Peer Education in Schulen Sachsen-Anhalts


Ausarbeitung, 2005
37 Seiten, Note: 2.5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bedeutungen der Begriffe: Drogen, Sucht und Prävention
2.1. Drogen aus medizinischer und juristischer Sicht
2.2. Die Abhängigkeit / Sucht
2.3. Die Prävention

3. Primäre Suchtprävention konkret und am Beispiel Schule

4. Empirische Daten zum Drogengebrauch bei Jugendlichen

5. Versuch einer Ursachenerklärung zum Verhalten Jugendlicher
5.1. Das Entstehungsmodell für Risikoverhalten
5.2. Ursachenmodelle zur Entwicklung eines Suchtverhaltens
5.2.1. Das multifaktorielle Suchtmodell

6. Das GLOS-Projekt - Peer Education zur Suchtprävention in Halle/Neustadt
6.1. Peer-Education: Was ist das?
6.2. Die Seminarsitzungen in der Universität
6.3. Die Projekttreffen in der Novalis- Sekundarschule Halle / Neustadt

7. Resümee

Anhang

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

„In unserer modernen Konsumgesellschaft besteht ein großer Markt von Genuss- und Rauschmitteln mit psychoaktiven Eigenschaften, die zu gesundheitlichen und sozialen Beeinträchtigungen bis hin zur Abhängigkeit führen können. [.]

Am besten ist es natürlich, wenn eine Abhängigkeitserkrankung gar nicht erst eintritt. Darum gilt es, insbesondere junge Menschen darin zu bestärken, mit dem Konsum gar nicht oder später zu beginnen. Es ist ein wichtiges gesundheitspolitisches Ziel, riskanten Konsum, schädlichen Gebrauch und Abhängigkeit von Suchtmitteln mit allem Nachdruck zu verhüten oder deutlich zu reduzieren. Suchtprävention hat deshalb einen herausragenden Stellenwert.“[1]

Seit dem Regierungswechsel im Jahre 1998 gewinnt die Prävention als signifikanter Bestandteil des sog. 4-Säulen-Modells der deutschen Drogenpolitik zunehmend an Bedeutung. Neue Ansätze und Projekte im Bereich der Suchtprävention halten bereits im Schulleben Einzug und spielen daher in der kindlichen Gesundheitserziehung eine besondere Rolle. Die pädagogische Methode der Peer-Education findet dabei in der schulischen Suchtprävention großen Anklang und mehr und mehr Verbreitung.

Diese Arbeit wird sich deshalb mit einem Beilspielprojekt der Peer-Education im Bereich der schulischen Suchtprävention in Sachsen-Anhalt auseinandersetzen. Dazu soll im ersten Teil dieser Ausarbeitung der Begriffe der Drogen-Sucht und der Prävention erklärt werden. Daran anschließend wird eine kurze Erläuterung der pädagogischen Methode der Peer-Education im zweiten Teil folgen. Nach diesen theoretischen Darlegungen wird das praktische Beispiel der Peer-Education im Bereich der Suchtprävention mit Hilfe des „GLOS“ - Projektes an der „Novalis -Sekundarschule“ Halle / Neustadt vorgestellt werden.

2. Bedeutungen der Begriffe: Drogen, Sucht und Prävention

Im heutigen Sprachgerbrauch ist der Bergriff der Droge durchaus facettenreich und beinhaltet daher recht unterschiedliche Konnotationen. Aus diesem Grunde sollen einführend einige unterschiedliche Bedeutungen dieses Terminus erläutert werden, wobei sich dabei auf eine für diese Arbeit gültige Gebrauchsweise des Begriffes „Droge“ beschränkt werden wird. Im Anschluss daran werden die Abhängigkeit zum einen und die Prävention zum anderen, die zunehmend Verbreitung in Politik, Gesundheitswesen und in der sozialen Arbeit findet, ausführlicher dargestellt.

2.1. Drogen aus medizinischer und juristischer Sicht

Aus medizinischer Sicht werden Drogen als pflanzlich oder chemisch-synthetisch hergestellte Stoffe bezeichnet, die „die Reaktionen des Körpers verändern und vor allem Stimmungen, Gefühle und Wahrnehmungen beeinflussen“[2]. Der Fokus liegt dabei auf der psychotropen Wirkung dieser Stoffe. Der Konsument wird nach der Einnahme in einen psychischen oder / und physischen Zustand versetzt, „den er als erstrebenswerter als seinen Normalzustand ansieht“[3]. Dabei lösen Drogen im Körper chemische Reaktionen aus, indem an die Rezeptoren in ihrer Intensität veränderte Impulse übermittelt werden. Infolgedessen treten beim Konsumenten bestimmte Stimmungs-, Gefühls- und Wahrnehmungsveränderungen auf. Neben dieser kurzfristigen Wirkung können Drogen bei missbräuchlicher Anwendung durchaus eine langfristige Auswirkung – die Abhängigkeit / Sucht verursachen. Hierbei sei erwähnt, dass sich diese Art der Abhängigkeit lediglich auf die stoffgebundene bezieht.

