Der Sinn von Emotionen. Die Bedeutung unserer Gefühle für Evolution und Kommunikation


Bachelorarbeit, 2016
49 Seiten, Note: 1,3
Anonym (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Emotionen – Ein Definitionsversuch
2.1 Emotionen als multidimensionale Konstrukte zur Bewältigung des (Über-)Lebens
2.2 Emotionale Reaktionskomponenten
2.3 Abgrenzung von Emotionen gegenüber ähnlichen affektiven Zuständen

3 Emotionen als universelle Produkte der Evolution
3.1 Evolution – Eine Übersicht über den Fortgang der stammesgeschichtlichen Entwicklung
3.2 Thematische Einführung
3.3 Evolutionäre Annahmen Darwins
3.4 Phylogenetische Entwicklung von Emotionen
3.5 Funktionalität von Emotionen als adaptive Verhaltensweisen

4 Die Relevanz des nicht-sprachlichen Ausdrucks von Emotionen für die Körpersprache im rhetorischen Prozess
4.1 Grundlagen der Kommunikation respektive rhetorischem Prozess
4.2 Körpersprache und nicht-sprachliche Kommunikation
4.3 Nicht-sprachliche Kommunikationskanäle des emotionalen Ausdrucks
4.4 Intentionalität, Kommunikationsabsicht und Glaubwürdigkeit des körpersprachlichen Ausdrucks von Emotionen
4.5 Zusammenfassung: Emotionen als relevante körpersprachliche Ausdrucksmuster im rhetorischen Prozess

5 Fazit: Emotionen - Rudimentäre Adaptionen an vergangene Umweltbedingungen oder kommunikativ wirksame Mechanismen des sozialen Miteinanders?

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Lange Zeit wurde angenommen, dass es sich bei Emotionen um Zustände handelt, die auf den Menschen als 'animal rationale' destruktiv und zerstörerisch wirken, während heute weitestgehende Übereinstimmung darüber herrscht, dass die menschliche Spezies ohne Emotionen in der heutigen Form und Entwicklung nicht existieren würde. Vernunft und Emotionen werden in modernen Perspektiven nicht mehr als Gegen-, sondern Mitspieler betrachtet, die in Bezug auf verschiedene Situationen, Lebensumstände und Umweltereignisse unterschiedlich effektiv auf den Körper sowie dessen Ausdrucks- und Verhaltensweisen, Handlungstendenzen, die Richtung der Aufmerksamkeit und die Beeinflussung von Erinnerungen einwirken und somit das soziale sowie individuelle Leben organisieren.[1]

In der gegenwärtigen Forschung existieren verschiedene Theorien, Definitionen und Ansätze bezüglich der Entstehung, Funktion und des allgemeinen Nutzens von Emotionen für den Menschen in seiner heutigen Form des Daseins. In dieser Arbeit soll es primär darum gehen, die Entstehung von Emotionen als evolutionäre Mechanismen und dementsprechend aus evolutionsbiologischer Sicht darzustellen und zu beschreiben, ob und wie ihre nicht-sprachlichen Ausdruckscharakteristika für das sozial-kommunikative Miteinander gebraucht werden. Als zentrale Ausdruckscharakteristika emotionaler Zustände, welche „[...] Aufschluss über die Befindlichkeit des Sprechers bzw. seine Art, die gemeinsame Beziehung mit dem Zuhörer bzw. Gesprächspartner zu definieren“[2] geben, gelten hierbei insbesondere die Mimik und parasprachliche Eigenschaften der Stimme, die im Folgenden unter dem Begriff 'Körpersprache' subsumiert werden.

