Bargeldabschaffung. Chancen und Risiken auf internationaler Ebene


Bachelor Thesis, 2016
57 Pages, Grade: 2,0

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Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Grundlagen des Bargeldes
2.1 Entstehung des Bargeldes
2.2 Definition von Buchgeld
2.3 Funktionen des Bargeldes
2.4 Vor- und Nachteile des Bargeldes

3 Aktuelle weltweite Entwicklungen
3.1 Aktuelle Debatten in der Europäischen Union
3.2 Wichtige Informationen im internationalen Kontext

4 Chancen und Ziele einer Bargeldabschaffung
4.1 Offiziell genannte Gründe
4.2 Mögliche inoffizielle Gründe und Hintergründe

5 Voraussetzungen für eine mögliche Bargeldabschaffung

6 Mögliche Risiken und Nebeneffekte der Bargeldabschaffung
6.1 Entstehung von Schattenwährungen
6.2 Freiheitseinschränkung der Bürger
6.3 Sicherheitsrisiken bargeldloser Zahlungssysteme
6.4 Selbstkontrolle und Konsumverhalten der Bürger

7 Alternativen zum Bargeld
7.1 Reines Giralgeld - Digitale Bezahlsysteme am Beispiel Mobile Payment
7.2 Vollgeldinitiative in der Schweiz
7.3 Virtuelle Währungen am Beispiel Bitcoins

8 Zukünftige Rolle des Bargeldes als Zahlungsmittel

9 Anhang

10 Literaturverzeichnis

Kurzfassung

Bargeld ist seit Jahrhunderten eine wichtige Grundlage für das wirtschaftliche Handeln zwischen Unternehmen und Verbrauchern. Verträge zum Kauf- oder Verkauf von Gütern und Dienstleistungen werden geschlossen und über Zahlungen abgewickelt. Dabei sind Banknoten und Münzen kontinentübergreifend, trotz eines unterschiedlichen Zahlungsverhaltens, ein stark verbreitetes und genutztes Zahlungsmittel. Als dieses ist Bargeld eine Grundvoraussetzung wirtschaftlichen Wohlstandes. Dessen Fortbestand wird dennoch von diversen, renommierten Wirtschaftsakteuren seit geraumer Zeit in Frage gestellt. Laut diesen wird durch eine Bargeldabschaffung unter anderem die organisierte Kriminalität eingeschränkt und der Handlungsspielraum von Zentralbanken erweitert. Diese Chancen bilden, zusammen mit der Analyse der Risiken, einen Kernpunkt dieser Arbeit. Denn der Mensch ist in modernen, vernetzten Gesellschaften bereits in hohem Maße kontrollierbar und würde noch transparenter für Unternehmen und Staaten werden. Ebenso kann eine hohe Anfälligkeit der Netze, insbesondere durch gesteigerte digitale Zahlungen, zu Sicherheitsrisiken führen. Auch deshalb werden gewisse Voraussetzungen thematisiert, die im Vorfeld einer Bargeldabschaffung, geschaffen werden müssten. Die Tatsache, dass elektronische Zahlungsformen und neue innovative Technologien immer stärker als Alternativen zu Verfügung stehen, lässt eine Abschaffung des Bargeldes trotz allem in greifbare Nähe erscheinen. Inwiefern diese tatsächlich möglich ist und in welchem zeitlichen Horizont diese vollzogen werden könnte, soll in dieser Ausarbeitung aufgezeigt werden.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit der theoretischen Möglichkeit einer Abschaffung des Bargeldes. Diese hätte deutliche Auswirkungen auf die Wirtschafts- und Finanzwelt, da aktuell noch erhebliche Teile des wirtschaftlichen Handels auf der Grundlage von Bargeld basieren. Diverse Ökonomen und Wirtschaftsakteure, wie der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger und der amerikanische Ökonom Kenneth Rogoff, stellen seinen Fortbestand seit geraumer Zeit in Frage. Eine Bargeldabschaffung hat laut ihnen verschiedene Ziele, wie zum Beispiel Terrorismusfinanzierung und illegale Geschäfte zu erschweren.[1] Auch der Handlungsspielraum für die Geldpolitik würde durch einen solchen Schritt erweitert werden, in dem negative Zinsen umfassend durchgesetzt werden könnten. Hiermit dürfte sich auch eine Ankurbelung der Konjunktur ergeben.[2]

