Literaturbericht zu Seminartext "Die Geschichte der Universität in Europa"

Band III, 1. Kapitel: "Themen, Probleme, Erkenntnisse" (Hrsg. Walter Rüegg)


Hausarbeit, 2015

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Untersuchung der Texterarbeitung
2.1. Äußere Organisation
2.2. Innerer Rahmen

3. Darlegung Vorgehensweise und Plausibilität des Vergleichs
3.1. Argumentationsstruktur
3.2. Referenzsystem
3.3. Herstellung von Plausibilität

4. Fazit

1. Einführung

Der Schweizer Altphilologe und Soziologe Walter Rüegg (*04.April 1918, †29.April 2015), welcher bis 1941 dem Studium der Klassischen Philologie und Nationalökonomie in Zürich sowie Paris nachging, setzte sich früh mit der Humanismusforschung wie auch der europäischen Bildungsgeschichte, -soziologie und -politik auseinander. Sein diesbezüglich größter Verdienst gilt ihm für die Mitarbeit der 1993 bis 2010 erschienen vierbändigen „Geschichte der Universität in Europa“, welche als „das bleibende Vermächtnis eines großen Gelehrten, der die humanistische Bildung nicht als Privileg einer kleinen Elite, sondern als notwendige Grundlage einer demokratischen Gesellschaft verstand“1, Anerkennung genießt. Das vierbändige Gesamtwerk wurde auf Initiative der europäischen Rektorenkonferenz, unter dem Vorsitz von Walter Rüegg und in Mitwirkung einer internationalen Kommission angesehener Wissenschaftler herausgegeben. Ihr Anliegen bestand darin, „die gesell- schaftlichen Rahmenbedingungen und Aufgaben, die Merkmale geistiger und institutioneller Identität, die Strukturen, Gestaltungen und Hauptprobleme der europäischen Universitäten in ihren geschichtlichen Grundlagen und Veränderungen, aber auch in ihren regionalen Unterschieden, auf dem heutigen Forschungsstand vergleichend und zusammenfassend darzustellen.“2

In diesem Literaturbericht soll es um das erste Kapitel „Themen, Probleme, Erkenntnisse“ des dritten Bandes „Vom 19. Jahrhundert zum Zweiten Weltkrieg (1800-1945)“ des oben beschriebenen Gemeinschaftswerkes gehen. Thematisiert wird eine vergleichende Geschichte der Entwicklung der europäischen Universität unter dem Einfluss der Ideen von Wilhelm Humboldt. Das vorliegende Kapitel wird als Kommunikationsangebot auf seine Plausibilität untersucht. Dabei wird die Texterarbeitung, die Vorgehensweise der Argumentation und deren Referenzsystem analysiert.

2. Untersuchung der Texterarbeitung

2.1. Äußere Organisation

Das erste Kapitel „Themen, Probleme, Erkenntnisse“ von Walter Rüegg, welches sich über 25 Seiten erstreckt, weist aufgrund der vorgenommenen Unterteilung in 7 Gliederungspunkte äußerliche Übersichtlichkeit wie auch inhaltlich einen systematischen, nachvollziehbaren Aufbau auf.

Beginnend mit der Einleitung wird die Ausgangssituation der „europäische(n) Universitäts- landschaft als Trümmerfeld“3 zum Ende des 18. Jahrhunderts bis Mitte des 19. Jahrhunderts dargestellt. Die nachfolgenden Entwicklungen der universitären Institution innerhalb Europas werden veranschaulicht. Mit dem zweiten Gliederungspunkt werden die zwei neuen Hochschulmodelle, das dirigistische französische Modell Napoleons und das liberale deutsche Modell nach Humboldt, vorgestellt. Beide haben das Potential die herkömmliche Universität zu reformieren. Bereits in der Mitte des Gliederungspunktes 5 wird darauf hingewiesen, dass sich das deutsche Hochschulmodell durchgesetzt habe. Der nächsten Punkt geht auf die drei allgemeinen Entwicklungen ein, die als günstige Bedingungen zur schrittweisen Umsetzung des deutschen Modells nach den Ideen von Humboldt führten: „Säkularisierung, Bürokratisierung und Spezialisierung“. Folgend werden die „Europäische(n) Auswirkungen der beiden Modelle“ im vierten Abschnitt behandelt, wobei deren Einfluss auf die russischen, britischen und schottischen Universitäten in ihrer Politik und ihren Strukturen untersucht wird. Der fünfte Gliederungspunkt widmet sich der deutschen Wissenschaftsidee nach Humboldt und legt den Grund für den weitreichenden Erfolg des Modells sowie dessen Aufgabe und Kennzeichnung dar. Bereits hier wird auf die erste geforderte Neuerung Humboldts eingegangen, welche sich auf die Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und Lehre bezieht. Der nächste Abschnitt analysiert die Entwicklung und Bedeutung der Geistes- und Naturwissenschaften, deren zunehmender Erfolg als zweite Neuerung zu verstehen ist. Der letzte Gliederungspunkt „Freiheit, die ich meine, die mein Herz erfüllt“ geht auf die Rolle der Studenten, deren Wunsch nach Freiheit und Verantwortung ein. Dabei finden auch die politischen und revolutionären Bewegungen der Studenten Berücksichtigung, welche als dritte weltgeschichtliche Neuerung anzusehen sind.