Zu Beginn dieser Bachelorarbeit sollen Emotionen und ihre grundlegenden Reaktionskomponenten allgemein definiert und von anderen affektiven Zuständen abgegrenzt werden. Im Anschluss erfolgt eine Darstellung von Emotionen als universelle Produkte der Evolution. Einführend wird die Funktionsweise der Evolution erläutert. Darauf folgt eine thematische Einführung in das Forschungsgebiet und die Annahmen evolutionsbiologischer Emotionstheorien und die Vorstellung der grundlegenden evolutionären Annahmen bezüglich der Entstehung von Emotionen durch Charles Darwins. Im Anschluss soll die phylogenetische Entwicklung von Emotionen erläutert und ihre Funktionalität als adaptive Verhaltensweisen dargestellt werden. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Relevanz des nicht-sprachlichen Ausdrucks von Emotionen für die Körpersprache im rhetorischen Prozess. Hier soll vor allem auf die sozial-kommunikative Funktion von Emotionen, welche im vorangegangenen Kapitel vorgestellt wurde, eingegangen werden. Zu Beginn werden die Grundlagen der Kommunikation respektive des rhetorischen Prozesses vorgestellt. An dieser Stelle gilt zu bemerken, dass diese Begriffe im Verlauf der Arbeit synonym verwendet werden und unter 'rhetorischem Prozess' hier nicht nur solche Akte zu verstehen sein sollen, die sich auf verbale Äußerungen beziehen, sondern vielmehr solche, die die soziale Interaktion im Gesamten einbeziehen. Anschließend sollen kurz körper- beziehungsweise nicht-sprachliche Kommunikationsformen sowie ihr Ursprung dargestellt werden. Im Weiteren sollen die zentralen nicht-sprachlichen Kommunikationskanäle emotionaler Zustände vorgestellt und ihre Charakteristika in einer Tabelle veranschaulicht werden. Darauffolgend wird die Intentionalität, Kommunikationsabsicht und Glaubwürdigkeit des körpersprachlichen Ausdrucks von Emotionen beschrieben. Im Anschluss soll eine Zusammenfassung die wichtigsten Erkenntnisse bezüglich der Relevanz von Emotionen als körpersprachliche Ausdrucksmuster im rhetorischen Prozess zusammentragen und die Frage diskutiert werden, ob Emotionen lediglich rudimentäre Adaptionen an vergangene Umweltbedingungen oder kommunikativ wirksame Mechanismen des sozialen Miteinanders darstellen.

2 Emotionen – Ein Definitionsversuch

2.1 Emotionen als multidimensionale Konstrukte zur Bewältigung des (Über-)Lebens

Im Allgemeinen dienen Emotionen und ihre rationalen Pendants,[3] die Kognitionen, dem individuellen Wohlbefinden sowie dem sozialen Zusammenleben,[4] weshalb sie gleichermaßen auf das Gros des menschlichen (Er-)Lebens sowie Denk- und Entscheidungsprozesse einwirken und sich in nahezu allen Bereichen der menschlichen Existenzerfahrung sowie Bewusstseinszuständen und Handlungsprozessen widerspiegeln.[5] Für den Menschen, der als Kombination aus intellektuellem und emotionalem Wesen charakterisiert wird, stellen Emotionen vor allem in überlebenswichtigen Situationen profitable übergeordnete Programme dar, die die Koordinierungsfunktion lebensnotwendiger Prozesse beziehungsweise Verhaltensreaktionen des Körpers übernehmen.[6] Im Gegensatz zu kognitiven Bewertungen, die im Neocortex[7] verarbeitet werden und die Wahrnehmung der Situation sowie Verhaltensreaktionen einer rationalen Abwägung unterziehen, welche im Kampf ums Überleben wichtige Sekunden und möglicherweise das Leben kosten, werden emotionale Reaktionen im limbischen System[8] verarbeitet, welches als Sitz der Emotionen den Zusammenhang sensorischer Wahrnehmungen und vegetativer Funktionen regelt.[9] Eingehende Reize werden hier schneller und nahezu unabhängig von bewussten Prozessen verarbeitet, da davon auszugehen ist, dass Emotionen und ihre Reaktionskomponenten evolutionsgeschichtlich vor allem deshalb konstruiert wurden, damit ein Organismus schnell auf überlebenswichtige Ereignisse innerhalb seiner komplexen Umwelt reagieren und seine Verhaltensweisen aufgrund stammesgeschichtlicher und biographischer Erfahrungen intuitiv steuern kann.[10] In einer Notsituation sind Emotionen als (human-) geschichtlich ältere Mechanismen der Hirnstruktur demnach nicht nur in der Lage, kognitiven Bewertungen voraus zu gehen, sondern besitzen auch die Fähigkeit, diese maßgeblich zu beeinflussen und zu überlagern.[11] Zusammengefasst lassen sie sich als multidimensionale Konstrukte, die kurzlebige und intensive, weitestgehend automatisierte beziehungsweise unwillkürliche und objektgerichtete physiologisch-psychologische[12] Reaktionen auf interne oder externe Reize darstellen, die größtenteils in älteren Hirnstrukturen wie dem limbischen System verarbeitet werden und durch spezifische Reaktionskomponenten gekennzeichnet sind.[13]

