In den 1990er Jahren war Afrika Schauplatz schwerer gewaltsamer innerstaatlicher und regionaler Konflikte, die die internationale Gemeinschaft wiederholt zu militärischen und humanitären Interventionen veranlasste. Die relative Entspannung der sicherheitspolitischen Lage und die Ereignisse vom 11 September 2001 führten jedoch zu einer nur kurzzeitigen Abkehr vom Kontinent, denn nicht erst seit der Flüchtlingskrise 2015 weiß man in der EU, dass gewaltsame Auseinandersetzungen und Instabilität in Afrika direkte und indirekte Auswirkungen auf die europäische Sicherheit haben.
Für die Bewältigung ihrer in der ESS von 2003 genannten globale Herausforderungen und Bedrohungen können (sub-)regionale Akteure in anderen Weltregionen relevant sein. In Afrika, dem am meisten von Konflikten und Instabilität gekennzeichneten Kontinent, übernehmen seit Längerem unterschiedliche Sicherheitsorganisationen auf regionaler, wie die AU, und auf subregionaler Ebene, wie beispielsweise die ECOWAS und die IGAD, eine wichtige Rolle bei der Schaffung von Frieden, Sicherheit und Stabilität. Die potenzielle Bedeutung, die die von der AU 2004 geschaffene und die (sub-)regionalen Organisationen zusammenführende Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur (AFSA) für die europäische Sicherheit hat, darf daher nicht unterschätzt werden.
Das Erkenntnisinteresse der Arbeit besteht in der Analyse der Bedeutung der AFSA und der sie integrierenden (sub-)regionalen Akteure für die europäische Sicherheit. Die Forschungsfrage lautet daher: „Welche Rolle spielt die AFSA und die sie formierenden (sub-)regionalen sicherheitspolitischen Akteure für die europäische Sicherheit?“. Grundlage der Analyse sind theoretische Betrachtungen zum (neo-)liberalen Institutionalismus, der die zentrale Rolle von Institutionen in den internationalen Beziehungen anerkennt.
An den darauffolgenden Teil zur verwendeten Methodik schließt sich die Vorstellung der in der ESS formulierten europäischen Sicherheitsinteressen an, die als Referenzpunkte zur Bewertung der AFSA und der (sub-)regionalen Akteure dienen sollen. Im Analyseteil soll nach einer Darstellung der AFSA anhand von drei Beispielen (Somalia, Sudan und Mal) gezeigt werden, inwieweit die (sub-)regionalen Akteure Hauptbedrohungen der europäischen Sicherheit bekämpfen konnten. Im Anschluss an die Diskussion der Stärken und Schwächen der AFSA und ihre Relevanz für die EU sollen in den Schlussbetrachtungen Handlungsempfehlungen für die EU gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. THEORIE
3. METHODE
4. EUROPÄISCHE SICHERHEITSINTERESSEN UND (SUB-)REGIONALE ORGANISATIONEN
5. DIE BEDEUTUNG VON REGIONALORGANISATIONEN FÜR DIE EUROPÄISCHE SICHERHEIT: AFRIKANISCHE SICHERHEITSARCHITEKTUR IM ZEICHEN DES AFRICAN OWNERSHIP
5.1 Die Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur: Institutioneller Aufbau, Akteure und African ownership-Prinzip
5.2 Peacekeeping in Afrika seit 2003: Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme?
5.2.1 Von der subregionalen zu regionalen Ebene: IGAD (IGASOM-Mission) und AU (AMISOM) in Somalia
5.2.2 Von der regionalen zur globalen Ebene: AU (AMIS-Mission) und UN (UNMIS-Hybridmission) im Sudan
5.2.3 Von der subregionalen zur regionalen und globalen Ebene: ECOWAS (MICEMA-Mission), AU (AFISMA-Mission) und UN (MINUSMA-Mission) in Mali
5.3 Diskussion: Bilanz zur Afrikanischen Sicherheitsarchitektur und Relevanz für die EU
6. SCHLUSSBETRACHTUNGEN
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Bedeutung der Afrikanischen Friedens- und Sicherheitsarchitektur (AFSA) sowie der involvierten (sub-)regionalen Akteure für die europäische Sicherheit, um zu klären, inwieweit diese Strukturen zur Bewältigung sicherheitspolitischer Bedrohungen beitragen können.
- Analyse des (neo-)liberalen Institutionalismus im afrikanischen Sicherheitskontext.
- Untersuchung der europäischen Sicherheitsinteressen im Hinblick auf afrikanische Konfliktregionen.
- Evaluierung der AFSA anhand der Fallbeispiele Somalia, Sudan und Mali.
