Das Hörbuch in der Hosentasche – Die MP3-Technik und ihr Einfluss auf das Hörbuchwesen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

28 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der MP3

3. Zur Funktionsweise der MP3-Technik

4. MP3 Soft- und Hardwareplayer

5. Mit MP3-Software Hörbücher schneiden, verbessern und erstellen

6. Vermarktungschancen für Hörbücher durch das MP3-Format

7. Vermarktungsrisiken für Hörbücher durch das MP3-Format

8. Die Rechtslage / Das neue Urhebergesetz von 2003

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die MP3-Technik hat in der multimedialen Welt eine Revolution ausgelöst. Nicht nur aufgrund der Tatsache, dass herkömmliche Audiodateien bis zu einem zwölftel ohne Qualitätsverlust komprimiert werden können, sondern auch dadurch, dass jeder der im Besitz eines Home-PC ist sein eigener Toningenieur sein kann. Mittlerweile ist eine Fülle von Software erhältlich (teilweise sogar kostenlos), mit der der Heim-PC Nutzer MP3-Dateien bearbeiten, schneiden und verbessern kann, ohne eine entsprechende Ausbildung dafür zu brauchen. Durch die MP3-Technik sind Audiodateien somit flexibel und mobil geworden. Gerade für den Hörbuchmarkt ist dieses Format interessant, da lange Hörbücher die vorher auf unzähligen CDs gespeichert werden mussten, nun im MP3-Format auf einem feuerzeuggroßen MP3-Hardwareplayer abgelegt werden können. Der Konsument kann somit ein monumentales Hörbuchwerk am Schlüsselbund mit sich tragen und wo und wann er will genießen, ohne einen schweren und sperrigen CD-Koffer mit sich schleppen zu müssen. Der häufige Datenträgerwechsel entfällt und der Konsument kann sich uneingeschränkt dem Genuss hingeben, ohne ständig durch technische Barrieren daran gehindert zu sein.

Ebenfalls fällt die Vermarktung von Hörbüchern leichter, da sie nun leichter über das Internet vertrieben werden können. Der Kunde kann sich ein Hörbuch einfach über eine kommerzielle Seite herunterladen und sofort über einen auf seinem Rechner installierten MP3-Player genießen. Er bezahlt per Lastschriftverfahren und muss somit nicht einmal von seinem Stuhl aufstehen, um das neueste Hörbuchwerk zu erhalten.

Auf der anderen Seite bringen diese Vorzüge auch ihre Nachteile mit sich. Durch dieses Format ist es leichter Dateien illegal über das Internet zu verbreiten, oder sie zu vervielfältigen, so dass sich „zahlungsunwillige“ Menschen das neueste Hörbuch leicht gratis besorgen können.

In dieser Hausarbeit möchte ich die Geschichte der MP3-Technik vorstellen, technische Hintergründe und Möglichkeiten erläutern und die Chancen und Risiken für den Hörbuchmarkt durch das MP3-Format erläutern.

2. Die Geschichte der MP3

Am Lehrstuhl für technische Elektronik der Universität Nürnberg-Erlangen entwickelten seit Beginn der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts Prof. Seitzer und sein Assistent Dr. Karlheinz Brandenburg die Grundlagen der Sprach- und Musikcodierung. Ingenieurswissenschaftler des Lehrstuhls und des Erlanger Frauenhofer-Instituts für integrierte Schaltungen suchten nach Möglichkeiten der Datenreduktion, um beim digitalen Rundfunk die Datenübertragung zu optimieren.

1987 gelang es erstmals Stereosignale in Echtzeit zu codieren. Auf Grundlage der Psychoakustik wurde, von der Leistungsfähigkeit des menschlichen Ohres ausgehend, schließlich vom Frauenhofer-Institut ein Audiocodierungsverfahren entwickelt, welches die Signalteile, die das menschliche Ohr nicht wahrnimmt aus einer digitalen Audiodatei herausnimmt und somit die Größe der Datei enorm reduziert.

Die Grundidee ist, daß in jeder Audio-Wiedergabe nicht alle Frequenzen (Tonhöhen) gleich stark vertreten sind und das laute tiefe Töne die leisen hohen Töne subjektiv für das menschliche Ohr komplett überdecken. Tiefe Töne können allerdings mit entsprechend weniger Abtastungen pro Sekunde wiedergegeben werden und somit kann auf gleicher Speichergröße entsprechend mehr Musik stattfinden. Bei einer Komprimierung mit dem Faktor 10 können nur sehr feine Ohren einen Unterschied zur normalen CD erkennen.[1]

Das war die Geburtsstunde des MP3-Formats, welches 1992 von der Audiogruppe der Moving-Picture Experts Group des Frauenhofer-Instituts als ISO / MPEG Layer-3 standardisiert wurde. Das Frauenhofer-Institut führte daraufhin die Abkürzung „.MP3“ als File-Extension (Dateibezeichnung) für Audiodateien in diesem Format ein.