2.2 Emotionale Reaktionskomponenten

Nach der (unbewussten) Wahrnehmung eines angeborenen oder erlernten[14] Reizes beziehungsweise Auslöserinputs übernehmen Emotionen, wie bereits beschrieben, in Bezug auf persönlichkeitsrelevante Ereignisse als übergeordnete Programme die Koordinierungsfunktion lebensnotwendiger körperlicher Prozesse.[15] Sie bestehen aus spezifischen Reaktionskomponenten, die in Bezug auf die jeweilige Situation Entscheidungen und Verhaltensweisen maßgeblich beeinflussen, wobei grundsätzlich anzunehmen ist, dass diese Reaktionskomponenten einer gewissen Reaktionskohärenz unterliegen und somit als komplexe Emotionsmechanismen funktionell ineinandergreifen:[16] „'An emotion is not reducible to one category of effects, such as effects on physiology, behavioral inclinations, cognitive appraisal, or feeling states, because it involves evolved instructions fo all of them together.'“[17]:

1. Erlebniskomponente: Als Erlebniskomponente werden verbalisierbare subjektive Empfindungen bezeichnet, die prinzipiell lediglich dem jeweiligen Individuum zugänglich sind und die Qualität beziehungsweise Intensität der gefühlten Emotion betreffen.
2. Kognitive Komponente: Kognitive Komponenten beziehen sich einerseits auf die Wahrnehmung, Einschätzung und Bewertung einer emotionsauslösenden Situation, welche in der Regel unabhängig vom Bewusstsein des Lebewesens erfolgt, und andererseits auf die anschließende bewusste Aus- und Verarbeitung sowie emotionale Markierung ebendieser vorangegangen Situation.
3. Physiologische Komponente: Die physiologische Komponente bezieht sich auf emotionsspezifische (Aktivitäts-)Veränderungen des autonomen Nervensystems und die damit einhergehende Regulation überlebenswichtiger Körperfunktionen. Die meisten physiologischen Erregungsmuster verursachen sowohl von außen wahrnehmbare (z.B. Schweiß, Rötung, Piloerektion), als auch nicht-wahrnehmbare (z.B. Hemmung des Magen-Darm-Trakts, Ausschütten von Hormonen) (Aktivitäts-)Veränderungen und dienen in erster Linie der angemessenen neurophysiologischen sowie motorischen Reaktion auf Umweltereignisse.[18]
4. Ausdruckskomponente: Unter Ausdruckskomponente versteht man von außen wahrnehmbare motorische Verhaltenserscheinungen, die sich vor allem im Gesicht und der Stimme, aber auch in Gestik und Körperhaltung sowie -orientierung niederschlagen können. Verschiedene expressive Verhaltensaspekte, insbesondere der Stimme und Mimik, lassen sich relativ spezifisch verschiedenen emotionalen Zuständen zuordnen und dienen somit nicht nur der individuellen Verhaltensreaktion, sondern auch der Kommunikation des inneren Zustands, der Handlungsabsicht sowie der Beeinflussung des Interaktionspartners und somit dem sozialen Miteinander.
5. Motivationale Komponente: Die motivationale Komponente bezieht sich in erster Linie auf die Neuorientierung und Re-Organisation der bisherigen Handlungsweisen und Verhaltensentscheidungen in Abhängigkeit der emotionauslösenden Situation. Auch sie kann wahrgenommen und gegebenenfalls interpretiert werden.[19]

