„ARTE will Menschen einander näher bringen, Neugierde wecken für das Fremde und Unbekannte; Hintergründe ausleuchten und Zusammenhänge in ein neues Licht setzen.“ 1 Es war ein steiniger Weg, den ARTE – nachdem die Idee zu einem Europäischen Kulturkanal geboren worden war – bis heute gegangen ist. Doch mit Kreativität und Innovationskraft hat man es geschafft, das Programm zu etablieren. Das Erfolgsrezept des Senders beruht auf seinem einzigartigen Auftrag: Im historischen Prozess der europäischen Einigung will ARTE mit einer kreativen Fernsehkultur zur Bildung einer europäischen Identität beitragen. In meiner Hausarbeit möchte ich ARTE vorstellen, indem ich zuerst die Geschichte des Senders skizziere, bevor ich anschließend auf die einzelnen Programmredaktionen und die Sprachbearbeitung eingehe. Danach gebe ich einen Überblick über die Organisationsstruktur, die Finanzierung und das Budget. Im letzten Teil meiner Arbeit soll es um die Ausstrahlung und den Empfang in Deutschland, Frankreich und Europa gehen, weiterhin um das ARTE-Image und zuletzt um Preise und Auszeichnungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Eine Entstehungsgeschichte der besonderen Art
2.1 Mitterands Konzept eines bildungskulturellen Fernsehprogramms
2.2 Eine Utopie wird Wirklichkeit
2.3 Die Gründungsjahre
2.4 Die weitere Entwicklung des Kulturkanals
3. Die Programmredaktionen
3.1 Themenabende
3.2 Musik, Theater, Tanz
3.3 Spielfilme
3.4 Fernsehfilme
3.5 Dokumentationen und Dokumentarfilme
3.6 Magazine
3.6.1 Das neue „Umwelt-Magazin“
3.6.2 Kunst, die inspirieren soll
3.7 Information
3.8 Sendeleitung
4. Die Sprachbearbeitung
4.1 Journalistischer Sprachtransfer
4.2 Der Sprachendienst
4.3 Deutsch und Französisch: Verkehrs- und Organisationssprachen
5. Die Organisationsstruktur
5.1 Rechtsform
5.2 Auftrag
5.3 Die Aufgaben der ARTE-Zentrale in Straßburg
5.3.1 Struktur und Organisation der gemeinsamen Zentrale
5.3.2 Notwendigkeit der Überprüfung und Steigerung der Effizienz
5.4 Die ARTE-Mitglieder in Deutschland und Frankreich
5.5 Europäische Partner
6. Finanzierung und Budget
6.1 Verteilung der Gelder
6.2 Rundfunkgebühren und Sponsoring
6.3 Der Neubau
7. Ausstrahlung und Empfang
7.1 Deutschland und Frankreich
7.2 Europa
8. Das ARTE-Image
9. Preise und Auszeichnungen
10. Schlussbemerkung
11. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Entstehung, Organisation und Programmgestaltung des deutsch-französischen Fernseh-Kulturkanals ARTE. Das primäre Ziel ist es, den historischen Prozess und die Funktionsweise dieses einzigartigen, binationalen Projekts zu durchleuchten und seinen Beitrag zur europäischen Identitätsbildung darzustellen.
- Historische Genese und gesellschaftspolitischer Hintergrund von ARTE
- Struktur der Programmredaktionen und redaktionelle Schwerpunkte
- Herausforderungen der Sprachbearbeitung und des journalistischen Sprachtransfers
- Organisatorische Rahmenbedingungen, Rechtsform und Finanzierung
- Rezeption des Senders und seine Rolle als Modell für europäische Kooperation
Auszug aus dem Buch
2.1 Mitterrands Konzept eines bildungskulturellen Fernsehprogramms
Angefangen hat alles am 13. Februar 1984. Der damalige französische Staatspräsident Francois Mitterrand wollte sein Konzept eines bildungskulturellen Fernsehprogramms verwirklichen. Er bat das Collège de France (CdF) um einen Verbesserungsvorschlag für das Bildungssystem, das sowohl den „sozialen und technologischen Veränderungen“ als auch der „Wissenssteigerung über alle Kulturen“ Rechnung tragen und grundsätzlich die Jugendlichen mit dem „modernen Instrumentarium des Denkens, des Ausdrucks und des Handelns“ vertraut machen sollte. „Daraufhin unterstellten die Professoren unter der Leitung des Soziologen Pierre Bourdieu und des Historikers und Mitglieds der Académie Francaise Georges Duby dem Massenmedium Fernsehen im guten und schlechten Sinne einen großen Einfluss auf das Bildungsniveau der Gesellschaft und schlugen promt vor, eine Art ‚chaîne de télévision culturelle‘ zu gründen, an der die Wissenschaft maßgeblich beteiligt werden sollte.“ Die Hochschullehrer wollten das Massenmedium Fernsehen als Grundlage für eine kontinuierliche Ausbildung durch populärwissenschaftlich aufbereitete Sendungen zu den unterschiedlichsten Wissensgebieten nutzen, um schulbegleitend ein kulturelles Umfeld für die Lernenden zu schaffen.
