Devisenderivate im Währungsmanagement deutscher Mittelstandsunternehmer. Eine Handlungsempfehlung für die Absicherung von Währungsrisiken


Studienarbeit, 2017

34 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Mittelstandsunternehmen in Zeiten der Globalisierung
1.2 Aufbau der Arbeit

2. Grundlagen und Terminologie
2.1 Das Risikomanagement
2.2 Die Arten von Währungsrisiken
2.2.1 Translations-/ Umrechnungsrisiko
2.2.2 Transaktions-/ Umwechslungsrisiko
2.2.3 Das ökonomische Währungsrisiko
2.3 Absicherungsinstrumente am Devisenmarkt
2.3.1 Devisenkassageschäfte
2.3.2 Devisentermingeschäfte
2.3.3 Devisenoptionsgeschäfte

3. Charakterisierung eines Mittelstandsunternehmers anhand seiner Merkmale
3.1 Auswertung der Umfrage
3.2 Wesen eines Mustermittelständlers in Form der Muster-GmbH

4. Eignung von Devisentermingeschäften
4.1 Forwards und ihre Eignung für die Muster-GmbH
4.2 Erläuterung am Beispiel für ein EUR/ GBP- Forwardgeschäft im Export

5. Eignung von Devisenoptionen
5.1 Im Geld, Am Geld, Aus dem Geld
5.2 Eignung von Call-Optionen für die Muster-GmbH im Export.

6. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Internetverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Mittelstandsunternehmen in Zeiten der Globalisierung

„Wir gehen gerne Risiken ein, wenn wir uns ausreichend abgesichert haben”(Dirk Tutat)

„Was für ein Jahr! “ titelt das Handelsblatt über das Jahr 2016. Die wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen in Russland, den USA, Brasilien und in der Türkei, sowie das faktisch gekippte Freihandelsabkommen TTIP und der Brexit veranlasste manche Medien dazu, vom „schlimmsten Jahr der Geschichte“ zu schreiben.[1]

Die zunehmenden globalen Unsicherheiten halten den deutschen Mittelstand aber nicht davon ab, ihr Auslandsgeschäft fortzusetzen.[2] Aus einer Studie der DZ Bank geht hervor, dass fast jeder zweite in den nächsten drei bis fünf Jahren an seiner Auslandsstrategie festhalten wolle und sogar mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen wollen ihre Auslandsgeschäftsaktivitäten ausweiten.[3] Durch die weiter fortschreitende Globalisierung und Internationalisierung agiert heutzutage ein immer größer werdender Teil der deutschen Unternehmen am internationalen Markt. Aufgrund der robusten wirtschaftlichen Verfassung Deutschlands, steuerten die ohnehin exportstarken deutschen Konzerne und Mittelstandsunternehmen 2016 auf einen neuen Rekordwert zu.[4] Die deutsche Wirtschaft exportierte im Jahr 2016 Waren im Wert von mehr als 1,2 Billionen Euro ins Ausland – so viel wie noch nie zuvor. Der Wert der Importe stieg zwar auch, blieb aber wie in den letzten Jahren deutlich unter dem der Exporte.[5] Die Relevanz des internationalen Finanzmanagements für deutsche Konzerne und Mittelstandsunternehmen steigt beständig an, da nach wie vor wesentliche Teile des deutschen Außenhandels mit Fremdwährungsgebieten wie China, den USA und Großbritannien abgewickelt werden.[6] Im Jahre 2016 etwa gingen ca. 63,11 % der deutschen Exporte an Länder außerhalb der Eurozone.[7]