2.3 Abgrenzung von Emotionen gegenüber ähnlichen affektiven Zuständen

Neben Emotionen gelten vor allem Stimmungen, Gefühle, emotionale Störungen und Persönlichkeitseigenschaften als affektive Zustände. Während Emotionen relativ kurz andauernde, zeitlich begrenzte, intensive und objektgerichtete Reaktionen auf einen internen oder externen Reiz darstellen, gelten Stimmungen als diffuse affektive Zustände von geringer Intensität, die zeitlich im Bereich von Tagen, Wochen und Monaten anzusiedeln und meist objektlos sind.[20] Gefühle hingegen gelten als Komponenten einer Emotion, die sich auf das subjektive Erleben respektive das individuelle Empfinden beziehen und somit an die kognitive Fähigkeit der Selbstwahrnehmung gekoppelt sind.[21] Als emotionale Störungen werden in der Regel Angstzustände oder Depressionen bezeichnet, bei denen das innere Milieu schwerwiegend aus dem Gleichgewicht geraten ist. Sie können zwischen Wochen, Monaten und Jahren andauern und das Individuum stark einschränken.[22] Persönlichkeitseigenschaften bezeichnen lebenslange Zustände, die sich im Laufe der Ontogenese und Sozialisation entwickeln und den Menschen sowie sein Verhalten als individuelles Wesen auszeichnen.[23]

3 Emotionen als universelle Produkte der Evolution

3.1 Evolution – Eine Übersicht über den Fortgang der stammesgeschichtlichen Entwicklung

Die (biologische) Evolution gilt als zentrale Theorie der Biologie und als maßgeblich durch Charles Darwin sowie dessen Werk 'On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life' (1859) geprägt.[24] Sie widerspricht dem zur damaligen Zeit geltenden Prinzip der 'Konstanz der Arten', welches durch den Kreationismus geprägt ist, durch die Idee der natürlichen Selektion aufgrund der Existenz der Variation erblicher Merkmale.[25] Das Konzept der natürlichen Selektion basiert auf der Annahme, dass genetisch besser an die Umwelt angepasste Organismen höhere Überlebens- und Fortpflanzungschancen haben und somit eine höhere 'individuelle Fitness'[26] besitzen, weshalb sie dem Druck der natürlichen Auslese standhalten können.[27] Der Überfluss, also die Geburt von mehr Nachkommen als zum Erhalt der Population notwendig, sowie die Variation, das heißt, die durch Mutation, Gendrift oder genetische Rekombination bessere Angepasstheit an gegenwärtige Umweltbedingungen einiger Lebewesen einer Art von Geburt an, führen zu einem sogenannten 'survival of the fittest'.[28] Hierunter versteht man einen Wettkampf um Ressourcen, das Überleben und die Fortpflanzung, in dem der besser angepasste Organismus positiv selektiert wird, wohingegen Artgenossen, die bestimmte genetische Merkmale der Umweltanpassung nicht aufweisen, negativ selektiert werden.[29] Durch die Weitergabe des Erbgutes positiv selektierter Organismen über Generationen hinweg wird die Beschaffenheit einer Art so verändert, dass diese im Gesamten zunehmend besser an ihre Umwelt angepasst ist.[30]

Vom heutigen Standpunkt und in Bezug auf Emotionen ist es wichtig zu beachten, dass evolutive Mechanismen, insbesondere solche, die sich auf psychologische Strukturen beziehen, innerhalb der vergleichsweise kurzen Zeit des menschlichen Fortgangs einem langsamen und konservativen Entwicklungsprozess unterliegen.[31] Demzufolge entspricht die gegenwärtige menschliche Ausstattung größtenteils derer unserer stammesgeschichtlichen Vorfahren und deren Umweltbedingungen, sodass viele biologische Verhaltensprogramme, die einst nützliche und überlebenswichtige Funktionen hatten, unter gegenwärtigen Umwelteinflüssen und in Anbetracht der raschen kulturellen Entwicklung[32] nicht mehr adaptiv sein müssen.[33]

[...]