Zu Beginn soll sich der Leser einen Überblick über die Grundlagen von Geld verschaffen. Wie ist es entstanden, wozu dient es und welche Vor- und Nachteile bietet es. Um einen tieferen Einblick in die Schaffung des Geldes zu gewinnen und Hintergründe über aktuelle Entwicklungen in der EU und im internationalen Kontext zu erfahren, werden im dritten Kapitel grundsätzliche Unterschiede erläutert. In dieser Arbeit wird exemplarisch immer wieder auf die unterschiedlichen Zahlungsverfahren der verschiedenen Nationen eingegangen. Diese Informationen bauen auf einer internationalen Studie zur Bargeldnutzung auf. Durch die starke Globalisierung und resultierender starker Vernetzung von Staaten, Unternehmen, Notenbanken und Privatpersonen, sind die Zusammenhänge und Hintergründe komplex. Ein Kernpunkt besteht in der Analyse von Chancen und Risiken einer möglichen Bargeldabschaffung. Die Chancen einer Bargeldabschaffung im vierten Kapitel stehen im Einklang mit den Zielen, die hiermit verfolgt werden. Um eine Abschaffung des Bargeldes überhaupt zu ermöglichen, müssten zwingend einige allgemeine und technische Voraussetzungen geschaffen werden. Anschließend werden in Kapitel sieben mögliche Alternativen zum bestehenden Bargeldsystem aufgezeigt. Speziell das Mobile Payment und die virtuelle Währung Bitcoin werden hier fokussiert, da in diesen elektronischen Innovationen die Chance besteht, das bestehende Wirtschafts- und Finanzsystem stark zu verändern. Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit werden abschließend zusammengefasst und auf die zukünftige Rolle des Bargeldes eingegangen.

Grundsätzlich nimmt diese Ausarbeitung vielmals Bezug auf europäische Länder und Studien der Europäischen Zentralbank, sowie der Deutschen Bundesbank. Dennoch werden immer wieder internationale Entwicklungen eingestreut.

2 Grundlagen des Bargeldes

2.1 Entstehung des Bargeldes

Die Historie des heutigen Zahlungsmittels begann vor vielen tausenden Jahren und hat sich immer wieder den aktuellen Verhältnissen angepasst. Den Anfang machte das Waren- oder Naturgeld, das über Tauschgeschäfte abgewickelt wurde. Der Tausch von Ware gegen Ware schränkte allerdings viele Geschäfte stark ein, da nicht immer passende Tauschgegenstände vorhanden waren. Mehrere Tauschvorgänge zwischen unterschiedlichen Personen, um das passende Gut zu erhalten, verlängerten den Bezahlvorgang und erhöhten somit auch die Kosten. Aufgrund dessen haben sich bis zum 18. Jahrhundert Edelmetalle, allen voran Gold und Silber, aber auch Bronze und Kupfer, als neues Zahlungsmittel etabliert. Diese haben den Vorteil, dass sie nur in begrenzter Menge zur Verfügung stehen, wenig Lagerfläche benötigen, leicht teilbar sind und nicht verderben.[3]

