Techno. Zwischen Subkultur und Mainstream. Welche Rolle spielen dabei die Massenmedien?


Hausarbeit, 2016

24 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Mainstream und Subkultur
2.1 Erläuterung des Begriffs ‚Mainstream‘
2.2 Erläuterung des Begriffs ‚Subkultur‘
2.3 Die Dialektik von Subkultur und Mainstream
2.4 Die Rolle der Massenmedien bei der Vereinnahmung einer Subkultur

3. Das Phänomen ‚Techno‘
3.1 Die Anfänge
3.2 Subkultur ‚Techno‘
3.2.1 Lifestyle
3.2.2 Musik und Tanz

4. Techno – von der Subkultur zum Mainstream
4.1 Die Vermarktung der Techno-Szene
4.2 Die Vereinnahmung durch die Massenmedien

5. Fazit: Techno heute - zwischen Subkultur und Mainstream

6. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

Techno ist die Popkultur der 1990er Jahre und auch heute noch erfreuen sich Techno-Veranstaltungen wie „MayDay“ und „Nature One“ einer beträchtlichen Anzahl an Teilnehmenden (23.000 und 64.000 Besuchern im Jahr 2013 (Kirschner, Eisewicht, Hitzler 2014, 106)). Der Techno-Hype ist nicht zu Ende, er blüht gerade wieder richtig auf (Hitzler, Niederbacher 2010, 153). Auch in meinem Leben hat diese Art von Musik seit kurzem einen Stellenwert eingenommen. Letzten Sommer wurde ich spontan zu einer dieser kleinen Techno-Partys überredet. Natürlich hatte ich auch schon zuvor Techno-Veranstaltungen besucht, aber eher die großen Raves und Massenevents. Diesmal kannte ich kaum jemanden. Darum fokussierte ich mich das erste Mal komplett auf die Musik und ging völlig in dieser auf. Es war eine unfassbar angenehme Atmosphäre, denn obwohl jeder für sich tanzte, waren wir trotzdem verbunden, eine Gemeinschaft. Seit diesem Tag hat Techno eine ganz neue Bedeutung für mich.
Aus dieser Erfahrung heraus möchte ich meine Hausarbeit dem Thema „Techno: Zwischen Subkultur und Mainstream“ widmen. Techno hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Aus der einst kleinen subkulturellen Strömung ist ein Massenhype, ein Trend geworden, bei dem viel von der ursprünglichen Techno-Szene verloren gegangen ist. Generell kann man Subkulturen heute nicht mehr außerhalb von „Medien und Kommerz“ (Jacke 2010, 50) betrachten. Es ist vielmehr so, dass Medien und Industrien an der Entwicklung einer Subkultur teilnehmen (Thornton 1996, 117). Darum möchte ich anhand der Techno-Bewegung aufzeigen, wie eine solche Wandlung einer Subkultur in den Mainstream von statten gehen kann und welche Rolle dabei insbesondere die Massenmedien spielen. Ist Techno heute nur noch Kommerz, vertreten durch die großen Massenraves wie LoveFamilyPark? Oder gibt es noch einen Techno-Underground? Inwiefern tragen die Medien dazu bei, dass aus Subkultur Mainstream wird?

Der Aufbau der Arbeit gliedert sich in fünf Teile. Das zweite Kapitel gibt einen kurzen Überblick über die Begriffe ‚Subkultur‘ und ‚Mainstream‘. Außerdem wird hier die Vereinnahmung von Subkulturen näher erläutert. Dabei nehme ich besonders Bezug auf Hebdige´s Werk (1997) „ Subculture: The Meaning of Style [1979] “. Kapitel drei beschäftigt sich mit dem Phänomen Techno, seiner Entstehung und seiner Konstitution als Subkultur. Darauffolgend wird in Kapitel vier die Vermarktung der Techno-Szene durch Massenmedien und Industrien erörtert, um dann anschließend in Kapitel fünf darüber zu diskutieren, was Techno heute ist, Mainstream oder Subkultur und welche Wandlung der Musik, des Lebens- und Feierstils, mit der Vermarktung von Techno einher gegangen sind.

