Das Ziel der vorliegenden Arbeit soll die Beantwortung der Frage sein: Wie wurde der Widerstand gegen Adolf Hitler in der frühen Nachkriegszeit rezipiert, als die Gegenwart von Kriegszerstörungen, dem politischen Umbruch auf dem Weg zur Demokratie und dem verbleibenden Einfluss des Nationalsozialismus geprägt war?
Die Arbeit beschränkt sich auf die Rezeption in der Bundesrepublik beziehungsweise in den entsprechenden Besatzungszonen. Die Erinnerung an den Widerstand in der DDR bleibt ebenso außen vor wie Ansichten des Auslands. Der zeitliche Rahmen „frühe Nachkriegszeit“ meint die Vierzigerjahre ab der Kapitulation Deutschlands im zweiten Weltkrieg und die kompletten Fünfzigerjahre.
Diese Arbeit befasst sich zunächst mit der Rezeption des Widerstands gegen Hitler im Allgemeinen und behandelt im Anschluss die Erinnerung an das Attentat vom 20. Juli 1944 und an die Studentengruppe Weiße Rose. Diese beiden Formen des Widerstands wurden deshalb ausgewählt, weil sie sich während der Recherche als diejenigen herausgestellt haben, die in der frühen Nachkriegszeit am breitesten rezipiert wurden. Das jeweils erste Unterkapitel stellt die Rezeption in der Politik dar. Die restlichen drei Unterkapitel beinhalten die Darstellung des Widerstandes in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens, zum Beispiel in Büchern, Zeitschriften und im Schulunterricht.
Für den Teil dieser Arbeit, der sich mit der Erinnerung an den 20. Juli 1944 befasst, ist "Das ungeliebte Erbe. Ein Vergleich der zivilen und militärischen Rezeption des 20. Juli 1944 im Westdeutschland der Nachkriegszeit" von Tobias Baur der wichtigste Literaturtitel. Für das Kapitel über die Rezeption der Weißen Rose ist Simone Königs Buch "Die Gedenkveranstaltungen zur Erinnerung an den Widerstand der Weißen Rose an der Ludwig-Maximilian-Universität München von 1945-1968" besonders relevant.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Rezeption des Widerstands gegen Hitler im Westdeutschland der Vierziger- und Fünfzigerjahre
2.1 Die Rezeption des Widerstands im Allgemeinen
2.1.1 In der Politik
2.1.2 In Gesetzgebung und Rechtsprechung
2.1.3 In geschichtswissenschaftlicher und populärer Literatur
2.1.4 Im Schulunterricht
2.2 Die Rezeption des Attentats vom 20. Juli 1944
2.2.1 In der Politik
2.2.2 In der öffentlichen Meinung und auf Gedenkveranstaltungen
2.2.3 In den Medien
2.2.4 In Büchern
2.3. Die Rezeption der Widerstandsgruppe Weiße Rose
2.3.1 In der Politik
2.3.2 In der öffentlichen Meinung und auf Gedenkveranstaltungen
2.3.3 In Zeitungen
2.3.4 In Büchern
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rezeption des Widerstands gegen Adolf Hitler im Westdeutschland der frühen Nachkriegszeit (1940er und 1950er Jahre). Das Ziel ist es zu analysieren, wie die Erinnerung an den Widerstand vor dem Hintergrund von Kriegszerstörungen, politischem Umbruch zur Demokratie und fortdauernden nationalsozialistischen Einflüssen gestaltet wurde.
- Politische Instrumentalisierung der Widerstands-Erinnerung zur Legitimierung des neuen demokratischen Staates
- Vergleichende Analyse der Rezeption des militärischen Widerstands (20. Juli 1944)
- Untersuchung der Rezeption der studentischen Widerstandsgruppe "Weiße Rose"
- Rolle von Medien, Literatur und Schulunterricht bei der Formung des Widerstandsbildes
- Einfluss der Nachkriegsgesellschaft und des Kalten Krieges auf das Gedenken
Auszug aus dem Buch
2.1.1 In der Politik
Wolfgang Benz hielt fest, dass „Die Erinnerung an den Widerstand […] früh einen festen Platz in der politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland“ bekam. Das Gedenken erfolgte jedoch sehr selektiv. Eckhart Conze führte als Beispiel dafür den Fall des Diplomaten Rudolf von Schlehiha an. Dieser wurde von den Nationalsozialisten aufgrund seines Widerstands gegen Hitler zum Tode verurteilt, doch erst seit den Neunzigerjahren erinnert im Auswärtigen Amt ein Schild an ihn. 1954 wurde ihm ein solches noch versagt, weil er fälschlicherweise dem kommunistischen Widerstand zugerechnet wurde. Ein zweiter Grund war die nationalsozialistische Urteilsbegründung, die Schlehiha als Landesverräter einstufte.
