Sport und Alkohol – das gilt in der öffentlichen Wahrnehmung oftmals als Gegensatz. Doch insbesondere im Mannschaftssport scheint der Konsum von Alkohol weit verbreitet zu sein, vor allem der Fußball wird nicht selten im Zusammenhang mit dem exzessiven Konsum von Alkohol genannt. Bespiele aus dem Bereich der professionellen Spieler finden sich im Fußball allemal. Über Uli Borowka und Paul Gascoigne gibt es zahllose Anekdoten im Trinkkontext. James „Jimmy“ Greaves spritzte sich Wodka in die Orangen, die er mit zum Training nahm. Und George Best sagte einmal sinngemäß, dass er viel Geld für Alkohol, leichte Mädchen und schnelle Autos ausgegeben habe, den Rest habe er einfach „verprasst“. Doch auch auf Amateurebene scheint sportive Aktivität gepaart mit Alkoholkonsum zu sein. Ob bei Mannschaftsfeiern, Sportfesten oder der Siegesfeier nach einem gewonnen Spiel. Der obligatorische „Kasten Bier“ steht bei den meisten Mannschaftssportarten nach dem Spiel im Mittelpunkt der Kabine und des Interesses.
Die vorliegende Arbeit versucht die einzelnen Komponenten der theoretischen Konzepte des Rausch- und Trinkverhaltens im Sport zu detektieren und anschließend zusammenzuführen. Einleitend wird in Kapitel 2 die Terminologie des Alkoholbegriffs grob skizziert, um im Anschluss die für diese Arbeit essentielle, soziologisch-konstruktivistische Annahme der Wirklichkeitskonstruktion zu erläutern. In einem nächsten Schritt, dem Kapitel 3, muss dann eine kulturhistorische Einbettung des Rausch- und Trinkverhaltens der westlichen Hochkulturen vollzogen werden, da der Konsum von Alkohol in der europäischen Anthropologie als konstant erscheint. Kapitel 4 soll als Erklärung des Rauschzustandes in all seinen Merkmalen dienen, um den menschlichen Drang zum ‚veränderten‘ Bewusstsein erfassen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Thematische Rahmenbedingungen
2.1 Der Alkohol
2.1.1 Der Begriff „Alkohol“
2.1.2 Alkohol und seine physiologische Wirkung
2.1.3 Die Konsumklassen
2.1.4 Wirkungen des Alkohols auf den Sportler
2.2 Die Konstruktion der Wirklichkeit
2.2.1 Der (Drogen-) Rausch als Konstrukt
3. Kulturhistorische Einbettung
3.1 Die Entdeckung des Alkohols
3.2 Alkohol und Rauschzustände im Wandel der Geschichte
3.2.1 (Drogen) Rausch in der Antike
3.2.2 Der (Drogen-) Rausch im frühen Christentum
3.2.3 Der (Drogen-) Rausch im Mittelalter
3.2.4 Der Wandel der Vorstellungen von Rausch im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit
3.2.5 Der (Drogen-) Rausch in der frühen Neuzeit
3.2.6 Der (Drogen-) Rausch im 17. Und 18. Jahrhundert
3.2.7 Der (Drogen-) Rausch im 19. Jahrhundert und die Erfindung der Sucht
3.2.8 Der (Drogen-) Rausch im 20. Jahrhundert
3.3 Zusammenfassende Bemerkungen und die „Rauschfeindlichkeit“ der westlichen Industriegesellschaft
4. Rausch
4.1 Definitionen und Auslöser von Rauschzuständen
4.1.1 Definitionen - Der veränderte Bewusstseinszustand
4.1.2 Auslöser und Ablauf von Rauschzuständen
4.1.3 Das Rauscherleben
5. Zum (jugendlichen) Risikoverhalten in der Risikogesellschaft
5.1 Die Risikogesellschaft
5.2 Das Aufwachsen in der Risikogesellschaft
5.2.1 Risikoverhalten als Bewältigungsstrategie
5.2.2 Kompetenzerwerb durch Risikoverhalten
5.2.3 Der subjektive Nutzen jugendlichen Risikoverhaltens
5.3 Sport, jugendliche Entwicklung und Alkoholkonsum
5.3.1 Sport als Sozialisationsfeld
5.3.2 Die sozial-integrative Kraft des Sports und der Rauschmittelkonsum
6. Vergemeinschaftung und der Sportverein
6.1 Der Sportverein und die Geselligkeit
6.2 Individualsport vs. Mannschaftssport
6.2.1 Unterschiede im Trinkverhalten
7. Fußball, Vergemeinschaftung und der kollektive Rausch
7.1 Gemeinschaft und Vergemeinschaftung
7.1.1 Der Fußball und die Vergemeinschaftung
7.1.2 Der kollektive Rausch
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die theoretischen Konzepte hinter dem Rausch- und Trinkverhalten im Sport zu untersuchen und zu detektieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Sport und Alkoholkonsum zusammenpassen und welche Rolle die Vergemeinschaftung, insbesondere im Mannschaftssport wie dem Fußball, bei der Entstehung von Rauschzuständen spielt.
