Passt die Wissensgesellschaft zur Bundesrepublik Deutschland?


Hausarbeit, 2017

13 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Wissensgesellschaft

3. Von der Agrargesellschaft zu Wissensgesellschaft

4. Folgen der Wissensgesellschaft: Chancen und Risiken

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hätte man Sokrates seinerzeit gefragt, ob er seine Gesellschaft im alten Griechenland für eine Wissensgesellschaft hielte, dann hätte er möglicherweise eingewandt, dass die Gelehrten, mit denen er verkehrt, ganz sicher seien in einer solchen zu leben, er aber es verneinen müsse und dies mit folgendem Zitat unterstreiche:

„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Nun gewiss, es war Sokrates letztes Wort, bevor er sterben musste, doch hier soll es das erste Wort zur Wissensgesellschaft sein, weil das Grundproblem von Wissen, wie sich später erschließen soll, sowohl Chancen als auch Risiken der Wissensgesellschaft widerspiegelt, weshalb es Teil der Definition sein muss. Um den Begriff Wissensgesellschaft zu definieren, bietet es sich an das Possesivkompositum, in einem ersten Schritt, in zwei Teile zu zerlegen, nämlich in „Wissen“ und „Gesellschaft“, um in weiteren Schritten die Bedeutung eines jeden Bestandteils zu klären. Dies soll in Kapitel 2 erfolgen, während in Kapitel 3 ein kleiner anthropologischer Abriss über die Wissensgesellschaft jene Entwicklung aufzeigen soll, die letztlich den Wandel zur gegenwärtigen Gesellschaft begründen kann. Nach einer Beschreibung der aktuellen Situation, in Bezug auf die Wissensgesellschaft, sollen in einem letzten Schritt Risiken und Chancen formuliert werden, die in ein abschließendes Fazit. über die Frage „Passt die Wissensgesellschaft zur Bundesrepublik Deutschland?“, einfließen werden.

2. Definition von Wissensgesellschaft

Im Rückgriff auf Sokrates‘ Zitat, ist die Definition von Wissen sehr komplex, denn losgetreten von der Idee Sokrates, hat Platon begonnen Wissen und Meinung voneinander zu trennen und überdies die Menschen mittels Höhlengleichnis darüber aufzuklären versucht, dass sie nicht wissen können, was sie nicht wissen. Generationen von Philosophen haben sich, bis in die heutige Zeit, mit Erkenntnisfähigkeit befasst, also mit der Frage: „Was kann der Mensch wissen?“. Mit dem Zuwachs an wissenschaftlichen Methoden wurde es zwar in der Aufklärung zunehmend leichter zwischen Wissen und Meinung zu unterscheiden, doch der Widerstreit zwischen Empirismus und Rationalismus schien unüberbrückbar, denn naturwissenschaftliche Fakten standen nun geisteswissenschaftlichen Theorien gegenüber bzw. das Experiment und der Schluss aus der höchsten Vernunft bzw. Deduktion. Schließlich versöhnte Karl Popper die beiden Strömungen und kam zu dem Schluss, dass die Vernunft sich ständig kritisch beweisen müsse, so dass ein Vernunftschluss (Hypothese) nur solange Gültigkeit habe, bis er widerlegt sei (Falsifizierbarkeit). Vor dem Hintergrund der Ungewissheit von Erkenntnis, kann man Wissen als Bestand aus Fakten, Theorien und Regeln, definieren, die sich durch den größtmöglichen Gewissheitsgrad auszeichnen.[1]

Recht kurz lässt sich der der Begriff „Gesellschaft“ erklären. Er ist ein vieldeutig gebrauchter Begriff, weshalb hier eine Einschränkung auf die soziologische Sicht sinnvoll ist. Demnach bezeichnet Gesellschaft die Verbundenheit von Individuen in einem bestimmten Ordnungsrahmen. Aus dem vorangegangen lässt sich also schließen, dass eine Wissensgesellschaft eine Gesellschaftsordnung ist, welche Wissen zur Grundlage ihres Zusammenlebens und Streben gemacht hat, wodurch sich deren Mitglieder mittels Wissen bzw. Bildung ihrer Ziele und Werte bewusstwerden, die sie dadurch auch verändern um sich voranzubringen.[2]

Dass die Wissensgesellschaft nicht aus dem Nichts entstanden sein, sondern wohlmöglich in der Menschheitsgeschichte einen Anfang genommen und dann eine Entwicklung durchlaufen hat, lässt sich am besten durch einen kleinen geschichtlichen Abriss darstellen.