2. Mainstream und Subkultur

Die Dialektik zwischen Mainstream und Subkultur, Overground und Underground[1], hat schon immer für Aufsehen gesorgt. Auf die „Eigentümlichkeit“ (Klein 2004, 138) dieser Beziehung werde ich im Folgenden eingehen. Zuerst sollen aber die Begrifflichkeiten Mainstream und Subkultur kurz erläutert werden.

2.1 Erläuterung des Begriffs ‚Mainstream‘

Im Allgemeinen wird der Mainstream als eine vorherrschende gesellschaftliche, politische oder kulturelle Meinung aufgefasst oder auch als die allgemeine, konventionelle Mehrheit einer Gesellschaft (Thornton 1996, 94). Für Hebdige stellt der Mainstream die dominante Kultur einer Gesellschaft dar (Klein 2004, 77). Währenddessen verstehen Holert und Terkessidis unter dem Begriff Mainstream „eine normalisierende, tendenziell monokulturelle Form der Warenproduktion“ (Holert, Terkessidis 2013, 229).

Wie man sieht, lässt sich der Mainstream nicht in einer einzigen Form fest definieren. Dies liegt daran, dass dieser „kein Bewusstsein von sich selbst“ (Diederichsen 2003) hat. Niemand sagt von sich, „dass er Mainstream ist“ (ebd., 2003), da diesem, besonders im Pop-Kontext, eine eher negative Bewertung anhaftet (Hügel 2007, 8). Dies hängt mit seiner Konnotation zur Masse zusammen, denn gewissermaßen steht der Mainstream für die Masse (Thornton 1996, 5). Die Masse repräsentiert den „Durchschnittsmensch“ (Ortega y Gasset 1993, 8) und lässt alles untergehen, was einzigartig, persönlich und speziell ist (ebd., 13). Die Masse steht im Gegensatz zum Individuum und so wird auch der Mainstream oft im Gegensatz zu diesem gefasst (Klein 2004, 81).

Eher als eine fest definierte Form sollte man den Mainstream als ein Konstrukt jener betrachten, die sich von ihm abgrenzen, um dadurch ihre eigene Kultur zu manifestieren. So nutzen Individuen oder einzelne Gruppen (wie Subkulturen) den Begriff Mainstream, um sich von ihm zu differenzieren und sich durch diesen Dissenz zu erschaffen (ebd., 138). So auch Thornton (1996, 5) dazu: „This contrast between ‘us’ and the ‘mainstream’ is more directly related to the process of envisioning social worlds and discriminating between social groups.”

2.2 Erläuterung des Begriffs ‚Subkultur‘

Eine einheitliche Subkulturforschung ist nicht existent und je nachdem wie man den Begriff der Subkultur auslegt, gestaltet sich das erfasste Spektrum neu (Hellmann, Klein, Klein 1995, 5 Cremer 1984, 7). So kommt es dazu, dass die Bezeichnung Subkultur kein geschlossener Begriff ist und seine Unschärfe immer wieder Definitionsschwierigkeiten aufwirft. Eine allgemeine Definition des Begriffes erfolgt nach Schwendter (1971, 11):

Somit ist Subkultur ein Teil einer konkreten Gesellschaft, der sich in seinen Institutionen, Bräuchen, Werkzeugen, Normen, Wertordnungssystemen, Präferenzen, Bedürfnissen usw. in einem wesentlichen Ausmaß von den herrschenden Institutionen etc. der jeweiligen Gesamtgesellschaft unterscheidet.