Übersichtlich wird das Kapitel durch die Einteilung in Absätze innerhalb der einzelnen Gliederungspunkte. Diese fungieren als „Sinnabschnitte“ und machen dem Leser zum einen die Lektüre angenehmer und zum anderen dienen sie der schnelleren Informationsaufnahme.

2.2. Innerer Rahmen

In dem ersten, vergleichend arbeitenden Kapitel von Walter Rüegg sind die Einleitung und der abschließende Absatz, der einem Fazit gleichkommt, durch einen Rahmen miteinander verbunden. Dieser Rahmen basiert auf einer These, welche im vorletzten Absatz der Einleitung dargelegt ist und davon ausgeht, die deutsche Universitätsidee würde, in Konkurrenz zu dem napoleonischen Hochschulmodell, den Weg der modernen Forschungsuniversität öffnen. Bereits ab dem nachfolgenden Abschnitt, der die beiden konkurrierenden Modelle vorstellt, wird fortlaufend regelmäßig Bezug zu der aufgestellten These genommen und somit versucht, diese zu belegen.

3. Darlegung Vorgehensweise und Plausibilität des Vergleichs

3.1. Argumentationsstruktur

Im Zentrum von Walter Rüeggs Argumentation steht die bereits vorgestellte These, „dass die deutsche, auf der Freiheit wissenschaftlicher Forschung und Lehre beruhende Universitätsidee in der Konkurrenz zum Napoleonischen Modell staatlich gelenkter Spezialhochschulen der modernen Forschungsuniversität den Weg öffnet“.4 Das Ziel dieser Argumentation soll somit sein, zu belegen, dass sich das deutsche Universitätsmodell als moderner Wegbereiter, im Gegensatz zum französischen Modell, durchgesetzt habe.

Zu Beginn der Argumentationsstruktur steht die Einführung in die beiden neuen Hochschulmodelle, welche zur Reform der herkömmlichen Universität beigetragen haben sollen. Das dirigistische Modell Napoleons sei gekennzeichnet von einer bürokratisch zentral- istischen Organisation und Kontrolle der Spezialhochschulen durch den Staat. Obwohl dieses Modell den politischen Entwicklungen seines Landes lange Stand gehalten habe, sei es Ende des 19. Jahrhunderts unter Einfluss des deutschen Hochschulmodells doch angepasst worden. Dies lässt sich als erstes, indirektes Argument für die Durchsetzung des liberalen Modells Humboldts beschreiben, dessen Merkmal die Freiheit des wissenschaftlichen Erkenntnis- prozesses sei, welcher Studium, Lehre und Forschung miteinander verbinde. Der Staat habe hierbei lediglich zwei Aufgaben nachzugehen: der Sicherung der Unabhängigkeit und der Ernennung der Professoren. Aufgrund dieser Forderung sei das Humboldtsche Modell nicht so leicht handhabbar, wie das Napoleons. Damit wurde ein indirektes Gegenargument geschaffen, welches allerdings durch das Faktenargument „französische, britische, später auch amerikanische Wissenschafter bildeten sich an deutschen Hochschulen weiter“, welche um die Wende zum 20. Jahrhundert „das Ideal der modernen Universität verkörperten“5, widerlegt sei. Im Folgenden wird auf die Entwicklungen, welche als günstige Grundlagen für das moderne Hochschulmodell gelten, sowie die Auswirkungen der beiden Modelle auf Europa eingegangen. Das französische Modell habe in den europäischen Ländern keine tiefgreifenden Spuren hinterlassen. Dagegen habe das deutsche Modell weitreichend Einfluss ausgeübt. So haben sich Oxford und Cambridge um die Jahrhundertwende dem Modell angeschlossen.

[...]


1 Rebenich, Stefan: Humanismus und Demokratie, in: Neue Zürcher Zeitung AG, URL: http://webpaper.nzz.ch/2015/05/05/feuilleton/MC7VT/ humanismus-und-demokratie?guest_pass=c0d2ed983d%3AMC7VT%3A2e87e2723638873608bcc514c5c855752ee04ca7 , Stand: Mai 2015 (eingesehen am 17. September 2015)

2 Verlag C.H.Beck oHG: Geschichte der Universität in Europa, URL:http://www.chbeck.de/Rueegg-Geschichte-Universitaet-Europa/ productview.aspx?product=20505 (eingesehen am 17. September 2015)

3 Rüegg, Walter: Die Geschichte der Universität in Europa, Band III, Kapitel 1: Themen, Probleme, Erkenntnisse, München: Verlag C.H. Beck oHG, 2004, Seite 17: Zeile 2

4 Rüegg, Walter: Die Geschichte der Universität in Europa, Band III, Kapitel 1: Themen, Probleme, Erkenntnisse, München: Verlag C.H. Beck oHG, 2004, Seite 17, Zeile 34 bis Seite 18, Zeile 2

5 Ebd., Seite 19, Zeile 32ff.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Literaturbericht zu Seminartext "Die Geschichte der Universität in Europa"
Untertitel
Band III, 1. Kapitel: "Themen, Probleme, Erkenntnisse" (Hrsg. Walter Rüegg)
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V380433
ISBN (eBook)
9783668570399
ISBN (Buch)
9783668570405
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
literaturbericht, seminartext, geschichte, universität, europa, band, kapitel, themen, probleme, erkenntnisse, hrsg, walter, rüegg
Arbeit zitieren
Maria Beyer (Autor), 2015, Literaturbericht zu Seminartext "Die Geschichte der Universität in Europa", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380433

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