Beim unternehmerischen Währungsmanagement als Teilgebiet des internationalen Finanzmanagements soll auf die währungsbezogene Zusammensetzung einzelner unternehmerischer Zahlungsströme Einfluss genommen und somit eine Optimierung unter Risiko- und Ertragsaspekten von Fremdwährungspositionen vorgenommen werden.[8] Die Bedeutung dieser Aufgaben ergibt sich aus dem Problem der Ungewissheit über die künftige Entwicklung von Wechselkursen zwischen verschiedenen Währungen. Folglich ist ein zentraler Bestandteil des unternehmerischen Währungsmanagements das Management von Wechselkursrisiken. Zudem beschäftigt sich das Währungsmanagement mit dem Umrechnungs- und Umwechslungsrisiko, sowie mit der Absicherung von Währungsrisiken mit Finanzinstrumenten. Denn oftmals wird die Volatilität von Währungen unterschätzt. Unmittelbar nach dem Votum der Briten, die EU verlassen zu wollen, kam es beispielsweise innerhalb einer Nacht zum Einbruch des Pfund Sterling (GBP), welches im Vergleich zum Euro (EUR) etwa 6 Prozent an Wert verlor.[9] Dementsprechend soll im Rahmen dieser Studienarbeit die einzelnen Währungsrisiken erläutert werden, sowie die Eignung von ausgewählten Absicherungsinstrumenten für das Währungsmanagement deutscher Mittelstandsunternehmer überprüft werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, einen Musterfirmenkunden aus dem Mittelstandssektor anhand einer Umfrage zu definieren und bezogen auf seine Merkmale die Eignung verschiedener Devisenderivate für sein unternehmerisches Währungsmanagement zu erläutern. Dabei sollen sowohl die positiven, als auch die negativen Aspekte der jeweiligen Devisenderivate für den Unternehmer näher dargestellt und kritisch gewertet werden.

Im 2. Kapitel wird eine Abgrenzung der wichtigsten Begriffe vorgenommen und es werden die theoretischen Grundlagen der verschiedenen Absicherungsinstrumente vermittelt, sowie die verschiedenen Währungsrisiken erläutert, um die später folgende Eignung nachvollziehen zu können. Im darauffolgenden Kapitel wird die durchgeführte Umfrage ausgewertet. Anhand der erhaltenen Antworten wird ein Musterkunde des Mittelstandssektors im Firmenkundesegment der Sparkasse Uckermark in Form der Muster-GmbH definiert und die für die Untersuchung wichtigsten Merkmale hervorgehoben. Im 4. Kapitel wird dann die Eignung von Devisentermingeschäften für die Muster-GmbH überprüft und an einem Forwardgeschäft erläutert. Im letzten Kapitel geht es dann um die Eignung von Devisenoptionsgeschäften für die Muster-GmbH, welche wiederum an einem Beispiel erläutert werden. Zudem werden noch zusätzliche Begrifflichkeiten anschaulich erörtert. Das Fazit stellt den Schlussstrich dieser Studienarbeit dar und dient der Zusammenfassung der Ergebnisse und soll die erarbeitete Handlungsempfehlung für die Absicherung von Währungsrisiken für die Muster-GmbH unterstreichen.

2. Grundlagen und Terminologie

Um alle Unklarheiten im Vorhinein zu beseitigen, müssen der grundlegende Begriff „Risiko“ und das Risikomanagement als Bestandteil der Unternehmensführung, Währungsrisiken und die einzelnen Absicherungsinstrumente näher erläutert werden. Zudem bildet dieses Kapitel die fachliche Grundlage, um später die Eignung von Devisentermingeschäften und Devisenoptionen für das Währungsmanagement deutscher Mittelstandsunternehmer anhand eines Musterfirmenkunden zu überprüfen.

2.1 Das Risikomanagement

Die einheitliche Definition des Begriffs „Risiko“ fällt sowohl in der Praxis, als auch in der Literatur nicht leicht. Aufgrund der Vielseitigkeit der Definitionen wird hier das Risiko ausschließlich im wirtschaftswissenschaftlichen Kontext betrachtet.