Hierbei wird, wie bei den Cultural Studies, von einem „Zwei-Kulturen-Modell“ (Fuchs 2007, 49) ausgegangen, das voraussetzt, dass es in einer Gesellschaft eine dominante Kultur gibt, welche als die „Stammkultur“ (Clarke u.a. 1979, 45) bezeichnet wird und Subkulturen, die Teile von dieser sind. Subkulturen müssen eine eigene Gestalt annehmen und über eigenständige Muster und Strukturen verfügen, die als Differenz zu ihrer Stammkultur erkennbar sind (ebd., 45-46). Subkulturen sind aber nicht nach außen geschlossen. Sie sind ein Subsystem der dominanten Kultur und darum auch immer mit dieser durch entscheidende Elemente verknüpft (ebd. 1979, 46). Kulturelle Subsysteme weisen folglich stets „zugleich integrative und segregative Momente im Bezug zum Kulturganzen auf“ (Wienkoop 1989, 26). Die interne Struktur einer Subkultur ist charakterisiert durch Ordnung und Regelmäßigkeit. Damit gibt sie dem einzelnen Mitglied sinnstiftende Orientierung (Hebdige 1997, 137). Subkulturen können verschiedene Charakterzüge haben. Manche sind lockere, unstrukturierte Zusammenschlüsse, andere entwickeln eine klare, zusammenhängende Struktur und feste Muster (Cremer 1984, 11). Die Zugehörigkeit zu einer Subkultur bestimmt sich über das Verhalten, zu dem insbesondere der Kleidungsstil, die Körpersprache und die Meinung gehören (Brake 1981, 19). Dabei hat jede Subkultur ihren eigenen Stil, welche charakteristisch für diese ist. Der Stil steht metaphorisch für die subkulturellen Werte und Orientierungen und ist damit „Wiedererkennungs- und zugleich auch Abgrenzungszeichen“ (Schneider, Töpfer 2000, 134) zum Mainstream und zu anderen Gruppen. Die Abgrenzung zum Mainstream ist ein charakteristisches Merkmal der Subkultur. Dieser besitzt aus subkultureller Sicht keine Glaubwürdigkeit und keine Authentizität (Thornton 1996, 6). So bedeutet die Zugehörigkeit zu einer Subkultur vor allem eine Abgrenzung zu den vorherrschenden Werten und Normen der dominanten Kultur .

Die Vertreter des Birminghamer Centre of Contemporary Culture Studies nehmen weiterhin an, dass sich Subkulturen unmittelbar in Bezug zur sozialen Herkunft formen und damit vor allem die „‚Klassenproblematik‘“ (Clarke u.a. 1979, 94-95) der verschiedenen Schichten ansprechen (Klein 2004, 75). In dieser Hinsicht hat der Begriff der Subkultur allerdings einen Wandel erfahren. Dies hängt damit zusammen, dass das Individuum durch die fortschreitende Loslösung von „Kategorien wie Stand, Klasse, Geschlechtsrollen, Familie“ (Vogelsang 2001, 278) zunehmend Entscheidungskraft über seine Lebenspläne erlangt. Subkulturen wenden sich aufgrund dessen mehr und mehr von dem klassischen Bild der klassen- und schichtspezifischen Subkulturen ab. Mittlerweile gibt es nicht mehr nur untergeordnete Subkulturen, sondern vermehrt auch „horizontal“ (Klein 2004, 269) zur dominanten Kultur angeordnete Gruppen, die sich über unterschiedliche „soziale[n] Klassenfraktionen“ (ebd., 270) ausdehnen.

Das Konzept der Subkultur schließt unter anderem die Jugendkultur mit ein. Bei Jugendkulturen spielt das Alter eine entscheidende Rolle. Die Jugendkultur entspricht, im Gegensatz zu anderen Subkulturen, einer Lebensphase, die man wieder verlässt (Fuchs 2007, 47). Die jugendlichen Subkulturen stehen nicht nur in Opposition zur Stammkultur, sondern insbesondere zur Welt der Erwachsenen (Klein 2004, 75).

2.3 Die Dialektik von Subkultur und Mainstream

Der Zyklus vom Widerstand zur Vereinnahmung, vom Underground zum Mainstream ist ein immer Wiederkehrender und erfasst jede Subkultur (Hebdige 1997, 134). Insbesondere Subkulturen der Popmusik verlangen nach dem Mainstream, „dem sie ihre eigene Undergroundigkeit“ (Diederichsen 2003) verkaufen und letztlich wird genau das zu ihrem Problem. Dieses „Nach-außen-Dringen“ (ebd.) führte in der Regel zur Vermarktung und damit zum „Verlust der Seele“ (ebd.) der Subkultur.