Mit dem Aufkommen von Papiergeld änderte sich jedoch die Bedeutung und Verbreitung von Gold- und Silbermünzen. Im Jahre 1483 wurden in Spanien, erstmals in Europa, Papierscheine als Ersatz für fehlende Münzen eingesetzt. Diese beruhten auf dem Vertrauen, dass das Papier ein Wechsel war, der jederzeit in Silber- und später nur noch in Goldmünzen, eingetauscht werden konnte. Mit der internationalen Verbreitung des Papiergeldes begannen auch die Gründungen diverser Notenbanken. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde daraufhin ein Abkommen zwischen 44 Staaten, darunter alle großen Industrienationen, geschlossen. In diesem sogenannten Bretton-Wood-Abkommen wurde der Goldstandard international festgelegt. Die Zentralbanken, als Herausgeber der Geldscheine, mussten garantieren eine entsprechende Menge Gold zu besitzen. Diese Menge musste auf Verlangen des Papiergeldbesitzers, ab einer bestimmten gesetzlich festgelegten Mindestsumme, eingetauscht werden. Das Vertrauen in Papiergeld beruhte in dieser Zeit darauf, dass ausreichende Goldbestände in den Zentralbanktresoren vorhanden waren. Deshalb wurde es auch als gedecktes Papiergeld bezeichnet.[4]

Die Aufkündigung des Bretton-Woods-Abkommens im Jahre 1971 durch den US-Präsidenten Richard Nixon, führte in den Folgejahren zu der weltweiten Aufgabe des Goldstandards. Die Währungen waren von dort an nicht mehr durch Gold gedeckt und die Zentralbanken aller Länder dadurch in die Lage versetzt, sehr einfach Geldwerte zu schaffen. Hierdurch wurde unser heutiges Papiergeldsystem geschaffen und Währungen wurden zu Fiat-Währungen (fehlende Deckung der Währung durch reale Werte). Das Vertrauen der Bürger in die Kreditwürdigkeit ihrer Regierung bildet die Grundlage des Systems des ungedeckten Papiergeldes.[5]

Dabei ist die Zentralbank des jeweiligen Landes als alleinige Instanz damit betraut, Münzen und Scheine herauszugeben. Im Bundesbankgesetz §14 steht geschrieben, dass Euro-Banknoten und Umlaufmünzen das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland sind. Diese werden von den nationalen Notenbanken herausgegeben und überwiegend über die Geschäftsbanken in Umlauf gebracht. Sofern im Einzelfall nicht etwas anderes geregelt wird, kann niemand diese als gesetzliches Zahlungsmittel ablehnen.[6]

2.2 Definition von Buchgeld

Die Unterscheidung zwischen Bargeld und Buchgeld gewinnt in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und Ausweitung der Geldmenge immer stärker an Bedeutung. Bargeld besteht aus den, von der jeweiligen Notenbank emittierten, umlaufenden Banknoten und Münzen. Den Geschäftsbanken wird neben den Zentralbanken ebenfalls das Recht eingeräumt Geld zu schaffen, indem diese einen Kredit an einen Kunden vergibt und das Geld auf dessen Darlehenskonto gutschreibt. Durch simple Buchungsvorgänge kann Geld aus dem Nichts generiert werden. Dieses sogenannte Giral- oder Buchgeld hat die gleiche Kaufkraft wie Banknoten und Münzen.[7] Eine direkte rechtliche Regelung des Buchgeldes gibt es allerdings nicht, da es kein gesetzliches Zahlungsmittel darstellt. Eine übermäßige Buchgeldschöpfung durch die Geschäftsbanken könnte das vom Eurosystem verfolgte Ziel der Preisstabilität gefährden. Deshalb verfügt das Eurosystem über geldpolitische Instrumente wie die Mindestreservepflicht und die Offenmarktgeschäfte, die zur Gewährleistung von Preisstabilität eingesetzt werden können. Die Mindestreserveverpflichtungen führen dazu, dass Banken die von Ihnen vergebenen Kredite durch Guthaben bei der Zentralbank absichern müssen.[8]

Die Schöpfung von Buchgeld wurde in den vergangenen Jahren stark vereinfacht, sodass nur ein Bruchteil der von ihnen ausgereichten Darlehen mit Einlagen hinterlegt werden muss. Ein Beispiel hierfür ist die Senkung des Mindestreservesatzes durch die EZB im Jahre 2012 von zwei Prozent auf ein Prozent. Demnach kann ein vielfaches der hinterlegten Mindestreserve als Kredite vergeben werden.[9]