Unvereinbar mit dem Konzept Mitterrands war der Vorschlag des französischen Kulturpolitikers und damaligen Direktors des avantgardistischen und elitärkulturellen ‚Festival d’Automne de Paris‘, Michel Guy, der alle staatlich verantworteten TV-Vollprogramme privatisieren und aus dem National- und Regionalfernsehen FR 3 (heute France 3) einen Kulturkanal machen wollte. Ab dem 2. Januar 1986 beauftragte dann Bernard Faivre d’Arcier die National- und Regionalfernsehanstalt FR 3 damit, in Anlehnung an die inhaltlichen und organisatorischen Ideen von Mitterrand und Guy, ein durch Rundfunkgebühren getragenes Tochterunternehmen zu gründen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Auftrag des Senders, durch eine kreative Fernsehkultur zur europäischen Einigung beizutragen, und gibt einen Überblick über den Aufbau der Hausarbeit.
2. Eine Entstehungsgeschichte der besonderen Art: Dieses Kapitel erläutert die ideellen Ursprünge unter Mitterrand und die schrittweise Gründung von ARTE als deutsch-französisches Fernsehprojekt.
3. Die Programmredaktionen: Hier werden die acht spezifischen Programmredaktionen vorgestellt, die für die inhaltliche Vielfalt des Kanals sorgen, von Themenabenden bis hin zur Information.
4. Die Sprachbearbeitung: Der Abschnitt widmet sich der komplexen Herausforderung des Sprachtransfers und der Arbeit des Sprachendienstes, um das Programm in verschiedenen Sprachfassungen anzubieten.
5. Die Organisationsstruktur: Dieses Kapitel beschreibt die Rechtsform des G.E.I.E., die Aufgaben der Straßburger Zentrale sowie die Einbindung der nationalen Pole und europäischer Partner.
6. Finanzierung und Budget: Hier wird die finanzielle Basis des Senders erläutert, die sich aus Rundfunkgebühren, Sponsoring und Beiträgen der Mitgliedsorganisationen zusammensetzt.
7. Ausstrahlung und Empfang: Dieses Kapitel beleuchtet die technische Reichweite des Senders in Deutschland, Frankreich und dem restlichen Europa.
8. Das ARTE-Image: Eine Analyse der Wahrnehmung des Senders durch das Publikum sowie der Zielsetzungen bezüglich der Marktanteile.
9. Preise und Auszeichnungen: Hier werden beispielhaft Erfolge und Auszeichnungen aufgeführt, die die Qualität der ARTE-Programme unterstreichen.
10. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung reflektiert die Rolle von ARTE als Modell für einen kulturellen Dialog und die Herausforderungen des europäischen Integrationsprozesses.
Schlüsselwörter
ARTE, europäisches Fernsehen, Kulturkanal, deutsch-französische Zusammenarbeit, Medienpolitik, Programmredaktionen, Sprachtransfer, Organisationsstruktur, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Finanzierung, Europäische Integration, Fernsehkultur, Themenabende, Straßburg, Qualitätsprogramm.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, der organisatorischen Struktur und dem inhaltlichen Auftrag des deutsch-französischen Fernseh-Kulturkanals ARTE.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Geschichte des Senders, die Arbeitsweise der Programmredaktionen, die sprachliche Herausforderung der binationalen Produktion sowie die Finanzierung und Verbreitung des Programms.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, den Aufbau und die Funktionsweise von ARTE zu dokumentieren und zu hinterfragen, wie der Sender im historischen Kontext der europäischen Einigung verankert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, die Auswertung von Verlagsbroschüren und Dokumenten der Sendeanstalt sowie auf die Analyse von Gründungsverträgen und rechtlichen Rahmenbedingungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Programmgestaltung, Sprachbearbeitung, Organisationsstruktur (inkl. Zentrale und nationale Pole), Finanzierung und die mediale Reichweite des Senders.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Europäische Identität“, „Kulturfernsehen“, „binationale Kooperation“, „Medienholding“ und „Qualitätsfernsehen“ charakterisiert.
Warum ist die Wahl der Rechtsform G.E.I.E. für ARTE so bedeutend?
Die Form der Europäischen Wirtschaftlichen Interessenvereinigung war entscheidend, um die von deutscher Seite geforderte Unabhängigkeit vom französischen Recht zu gewährleisten.
Welche Herausforderungen ergeben sich aus dem Sprachtransfer?
Der journalistische Sprachtransfer muss jährlich tausende Beiträge in mehreren Sprachen für ein zweisprachiges Publikum adaptieren, wobei verschiedene Techniken wie Untertitelung oder Voice-Over zum Einsatz kommen.
Wie trägt der Neubau in Straßburg zur Unternehmenskultur bei?
Der Neubau sollte die verschiedenen, zuvor über sieben Standorte verteilten Abteilungen unter einem Dach vereinen, um eine einheitliche Unternehmenskultur und effizientere Arbeitsabläufe zu ermöglichen.
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- Susanne Richter (Author), 2002, Der europäische Fernseh-Kulturkanal ARTE - Konzept, Organisationsstruktur und Erfolgsrezept, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38040