Bargeld ist seit Jahrhunderten eine wichtige Grundlage für das wirtschaftliche Handeln zwischen Unternehmen und Verbrauchern. Verträge zum Kauf- oder Verkauf von Gütern und Dienstleistungen werden geschlossen und über Zahlungen abgewickelt. Dabei sind Banknoten und Münzen kontinentübergreifend, trotz eines unterschiedlichen Zahlungsverhaltens, ein stark verbreitetes und genutztes Zahlungsmittel. Als dieses ist Bargeld eine Grundvoraussetzung wirtschaftlichen Wohlstandes. Dessen Fortbestand wird dennoch von diversen, renommierten Wirtschaftsakteuren seit geraumer Zeit in Frage gestellt. Laut diesen wird durch eine Bargeldabschaffung unter anderem die organisierte Kriminalität eingeschränkt und der Handlungsspielraum von Zentralbanken erweitert.
Mit einer Abschaffung des Bargelds wäre der Mensch in unserer heutigen vernetzten Gesellschaft noch transparenter und kontrollierbarer für diverse Unternehmen und Staaten. Bergmann beschäftigt sich mit den Chancen und Risiken der Abschaffung des Bargelds und bezieht sich in dieser Publikation auf Ökonomen und Wirtschaftsakteure wie Peter Bofinger und Kenneth Rogoff.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Grundlagen des Bargeldes
2.1 Entstehung des Bargeldes
2.2 Definition von Buchgeld
2.3 Funktionen des Bargeldes
2.4 Vor- und Nachteile des Bargeldes
3 Aktuelle weltweite Entwicklungen
3.1 Aktuelle Debatten in der Europäischen Union
3.2 Wichtige Informationen im internationalen Kontext
4 Chancen und Ziele einer Bargeldabschaffung
4.1 Offiziell genannte Gründe
4.2 Mögliche inoffizielle Gründe und Hintergründe
5 Voraussetzungen für eine mögliche Bargeldabschaffung
6 Mögliche Risiken und Nebeneffekte der Bargeldabschaffung
6.1 Entstehung von Schattenwährungen
6.2 Freiheitseinschränkung der Bürger
6.3 Sicherheitsrisiken bargeldloser Zahlungssysteme
6.4 Selbstkontrolle und Konsumverhalten der Bürger
7 Alternativen zum Bargeld
7.1 Reines Giralgeld - Digitale Bezahlsysteme am Beispiel Mobile Payment
7.2 Vollgeldinitiative in der Schweiz
7.3 Virtuelle Währungen am Beispiel Bitcoins
8 Zukünftige Rolle des Bargeldes als Zahlungsmittel
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretische Machbarkeit und die ökonomischen sowie gesellschaftlichen Folgen einer vollständigen Abschaffung von Bargeld. Dabei wird analysiert, inwieweit moderne digitale Zahlungssysteme das Bargeld ersetzen können und welche Herausforderungen dies für Zentralbanken, Handel und Konsumenten mit sich bringt.
- Grundlagen und Funktionen von Bargeld sowie Buchgeld.
- Internationale Entwicklungen und der Trend zu bargeldlosen Bezahlsystemen.
- Chancen der Abschaffung (z.B. Eindämmung von Kriminalität, Geldpolitik).
- Risiken und Nebeneffekte (z.B. Überwachung, technologische Abhängigkeit).
- Analyse zukunftsorientierter Alternativen wie Giralgeld, Vollgeld oder Kryptowährungen.
Auszug aus dem Buch
2.4 Vor- und Nachteile des Bargeldes
Weiterhin bringt Bargeld, neben den genannten Funktionen, noch einige grundsätzliche Vorteile für die Verbraucher mit. Das Bargeld gewährleistet Anonymität bei der Durchführung von Transaktionen. Demzufolge sind für Dritte Art und Umfang der zugrundeliegenden Transaktion nicht nachvollziehbar. Zusätzlich ermöglichen Barzahlungen dem Nutzer eine gute Kontrolle der Ausgaben und können das Kaufverhalten mindern. So ist Bargeld durch die physische Wertübertragung das transparenteste Zahlungsmittel.16 Außerdem hat es einen einheitlichen Wert und ermöglicht eine sofortige und endgültige Vertragserfüllung ohne jede weitere Beteiligung von Dienstleistern.17 Mit ihm sind schnelle Zahlungen möglich und es wird von den Nutzern als sicher und einfach deklariert.18 Ein besonders wichtiger Vorteil ist, dass Bargeld auch ohne technische Infrastruktur bei Naturkatastrophen oder einem Stromausfall als Zahlungsmittel verwendet werden kann.19 Des Weiteren benötigt der Gebrauch von Bargeld keine nennenswerten Zugangsbeschränkungen. Auch in Ländern, in denen Bürgern die Eröffnung eines Girokontos verwehrt bleibt, kann mit Banknoten und Münzen bezahlt werden.20
Neben den zahlreichen positiven Seiten an Bargeld existieren gleichwohl Nachteile. Beispielsweise fanden Wissenschaftler der Universität Oxford heraus, dass sich auf einer durchschnittlichen Banknote etwa 26.000 potentiell gesundheitsschädliche Bakterien befinden.21 Diese könnten diverse Krankheiten verursachen. Des Weiteren entsteht, insbesondere durch die Aufbewahrung von größeren Mengen an Bargeld im Eigenheim, ein Risiko für die Bürger. Es kann zu Bränden, Diebstählen und dem Verlust von Banknoten kommen. Hinzu kommt die Möglichkeit des Diebstahls von Bargeld aus der Geldbörse. Als weiterer Nachteil führt Bargeld zu hohen Transaktionskosten. Beginnend mit der Herstellung durch die nationalen Notenbanken, kommen Kosten für die Bargeldhaltung und die Belieferung durch die Dienstleister hinzu. Diese werden zumindest teilweise durch Unternehmen, in Form von höheren Produktpreisen, umgelegt und somit an die Kunden weitergegeben.22 Das Bargeld, insbesondere die Banknoten, können außerdem durch kriminelle Strukturen gefälscht werden. Durch die Hinzuführung dieser Fälschungen entsteht der Bevölkerung des jeweiligen Landes ein Schaden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit führt in die theoretische Diskussion über die Abschaffung des Bargelds ein und stellt zentrale Akteure sowie die Forschungsziele dar.
