In dieser Hausarbeit geht es mir ganz besonders darum, den Konsum von Nacktheit und Sexualität vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungen und den "zeittypischen Denkhorizonte[n]" (Steinbacher 2011, 8) zu betrachten, in denen sie konsumiert wurden und werden. Dabei werden die Fragen 'Was hat sich verändert und warum?', 'Unter welchen Bedingungen wurden Sexualität und Nacktheit zu einer Ware und später zu einer Massenware?' und 'Welche Rolle spielen die gesellschaftlichen Entwicklungen bei dem Konsum von Sexualität und Nacktheit?' im Zentrum stehen.
Es soll aufgezeigt werden, wie der Konsum von Nacktheit und Sexualität mit den sich wandelnden vorherrschenden Ideologien, "ökonomischen Produktions- und Konsumptionsweisen" (Williams 1995, 153) und den Bildern weiblicher und männlicher Sexualität zusammenhängt. Die dadurch bedingten sozialen Verhaltensnormen und moralischen Richtlinien entscheiden mit darüber, "wie Sexualität empfunden, bewertet und praktiziert" (Ertel 1990, 11) und damit auch wie sie konsumiert wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erläuterung der Begriffe Sexualität und Nacktheit
3. Sexualität und Nacktheit als Ware
4. Der Weg zur Ware - Nacktheit und Sexualität um 1900
4.1 Historischer Abriss – Industrialisierung und Etablierung der Konsumgesellschaft
4.2 Die Doppelmoral des 19. Jahrhunderts
4.3 Ökonomisierung und Popularisierung von Nacktheit und Sexualität
4.3.1 Die Vergnügungsviertel
5. Von der Ware zur Massenware – Nacktheit und Sexualität heute
5.1 Die sexuelle Revolution
5.2 Die Gesellschaft heute – Digitale Revolution und Massenkonsum
5.3 Normalisierung von Nacktheit und Sexualität
5.3.1 Internet - Pornographie
6. Vergleich
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den historischen Wandel des Konsums von Nacktheit und Sexualität, von der Entstehung erster Marktstrukturen um 1900 bis hin zur heutigen Massenware im digitalen Zeitalter, um die gesellschaftlichen Bedingungen und Auswirkungen dieser Entwicklung zu analysieren.
- Vergleich von Konsummustern um 1900 und heute
- Einfluss der Industrialisierung und Urbanisierung auf Sexualmoral
- Rolle der sexuellen Revolution und Digitalisierung
- Kritische Analyse von Nacktheit und Sexualität als ökonomische Ware
Auszug aus dem Buch
4.1 Historischer Abriss – Industrialisierung und Etablierung der Konsumgesellschaft
Die Zeit um 1900 ist die Zeit politischer Revolutionen und vor allem die Zeit der Industrialisierung, die Zeit des Übergangs von der Agrarwirtschaft zur industriellen Produktion und damit auch die Zeit des Übergangs von einer aristokratischen zu einer industriellen Gesellschaft. Die Phase der Industrialisierung begann Ende des 18. Jahrhunderts in England, dehnte sich im 19. Jahrhundert auf dem Kontinent aus und ist auch heute noch nicht abgeschlossen (Sellen 2007, 37). Mit der Industrialisierung gingen radikale technische, wirtschaftliche, soziale und geistige Umwälzungen einher, die sich auf die gesamte Gesellschaft auswirkten. Fabrikbesitzer wurden immer reicher, während die Arbeiterschicht verarmte. Gleichzeitig entstand eine neue Schicht der Angestellten. Zwischen den Schichten gab es kaum Mobilität (ebd., 40). Mit vermehrter Lohnarbeit ging auch die Selbstversorgung zurück. Dadurch konnte eine klare räumliche und zeitliche Trennung zwischen Arbeits- und Lebensraum, zwischen Freizeit und Arbeitszeit, entstehen (Maase 2010, 45). Zugleich förderte die Industrialisierung das Wirtschaftswachstum. Die Kaufkraft des Einzelnen stieg, die Nachfrage wurde größer und führte zu einem sich ausdehnenden materialistischen Wirtschaftsdenken um 1900 (Sellen 2007, 38). In dieser Phase boomten in den europäischen Städten die Warenhäuser sowie der Distributionssektor und die moderne Konsumgesellschaft etablierte sich endgültig (Haupt, Torp 2009, 11). Die Arbeiter ackerten hart, um das verdiente Geld zur Teilnahme an der Konsumgesellschaft wieder auszugeben (Abrams 1997, 269). Es entstand ein Massenmarkt für den neuen Freizeitsektor, der sich an der großen Mehrheit des städtischen Publikums orientierte, dessen Zeit und Geld sehr knapp bemessen waren (Maase 2010, 17). Das Angebot war geprägt von einer Schnelllebigkeit, Konkurrenz und dem Verlangen nach Unterhaltung (ebd., 21). Die Teilhabe an der Konsumwelt in der Freizeit war dabei so intensiv, dass die Konsumerfahrung zu einem zentralen „Aspekt der Identitätsentwicklung“ (Abrams 1997, 269) wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Themas, des Untersuchungszeitraums sowie der zentralen Forschungsfragen hinsichtlich des Wandels vom Konsum zur Massenware von Nacktheit und Sexualität.