Eine Risikosituation ist grundsätzlich durch zukünftige und bekannte Eintrittswahrscheinlichkeiten gekennzeichnet. Dabei differenziert sich der Risikobegriff in formale und materielle Risiken.[10] Das formale Risiko berücksichtigt die Ursache des Risikos und stellt den Informationszustand des Wirtschaftssubjekts in den Vordergrund. Aus diesem Grund wird auch oft vom „ursachenbezogenen Risikobegriff“ gesprochen. Der Fokus beim materiellen Risiko liegt auf der Verlustgefahr und wird wiederum in eine Quantitätsdimension und eine Intensitätsdimension differenziert. Die Intensität bezieht sich auf die Eintrittswahrscheinlichkeit, während sich die Quantität auf die Höhe des Schadens bezieht. Somit lässt sich das materielle Risiko auch als „wirkungsbezogenes Risiko“ definieren. Um auf das Liquiditätsrisiko zurückzukommen lässt sich festhalten, dass ein normaler Zahlungsabfluss kein Risiko darstellt. Eine Abweichung vom erwarteten Niveau kann hingegen als Risiko definiert werden.[11]

Da zu jeder unternehmerischen Tätigkeit Risiken unvermeidbar dazugehören, können diese den Prozess der Zielsetzung und Zielerreichung negativ beeinflussen.[12] Um negative Folgen zu vermeiden, sollten Risiken rechtzeitig erkannt und bewältigt werden. Bleiben Risiken unbeachtet, können sie die erfolgreiche Weiterentwicklung der Unternehmung gefährden und sogar in Krisen zu überlebenskritischen Prozessen innerhalb eines Unternehmens führen.[13] Der Begriff Risikomanagement beinhaltet im weiteren Sinn den Umgang mit allen Risiken. Es beschränkt sich nicht nur auf die Handhabung versicherbarer Risiken, sondern beschäftigt sich auch mit Risiken, die aus dem Führungsprozess und den Durchführungsprozessen in einer Unternehmung entstehen können (Insurance Management). Grundsätzlich verfolgt die Unternehmungsführung die Realisierung der Unternehmensziele, während das Risikomanagement als ein Bestandteil der Führung eine Abweichung von diesen Zielen verhindern will.[14]

2.2 Die Arten von Währungsrisiken

Die meisten bedeutenden Währungen unterliegen einem flexiblen Wechselkurssystem. Diese Währungen werden am Devisenmarkt gehandelt, bei dem sich die Wechselkurse durch Angebot und Nachfrage bilden.[15] Durch die Verschiebung der Angebot-/ Nachfragekonstellation kommt es in einem System flexibler Wechselkurse ständig zu Kursänderungen. Im Allgemeinen sind die angesprochenen Verschiebungen privatwirtschaftlich und somit kommerziell motiviert. Doch auch Interventionen von Währungsbehörden oder andere politische Hintergründe können zu Kursänderungen führen. Durch diese marktbedingten Schwankungen sind global tätige Unternehmen, die Außenhandelsgeschäfte mit internationalen Geschäftspartnern nicht nur in heimischer Währung, sondern auch in Fremdwährung abschließen, einem Währungsrisiko ausgesetzt.[16]

Aus den verschiedenen offenen Fremdwährungspositionen eines Unternehmens und den möglichen Änderungen der entsprechenden Wechselkurse ergibt sich das Währungsrisiko.[17] Dementsprechend ist das Währungsrisiko, oder auch Wechselkursrisiko genannt, ein Risiko, bei denen sich Währungsschwankungen negativ auf den Unternehmenserfolg auswirken können.[18] In Abhängigkeit, zu welchem Zeitpunkt und in welchen Bereichen offene Fremdwährungspositionen bestehen, lässt sich das Währungsrisiko in drei Teilbereiche unterteilen, dem Translationsrisiko, Transaktionsrisiko und dem ökonomischen Risiko.[19] Die folgende Abbildung zeigt die Lage der Teilbereiche zum Zeitpunkt der Wechselkursänderung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Eigene Darstellung in Anlehnung an Büschgen (1997), S. 311. Komponenten des Wechselkursrisikos