Der Widerstand gegen Hitler wurde in der frühen Nachkriegszeit nicht in seiner gesamten Breite geehrt. Die Anstrengungen, die die Sozialdemokraten, die katholische Kirche und die Zeugen Jehovas gegen das Regime unternommen hatten, wurden als nahezu wirkungslos herabgewürdigt. Ebenso wenig wurde dem Attentat des Georg Elser gedacht. Dieses wurde als eine nationalsozialistische Inszenierung angesehen, die dazu gedient hätte, die Beliebtheit des knapp dem Tode entronnenen Führers zu steigern. Außerdem hätte eine Würdigung der Tat des einfachen Handwerkers eine Reflexion über den erst spät begonnenen Widerstand der hochrangigen Militärs erfordert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung definiert den zeitlichen und inhaltlichen Rahmen der Untersuchung zur Rezeption des Widerstands gegen Hitler in der frühen Nachkriegszeit.
2 Die Rezeption des Widerstands gegen Hitler im Westdeutschland der Vierziger- und Fünfzigerjahre: Dieses Hauptkapitel analysiert differenziert, wie verschiedene Widerstandsformen wie das Attentat vom 20. Juli und die Weiße Rose in Politik, Medien und Gesellschaft wahrgenommen und instrumentell genutzt wurden.
3 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Erinnerung an den Widerstand in der frühen Nachkriegszeit selektiv, zweckgebunden und stark von der politischen Situation der jungen Bundesrepublik geprägt war.
Schlüsselwörter
Widerstand gegen Hitler, Nachkriegszeit, Bundesrepublik Deutschland, 20. Juli 1944, Weiße Rose, Gedenkkultur, Geschichtspolitik, Demokratisierung, Erinnerung, NS-Vergangenheit, Politische Kultur, Militärischer Widerstand, Studentenwiderstand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie das Bild des Widerstands gegen Adolf Hitler in der westdeutschen Gesellschaft der Vierziger- und Fünfzigerjahre geformt und rezipiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die politische Vereinnahmung des Widerstands, die Rolle der Medien und Literatur sowie die Gedenkpraxis in Schulen und auf öffentlichen Veranstaltungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, wie der Widerstand unter dem Einfluss von Kriegszerstörungen, Demokratisierungsprozessen und dem bleibenden Einfluss des Nationalsozialismus erinnert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse historischer Quellen, Fachliteratur und Zeitzeugnissen der damaligen Epoche sowie einer Auswertung von Umfrageergebnissen jener Zeit.
Was behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Rezeption des allgemeinen Widerstands, des Attentats vom 20. Juli 1944 und der Weißen Rose in Politik, Rechtsprechung, Literatur und Bildung.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gedenkkultur, Geschichtspolitik, Instrumentalisierung, Heldentum und die Abgrenzung zum kommunistischen Widerstand im Kontext des Kalten Krieges.
Warum wurde gerade der 20. Juli und die Weiße Rose zur Untersuchung ausgewählt?
Diese beiden Widerstandsformen wurden gewählt, da sie in der frühen Nachkriegszeit die am breitesten rezipierten und politisch am stärksten genutzten Formen des Widerstands darstellten.
Welche Rolle spielte die DDR bei der Rezeption im Westen?
Die DDR-Regierung und der Aufstand vom 17. Juni 1953 wurden im Westen teilweise instrumentalisiert, um den eigenen Widerstandsbegriff gegen das kommunistische System abzugrenzen.
Wurden die Widerstandskämpfer vom 20. Juli sofort als Helden verehrt?
Nein, anfangs wurden die Beteiligten oft als Landesverräter diffamiert, bevor eine allmähliche Transformation zu einem "sakrosankten Besitztum" der öffentlichen Erinnerung einsetzte.
- Arbeit zitieren
- Verena Binder (Autor:in), 2017, Die Rezeption des Widerstands gegen Hitler im Westdeutschland der Nachkriegszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380392