Sobald Subkulturen sichtbar werden, werden sie „identifiziert und etikettiert (entweder von sich aus oder durch andere)“ (Clarke u.a. 1979, 46-47). Sie treten dann für einen gewissen Zeitraum auf „die Bühne der öffentlichen Aufmerksamkeit“ (ebd., 46-47), bevor sie wieder verblassen und verschwinden oder der Unterschied zu ihrer Stammkultur nicht mehr erkennbar ist und der Mainstream sich ihrer bemächtigt hat. Nach Hebdige (1997) gibt es zwei Formen der Vereinnahmung von Subkulturen: die Ideologische und die Materielle. Beide Formen führen zu einem „Verlust von Exklusivität“ (Meyer 2000, 31). Die materielle Form der Vereinnahmung ist der Prozess, in dem die subkulturellen Stile in massenproduzierte Objekte gewandelt werden. Hier spielen die Industrien eine entscheidende Rolle. Bei der ideologischen Form der Vereinnahmung kommt es zu einem „‘labelling‘“- Prozess (Hebdige 1997, 131) und zu einer Um- und Neu-Definierung der Subkultur durch andere gesellschaftliche Gruppen wie beispielsweise der Massenmedien. Auf diese werde ich im Verlauf dieser Arbeit besonders eingehen. Sobald die subkulturellen Ideen in Massenprodukte transzendiert werden, werden ihre Innovationen ungültig und verlieren ihre subkulturelle Bedeutung (ebd., 132). Wann immer ein Aspekt der Subkultur vom Mainstream aufgegriffen wird, wird dieser fortan von der Subkultur selber abgelehnt (Beeler 2007, 31). Die massenmediale Verbreitung und kommerzielle Vermarktung der Subkultur blasen ihr somit innerhalb kürzester Zeit das Leben aus (Walder 1995, 197). Ironischerweise belegt genau diese Eingliederung in den Mainstream den schöpferischen Ideenreichtum einer Subkultur, denn Subkulturen, die nicht über ihre anfängliche Basis hinauswachsen, werden als gescheitert betrachtet (Thornton 1996, 128).

2.4 Die Rolle der Massenmedien bei der Vereinnahmung einer Subkultur

Die ideologische Form der Vereinnahmung einer Subkultur geschieht vor allem durch die Medien (Meyer 2000, 31). Das Aufkommen einer Subkultur ist immer begleitet von einer Hysterie in den Medien (Hebdige 1997, 131). Subkulturen fallen auf, da sie vom Mainstream abweichen. Dies führt dazu, dass das Phänomen Subkultur in den Medien behandelt wird (ebd., 130). Die Medien dokumentieren nicht nur den Widerstand der Subkulturen, sie platzieren die Subkultur dort, in einem größeren Gesamtwerk, wo die Allgemeinheit, der Mainstream, sie aus ihrem Verständnis her sehen will (ebd., 131). Die mediale Berichterstattung schwankt typischerweise zwischen Furcht und Faszination, Empörung und Amüsement (ebd., 131). Die Massenmedien erzeugen damit „Erwartungshorizonte und Normalitätskulissen“ (Helmstetter 2007, 61). Sie zeigen uns, was sie „wissen und wollen“ und auch “wie wir/‘die Leute‘ wissen und wollen“ (ebd., 61) sollen. Sie stellen Subkulturen in einem bestimmten Rahmen oder Kontext dar und partizipieren an ihren Versammlungen, an ihrer Abgrenzung und Entwicklung.

[...]

[1] „The term ‘underground’ is the expression by which clubbers refer to things subcultural. More than fashionable or trendy, ‘underground’ sounds and styles are ‘authentic’ and pitted against the mass-produced and mass-consumed.” (Thornton 1996, 117)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Techno. Zwischen Subkultur und Mainstream. Welche Rolle spielen dabei die Massenmedien?
Hochschule
Universität zu Köln  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Seminar
Note
1.3
Autor
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V380500
ISBN (eBook)
9783668568709
ISBN (Buch)
9783668568716
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Subkultur, Techno, Mainstream, Massenmedien, Vereinnahmung durch Massenmedien
Arbeit zitieren
Lena Mohr (Autor), 2016, Techno. Zwischen Subkultur und Mainstream. Welche Rolle spielen dabei die Massenmedien?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380500

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