2.2.1 Translations-/ Umrechnungsrisiko

Das Translationsrisiko wird oft als bilanzielles Wechselkursrisiko bezeichnet. Es bezieht sich auf den Einfluss von Wechselkursschwankungen bei der Konsolidierung von Unternehmensabschlüssen ausländischer Tochterunternehmen, die in Fremdwährung erstellt wurden.[20] Somit betrifft dieses Risiko auch die Umrechnung von Bilanzpositionen, die ursprünglich in einer Fremdwährung ausgedrückt wurden.[21] Demzufolge sind hauptsächlich Unternehmen mit Tochtergesellschaften und Niederlassungen im Ausland, sowie Unternehmen mit Kapitalbeteiligungen an ausländischen Unternehmen, deren Rechnungslegung in Fremdwährung erfolgt, betroffen.[22]

Erstellt ein Unternehmen seinen Jahresabschluss bzw. seinen konsolidierten Konzernabschluss, müssen die in Fremdwährung geführten Vermögenswerte und Verbindlichkeiten am Bilanzstichtag in die jeweilige Berichtswährung umgerechnet werden. Diese Umrechnung ist insofern risikobehaftet, als dass der Wechselkurs zu ebendiesem Stichtag nicht vorhergesagt werden kann.[23] Dieser Teilbereich des Währungsrisikos wird jedoch selten abgesichert, da sich die Umrechnung zum Zweck der buchhalterischen Konsolidierung nicht auf die Liquidität auswirkt.[24] Zur Veranschaulichung des Translationsrisikos ein Beispiel. Wenn eine Tochtergesellschaft eines deutschen Konzerns eine Vermögensposition in GBP in ihrer Bilanz ausweißt, so muss zur Erstellung der Konzernbilanz in EUR der Vermögenswert zum Bilanzstichtag in EUR umgerechnet werden. Wertet das GBP bis zum Bilanzstichtag ab und der Wert der Vermögensposition sinkt, so wirkt sich dies negativ auf die Bilanz und die buchhalterische Vermögenslage des Konzerns aus.

2.2.2 Transaktions-/ Umwechslungsrisiko

Häufig wird der Begriff des Währungstransaktionsrisikos fälschlicherweise als Oberbegriff für verschiedene Wechselkursrisiken verwendet. Das Währungstransaktionsrisiko besteht schon in vertraglich bestehenden Fremdwährungsforderungen oder –verbindlichkeiten, die noch nicht beglichen worden sind. Somit bezieht sich das Währungstransaktionsrisiko im Außenhandel auf den Einfluss von Wechselkursschwankungen, sowohl auf die Höhe der vertraglich fixierten Fremdwährungsforderung eines Exporteurs, als auch auf die Höhe einer vertraglich vereinbarten Fremdwährungsverbindlichkeit eines Importeurs.[25] Währungstransaktionsrisiken, die mit einem einzelnen Geschäft verbunden sind, werden auch Bruttowährungstransaktionsrisiken genannt. Durch die Saldierung der Fremdwährungsforderungen und Fremdwährungsverbindlichkeiten in einer Währung auf einen Zeitpunkt ergibt sich das Nettowährungstransaktionsrisiko.[26] Im Außenhandel ist es die Aufgabe des Währungsmanagements, das Nettowährungstransaktionsrisiko so gering wie möglich zu halten. Um eine verlässliche Kalkulationsbasis zu schaffen, verzichten die meisten Unternehmen im Außenhandel auf mögliche Wechselkursgewinne. Durch den Bezug auf einzelne Zahlungspositionen und der konkreten Betrachtung der sicheren Zahlungen ist das Transaktionsrisiko direkt als Grundlage für die Herleitung von Sicherungsmaßnahmen geeignet. Somit lässt sich das Währungstransaktionsrisiko am ehesten durch Absicherungsinstrumente ausschließen oder vermindern.[27] Um das Währungstransaktionsrisiko zu verdeutlichen, soll das folgende Beispiel den Sachverhalt praktisch darstellen.