Als Zusammenfassung:

„MP3 ist ein Audio Datei Format
MP3 = MP EG-1 Audio Layer 3
MPEG-1 = Moving Picture Experts Group
Audio Layer 3 = entwickeltes Komprimierungsverfahren, wobei 3 für die Entwicklungsstufe steht
von der Fraunhofer-Gesellschaft (FHG) entworfen“[2]

Die rasante, weltweite Verbreitung dieses Formats begann Mitte der neunziger Jahre mit dessen Veröffentlichung im Internet durch das Frauenhofer-Institut.

Vor allem Studenten in den USA nutzen zuerst die MP3-Technik, um Musik-CDs durch das Internet zu tauschen. Mittlerweile ist dieses Format weltweit verbreitet und kann als allgemeiner Standart der Audiocodierung bezeichnet werden. Die MP3-Technik brachte eine wahre Gründungswelle von Firmen im Multimediabereich hervor, welche Software zum abspielen, codieren, schneiden und verbessern von MP3-Files entwickeln. Mobile Abspielgeräte für MP3 (MP3-Hardwareplayer) haben weltweit einen riesigen Markt eröffnet und werden den herkömmlichen CD-Player wohl in absehbarer Zukunft ganz verdrängen:

„MP3 hat auch im Hardware-Bereich einen neuen Markt geschaffen: Immer mehr Firmen entwickeln Abspielgeräte für die komprimierten Audiodaten. 1998 brachte die Firma "Saehan Information Systems" den ersten MP-Player, den MPMAN, auf den Markt. Inzwischen gibt es etwa 60 unterschiedliche mobile, digitale Abspielgeräte. Auch traditionsreiche Firmen wie Grundig oder Philips entwickeln neue innovative Produkte, die mit MP3 ausgerüstet sind. Panasonic, Hitachi, Sanyo und JVC bieten bereits Radiogeräte mit integriertem Decoder an, mit denen digitale und mit MP3 komprimierte Radiosendungen, wie sie zum Beispiel WorldSpace ausstrahlt, empfangen werden können. Im Vorjahr wurden bereits mehr als eine Million Geräte verkauft, die MP3 nutzen. Unmittelbar vor der Markteinführung stehen Geräte mit eingebauten Encodern, die auch zur Aufnahme von Musik geeignet sind.“[3]

So betitelten britische Wirtschaftszeitungen die MP3-Technik als „The hottest thing in cyberspace“, das amerikanische Magazin für die Internetwirtschaft „The Industry Standart“ wählte MP3 zur einfluss-reichsten Software der vergangenen Jahre und nominierten Prof. Seitzer und Prof. Gernhäuser zum Preis „Net21“ im Jahr 2000.

Das Frauenhofer-Institut hat heute bereits schon ein neues Audiocodierungsverfahren herausgebracht, welches Audiodateien um das 16fache komprimieren kann. Dieses Format wurde AAC (Advanced Audio Coding) getauft und ist bereits in Japan im digitalen Rundfunk und Fernsehen Standart.

Das MP3-Format wird vom Frauenhofer-Institut ebenfalls ständig weiterentwickelt, so dass Anfang Dezember 2004 die „MP3-Surround-Technologie“ vorgestellt wurde. Mit dieser Technologie können MP3-Dateien mit Raumklang erstellt werden:

„MP3 Surround wurde vom Fraunhofer IIS in Zusammenarbeit mit Agere Systems entwickelt. Das »Binaural Cue Coding«- Verfahren basiert auf psychoakustischen Modellen. Dabei wird die Raumklanginformation sehr kompakt dargestellt, so dass MP3 Surround-Dateien kaum größer sind als entsprechende Stereo-Dateien. »Als Resultat der Zusammenarbeit mit Agere Systems können wir nun die lang erwartete Surround-Erweiterung von MP3 vorstellen. Da Multikanalton immer mehr Bedeutung im Markt erlangt, sind wir zuversichtlich, dass MP3 Surround schnell die Aufmerksamkeit der Produzenten und Konsumenten auf sich ziehen wird« sagt Jürgen Herre, Leitender Wissenschaftler am Fraunhofer IIS.“[4]

Für den Endbenutzer ist diese Software kostenlos unter http://www.MP3surround-format.de/ downloadbar. So kann der Konsument aufwendig inszenierte Hörbücher wie „Otherland“ mit imposantem Raumklang genießen und somit die Fülle der Soundeffekte im vollen Umfang auf sich einwirken lassen.