- Theoretische Grundlagen des Alkoholkonsums und Rausches
- Soziologisch-konstruktivistische Wirklichkeitskonstruktion
- Jugendliches Risikoverhalten in der modernen Risikogesellschaft
- Sozial-integrative Kraft des Sports und des kollektiven Rausches
- Fußball als Vergemeinschaftungsform und Setting für Trinkverhalten
Auszug aus dem Buch
3.2.1 (Drogen) Rausch in der Antike
Das gängige Rauschmittel der Antike war der Alkohol. Im südlichen Europa bei den Griechen und Römern der Wein und im Norden bei Germanen und Kelten Met und Bier. Der Konsum war bei einer Vielzahl von Anlässen gegeben und der damit einhergehende Rausch erschien in seiner Ambivalenz akzeptiert.49
In der frühen jüdischen Gesellschaft war der Alkohol als Genussmittel akzeptiert, aber übermäßige Trunkenheit wurde gemeinhin abgelehnt. Die Effekte des übermäßigen Alkoholkonsums wurden mit einer Bloßstellung in Verbindung gebracht, welche starke, gesellschaftliche Sanktionen nach sich ziehen konnte.50 Insgesamt wurde der Alkoholrausch im Alten Testament mit einer Entfernung von Gott in Verbindung gebracht und gilt daher als religiös und moralisch zweifelhaft.51
Im antiken Griechenland sind der Alkoholgebrauch und der Alkoholrausch wesentlich ambivalenter zu bewerten. Zum einen stellte der mit Wasser verdünnte Wein die bedeutsamste Alltagsdroge sowie ein wichtiges Nahrungsmittel dar, zum anderen diente er in verschiedener Funktion als Rauschmittel. Der Unterschied zwischen dem antiken Griechenland und der frühen jüdischen Gesellschaft in Bezug auf die ambivalente Rauschbewertung könnte sich in dem Fehlen eines verbindlichen religiösen Regelkanons auf griechischer Seite finden. Dies stellt eine mögliche Erklärung für die Diskrepanz von Dionysuskulten einerseits und ambivalenter bis kritischer Haltung der Oberschicht anderseits dar.52
Wie schon angedeutet erscheint der Rausch im antiken Griechenland am deutlichsten in seiner unterschiedlichen Funktionalisierung. Er wurde als Medium der Annäherung an die Göttlichkeit innerhalb religiöser Rituale eingesetzt, diente der philosophischen Erkenntnis und hatte überdies auch eine soziale, alltägliche Funktion.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Alkoholkonsums im Sport ein und skizziert das methodische sowie theoretische Vorgehen der Arbeit, einschließlich der zentralen Fragestellung.
2. Thematische Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel definiert den Begriff Alkohol sowie die physiologische Wirkung und erläutert den soziologisch-konstruktivistischen Ansatz zur Wirklichkeitskonstruktion.