Angenommen, ein deutsches Mittelstandsunternehmen verkauft Lebensmittel an eine britische Supermarktkette und vereinbart, dass die Zahlung in GBP erfolgt. Zwischen dem Vertragsabschluss und dem Zeitpunkt der Zahlung liegen 3 Monate. In diesem Zeitraum erfolgt eine Abwertung des GBP gegenüber den EUR, so ist die Zahlung, die das deutsche Mittelstandsunternehmen erhält, weniger wert, als zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses kalkuliert wurde. Somit liegt dem Währungstransaktionsrisiko eine zahlungsbezogene und liquiditätswirksame Betrachtung zugrunde.[28]

2.2.3 Das ökonomische Währungsrisiko

Das ökonomische Risiko umfasst das Wettbewerbsrisiko, welches sich aus den Schwankungen des Wechselkurses ergibt.[29] Es bezieht sich auf die Wechselkursschwankungen, die Auswirkungen auf den zukünftigen Unternehmenserfolg haben und somit ein Risiko darstellen. Dementsprechend wird es auch als zukunftsorientiertes Wechselkursrisiko bezeichnet. Somit betrachtet das ökonomische Risiko nicht die bestehenden Fremdwährungsforderungen und –verbindlichkeiten, sondern bezieht sich auf den Einfluss von Wechselkursschwankungen auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens im Vergleich zum Fremdwährungsraum. Somit ist dieses Risiko langfristig und zukunftsorientiert. Zum Beispiel muss sich ein Exporteur die Frage stellen, wie sich der Absatz seiner Produkte im Fremdwährungsraum durch Wechselkursschwankungen verändern und welche Auswirkungen diese auf sein Geschäftsmodell haben könnten.[30] Der Importeur wiederum muss sich mit den Wechselkursschwankungen auseinandersetzen, um zu überprüfen, wie sich diese auf den Preis der zum Import bestimmten Ware auswirken.

Jedoch sind dem ökonomischen Wechselkursrisiko auch indirekt Unternehmen ausgesetzt, die keine internationalen Geschäfte tätigen, sowie alle Ein- und Auszahlungen in heimischer Währung vornehmen. Denn wenn Unternehmen aus Fremdwährungsgebieten Waren auf dem heimischen Markt anbieten, kann das Wechselkursverhältnis auf die Wettbewerbsfähigkeit der ausländischen Produkte Einfluss nehmen. Für das ökonomische Wechselkursrisiko gibt es keine Absicherungsmöglichkeiten, da die Wechselkursentwicklung nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden kann.[31] Allerdings ist die Erfassung der gesamten Risikosituation eines Unternehmens mit einem erheblichen Prognoseaufwand verbunden und somit hinsichtlich der Komplexität kaum zu realisieren.[32] Im Importgeschäft beeinflusst das ökonomische Wechselkursrisiko die internationale Beschaffungsdisposition und im Exportgeschäft findet dieses besondere Berücksichtigung in der Preispolitik. Exemplarisch für das ökonomische Wechselkursrisiko kann eine Situation genannt werden, in dem ein Unternehmen das Jahresbudget für das folgende Jahr festlegt, worin manche Kosten und Umsätze in Fremdwährung eingeplant und anschließend konsolidiert werden.[33]

2.3 Absicherungsinstrumente am Devisenmarkt

Im Außenhandel werden primär Instrumente zur Besicherung des Währungstransaktionsrisikos verwendet, da sich dieses Risiko bei Geschäftsbeziehungen zum Fremdwährungsraum nicht von vornherein vermeiden lässt. Somit betrifft dieses Risiko entweder den Exporteur oder den Importeur, sofern es nicht geteilt wird.[34] Die Kurssicherungsinstrumente, die zur Besicherung des Währungstransaktionsrisikos zur Verfügung stehen, lassen sich in Interne und Externe einteilen.[35] Die internen Kurssicherungsinstrumente können von den am Außenhandel beteiligten Vertragspartnern angewendet werden, ohne dass hierzu Parteien eingeschaltet werden müssen, die nicht am Grundgeschäft beteiligt sind (insbesondere von Banken). Diese Form der Kurssicherung kann sowohl in monolaterale, als auch in bilaterale bzw. multilaterale Sicherungsinstrumente eingeteilt werden. Wenn ein Außenhandelsgeschäftspartner ohne Zustimmung des anderen Geschäftspartners über deren Einsatz entscheiden kann, handelt es sich um eine monolaterale Kurssicherung. Der Einsatz von bi- bzw. monolateralen Kurssicherungsinstrumenten ist demgegenüber von der vorherigen Einigung der am Grundgeschäft beteiligten Vertragsparteien abhängig.[36]