Mittlerweile werden ungefähr 80 Prozent der Geldmenge in der Eurozone durch Geldinstitute geschaffen. Das in Umlauf gebrachte Buchgeld existiert nicht physisch, sondern lediglich elektronisch. Die nationalen Notenbanken stellen nur 20 Prozent des gesamten Geldes der EU her.[10] In Kapitel 7.2 wird durch die Erläuterung der Schweizer Vollgeld-Initiative näher auf dieses Thema eingegangen.

2.3 Funktionen des Bargeldes

Das Bargeld, als eine Erscheinungsform von Geld, erfüllt verschiedene volkswirtschaftliche Funktionen. In erster Linie ist es ein Tauschmittel, das den Austausch von Gütern vereinfacht. Hier gilt es als Maßstab oder Recheneinheit für den relativen Wert von Gütern und Dienstleistungen.[11] Außerdem ist es in den meisten Teilen der Welt das meist genutzte Zahlungsmittel zum Erwerb von Waren und Dienstleistungen. Als solches ist es allgemein akzeptiert und schafft somit eine Grundvoraussetzung des wirtschaftlichen Wohlstandes.[12]

Eine weitere Funktion des Geldes ist die Wertaufbewahrungsfunktion. Der Kauf und Verkauf von Gütern und Dienstleistungen kann zeitlich divergieren, wenn Waren nicht direkt getauscht werden müssen. Geld dient demzufolge als Speicher für einen späteren Eintausch. Insbesondere beim Sparen wird auf diese Funktion gesetzt. Denn durch Sparen wird Vermögen über die Zeit transferiert und bildet eine Reserve für den späteren Bedarf.[13]

Neben der Funktion als Wertaufbewahrung erscheint vielen Menschen, vorwiegend in Krisenzeiten, die Werterhaltungsfunktion als sehr wichtig. Üblicherweise steigt im Zuge von Finanzkrisen die Nachfrage nach Bargeld an. So verdoppelte sich der Banknotenumlauf zwischen Oktober 2007 und Oktober 2008. Die Deutsche Bundesbank zahlte allein im Oktober 2008 (dem Monat der Lehman-Pleite) Bargeld in Höhe von 11,4 Mrd. Euro aus.[14] Schlussendlich wird es auch als Instrument zur Ausgabenkontrolle und Haushaltsplanung sehr geschätzt.[15]

2.4 Vor- und Nachteile des Bargeldes

Weiterhin bringt Bargeld, neben den genannten Funktionen, noch einige grundsätzliche Vorteile für die Verbraucher mit. Das Bargeld gewährleistet Anonymität bei der Durchführung von Transaktionen. Demzufolge sind für Dritte Art und Umfang der zugrundeliegenden Transaktion nicht nachvollziehbar. Zusätzlich ermöglichen Barzahlungen dem Nutzer eine gute Kontrolle der Ausgaben und können das Kaufverhalten mindern. So ist Bargeld durch die physische Wertübertragung das transparenteste Zahlungsmittel.[16] Außerdem hat es einen einheitlichen Wert und ermöglicht eine sofortige und endgültige Vertragserfüllung ohne jede weitere Beteiligung von Dienstleistern.[17] Mit ihm sind schnelle Zahlungen möglich und es wird von den Nutzern als sicher und einfach deklariert.[18] Ein besonders wichtiger Vorteil ist, dass Bargeld auch ohne technische Infrastruktur bei Naturkatastrophen oder einem Stromausfall als Zahlungsmittel verwendet werden kann.[19] Des Weiteren benötigt der Gebrauch von Bargeld keine nennenswerten Zugangsbeschränkungen. Auch in Ländern, in denen Bürgern die Eröffnung eines Girokontos verwehrt bleibt, kann mit Banknoten und Münzen bezahlt werden.[20]

