Kunst und Politik leben nicht erst seit der Erfindung des Internets miteinander in einer popkulturellen Symbiose. Künstler*innen reflektierten schon immer ihr jeweiliges Zeitgeschehen und verpackten es in ihre Werke. William Shakespeare amüsierte sich über das Königshaus, Leonardo Da Vinci versteckte religionskritische Symbolik in seinen Werken und Nina Simone kämpfte Seite an Seite mit Martin L. King und Malcom X für die Befreiung der Schwarzen Community. So wundert es nicht, dass in Zeiten Sozialer Medien nicht nur „Underground“-Künstler*innen ein deutliches politisches Standing zeigen. Auch kommerziell erfolgreiche Berühmtheiten politisieren sich immer mehr in der Öffentlichkeit. Taylor Swift entdeckt den Feminismus und Girls Power für sich, Spike Lee, Will und Jada Smith und andere Hollywoodgrößen initiierten den Boykott der Oscars (#oscarssowhite), nachdem mehrere Jahre infolge Schwarzen Schauspieler*innen in keiner einzigen Kategorie nominiert wurden und Leonardo DiCaprio engagiert sich seit Jahren intensiv gegen den Klimawandel. Aktivismus scheint immer mehr „en vogue“ zu sein. Eine der bekanntesten Künstler*innen der Welt, Beyoncé Knowles, gehört zu eben jenen Personen, die eine enorme Entwicklung ihrer Außenwirkung durchlebt haben. Angefangen als „Girl Next Door“ in der Band Destiny’s Child in den 90er Jahren, gehört Knowles mittlerweile zu den mächtigsten und einflussreichsten Frauen der Welt.
In dem folgenden Text werde ich mich mit der Person Beyoncé Knowles beschäftigen. Ich werde die Möglichkeiten und Hindernisse eines kommerziellen Aktivismus am Beispiel ihres Songs Formation (2016) erläutern und die Reaktionen der Schwarzen Community beleuchten. Ziel ist es, herauszufinden, welche positiven, aber auch negativen Auswirkungen die Politisierung von kommerziell erfolgreichen Künstler*innen für ihre Communities mit sich bringen können und welche Vor- und Nachteile Aktivist*innen darin erkennen. Außerdem soll darauf eingegangen werden, was Aktivismus überhaupt bedeutet und ab wann sich eine Person als Aktivist*in bezeichnen kann. Das werde ich anhand von Artikeln aus Onlinemagazinen, sowie durch Blogartikel von Schwarzen und weißen Aktivist*innen analysieren und belegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktivismus
3. Lemonade
4. Formation
5. Super Bowl
6. Reaktionen
7. Fazit
8. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Politisierung der Künstlerin Beyoncé Knowles durch ihr 2016 veröffentlichtes Musik- und Visual-Album "Lemonade" sowie ihren Song "Formation". Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Möglichkeiten und Hindernisse kommerzieller Aktivismus für marginalisierte Gruppen bietet und wie die Reaktionen innerhalb der Schwarzen Community sowie der breiteren Öffentlichkeit auf diese neue künstlerische Positionierung ausfallen.
- Analyse des kommerziellen Aktivismus am Beispiel von Beyoncé Knowles.
- Untersuchung der intersektionalen Themenführung in "Lemonade" und "Formation".
- Beleuchtung der Reaktionen von Aktivist*innen und der Öffentlichkeit auf die Politisierung.
- Diskussion der Vereinbarkeit von privatem Wohlstand und Aktivismus.
- Hinterfragung der Rolle von Popstars als politische Akteure.
Auszug aus dem Buch
4. Formation
Diese Bildsprache findet sich ebenso stark in dem Text und Video zum Song Formation wieder, dem einzigen Song, der nicht zu dem Erzählstrang des Betrugs dazu gehört, sondern als Abspann von Lemonade zu sehen ist. Das circa fünf Minuten lange Video spielt in New Orleans, der Stadt, die durch den Hurricane Katrina im Jahr 2005 zerstört wurde. Das verantwortungslose Handeln der Behörden gilt noch heute als eines der größten rassistisch motivierten Versagen US-amerikanischer Institutionen.