Um Wechselrisiken an eine dritte Partei zu übertragen, die nicht am Grundgeschäft beteiligt ist, werden externe Kurssicherungsinstrumente durch die Außenhandelsgeschäftspartner herangezogen. Kurssicherungskosten, die bei dieser Art von Kurssicherung entstehen, werden vom Exporteur und/ oder Importeur getragen. Zu den externen Kurssicherungsinstrumenten zählen die Devisentermin- und Devisenoptionsgeschäfte.[37]

2.3.1 Devisenkassageschäfte

Um für die folgenden Ausführungen eine Grundlage zu schaffen, müssen einige Begrifflichkeiten erklärt und unterschieden werden. Unter dem Begriff der Devisen wird das Buchgeld ausländischer Währung verstanden, während Sorten im allgemeinen das ausländische Bargeld beschreibt.[38] Demzufolge bezieht sich der Devisenkurs auf den Kurs für die Umwechslung bargeldloser Zahlungsmittel, insbesondere Buchgeld auf Bankkonten, während sich der Sortenkurs auf den Kurs zum Umtausch von Bargeld am Bankschalter bezieht.[39] Im europäischen Raum wird der Wechselkurs standardmäßig als Mengennotierung angegeben. Die Mengennotierung gibt an, wie viel ausländische Währungseinheiten man für eine Einheit heimischer Währung bekommt. Zum Beispiel wird der EUR/GBP- Kurs in 0.8973 GBP angegeben. Das bedeutet, dass man für einen Euro, 0,8973 Pfund Sterling bekommt. Alternativ ist jedoch auch eine Preisnotierung möglich.

Devisengeschäfte werden standardmäßig als Kassageschäfte am Devisenmarkt abgeschlossen. Kassageschäft bedeutet, dass der Geschäftsabschluss zum heutigen Kurs stattfindet und die Erfüllung in maximal zwei Bankarbeitstagen stattfinden soll. Zudem ist es wichtig, dass in beiden Währungsräumen zwei Bankarbeitstage vergangen sind. Eine weitere Besonderheit stellt die Kurstellung am Devisenmarkt dar, denn beim Devisenhandel wird kein Mittelkurs genannt. Die Marktteilnehmer stellen direkt Angebote für den Kauf und Verkauf von Devisen ein. Diese Angebote werden nach Bid und Ask unterschieden. Dabei stellt Bid den Verkauf der Fremdwährung zum angegebenen Kurs durch einen Anbieter dar, während Ask den Kauf einer Fremdwährung zum angegebenen Kurs durch den Anbieter verkörpert. Zwischen Bid und Ask besteht meistens ein Abstand, der Spread genannt wird und die Geld-Brief-Spanne abbildet.

Bei einem Devisenkassageschäft können einige Risiken auftreten sowie viele Einflussfaktoren auf den Kassakurs einer Währung wirken. Angenommen ein Geschäftskunde muss in drei Monaten eine Rechnung i.H.v. 100.000 GBP an seinem Handelspartner in Großbritannien überweisen. In diesen drei Monaten können politische Risiken, aber auch fundamentale Faktoren wie Zinsniveau und Wirtschaftswachstum wie auch technische Faktoren, z.B. eingepreiste Informationen oder Trend- und Unterstützungslinien auf den Devisenkassakurs Einfluss nehmen. Diese verschiedenen Einflussfaktoren können Chancen, aber auch erhebliche Risiken für den allgemeinen Geschäftsbetrieb mit sich bringen. Der aktuelle EUR/GBP-Kurs liegt bei z.B. 0.8949 GBP, wonach zum heutigen Zeitpunkt (25.07.2017) 111.744,33 EUR nötig wären, um die Rechnung zu begleichen.[40] Würde der Kurs in drei Monaten durch beschriebene Umstände bei 0,9549 GBP liegen, so müsste der Geschäftskunde nur noch umgerechnet 104.723,01 EUR bezahlen. Somit hätte er eine Chance auf einen außerordentlichen Währungsgewinn von 7021,32 EUR. Steht jedoch der Kurs in drei Monaten bei 0,8349 GBP, muss der Kunde für die Rechnung 119.774,82 EUR bezahlen, was einem Risiko von 8030,49 EUR entspricht.