[1] Vgl.: Schwarz-Friesel, Monika: Sprache und Emotion. 2., aktualisierte und erweiterte Auflage; Tübingen [u.a.]: Francke 2013, S. 2, 4, 44. Künftig zitiert: Schwarz-Friesel 2013; Döring, Sabine A.: Emotion und Reflexion – Was zeichnet menschliche Gefühle aus. In: Fink, Helmut; Rosenzweig, Rainer [Hrsg.]: Das Tier im Menschen: Triebe, Reize, Reaktionen. Münster: Mentis 2013, S. 144. Künftig zitiert: Döring 2013; Frijda, Nico H.: Emotions Are Functional, Most of the Time. In: Ekman, Paul [Hrsg.]; Averill, James H.: The nature of emotion : fundamental questions. New York [u.a.]: Oxford Univ. Press 1994, S. 121. Künftig zitiert: Frijda 1994; Evans, Dylan: Emotionen: Eine sehr kurze Einführung. Bern: Huber 2013, S. 45ff., 128, 135f., 144. Künftig zitiert: Evans 2013.

[2] Jaskolski, Ernst W.; Pabst-Weinschenk, Marita: Körpersprache. In: Pabst-Weinschenk, Marita [Hrsg.]: Grundlagen der Sprechwissenschaft und Sprecherziehung : mit 15 Tabellen. 2., überarbeitete Auflage; München [u.a.]: Reinhardt 2011, S. 56. Künftig zitiert: Jaskolski; Pabst-Weinschenk 2011.

[3] Anmerkung: Bis heute besteht kein übereinstimmender Konsens bezüglich einer allgemein akzeptierten Definition von Emotionen, was vor allem an den vielfältigen theoretischen Blickwinkeln und Forschungsinteressen sowie der Flüchtigkeit und Komplexität des Phänomens liegt. Verschiedene Definitionen finden sich bspw. bei: Schwarz-Friesel 2013, S 43-48; Folkersma, Petra: Emotionen im Spannungsfeld zwischen Körper und Kultur : eine kognitiv-semantische Untersuchung von Aspekten der Motiviertheit körperbezogener phraseologischer Einheiten aus dem Denotatbereich "Emotion" ; an Beispielen des idiomatischen Gefühlsausdrucks für Wut, Angst und Liebe. Frankfurt am Main [u.a.]: Lang 2010, S. 149-151. Künftig zitiert: Folkersma 2010; Plutchik, Robert: Emotion: a psychoevolutionary synthesis. New York [u.a.]: Harper & Row 1980, S. 81-83. Künftig zitiert: Plutchik 1980.

[4] Anmerkung: Gemeint sind im weiteren Verlauf dieser Arbeit mit dem Begriff 'Emotionen' lediglich solche Phänomene, die innerhalb evolutionsbiologischer Emotionstheorien als 'primäre Emotionen' oder 'Basisemotionen' bezeichnet werden. Von Verfechtern dieser Theorien werden sie übereinstimmend als kultur- sowie lernunabhängig und dementsprechend als genetisch weitestgehend determiniert und universal und somit als positiv selektierte Produkte der Evolution erachtet. Darüber hinaus werden ihnen charakteristische Reaktionkomponenten in Form physiologische Eigenschaften sowie spezifischer Ausdrucksmuster und Handlungstendenzen zugeschrieben, welche in der Regel anhand der Dimensionen 'angenehm-unangenehm' (Valenz) und 'aktiv-passiv' (Erregung/Aktivierung) beurteilt werden (Vgl.: Merten, Jörg: Ausdruck. In: Brandstätter, Veronika [Hrsg.]; Otto, Jürgen H. [Hrsg.]: Handbuch der Allgemeinen Psychologie - Motivation und Emotion. Göttingen [u.a.]: Hogrefe 2009, S. 424. Künftig zitiert: Merten 2009; Mietzel, Gerd: Wege in die Psychologie. 14. Auflage; Stuttgart: Klett-Cotta 2008, S. 407. Künftig zitiert: Mietzel 2008; Argyle, Michael: Körpersprache & Kommunikation. 10., überarbeitete Auflage; Paderborn: Junfermann 2013, S. 97f. Künftig zitiert: Argyle 2013; Heilmann, Christa M.: Körpersprache richtig verstehen und einsetzen. 2., durchgesehene Auflage; München [u.a.]: Reinhardt 2011, S. 39. Künftig zitiert: Heilmann 2011).