3. Kulturhistorische Einbettung: Es erfolgt eine historische Betrachtung des Alkoholkonsums von der Antike bis ins 20. Jahrhundert, um den Wandel der Bewertung von Rausch und Trunkenheit aufzuzeigen.
4. Rausch: Hier werden Definitionen und Auslöser von Rauschzuständen aus individueller und kollektiver Perspektive analysiert, um das Phänomen begrifflich zu klären.
5. Zum (jugendlichen) Risikoverhalten in der Risikogesellschaft: Dieses Kapitel befasst sich mit der Rolle des Risikoverhaltens bei Jugendlichen und untersucht, wie dieses mit dem Sport als Sozialisationsfeld interagiert.
6. Vergemeinschaftung und der Sportverein: Der Fokus liegt auf der Bedeutung des Sportvereins als Setting für Geselligkeit und der Abgrenzung von Individual- zu Mannschaftssportarten hinsichtlich des Trinkverhaltens.
7. Fußball, Vergemeinschaftung und der kollektive Rausch: Hier wird untersucht, inwiefern der Fußball als eine auf Dauer angelegte Vergemeinschaftung fungiert und wie der kollektive Rausch sozial-integrative Funktionen innerhalb einer Fußballmannschaft einnehmen kann.
8. Fazit: Das Fazit führt die zentralen Erkenntnisse zusammen und beantwortet die leitende Frage nach dem Zusammenhang von Sport und Alkoholkonsum im Kontext der Sozialisation und Vergemeinschaftung.
Schlüsselwörter
Alkohol, Rausch, Sport, Vergemeinschaftung, Risikogesellschaft, Jugend, Risikoverhalten, Fußball, Sozialisation, Sucht, Trinkverhalten, Wirklichkeitskonstruktion, Geselligkeit, Bewusstseinszustand, Gruppendynamik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Zusammenhänge zwischen Sport, Alkoholkonsum und der Entstehung von Rauschzuständen, insbesondere im Kontext von Mannschaftssportarten.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Zentrale Felder sind die kulturhistorische Entwicklung des Alkoholkonsums, soziologische Theorien zur Wirklichkeitskonstruktion, das jugendliche Risikoverhalten sowie der Einfluss von Sportvereinen als Orte der Sozialisation und Vergemeinschaftung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu erklären, warum Alkoholkonsum im sportlichen Umfeld, speziell im Fußball, oft als fester Bestandteil auftritt und welche sozial-integrative Funktion dieser kollektive Rausch dabei erfüllen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen und kulturhistorischen Literaturanalyse sowie einer soziologisch-konstruktivistischen Herangehensweise zur Definition und Deutung von Rauschphänomenen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Rauschbewertung, eine Analyse des jugendlichen Risikoverhaltens in der heutigen Risikogesellschaft und eine soziologische Betrachtung des Fußballsports als Form der Vergemeinschaftung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Rausch, Alkoholkonsum, Risikogesellschaft, Vergemeinschaftung, Sportverein und Sozialisation.
Welche Rolle spielt der Fußball bei der Untersuchung des kollektiven Rausches?
Der Fußball dient als exemplarische Mannschaftssportart, bei der aufgrund von Vereinsstrukturen, Mannschaftsgefügen und ritualisiertem Verhalten die Theorie der Vergemeinschaftung und die sozial-integrative Wirkung des kollektiven Rausches besonders gut demonstriert werden können.
Warum wird der Alkoholkonsum im Sport als „Risikoverhalten“ betrachtet?
Die Arbeit ordnet den Alkoholkonsum im Sport in den Kontext des jugendlichen Risikoverhaltens ein, das als Versuch zur Lebensbewältigung und Identitätsfindung in einer komplexen modernen Gesellschaft verstanden wird, wobei das Trinken im Verein oft eine soziale Anerkennungs- und Integrationsfunktion übernimmt.
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- Lasse Ahl (Author), 2015, Sport und Alkohol. Theoretische Konzepte zum Rausch- und Trinkverhalten im Sport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380308