Von den Hunnen 376 aus ihrer Heimat vertrieben, baten die Terwingen Kaiser Valens um Aufnahme ins Römische Reich. Damit waren sie, die von den Römern als Visigothen bezeichnet wurden, heimatlos geworden. Im Römischen Reich erhielten sie von Kaiser Valens ein Siedlungsgebiet in Thrakien. Es kam zum Gotenkrieg und die Schlacht bei Adrianopel endete mit einer Niederlage für die Römer.
Zwischen Kaiser Theodosius und den Westgoten wurde 382 ein Föderationsbündnis ausgehandelt, aber der Frieden war nicht von Dauer. Im Januar 395 verstarb Theodosius und das Bündnis wurde ungültig. Die Westgoten verließen ihr Siedlungsgebiet noch im selben Jahr. Sie zogen erst gegen Konstantinopel und wendten sich dann Griechenland zu. Im Herbst 401 brachen sie nach Italien auf. Mit unterschiedlichem Erfolg belagerten Alarich und seine Getreuen zwischen 402 und 408 zahlreiche italienische Städte.
Am Ende des Jahres 408 wurde Rom, die Hauptstadt des weströmischen Imperiums zum ersten Mal von gotischen Kriegern eingeschlossen. Nach gescheiterten Friedensverhandlungen zwischen dem Westgotenkönig und dem weströmischen Kaiser Honorius, der in Ravenna residierte, wurde Rom zum zweiten Mal belagert. Dieses Mal eroberten die Goten die Kornspeicher von Ostia und ließen den römischen Stadtpräfekten Attalus zum Gegenkaiser ausrufen. Attalus konnte sich jedoch gegen Honorius nicht durchsetzen. Von Rom aus zog Alarich nach Ravenna, um mit Honorius erneut zu verhandeln, aber diese Verhandlungen führten wieder zu keinem Erfolg. Ein drittes Mal zog er gegen Rom und eroberte die Stadt am 24. August 410. Drei Tage lang plünderten die Westgoten Rom, doch brachte ihnen dieses Vorgehen keine politischen Vorteile. Honorius war immer noch nicht zu einem Friedensschluss bereit, sodass sie südwärts zogen, um nach Afrika überzusetzen. Ihre nautischen Fähigkeiten reichten aber nicht für die Seefahrt aus, und sie waren gezwungen wieder Richtung Norden zu wandern. Alarich starb noch vor dem Jahreswechsel in Kalabrien, sein Nachfolger wurde Athaulf.
Inhaltsverzeichnis
1 Chronologischer Abriss
2 Die Eroberung Roms
a. Die Quellen
b. Die Situation in Rom um 410
c. Der Ablauf der Eroberung
3 Die Auswirkungen der Eroberung Roms
4 Die abschließende Wertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Eroberung Roms durch die Westgoten im Jahr 410 n. Chr. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Rekonstruktion des Ereignisses anhand zeitgenössischer Quellen sowie der Analyse, wie diese Zäsur von den betroffenen Akteuren und der damaligen Gesellschaft wahrgenommen und gedeutet wurde.
- Chronologischer Verlauf der westgotischen Wanderungen und Belagerungen.
- Quellenkritische Analyse der Berichte zeitgenössischer Geschichtsschreiber (u.a. Orosius, Hieronymus).
- Die soziale und politische Situation in der Stadt Rom zum Zeitpunkt des Einfalls.
- Die religiöse Deutung des Ereignisses im Spannungsfeld zwischen Heidentum und Christentum.
- Die langfristige symbolische Bedeutung des Ereignisses für das römische Reich.
Auszug aus dem Buch
c. Der Ablauf der Eroberung
Zu Beginn stellt sich die Frage, wie die Goten überhaupt in die befestigte Stadt eindringen konnten. Erst sieben Jahre zuvor wurde die Aurelianische Mauer zur Abwehr von Feinden erhöht. Die zwölf Tore wurden zusätzlich noch mit Türmen ausgestattet. Allein die Truppen zur Bewachung des Mauerringes von 21 Meilen, nach Berechnung des Mathematikers Ammonius, fehlten dem römischen Senat.
Alarich hatte in der Nacht vom 22. zum 23. August 410 seine Männer von allen zwölf Stadttore verteilt. Er selbst bezog sein Hauptquartier nahe der salarischen Bücke auf einem Hügel, wo sich ein alter und ruinöser Ort mit dem Namen Antemnä befand. Um die Mitternachtsstunde wurde die Porta Salaria durch Verrat geöffnet und die gotischen Truppen drangen mit Schall ihrer Trompeten in Rom ein. Wer den Verrat an Rom und der römischen Bevölkerung begangen hatte, ist ungeklärt. Eine Variante lautet, dass Diener und Sklaven aus Rom den Goten die Porta Salaria geöffnet haben sollen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Chronologischer Abriss: Ein Überblick über die Migration der Westgoten ab 376 n. Chr. bis hin zum Tod Alarichs nach der Plünderung Roms.
2 Die Eroberung Roms: Untersuchung der Quellenlage, der sozioökonomischen Bedingungen in Rom um 410 sowie des detaillierten Ablaufs des militärischen Angriffs.
3 Die Auswirkungen der Eroberung Roms: Analyse der zeitgenössischen Wahrnehmung des Ereignisses sowie der religiösen Deutungskämpfe zwischen heidnischen und christlichen Traditionen.
4 Die abschließende Wertung: Synthese der Ereignisse und Einordnung der Plünderung als symbolische Zäsur für das weströmische Reich.
Schlüsselwörter
Westgoten, Rom, 410 n. Chr., Alarich, Plünderung, Zeitgenossen, Römische Reich, Völkerwanderung, Orosius, Hieronymus, Heidentum, Christentum, Quellenkritik, Spätantike, Porta Salaria
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Eroberung der Stadt Rom durch die Westgoten im Jahr 410 n. Chr. und die damit verbundene gesellschaftliche sowie religiöse Rezeption.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben dem historischen Ablauf der Eroberung stehen die Quellenauswertung, die soziale Situation Roms und die Deutung der Katastrophe durch zeitgenössische Autoren im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Ereignis der Eroberung Roms durch die Westgoten historisch verlief und wie dieses traumatische Ereignis von den Menschen der Zeit gedeutet wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die historische Methode der Quellenkritik, um Aussagen verschiedener antiker Autoren miteinander zu vergleichen und auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen chronologischen Abriss, die Untersuchung der römischen Lebensumstände vor 410, eine detaillierte Schilderung der Eroberung und die Diskussion der religiösen Hintergründe.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Westgoten, Rom, Völkerwanderung, Quellenkritik, Spätantike und der Gegensatz zwischen heidnischen und christlichen Deutungsmustern.
Wie deuteten die Zeitgenossen den Einfall der Goten?
Die Deutungen waren stark religiös geprägt; während Heiden den Untergang der Traditionen beklagten, sahen christliche Autoren wie Augustinus darin eine Strafe Gottes für die Sünden der Menschen.
Welche Rolle spielte der Verrat bei der Eroberung Roms?
Der Verrat bei der Porta Salaria gilt als entscheidender Punkt für das Gelingen der Eroberung, wobei die genauen Hintermänner – ob Sklaven oder Angehörige höherer Gesellschaftsschichten – historisch ungeklärt bleiben.
- Arbeit zitieren
- Magister Artium Astrid Klahm (Autor:in), 2005, Die Eroberung Roms durch die Westgoten und die Meinung der Zeitgenossen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380371