[5] Vgl. Schwarz-Friesel 2013, S. 1.

[6] Vgl.: Schwarz-Friesel 2013, S. 7; Cartwright, John: Evolution and human behaviour : Darwinian perspectives on human nature. 2. ed.; Cambridge, Mass.: MIT Press 2008, S. 184. Künftig zitiert: Cartwright 2008; Oatley, Keith; Keltner, Dacher; Jenkins, Jennifer M.: Understanding Emotions. Second Edition. Cambridge, Mass [u.a.]: Blackwell 2007, S. 28, S. 28f. Künftig zitiert: Oatley; Keltner; Jenkins 2007; Euler, Harald A.: Evolutionäre Psychologie. In: Brandstätter, Veronika [Hrsg.]; Otto, Jürgen H. [Hrsg.]: Handbuch der Allgemeinen Psychologie - Motivation und Emotion. Göttingen [u.a.]: Hogrefe 2009, S. 151. Künftig zitiert: Euler 2009.

[7] Anmerkung: Man nimmt an, dass die evolutionsgeschichtlich jüngste Hirnstruktur, der Neocortex, den Sitz der Rationalität/Kognition verkörpert (Vgl.: Evans 2013, S. 61ff.; Rost, Wolfgang: Emotionen : Elixiere des Lebens. 2., überarbeitete Auflage; Berlin, Heidelberg : Springer Medizin Verlag Heidelberg 2005, S. 13, 18. Künftig zitiert: Rost 2005).

[8] Anmerkung: Als evolutionsgeschichtlich ältere Hirnstruktur gilt das limbisches System, welches das Zentrum des emotionalen Geschehens darstellt und bei nahezu allen Säuge-/Wirbeltieren zu finden ist (Vgl.: Rost 2005, S. 13, 18; Evans 2013, S. 61ff.).

[9] Vgl.: Folkersma 2006, S. 151-157; Rost 2005, S. 17; Evans 2013, S. 59.

[10] Vgl.: Folkersma 2006, S. 151ff.;Rost 2005, S. 17; Evans 2013, S. 59; Reichertz, Jo: Paul Ekman: Gefühle lesen. In: Senge, Konstanze [Hrsg.]: Hauptwerke der Emotionssoziologie. Wiesbaden: Springer VS 2013. Künftig zitiert: Reichertz 2013; Fischer, Lorenz; Wiswede, Günter: Grundlagen der Sozialpsychologie. 3. völlig neu bearbeitete Auflage. München: Oldenbourg 2009, S. 144. Künftig zitiert: Fischer; Wiswede 2009.

[11] Vgl.: Rost 2005, S. 13, 18, 21; Folkersma 2006, S. 133f.; Fischer; Wiswede 2009, S. 144f.; Reichertz 2013, S. 104f.; LeDoux, Joseph: Das Netz der Gefühle : wie Emotionen entstehen. München [u.a.] : Hanser 1998, S. 120f.. Künftig zitiert: LeDoux 1998.

[12] Anmerkung: Physiologische Handlungsweisen schaffen durch die Organisation der an der Reaktion beteiligten Systeme ein ideale körperliche Handlungsvoraussetzungen, während psychologische Reaktionen eine Veränderung der Aufmerksamkeit, ein Verlagern der Verhaltensweisen oder eine Aktivierung von Gedächtnisnetzwerken hervorrufen können (Hierzu zählt bspw. die Hypothese der 'so matischen Marker', die davon ausgeht, dass wir bei Entscheidungsprozessen auf emotionale Erfahrungen zurückgreifen und die gegenwärtige mit der vergangenen Situation abgleichen (Vgl.: Folkersma 2010, S. 134, 136f .; Wassmann, Claudia: Die Macht der Emotionen: wie Gefühle unser Denken und Handeln beeinflussen. Darmstadt: Wiss. Buchges. 2002, S. 90ff. Künftig zitiert: Wassmann 2012)) (Vgl. Levenson, Robert W.: Human Emotion: A Functional View. In: Ekman, Paul [Hrsg.]; Averill, James H.: The nature of emotion : fundamental questions. New York [u.a.]: Oxford Univ. Press 1994, S. 123. Künftig zitiert: Levenson 1994).