2 Grundlagen des Bargeldes: Es werden die historische Entstehung, die Definition von Buchgeld sowie die ökonomischen Funktionen und Vor- und Nachteile des Bargelds erörtert.
3 Aktuelle weltweite Entwicklungen: Das Kapitel beleuchtet aktuelle politische Debatten in der EU zur Bargeldeinschränkung sowie den internationalen Trend zu digitalen Bezahlmethoden.
4 Chancen und Ziele einer Bargeldabschaffung: Hier werden die offiziellen Argumente wie Verbrechensbekämpfung und Kostenersparnis sowie inoffizielle makroökonomische Motive wie Negativzinsen diskutiert.
5 Voraussetzungen für eine mögliche Bargeldabschaffung: Es werden die technischen, rechtlichen und infrastrukturellen Anforderungen für eine bargeldlose Gesellschaft analysiert.
6 Mögliche Risiken und Nebeneffekte der Bargeldabschaffung: Das Kapitel analysiert Gefahren wie die Entstehung von Schattenwährungen, den Verlust an Anonymität und Sicherheitsrisiken digitaler Systeme.
7 Alternativen zum Bargeld: Die Arbeit stellt alternative Konzepte wie Giralgeld-Systeme, die Schweizer Vollgeldinitiative und virtuelle Währungen wie Bitcoins vor.
8 Zukünftige Rolle des Bargeldes als Zahlungsmittel: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert die langfristige Perspektive von Bargeld in einer digitalisierten Wirtschaft.
Schlüsselwörter
Bargeldabschaffung, Digitalisierung, Giralgeld, Buchgeld, Schattenwirtschaft, Negativzinsen, Mobile Payment, Bitcoin, Kryptowährung, Finanzsystem, Zentralbank, Transaktionskosten, Vollgeldinitiative, Anonymität, bargeldloser Zahlungsverkehr.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Publikation befasst sich mit der ökonomischen und gesellschaftlichen Relevanz des Bargelds und den Auswirkungen, die eine theoretische vollständige Abschaffung auf das moderne Finanzwesen hätte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Gegenüberstellung von physischem Bargeld und digitalem Buchgeld, die Rolle der Zentralbanken sowie die Auswirkungen von Regulierungen wie Bargeldobergrenzen auf Wirtschaft und Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Untersuchung ist es, zu analysieren, ob eine bargeldlose Gesellschaft technisch und ökonomisch umsetzbar ist und welche Risiken sowie Chancen dieser Prozess für Bürger und Staaten birgt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine fundierte Literaturanalyse, wertet internationale Studien zur Bargeldnutzung aus und diskutiert ökonomische Konzepte sowie aktuelle regulatorische Entwicklungen in der EU und weltweit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die Chancen der Bargeldabschaffung, wie Effizienzsteigerung und Kriminalitätsbekämpfung, als auch die gravierenden Risiken, insbesondere in Bezug auf Datenschutz und systemische Sicherheit, detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Bargeldabschaffung, digitale Bezahlsysteme, Schattenwirtschaft, Negativzinsen, Bitcoins und Vollgeldinitiative.
Wie wirkt sich laut dem Autor eine Bargeldabschaffung auf die Geldpolitik aus?
Der Autor führt aus, dass Zentralbanken ohne Bargeld als physische Alternative zur Geldhaltung in der Lage wären, Negativzinsen ohne die Gefahr eines sogenannten "Bankenruns" deutlich effektiver durchzusetzen.
Welche Rolle spielt die Vollgeldinitiative für das beschriebene Szenario?
Die Vollgeldinitiative wird als ein Lösungsansatz diskutiert, der die Geldschöpfung wieder unter staatliche Kontrolle bringen soll, indem Banken verpflichtet würden, 100 Prozent ihrer Kundeneinlagen mit Zentralbankgeld zu decken.
Wie sicher sind alternative, rein digitale Währungen wie Bitcoin?
Der Autor weist darauf hin, dass Bitcoins zwar dezentral und fälschungssicher sind, jedoch durch extreme Kursvolatilität und das Fehlen einer staatlichen Einlagensicherung hohe Risiken für die Nutzer bergen.
- Quote paper
- Sebastian Bergmann (Author), 2016, Bargeldabschaffung. Chancen und Risiken auf internationaler Ebene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380659