Unabhängig von der Kurserwartung muss dem Kunden die Frage gestellt werden, ob seine Währungspositionen, wie der im vorherigen Abschnitt beschrieben, abgesichert werden sollte. Denn für den Geschäftskunden ist es im Verhältnis dazu von Bedeutung, ob er es sich leisten kann, negative Kursentwicklungen ohne Sicherung in Kauf zu nehmen. Kann sich der Kunde dieses Risiko nicht leisten, so ist bei der Frage nach dem geeigneten Kurssicherungsinstrument, die Kurserwartung zu berücksichtigen. Für jeden Kunden muss auch individuell eingeschätzt werden, ob es Sinn macht, sich Chancen offen zu halten. Als Alternativen zum Abschluss eines Devisenkassageschäfts können sowohl Devisentermin-, als auch Devisenoptionsgeschäfte in Betracht gezogen werden.

2.3.2 Devisentermingeschäfte

Die Devisentermingeschäfte (nachfolgend DTG genannt) gehören zu den externen Kurssicherungsinstrumenten, unter denen man eine vertragliche Vereinbarung versteht, bei der ein festgelegter Fremdwährungsbetrag zu einem gegenwärtigen Devisenterminkurs zum Erfüllungstermin gekauft oder verkauft wird.[41] Bei einem Abschluss eines alleinigen DTG wird von einem Outright gesprochen, einem sogenannten Solo-Termingeschäft. Wenn dieses Geschäft aber mit einem Devisenkassageschäft oder mit einem DTG einer abweichenden Fälligkeit kombiniert wird, liegt ein Devisenswapgeschäft vor.[42] Diese Konstellation soll aber nicht Teil der weiteren Ausarbeitung dieser Arbeit werden, da sich Mittelstandsunternehmen eher weniger mit Swap-Geschäften auseinandersetzen und somit die Eignung dieses Absicherungsinstrumentes nicht überprüft werden soll.

Im weiteren Sinne können Termingeschäfte einerseits in Forward und Futuresgeschäfte, andererseits in Optionsgeschäfte unterschieden werden.[43] Die Devisenoptionsgeschäfte werden im Kapitel 2.3.3 genauer beleuchtet. Die angesprochenen Forward- und Futuresgeschäfte werden auch als unbedingte Termingeschäfte oder als DTG im engeren Sinn bezeichnet. Die Bezeichnung unbedingt kommt daher, da nach der Fixierung der Konditionen zum Vertragsabschluss keine einseitig wahrnehmbaren Dispositionsspielräume für die Vertragspartner bestehen.[44] Im Währungsbereich für Auslandsgeschäfte im Mittelstandssektor dominieren insbesondere OTC-Geschäfte, da für sie der Börsenmarkt für Future-Kontrakte durch das geringe Transaktionsvolumen nicht geeignet ist.[45] Wie genau ein Forwardgeschäft für den Exporteur funktioniert, wird im Kapitel 4.1 näher dargestellt. Durch ein DTG haben sowohl Exporteur, als auch Importeur eine gewisse Sicherheit in ihrem Zahlungsstrom und können so besser kalkulieren.

Diese Kalkulationssicherheit muss natürlich vom Importeur und/oder Exporteur in Form von Kurssicherungskosten bezahlt werden, welche wiederum durch den Swapsatz bestimmt werden. Der Swapsatz bildet die prozentuale Differenz zwischen dem Termin- und Kassakurs bezogen auf den Kassakurs und kann entweder als Report oder als Deport ausgedrückt werden.[46] Sind Kassa- und Terminkurs genau gleich, wird diese Kurskonstellation als Pari bezeichnet. Auf der folgenden Seite ist unter Abbildung 2 eine Übersicht, die noch einmal den Zusammenhang zwischen dem Swapsatz und dem Kassa- und Terminkurs verdeutlicht. Zudem wird aufgezeigt, in welchen Situationen von einem Report oder Deport gesprochen werden kann.

