklungs- und umweltpolitische Aspekte wurden nun integriert und erstmals in höherem Maße auch in die Rolle der Frau in der Bevölkerungspolitik. Im Gegensatz zu den vorigen Konferenzen rückte der früher prägende „Nord-Süd-Konflikt“ zwischen den Entwicklungsländern und den Industrienationen in den Hintergrund. Das lag auch daran, dass die „Gruppe der 77“, die aus 77 ELs bestehende stärkste Interessenvertretung der Dritten Welt, an Zusammenhalt verlor. Die alten Spannungen wurden nun durch religiös-kulturelle abgelöst. Es kam zu einem Aufeinandertreffen von vorwiegend auf Individual- und Menschenrechten basierenden Wertvorstellungen der nördlichen Industriestaaten (vorwiegend der Skandinavier, Niederländer und Amerikaner) auf der einen und religiös verwurzelten Überzeugungen verschiedener katholischer, lateinamerikanischer und islamistisch geprägter Nationen auf der anderen Seite. Dieser Gegensatz gipfelte in einem ungewöhnlichen Bündnis zwischen dem Vatikan und einigen lateinamerikanischen Staaten mit einer Reihe von islamischen Staaten wie dem Iran und wurde als „Säkularismus-Fundamentalismus-Konfrontation“ bezeichnet.

Die in dieser Auseinandersetzung umstrittensten Diskussionspunkte waren insbesondere Verhütung und sexuelle Rechte. So wurden Abtreibung und Familienplanung vor allem durch den Vatikan vollkommen abgelehnt, während sich gerade die skandinavischen Staaten für das Aufbrechen solcher religiös begründeter Tabus aussprachen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die historische Zunahme der Weltbevölkerung dar und führt in das Thema der ICPD 1994 in Kairo als Reaktion auf diese Entwicklung ein.

2. Die Problematik des Bevölkerungswachstums: Dieses Kapitel erläutert die demographischen Grundlagen, die Ursachen für den Zuwachs, verschiedene Prognosen und die negativen Folgen wie Armut und Umweltzerstörung.

3. Der lange Weg nach Kairo – historischer Abriss: Hier wird die Entwicklung der internationalen Bevölkerungspolitik von 1967 bis 1994 nachgezeichnet, inklusive der vorangegangenen Konferenzen in Bukarest und Mexiko City.

4. Die Konferenz in Kairo: Der Hauptteil analysiert die inhaltlichen Neuerungen, den Ablauf, die Teilnehmerstruktur, das Aktionsprogramm, Finanzierungsfragen sowie die vier zentralen Eckpfeiler der Konferenz.

5. Folgeprozesse nach Kairo: Dieses Kapitel betrachtet die Nachwirkungen der Konferenz, insbesondere die UN-Feldstudie 1998 und die Sonderversammlung ICPD+5 von 1999.

6. Fazit: Das Fazit bewertet die Ergebnisse der ICPD, würdigt den Erfolg des neuen vernetzten Denkens und diskutiert die verbliebenen Probleme wie die mangelnde finanzielle Ausstattung.

Schlüsselwörter

Weltbevölkerungskonferenz, Kairo 1994, ICPD, Bevölkerungswachstum, Vereinte Nationen, UNFPA, Integrativer Politikansatz, Empowerment of Women, Reproduktive Gesundheit, Menschenrechte, Entwicklungszusammenarbeit, Säkularismus, Fundamentalismus, Familienplanung, Aktionsprogramm.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen, die 1994 in Kairo stattfand, und bewertet deren historische Bedeutung sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die internationale Politik.

Was sind die zentralen Themenfelder der Konferenz?

Die zentralen Themen, auch "Eckpfeiler" genannt, umfassen die Interdependenz zwischen Bevölkerung, Umwelt und Armut, das Empowerment der Frauen, den Schutz der Familie sowie die reproduktive Gesundheit und Rechte.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Konferenz in Kairo das Verständnis von Bevölkerungspolitik nachhaltig verändert und in ein ganzheitliches, vernetztes Politikkonzept überführt hat.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, offiziellen Berichten der Bundesregierung, UN-Dokumenten und dem Aktionsprogramm der ICPD basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Konferenz selbst, insbesondere auf dem Wandel der Perspektive, dem Aktionsprogramm, den strittigen Finanzierungsfragen und den vier zentralen Themenblöcken.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind Begriffe wie "Integrativer Politikansatz", "Empowerment of Women", "reproduktive Gesundheit" und die Auseinandersetzung zwischen "Säkularismus und Fundamentalismus".

Wie unterscheidet sich Kairo von den vorangegangenen Konferenzen?

Im Gegensatz zu Bukarest und Mexiko City betrachtete die ICPD in Kairo das Bevölkerungswachstum erstmals nicht rein demographisch, sondern integrierte entwicklungs- und umweltpolitische Aspekte sowie die Geschlechtergerechtigkeit.

Welche Rolle spielte der Vatikan bei der Konferenz?

Der Vatikan agierte als prominenter Gegner bestimmter Punkte des Aktionsprogramms, insbesondere in den Bereichen Familienplanung und Abtreibung, und bildete ein Zweckbündnis mit konservativen und einigen muslimischen Staaten.

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Details

Titel
Die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen 1994
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften)
Veranstaltung
Genese, Struktur und Funktionswandel der Vereinten Nationen
Note
1,3
Autor
Timm Rotter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V38013
ISBN (eBook)
9783638372084
ISBN (Buch)
9783656821670
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weltbevölkerungskonferenz Vereinten Nationen Genese Struktur Funktionswandel Vereinten Nationen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Timm Rotter (Autor:in), 2004, Die Weltbevölkerungskonferenz der Vereinten Nationen 1994, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38013
Blick ins Buch
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