2. Erläuterung der Begriffe Sexualität und Nacktheit: Definition der Konzepte als soziale Konstruktionen, die in Abhängigkeit von gesellschaftlichen Machtstrukturen und moralischen Ideologien stehen.
3. Sexualität und Nacktheit als Ware: Theoretische Herleitung des Konsumbegriffs im Kontext der Ökonomisierung und der Bedeutung von Sexualität als Objekt der Warenkultur.
4. Der Weg zur Ware - Nacktheit und Sexualität um 1900: Analyse der gesellschaftlichen Umbrüche durch Industrialisierung und Urbanisierung sowie der Doppelmoral des 19. Jahrhunderts als Basis für die Ökonomisierung von Nacktheit.
5. Von der Ware zur Massenware – Nacktheit und Sexualität heute: Untersuchung des Wandels durch die 68er-Bewegung, die Digitalisierung und die daraus resultierende Normalisierung von Sexualität im Massenkonsum.
6. Vergleich: Gegenüberstellung der historischen Konsumformen um 1900 mit modernen digitalen Konsumpraktiken unter Berücksichtigung von Kontinuitäten und Brüchen.
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen mit dem Ergebnis, dass der Konsum heute zwar privater und durchdringender ist, aber in seinem Kern weiterhin der Stimulation von Phantasie dient.
Schlüsselwörter
Sexualität, Nacktheit, Konsumgesellschaft, Industrialisierung, Urbanisierung, Massenkonsum, Ökonomisierung, Pornographie, Digitale Revolution, 68er-Bewegung, Identitätsentwicklung, Warenfetischismus, Normalisierung, Moralvorstellungen, Subjektkonstitution.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Wandel und die Entwicklung des Konsums von Nacktheit und Sexualität, ausgehend von der Zeit um 1900 bis in die heutige Zeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die ökonomische Verwertung von Sexualität, den Einfluss gesellschaftlicher Moralvorstellungen, die Rolle der Urbanisierung und die Auswirkungen digitaler Medien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie und warum Sexualität und Nacktheit von einer bloßen Ware um 1900 zu einer ubiquitären Massenware in der modernen Gesellschaft wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse, die historische Abrisse mit Theorien zur Konsumgeschichte und Identitätsbildung verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Industrialisierung, die Rolle der Geschlechterrollen um 1900, die Auswirkungen der 68er-Bewegung sowie die Virtualisierung durch das Internet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Konzepte wie Kommerzialisierung, Normalisierung, gesellschaftliche Konstruktion und das Spannungsfeld zwischen privatem und öffentlichem Konsum stehen im Mittelpunkt.
Wie unterscheidet sich der Konsum von Nacktheit damals und heute?
Während um 1900 noch die Gruppe und das Vergnügungsviertel zentral waren, findet der Konsum heute zunehmend privatisiert, anonym und digital statt.
Welche Rolle spielt die 68er-Bewegung in der Argumentation?
Die 68er-Bewegung wird als entscheidender Wendepunkt betrachtet, der die sexuelle Befreiung einleitete und die Grundlage für die heutige Normalisierung der Sexualität im Massenmarkt schuf.
- Arbeit zitieren
- Lena Mohr (Autor:in), 2016, Von der Ware zur Massenware. Der Konsum von Nacktheit und Sexualität um 1900 und heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380499