Neben den zahlreichen positiven Seiten an Bargeld existieren gleichwohl Nachteile. Beispielsweise fanden Wissenschaftler der Universität Oxford heraus, dass sich auf einer durchschnittlichen Banknote etwa 26.000 potentiell gesundheitsschädliche Bakterien befinden.[21] Diese könnten diverse Krankheiten verursachen. Des Weiteren entsteht, insbesondere durch die Aufbewahrung von größeren Mengen an Bargeld im Eigenheim, ein Risiko für die Bürger. Es kann zu Bränden, Diebstählen und dem Verlust von Banknoten kommen. Hinzu kommt die Möglichkeit des Diebstahls von Bargeld aus der Geldbörse. Als weiterer Nachteil führt Bargeld zu hohen Transaktionskosten. Beginnend mit der Herstellung durch die nationalen Notenbanken, kommen Kosten für die Bargeldhaltung und die Belieferung durch die Dienstleister hinzu. Diese werden zumindest teilweise durch Unternehmen, in Form von höheren Produktpreisen, umgelegt und somit an die Kunden weitergegeben.[22] Das Bargeld, insbesondere die Banknoten, können außerdem durch kriminelle Strukturen gefälscht werden. Durch die Hinzuführung dieser Fälschungen entsteht der Bevölkerung des jeweiligen Landes ein Schaden. Das Falschgeldaufkommen ist im Euro-Währungsgebiet verhältnismäßig gering. Der Schaden durch gefälschte Banknoten betrug im Jahre 2015 39,1 Mio. Euro. Gemessen am Regu-
lärumlauf in Höhe von 1.100 Mrd. Euro sind dies nur 0,004 Prozent.[23]

3 Aktuelle weltweite Entwicklungen

In diversen Berichten von Wirtschaftsexperten und anderen Akteuren wird, auch vor dem Hintergrund einer wachsenden Verfügbarkeit bargeldloser Zahlungsmittel, über die zukünftige volkswirtschaftliche Bedeutung des Bargeldes diskutiert.[24] Hierunter fallen bekannte Namen wie Willem Buiter, Chefökonom der Citigroup, Wirtschaftsweise Peter Bofinger, Larry Summers ehemaliger Chefökonom der Weltbank oder ein US-Ökonom aus Harvard, Namens Kenneth Rogoff, der früher beim IWF tätig war. Diese und weitere Wirtschaftsexperten weisen auf die Vorteile einer bargeldfreien Welt hin. Selbst eine Institution wie die Bank of England forderte zuletzt die Abschaffung des Bargeldes.[25] In diesem Kapitel geht es zunächst darum, einige aktuelle Entwicklungen im europäischen Wirtschaftsraum aufzugreifen und danach einen Blick auf die internationale Ebene zu richten.

3.1 Aktuelle Debatten in der Europäischen Union

3.1.1 Diskussion über die Abschaffung größerer Banknoten und Kleinmünzen

In den letzten Jahren ist die Bekämpfung der organisierten Kriminalität, der Schattenwirtschaft und der Steuerhinterziehung vermehrt in den Fokus der Politik gerückt. Deren Erfassung ist naturgemäß schwierig, da die Aktivitäten darauf abzielen im Verborgenen zu bleiben. In der EU ist eine aktuelle Debatte über die Abschaffung der 200- und 500-Euro-Banknoten entfacht. Im aktuellen Kontext der europäischen Politik wird trotz allem nicht über eine vollständige Bargeldabschaffung diskutiert. Im Mittelpunkt stehen vielmehr eine Beschränkung der Barzahlungen am Verkaufspunkt, sowie die Abschaffung von Kleinmünzen und der größten Banknoten.[26]