Knowles eröffnet das Video, in dem sie in einem langen Kleid und locker hochgesteckten Haaren auf einem Polizeiwagen thront, welcher im Hochwasser langsam immer tiefer sinkt. Der Reihe nach werden Bilder von starken Schwarzen Menschen gezeigt. Schwarze Kultur wird zelebriert. In ihrem Text singt sie von „Hatern“, die ihren Erfolg nicht akzeptieren wollen (Ya‘ll haters corny with that Illuminati mess/Paparazzi catch my fly and my cocky fresh). Sie ermutigt ihre Zuhörer*innen dazu, ihre Gesichtszüge und Haare zu zelebrieren (I like my baby hair with baby hair and afro/I like my negro nose with Jackson 5 nostrils) und nach Erfolg zu streben, der ihnen von der weißen Mehrheitsgesellschaft nicht gegönnt wird (Always stay gracious/Best revenge is your paper und I just might be a black Bill Gates in the making/You just might be a black Bill gates in the making). Sie spielt mit Stereotypen und dreht sie zu ermächtigenden Begriffen um, zelebriert sie und stellt sie ins Scheinwerferlicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Politisierung kommerziell erfolgreicher Künstler*innen ein und definiert das Ziel der Arbeit, Beyoncé Knowles' Engagement kritisch anhand von "Formation" und "Lemonade" zu hinterfragen.
2. Aktivismus: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über das bisherige soziale Engagement des Ehepaars Knowles-Carter und dokumentiert die künstlerische Entwicklung von Beyoncé hin zu einer explizit intersektionalen, feministischen Positionierung.
3. Lemonade: Hier wird das Visual-Album "Lemonade" als Werk analysiert, das eine persönliche Geschichte von Verrat und Versöhnung mit politisch aufgeladenen Bildern aus den US-Südstaaten verbindet.
4. Formation: Dieses Kapitel untersucht den Song und das Video "Formation" als politisches Statement, das Themen wie rassistische Polizeigewalt, Empowerment und die Feier des eigenen Schwarzseins in New Orleans behandelt.
5. Super Bowl: Die Analyse konzentriert sich auf Beyoncés Super Bowl-Auftritt, der als strategisches Massenevent genutzt wurde, um die Black Lives Matter-Bewegung und antirassistische Symbole in den Fokus zu rücken.
6. Reaktionen: Dieses Kapitel dokumentiert und bewertet die gespaltenen Reaktionen von Aktivist*innen, Kritikern und der Öffentlichkeit auf Knowles' Aktivismus, wobei Themen wie kulturelle Aneignung und Kommerzialisierung im Vordergrund stehen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Knowles' Werk trotz berechtigter Kritik an der Kapitalismuskritik als wichtiger Impulsgeber für öffentliche Diskussionen über soziale Gerechtigkeit fungiert.
8. Quellen: Auflistung aller verwendeten Quellen und Internetlinks, die der Analyse zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Beyoncé Knowles, Formation, Lemonade, Aktivismus, Black Lives Matter, Intersektionalität, Feminismus, Schwarze Community, Popkultur, Empowerment, kulturelle Aneignung, Kapitalismuskritik, Polizeigewalt, Repräsentation, Südstaaten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Politisierung der US-amerikanischen Sängerin Beyoncé Knowles im Jahr 2016 und untersucht, ob ihr Werk als aktivistisch bezeichnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören der Feminismus, die Black Lives Matter-Bewegung, die Bedeutung von schwarzer Identität sowie die Frage, inwieweit Kommerz und Aktivismus vereinbar sind.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Auswirkungen der Politisierung von kommerziell erfolgreichen Künstlern für ihre Communities zu ermitteln und die Vor- und Nachteile dieses spezifischen Aktivismus aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse von Medienberichten, Onlinemagazinen sowie Blogbeiträgen von schwarzen und weißen Aktivist*innen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der inhaltlichen Untersuchung von Beyoncés Album "Lemonade" und dem Song "Formation", ihrem Super Bowl-Auftritt sowie der intensiven Debatte über ihr Handeln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Besonders prägend sind Begriffe wie Intersektionalität, Empowerment, kulturelle Aneignung und die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle von Popstars in sozialen Bewegungen.
Wie unterscheidet sich die Darstellung in "Formation" von früheren Arbeiten der Künstlerin?
Frühere Projekte waren weniger explizit; mit "Formation" positioniert sich Knowles zum ersten Mal unverkrampft und offensiv als schwarze Frau, die aktivistisch Stellung bezieht.
Welches Fazit zieht die Arbeit in Bezug auf das "Boutique-Aktivismus"-Argument?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der Vorwurf des rein kommerziellen Nutzens zwar existiert, die transformative Kraft und die emotionale Diskussion, die das Werk ausgelöst hat, jedoch als wichtiger für die politische Bewegung zu bewerten sind.
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- Ekaterina Kadykova (Author), 2016, Zum Song "Formation" von Beyoncé Knowles. Eine Analyse eines popkulturellen aktivistischen Werkes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380691