3. Zur Funktionsweise der MP3-Technik

Die MP3-Technik entfernt unhörbare Audio-Informationen aus einer digitalen Audiodatei, ohne dabei die Klangqualität wesentlich zu verschlechtern. Da viele Töne von anderen überlagert werden und das menschliche Ohr nur einen bestimmten Frequenzbereich wahrnehmen kann, beinhaltet eine Audioaufnahme eine Vielzahl von Informationen, die für den Hörer nutzlos sind:

- „bevor ein Klang ins Bewusstsein dringt, haben Ohr und Gehirn ihn schon auf seine Kernelemente reduziert
- im Gehörgang wird das Eingangssignal in Frequenzbereiche (so genannte Frequenzbänder) zerlegt
- die Intensität des Eingangssignals wird dann auf den Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet“[5]

Eine MP3-Datei reduziert die Audioinformationen auf die Daten, die der menschliche Hörsinn verarbeiten kann. Somit wird die Datenmenge bei gleich bleibender Qualität reduziert. Im Gegensatz zum herkömmlichen Audioformat „Wave“, welches von Microsoft entwickelt wurde können Audiodateien um bis 12% verkleinert werden. Zur Speicherung von Audio-Informationen im MP3-Format werden nur ca. 1 Megabyte (Dateneinheit für digitale Informationen; Abkürzung: mb) Speicherplatz benötigt.

Ein Beispiel:

Das Hörbuch „Harry Potter und der Orden des Phönix“ ist im Handel[6] als Sammlung von 27 CDs im herkömmlichen Wave-Format (Dateiendung „.wav“) erhältlich. Eine Audio-CD kann etwa 650 mb Daten speichern. Die Größe der Audio-Daten auf den 27 CDs ist also ca. 17550 mb. Wandelt man diese Daten mit dem Komprimierungsfaktor 12 nun in das MP3-Format um, beträgt die Datengröße nur ca. 1462,5 mb. Nun kann das Hörbuch im MP3-Format auf nur 3 CDs abspeichert werden.

Hierbei kann der Komprimierungsfaktor variabel gestaltet werden. Die Qualität einer MP3-Datei ist an der Bitrate ersichtlich. Die Bitrate ist die Datenübertragungsrate in einem Zeitraum:

„Die Datenübertragungsrate wird gemessen durch das Zählen von Dateneinheiten pro Zeiteinheit. Die kleinste Dateneinheit ist das Bit, demnach wird sie meist als Bitrate angegeben, in der Einheit Bit/s oder englisch bps. Übliche Vorsilben sind Kilo für Tausend, Mega für eine Million und Giga für eine Milliarde Bits (siehe auch Vorsilben für Maßeinheiten). In der abgekürzten Form wird oftmals zwischen dem kleinen "k" und dem großen "K" unterschieden, wobei das kleine "k" für den Faktor 1000, das große "K" für den Faktor 1024 (2 hoch 10) steht, zum Beispiel 20 MB/s (20 Megabyte pro Sekunde), 768 kbit/s (768 Kilobit pro Sekunde, das heißt 96 Kilobyte pro Sekunde). In Bereichen in denen eine Parallele Datenübertragung eingesetzt wird (vor allem beim Zugriff auf Speichermedien über einen Datenbus), wird die Übertragungsrate auch auch häufig in Byte pro Sekunde angegeben, also in Bits/8 pro Sekunde.[7]

[...]


[1] www.audiobooks.at (http://www.audiobooks.at/detail.asp?newsid=188) Rev. 2005-01-02

[2] www.attea.de / Links / Vortrag – Thema: „MP3 – Musikformat und mehr / Technik und mehr ; (http://home.foni.net/%7Ehenningjessen/MP3/) Rev. 2004/12/17

[3] www.attea.de / Links / Vortrag – Thema: „MP3 – Musikformat und mehr / Technik und mehr ; (http://home.foni.net/%7Ehenningjessen/MP3/) Rev. 2004/12/17

[4] Frauenhofer Institut f. integrierte Schaltungen / Pressemitteilung 02.12.2004 / (http://www.iis.fraunhofer.de/pub_rel/presse/2004/MP3surround/index_d.html) Rev. 2004/12/18

[5] MP3; Redundanz – Irrelevanz (http://www.fh-jena.de/contrib/fb/et/stud/hofmeister/frame-extra-MP3.htm#MP3) Rev. 2004/12/18

[6] www.amazon.de (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3899401727/hoerbuecherwe-21/028-7606085-0458914) Rev. 2004/12/18

[7] www.wikipedia.de / Suche „Bitrate“ / (http://de.wikipedia.org/wiki/Bitrate) Rev. 2004/12/18

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Das Hörbuch in der Hosentasche – Die MP3-Technik und ihr Einfluss auf das Hörbuchwesen
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Deutsche Sprache und Literatur II)
Veranstaltung
Literatur zum Hören. Theorie und Geschichte des Hörbuchs
Note
1
Autor
Jahr
2005
Seiten
28
Katalognummer
V38035
ISBN (eBook)
9783638372251
ISBN (Buch)
9783638654272
Dateigröße
1411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hörbuch, Hosentasche, MP3-Technik, Einfluss, Hörbuchwesen, Literatur, Hören, Theorie, Geschichte, Hörbuchs
Arbeit zitieren
Marjan Rosetz (Autor), 2005, Das Hörbuch in der Hosentasche – Die MP3-Technik und ihr Einfluss auf das Hörbuchwesen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38035

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