Grundsätzlich wird darauf hingewiesen, dass Bargeld, insbesondere in größeren Denominationen, leicht und gut zu transportieren ist und nicht zum Ursprung zurückverfolgt werden kann. Die Abschaffung der größten Banknoten soll demnach helfen Steuerhinterziehung und Kriminalität zu bekämpfen.[27] So sieht man am Beispiel der Steuerhinterziehung, dass das Transportieren von größeren Summen an Bargeld in kleineren Scheinen aufgrund des erhöhten Platzbedarfes deutlich unattraktiver ist. Im Hinblick auf kriminelle Energien wird auf die hohe Bargeldhaltung verwiesen. Schätzungen zufolge werden nur 25 bis 35 Prozent der Euro-Bargeldmenge für inländische Transaktionen genutzt. Die restliche Bargeldmenge wird gehortet oder zirkuliert außerhalb der Eurozone.[28] Da zusätzlich rund ein Drittel des Euro-Bargeldumlaufs aus 500-Euro-Banknoten besteht und diese selten genutzt werden, schließen die Bargeldkritiker auf einen großen Umfang an unerwünschten Aktivitäten.[29] Dies gilt auch im Vergleich zu Ländern außerhalb der EU, wie Japan oder den USA. Der Bargeldbetrag pro Bürger, egal ob Mann, Frau oder Kind, liegt in Amerika bei nahezu 4.000 US Dollar. Hier werden sogar über 80 Prozent des Bargeldumlaufs in großen Banknoten gehalten.[30]

Allerdings ist zu beachten, dass auch einige Punkte für die weitere Bereitstellung der größten europäischen Notengrößen sprechen. Sie können zum einen für einmalige, hochwertige Zahlungen sehr nützlich sein. Zusätzlich werden die Banknoten in hoher Stückelung in besonderem Ausmaß für die Wertaufbewahrung verwendet. Ein Aspekt, der ebenfalls eine zu geringe Beachtung in dieser Diskussion findet, ist die Tatsache, dass auch Banknoten kleineren Nennwerts für unwillkommene Aktivitäten verwendet werden. Diese würden sich, bei einer reinen Abschaffung der 200- und 500-Euro-Banknoten, auf kleinere Denominationen verlagern. Deshalb würde in diesen Konstellationen vermeintlich nur eine Abschaffung der gesamten Banknoten Erfolg versprechen.[31]

Dessen ungeachtet hat die EZB in ihrer letzten Ratssitzung am 04. Mai 2016 beschlossen, ab Ende 2018 den Druck von 500-Euro-Scheinen einzustellen. Die im Umlauf befindlichen Scheine bleiben laut EZB auch im Nachgang gesetzliches Zahlungsmittel und können unbegrenzt eingetauscht werden. Durch diesen Schritt werden diese langsam aus dem Verkehr gezogen.[32] Für die Bürger ergeben sich, durch die beschlossene sukzessive Abschaffung der 500-Euro-Banknote, keine wesentlichen Veränderungen. Denn für große Zahlungen wird ohnehin selten Bargeld genutzt. Für Kleinbetragszahlungen wird zwar meist Bargeld verwendet, doch bei höherpreisigen Einkäufen wird oftmals auf unbare Zahlungsinstrumente zurückgegriffen.[33] Dies unterstreicht eine Analyse über das Zahlungsverhalten in Deutschland von der Deutschen Bundesbank. Bei Zahlungen bis zu einem Transaktionswert in Höhe von 20 Euro, werden nur circa 4 Prozent mit unbaren Zahlungsmitteln beglichen, wohingegen die Anzahl ab 500 Euro Transaktionswert auf circa 76 Prozent ansteigt.[34] Die Abschaffung der größten Banknote ist also für die Bevölkerung keine Tragödie. Dies ist auch daran zu erkennen, dass in anderen Nationen die Banknoten bereits deutlich kleiner gestückelt sind. In Großbritannien liegt die größte Note seit vielen Jahren bei 50 Pfund und im Falle der Vereinigten Staaten von Amerika bei 100 US Dollar.[35]