[13] Vgl.: Cartwright 2008, S. 187; Folkersma 2006, S. 151-157; Levenson 1994, S. 123; Oatley; Keltner; Jenkins 2007, S. 55; Reichertz 2013, S. 104f.; Rost 2005, S. 13; Rothermund, Klaus; Eder, Andreas B.: Allgemeine Psychologie: Motivation und Emotion. 1. Auflage; Wiesbaden: VS-Verlag 2011, S. 166. Künftig zitiert: Rothermund; Eder 2011.

[14] Anmerkung: Man unterscheidet zwischen angeborenen Auslösern einer Emotion, die durch evolutionär programmierte Bewertungsmechanismen ausgelöst werden und erlernten Auslösern, die durch die biographische Lernerfahrung bzw. Sozialistation internalisiert werden (Vgl.: Reichertz, S. 104; LeDoux 1998, S. 137).

[15] Vgl.: Cartwright 2008, S. 184. Oatley; Keltner; Jenkins 2007, S. 28f.; Schwarz-Friesel 2013, S. 7; Euler 2009, S. 151.

[16] Vgl.: Cartwright 2008, S. 184; Rothermund; Eder 2011, S. 168.

[17] Cartwright 2008, S. 184.

[18] Anmerkung: Das autonome Nervensystem gilt als weit verzweigtest Körpersystem, welches durch seine zwei Äste (Sympathikus und Parasympathikus) das Gehirn und Rückenmark mit allen inneren Organen verbindet und der Steuerung des zentralen Regulationsmechanismus zur Aufrechterhaltung des inneren Gleichgewichts des Körpers dient. Es kontrolliert lebenswichtige Funktionen wie den Herzschlag, die Atmung und die Verdauung sowie verschiedene Organe und Organsysteme (z.B. endokrine und exokrine Drüsen) und das Blutgefäßsystem. Seine zwei Äste, die auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinen, sind perfekt ineinandergreifende Mechanismen der Kontrolle körperlicher Prozesse. Das sympathische System versorgt den Körper während anstrengender oder gefährlicher Situationen mit Energiereserven und erhöht somit bspw. Herzschlag/Blutdruck und hemmt die Aktivität des Magen-Darm-Trakts. Das parasympathische System hingegen dient in erster Linie der Normalisierung körperlicher Prozesse, füllt die Energiereserven auf und bringt den Körper somit wieder in ein ausgeglichenes Milieu (Vgl.: Mietzel 2009, S. 410-413; Wassmann 2002, S. 45-48, 82f.).

[19] Vgl. für die Reaktionskomponenten 1)-5): Frijda 1994, S. 112, 114f.; Rothermund; Eder 2011, S. 167-175; Fischer; Wiswede 2009, S. 143f.; Cartwright 2008, S. 172-174; Schmidt-Atzert, Lothar: Lehrbuch der Emotionspsychologie. 2. Auflage. Stuttgart [u.a.]: Kohlhammer 1996, S. 19. Künftig zitiert: Schmidt-Atzert 1996; Schneider, Klaus; Dittrich, Winand: Evolution und Funktion von Emotionen. In: Scherer, Klaus R. [Hrsg.]: Psychologie der Emotionen. Göttingen [u.a.]: Verl. Für Psychologie Hogrefe 1990, S. 41f. Künftig zitiert: Schneider; Dittrich 1990; Paeschke, Astrid: Prosodische Analyse emotionaler Sprechweise. Berlin: Logos 2003, S. 54. Künftig zitiert: Paeschke 2003.