- Diskussion des African ownership-Prinzips bei der Krisenbewältigung.
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die Europäische Union.
Auszug aus dem Buch
5.2 Peacekeeping in Afrika seit 2003: Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme?
Die Charta der Vereinten Nationen erkennt die zentrale Rolle (sub-)regionaler Organisationen für die Wahrung von Frieden und Sicherheit in der Welt an. So heißt es im Kapitel VIII, Artikel 52 (1) und (2):
Diese Charta schließt das Bestehen regionaler Abmachungen oder Einrichtungen zur Behandlung derjenigen die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit betreffenden Angelegenheiten nicht aus, bei denen Maßnahmen regionaler Art angebracht sind; Voraussetzung hierfür ist, da[ss] diese Abmachungen oder Einrichtungen und ihr Wirken mit den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen vereinbar sind. (UNRIC)
Mitglieder der Vereinten Nationen, die solche Abmachungen treffen oder solche Einrichtungen schaffen, werden sich nach besten Kräften bemühen, durch Inanspruchnahme dieser Abmachungen oder Einrichtungen örtlich begrenzte Streitigkeiten friedlich beizulegen, bevor sie den Sicherheitsrat damit befassen. (UNRIC)
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung erläutert das Erkenntnisinteresse an der AFSA und definiert die Forschungsfrage bezüglich deren Rolle für die europäische Sicherheit.
2. THEORIE: Dieses Kapitel verortet die Rolle regionaler Organisationen im Rahmen des (neo-)liberalen Institutionalismus und der Theorie der zwischenstaatlichen Kooperation.
3. METHODE: Es wird der methodische Ansatz einer qualitativen Fallstudie (Most Similar Systems Design) zur Untersuchung der AFSA-Missionen dargelegt.
4. EUROPÄISCHE SICHERHEITSINTERESSEN UND (SUB-)REGIONALE ORGANISATIONEN: Das Kapitel analysiert die ESS und definiert, warum afrikanische Stabilität für die europäische Sicherheitsstrategie von zentraler Bedeutung ist.
5. DIE BEDEUTUNG VON REGIONALORGANISATIONEN FÜR DIE EUROPÄISCHE SICHERHEIT: AFRIKANISCHE SICHERHEITSARCHITEKTUR IM ZEICHEN DES AFRICAN OWNERSHIP: Der Hauptteil untersucht mittels Fallstudien (Somalia, Sudan, Mali) die Effektivität und die institutionellen Herausforderungen der afrikanischen Sicherheitsarchitektur.
6. SCHLUSSBETRACHTUNGEN: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und formuliert Handlungsempfehlungen für die EU zur Stärkung der afrikanischen Partner.
Schlüsselwörter
Afrikanische Friedens- und Sicherheitsarchitektur, AFSA, European Union, EU, African ownership, Peacekeeping, Konfliktbearbeitung, Somalia, Sudan, Mali, Sicherheitsstrategie, Institutionen, Multilateralismus, Krisenprävention, Failed States.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Effektivität der afrikanischen Sicherheitsstrukturen bei der Bewältigung von Konflikten und deren Auswirkung auf die europäische Sicherheit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die AFSA, das Prinzip des African ownership, regionale Sicherheitskooperationen in Afrika sowie die sicherheitspolitischen Strategien der Europäischen Union.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, welche Rolle die AFSA und ihre Akteure bei der Bekämpfung von Sicherheitsbedrohungen spielen, die auch für Europa relevant sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine qualitative Fallstudie angewandt, die auf dem "Most Similar Systems Design" basiert, um die AFSA-Missionen in Somalia, Sudan und Mali vergleichend zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert den Aufbau der AFSA und untersucht anhand der drei Fallbeispiele deren praktische Umsetzung, Erfolge und Schwächen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind AFSA, African ownership, Peacekeeping, regionale Konfliktbearbeitung und europäische Sicherheitsstrategie.
Warum wurde die AFSA als Untersuchungsgegenstand gewählt?
Sie gilt als das ambitionierte, wenn auch noch nicht voll funktionsfähige Instrument, um afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme zu implementieren.
Welche Rolle spielt die EU bei der afrikanischen Sicherheitsarchitektur?
Die EU ist ein wichtiger Partner, der technisches und finanzielles Know-how liefert, da sie ein strategisches Interesse an einem stabilen und friedlichen afrikanischen Kontinent hat.
- Arbeit zitieren
- B.A. Josephine Susan Götze (Autor:in), 2017, Die Bedeutung afrikanischer Regionalorganisationen für die europäische Sicherheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380669