Zusätzlich schlagen einige Wirtschaftsexperten die Abschaffung von 1- und 2-Cent-Münzen und eine Einführung einer Rundungsregel vor. In dieser aktuellen Diskussion geht es um eine mögliche Kostensenkung des Zahlungsverkehrs. Hierbei wird auf andere Länder im Euro-Währungsgebiet, wie die Niederlande oder Dänemark, die eine Rundungsregel einsetzen, verwiesen. In diesen wird der Rechnungsbetrag bei Transaktionen üblicherweise auf 5 Cent auf- oder abgerundet. Die Kleinmünzen werden überwiegend benötigt, um im Handel Wechselgeld auf den Cent genau herauszugeben. Ein Verzicht auf die kleineren 1- und 2-Cent-Münzen könnte den baren Zahlungsverkehr für den Handel erleichtern und auch zu einer Kosteneinsparung führen.[36] Diese These wurde vom EHI Retail Institute, in einer im Auftrag der Deutschen Bundesbank durchgeführten Studie, widerlegt. In Anlehnung an den Nutzenvergleich, stehen die geringfügig verringerten Logistikkosten dem erhöhten Bedarf von 5- und 10 Cent Münzen der Rundungsregel gegenüber. Resultierend und unter Berücksichtigung, dass andere Stückelungen erhöhten Absatz erfahren, entsteht hier keine erhebliche Kostenreduktion.[37] Auch bei den betroffenen Parteien herrscht ein uneinheitliches Bild bei den Befragungen. In einer allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Europäischen Kommission im Jahre 2015 ergab sich

[...]


[1] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 25.

[2] Vgl. Rogoff (2014), S. 2 f.

[3] Vgl. Kerscher (2014), S.23 f.

[4] Vgl. Kerscher (2014), S.24 ff.

[5] Vgl. Kerscher (2013), S. 29 ff.

[6] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 27 f.

[7] Vgl. Deutsche Bundesbank (2016a), S. 4.

[8] Vgl. Deutsche Bundesbank (2016b), S. 1.

[9] Vgl. Kerscher (2013), S. 32 ff.

[10] Vgl. Karwat (2016), S. 1 f.

[11] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 26.

[12] Vgl. Deutsche Bundesbank (2016a), S.1.

[13] Vgl. Deutsche Bundesbank (2016a), S.1.

[14] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 34 f.

[15] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 31.

[16] Vgl. Soman (2001), S. 460 f.

[17] Vgl. Krüger/ Seitz (2015), S. 10.

[18] Vgl. Krüger/ Seitz (2015), S. 9-12.

[19] Vgl. Winter/ Wörlen (2015), S. 522.

[20] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 32.

[21] Vgl. Siedenbiedel (2014), S. 1.

[22] Vgl. Trütsch (2016), S. 1 f.

[23] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 28.

[24] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 25.

[25] Vgl. Von Pax (2015), S. 2.

[26] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 25.

[27] Vgl. Rogoff (2014), S. 12.

[28] Vgl. Fischer/ Köhler/ Seitz (2004), S. 4.

[29] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 34.

[30] Vgl. Rogoff (2014), S. 5.

[31] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 38.

[32] Vgl. European Central Bank (2016), S. 1.

[33] Vgl. Deutsche Bundesbank (2014), S. 45.

[34] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 30.

[35] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 37.

[36] Vgl. Deutsche Bundesbank (2015), S. 39.

[37] Vgl. Horst (2015), S. 52.

Excerpt out of 57 pages

Details

Title
Bargeldabschaffung. Chancen und Risiken auf internationaler Ebene
College
University of Applied Sciences - Bonn
Grade
2,0
Author
Year
2016
Pages
57
Catalog Number
V380659
ISBN (eBook)
9783668609129
ISBN (Book)
9783956872143
File size
1101 KB
Language
German
Tags
Neue Welt, Giralgeld, Bitcoins, Bargeldabschaffung, Zahlungsmittel, Geld
Quote paper
Sebastian Bergmann (Author), 2016, Bargeldabschaffung. Chancen und Risiken auf internationaler Ebene, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380659

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