3. Von der Agrargesellschaft zu Wissensgesellschaft

Die ersten großen Gesellschaften der Menschheit im eurasischen Raum entstanden in der Jungsteinzeit (um 10000 v. Chr.) durch Ackerbau und Viehzucht, denn Voraussetzung für eine Gesellschaftsordnung und der Herausbildung von Strukturen und Institutionen ist das Sesshaftwerden. Es ist nicht so, dass Wissen für die frühen Gesellschaften keine Rolle gespielt haben, doch war es wenigen Menschen gestattet oder möglich von diesem Wissen zu erfahren. Ob nun die chinesische, sumerische, hellenistische oder römische Hochkultur, von der Jungsteinzeit bis in das europäische Mittelalter, nur ein winziger Teil der Bevölkerung hatte Zugang zu Wissen, darunter der Klerus und die Feudalherren, während der überwiegende Teil nicht einmal lesen oder schreiben konnte. Es sollten von Sesshaftwerdung mehr als 11500 Jahre vergehen, bis der Feudalismus in Mitteleuropa in eine Krise geriet und das Bürgertum zunehmend in den Städten an Autonomie gewann. Vor allem der Handel und das Handwerk waren in den Händen der Bürger über sog. Gilden. In dieser Zeit entstand auch das erste kaufmännische Wissen. „Die älteste auf uns gekommene Anwendung der doppelten Buchhaltung findet sich 1340 in Genua“[3], womit die Kaufleute eine neue Form von Wissen erschufen, welches bis heute in den Wirtschaftswissenschaft fortlebt. Gestützt von der Erfindung des Buchdrucks wurde ein Prozess eingeleitet, bei dem immer mehr Wissen auch dem Volk zugänglich wurde, was über die Reformation in die Aufklärung mündete. Der Wirtschaftssektor konnte sich durch Wissen um den geschickten Handel seine Macht ausweiten, denn jeder Herrscher sah sich in der Abhängigkeit zum Wissen des Geldvermehrens. Gleichzeitig brach der Wirtschaftsliberalismus immer mehr die Ständegesellschaft auf, so dass Eigentum und Besitz immer weniger an adeligen Stand gebunden waren, was dazu führte, dass sich die Bürger auch an Universitäten bilden konnten und der politische Liberalismus dem Absolutismus die Legitimation sukzessive abrang. Durch die Manufakturisierung und Zunahme der arbeitsteiligen Gesellschaft wurde ein Produktivitätsboom ausgelöst, der in der Mitte des 19. Jh. durch die Entwicklung der Dampfmaschine in das neue Zeitalter der Industrialisierung führte, wodurch die Agrargesellschaft ihren Stellenwert verlor, weil Lebensmittel nun nur noch Produkte zweiter Klasse waren. Die neue Wirtschaftsordnung des Kapitalismus, die unter anderem auch auf dem Wissenszuwachs in den Wirtschaftswissenschaften beruht, brachte einerseits breiten Wohlstand und eine Explosion der weltweiten Bevölkerungszahlen[4], alleine vom 1800-1900 eine Verdopplung, andererseits beutete man die Produktionsfaktoren Boden und Arbeit gnadenlos aus, bis die heimischen Ressourcen so knapp wurden, dass man versuchte sich über zwei Weltkriege Nachschub zu verschaffen. Das Ende des zweiten Weltkrieges war für die Nordhalbkugel und die daran beteiligten Industriegesellschaften eine Zäsur mit verheerenden Folgen. Die große Zerstörung der europäischen Infrastruktur, durch eine nie dagewesene Materialschlacht hinterließ nicht nur Schutt und Asche und Millionen von Toten, sondern auch eine Lücke bei der Sinnfrage, einen Schock, der eine Abkehr vom Sozialdarwinismus einleitete. In diese Lücke stieß der Aufstieg der Sozialwissenschaften vor. Eine kognitive Wende, ein fast paradigmatischer Wandel vom Behaviorismus zum Kognitivismus in der Psychologie löste, jedenfalls in den westlichen Ländern, in den 1950er Jahren eine wahre Kulturrevolution aus, mit Folgen für Autoritäten und Familie aus. Begleitet wurde die neue Blüte der Sozialwissenschaften durch den Einsatz von immer mehr Computern, was auch die Naturwissenschaften beflügelte. Eine wahre Wissensexplosion wurde durch die Computerisierung ausgelöst. Wie zuvor die Industriegesellschaft in die Agrargesellschaft vorgedrungen war, stieße nun laut dem Systemtheoretiker Helmut Willke die Wissensgesellschaft die einzelnen Funktionssysteme wie Wirtschaft, Politik, Recht, Wissenschaft, Religion und Sport vor.[5] Außerdem ist die Wissensgesellschaft gekennzeichnet durch die Expansion staatlicher und privater Forschungsaktivitäten.[6] Die in Deutschland 2005 gestartete Exzellenzinitiative stellt eine solche Expansion staatlicher Forschungsaktivitäten dar, weshalb sie Lanes Definition von einer Wissensgesellschaft entspricht.

[...]

[1] Vgl. Doris Vera Hofmann: Gewissheit des Führwahrhaltens. Zur Bedeutung der Wahrheit im Fluss des Lebens nach Kant und Wittgenstein, Quellen und Studien zur Philosophie, Bd. 49, Berlin. 2000, S. 199.

[2] Vgl. Robert E. Lane: The Decline of Politics and Ideology in a Knowledge Able Society.American Sociological Review, Official Journal of the American Sociological Association, Bd.31, Chicago. 1966. S. 650f.

[3] Luca Pacioli: Abhandlung über die Buchhaltung 1494. Aus dem Italienischen von Balduin Penndorf. Stuttgart. 1997. S. 47.

[4] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1694/umfrage/entwicklung-der-weltbevoelkerungszahl/ zuletzt aufgerufen am 05.02.2017.

[5] Vgl. Helmut Willke: Wissensgesellschaft. Kollektive Intelligenz und die Konturen eines kognitiven Kapitalismus, in: Hanno Pahl/Lars Meyer (Hrsg.), Kognitiver Kapitalismus. Soziologische Beiträge zur Theorie der Wissensökonomie, Marburg. 2007. S. 195.

[6] (vgl. Lane 1966).

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Details

Titel
Passt die Wissensgesellschaft zur Bundesrepublik Deutschland?
Note
3
Autor
Jahr
2017
Seiten
13
Katalognummer
V380526
ISBN (eBook)
9783668571761
ISBN (Buch)
9783668571778
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissensgesellschaft Industrialisierung Digitalisierung soziale Frage
Arbeit zitieren
Oliver Siegemund (Autor), 2017, Passt die Wissensgesellschaft zur Bundesrepublik Deutschland?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380526

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