[20] Vgl.: Rothermund; Eder 2011, S. 167; Oatley; Keltner; Jenkins 2007, S. 29-31; Scherer, Klaus R.: Vocal communication of emotion: A review of research paradigms. In: Speech Communication, 2003, Vol.40 (1)(Online Ressource der Universität), S. 243. Künftig zitiert: Scherer 2003.

[21] Vgl.: Schmidt-Atzert, 1996, S. 18; LeDoux 1998, S. 135.

[22] Vgl. Oatley; Keltner; Jenkins 2007, S. 29-31.

[23] Vgl.: Oatley; Keltner; Jenkins 2007, S. 29-31; Scherer 2003, S. 243.

[24] Vgl.: Oatley, Keltner; Jenkins 2007, S. 34; Meyer, Wulf-Uwe; Schützwohl, Achim; Reisenzein, Rainer: Einführung in die Emotionspsychologie. 2. Evolutionspsychologie Emotionstheorien. 3., korrigierte Auflage; Bern [u.a.]: Huber 2003, S. 18. Künftig zitiert: Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003.

[25] Vgl. Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003 , S. 14, 18, 23-26, 29. Anmerkung: Schon vor Darwin beschrieb Jean-Baptiste de Lamarck ein ähnliches Konzept, ging dabei aber von der Vererbung erworbener Eigenschaften aus. Demnach würde ein Lebewesen aufgrund veränderter Umweltbedingungen seine Verhaltensweisen anpassen und die so erworbenen Eigenschaften an seine Nachkommen weitergeben, diese wären nun von Geburt an besser an die Umweltveränderungen angepasst und die Wiederholung dieser Weitergabe würde zu einer allmählichen Veränderung der Art führen. Diese Theorie gilt heute als widerlegt, da Eigenschaften oder Verhaltensweisen, die im Laufe des Lebens erworben wurden und sich nicht in den Erbanlagen befinden, nicht vererbt werden können (Vgl. Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003 , S. 15f.).

[26] Anmerkung: Neben des Konzepts der 'individuellen Fitness' besteht heute auch die Annahme einer 'inklusiven Fitness' (geprägt durch William D. Hamilton), d.h. einer 'Gesamtfitness', die z.B. altruistische Verhaltensweisen sowie die Weitergabe von Genen, die sich negativ auf die 'individuelle Fitness' auswirken, erklärt (Vgl. Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003, S. 33-36).

[27] Vgl.: Oatley; Keltner; Jenkins 2007, S. 38; Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003, S. 19.

[28] Vgl.: Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003, S. 18-22; Kühl, Julius: Lehrbuch der Persönlichkeitspsychologie : Motivation, Emotion und Selbststeuerung. Göttingen [u.a.]: Hogrefe 2010, S. 169f. Künftig zitiert: Kühl 2010.

[29] Vgl. ebd.

[30] Vgl. Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003, S. 22.

[31] Vgl.: Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003, S. 31f.; Rost 2005, S. 12; Evans 2013, S.59.

[32] Anmerkung: Die kulturelle Evolution verläuft wesentlich schneller als ihr biologisches Pendant und bezieht sich auf Veränderungen sozialer Strukturen und Verhaltensnormen sowie technologische Entwicklungen (Vgl. Rost 2005, S. 15f.).

[33] Vgl.: Meyer; Schützwohl; Reisenzein 2003, S. 31f.; Rost 2005, S. 12, 14f.

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Details

Titel
Der Sinn von Emotionen. Die Bedeutung unserer Gefühle für Evolution und Kommunikation
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Theorie und Geschichte mündlicher und schriftlicher Kommunikation)
Veranstaltung
-
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
49
Katalognummer
V380687
ISBN (eBook)
9783668605770
ISBN (Buch)
9783960951704
Dateigröße
1266 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotion, Körpersprache Germanistik, Deutsch, Evolution, Kommunikation, Körpersprache, Mimik, Sozialverhalten
Arbeit zitieren
Anonym (Autor), 2016, Der Sinn von Emotionen. Die Bedeutung unserer Gefühle für Evolution und Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380687

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