[...]


[1] Vgl. Flicke, Florian (2016) (siehe Internetverzeichnis).

[2] Vgl. Deutsche Wirtschafts Nachrichten (2016) (siehe Internetverzeichnis).

[3] Vgl. DZ Bank AG (2016) (siehe Internetverzeichnis).

[4] Vgl. Flicke, Florian (2016) (siehe Internetverzeichnis).

[5] Vgl. Süddeutsche Zeitung (2017) (siehe Internetverzeichnis).

[6] Vgl. Breuer, Wolfgang (2015), S.1.

[7] Vgl. Statista (2017) (siehe Internetverzeichnis).

[8] Vgl. Breuer, Wolfgang (2015), S.1.

[9] Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung (2017) (siehe Internetverzeichnis).

[10] Vgl. Pohl, Michael (2008), S.6.

[11] Vgl. Pohl, Michael (2008), S.7.

[12] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, (2017a) (siehe Internetverzeichnis).

[13] Vgl. ebenda.

[14] Vgl. ebenda.

[15] Vgl. Perridon, Louis / Steiner, Manfred / Rathgeber, Andreas (2012), S.335.

[16] Vgl. ebenda.

[17] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2017c) (siehe Internetverzeichnis).

[18] Vgl. Bodemer, Sebastian / Disch, Roger (2014), S.235.

[19] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.373.

[20] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.376.

[21] Vgl. Breuer, Wolfgang (2015), S.113.

[22] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.376.

[23] Vgl. Bloss, Michael / Fritsche, Harald / Ernst, Dietmar / Häcker, Joachim / Eil, Nadine (2009), S.58.

[24] Vgl. Bodemer, Sebastian / Disch, Roger (2014), S. 314.

[25] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.374 f.

[26] Vgl. ebenda.

[27] Vgl. Breuer, Wolfgang (2015), S.121.

[28] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.375.

[29] Vgl. Bloss, Michael / Fritsche, Harald / Ernst, Dietmar / Häcker, Joachim / Eil, Nadine (2009), S.56.

[30] Vgl. Büter, Clemens (2017), S 375.

[31] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.375.

[32] Vgl. Breuer, Wolfgang (2015), S.125.

[33] Vgl. Bodemer, Sebastian / Disch, Roger, (2014), S.257.

[34] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.378.

[35] Vgl. Breuer, Wolfgang (2015), S.142 f.

[36] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.378.

[37] Vgl. ebenda.

[38] Vgl. Bodemer, Sebastian / Disch, Roger (2014), S.236.

[39] Vgl. Büter, Clemens (2017), S.366.

[40] Vgl. finanzen.net (2017) (siehe Internetverzeichnis).

[41] Vgl. Stocker, Klaus (2012), S.213 f.

[42] Vgl. Zwirner, Thomas (2013), S.19.

[43] Vgl. Breuer, Wolfgang (2015), S.149.

[44] Vgl. ebenda.

[45] Vgl. Rudolph, Bernd / Schäfer, Klaus (2010) S.154.

[46] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon (2017c) (siehe Internetverzeichnis).

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Devisenderivate im Währungsmanagement deutscher Mittelstandsunternehmer. Eine Handlungsempfehlung für die Absicherung von Währungsrisiken
Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,7
Autor
Jahr
2017
Seiten
34
Katalognummer
V380698
ISBN (eBook)
9783668584563
ISBN (Buch)
9783668584570
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Devisen, Devisenmanagement, Mittelstand, Währung, Währungsmanagement
Arbeit zitieren
Christian Püschel (Autor), 2017, Devisenderivate im Währungsmanagement deutscher Mittelstandsunternehmer. Eine Handlungsempfehlung für die Absicherung von Währungsrisiken, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380698

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