Aus juristischer Sicht werden Drogen in legale und illegale Rauschmittel klassifiziert. Letztere finden ihre ordnungspolitische Regelung im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) aus dem Jahre 1972 und werden anhand von drei sog. Positivlisten unterteilt. Es wird dabei zwischen verkehrs- und verschreibungsfähigen Rauschmitteln differenziert. Betäubungsmittel, die als weder verkehrs-, noch verschreibungsfähig eingestuft werden, wie z.B. Halluzinogene und Cannabinoide, „gelten als die so genannten klassischen illegalen Drogen“[4]. Während der Konsum von legalen Drogen, wie z.B. Tabak und Alkohol als „sozialverträglich“[5] deklariert und gesellschaftlich toleriert wird, wirkt der Umgang mit den im BtMG als illegal definierten Rauschmitteln erheblich kriminalisierend und stigmatisierend auf den Konsumenten. Das stark prohibitiv ausgerichtete Betäubungsmittelgesetz versucht dabei, bezüglich illegaler Drogen sowohl general-, als auch spezialpräventiv zu wirken. Demnach soll der (potentielle) Rauschmittelkonsument vom (weiteren) Drogengebrauch abgeschreckt werden, um eine Abhängigkeit / Sucht zu verhindern oder einzudämmen.

Seit geraumer Zeit allerdings wird der Begriff der Droge mehr und mehr geweitet und bezieht sich demnach nicht mehr lediglich auf Stoffe. Auch bestimmte Verhaltensweisen und Handlungen, Denkmuster und emotionale Reaktionen können nach mehrmaligem Auftreten bei einer Person mit bestimmten genetischen Dispositionen eine psychische oder / und physische Abhängigkeit verursachen. Die Verwendung des Terminus ‚Droge’ wird sich in dieser Arbeit daher sowohl auf Substanzen als auch auf Handlungen, die ein suchtförderndes Potential aufweisen, beziehen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Drogen sowohl legale als auch illegale Betäubungsmittel bezeichnen. Der Konsum dieser Stoffe erzeugt dabei ein verändertes Körperbewusstsein und Wahrnehmungsgefühl, was auf unterschiedliche Art und Weise durchaus die Gesundheit des Menschen gefährden kann und deshalb strafrechtlich und gesundheitspolitisch einzuschränken gilt Eine mögliche Beeinträchtigung der Gesundheit des Konsumenten stellt sich in Form einer Abhängigkeit / Sucht dar. Diese signifikante Eigenschaft ermöglicht es, Handlungen mit repetitivem Zwangscharakter bei bestimmten Personen ebenfalls als suchtbedingende Rauschmittel zu klassifizieren.

2.2. Die Abhängigkeit / Sucht

Auch der Begriff der Abhängigkeit / Sucht ist recht breit gefächert und soll daher kurz erläutert werden. Bedeutsam ist dabei, dass der Terminus der Sucht in wissenschaftlichen Arbeiten aufgrund seiner Multivalenz lediglich bis 1964 Verwendung fand. Trotzdem erfreut er sich umgangssprachlich weiterhin großer Beliebtheit und soll daher auch in dieser Arbeit nicht grundsätzlich abgelehnt werden.

Als Sucht bezeichnet man dabei allgemein das unnachgiebige Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand, welcher versucht wird, durch Manipulation der eigenen Befindlichkeit zu erreichen. Diese Manipulation kann sowohl stoffgebunden als auch stoffungebunden stattfinden und eine körperliche und / oder seelische Abhängigkeit erzeugen.

1964 definierte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Abhängigkeit als ein Syndrom, „bei dem die Aufnahme der Droge Priorität gegenüber anderen Verhaltensweisen erlangt, die früher einen höheren Stellenwert hatten“.[6]

Die stoffgebundene Abhängigkeit bezieht sich dabei auf Erlebniszustände, die sich nach Einnahme eines bestimmten Stoffes, wie z. B. Alkohol, Nikotin und illegale Rauschmittel ereignen. Die missbräuchliche Anwendung, bei der sowohl die Dosis als auch der Einnahmezeitraum einer Droge, in Form einer Periodizität oder Kontinuität, unangepasst sein kann, bewirkt eine physische Sucht. Diese ist dabei von biochemischer Natur, sodass ein Vorenthalten der Droge chemische Reaktionen im Körper verursacht, die sich als Entzugserscheinungen interpretieren lassen.

Die psychische Abhängigkeit hingegen ist durch die Konditionierung des Süchtigen an einen Stoff oder eine Verhaltensweise und dessen positiv erlebte Wirkung bedingt. Sie kann daher sowohl stofflich gebunden als auch ungebunden, sich auf eine Handlung beziehend auftreten und ist meist schwerer zu überwinden als die physische Abhängigkeit.

Während sich die Abhängigkeit allgemein auf einen länger andauernden Zustand des Drogenkonsumenten bezieht, beschreibt der Terminus ‚Missbrauch’ den „andauernde[n] oder gelegentliche[n] übermäßige[n] Drogengebrauch“[7]. Diese Definition stammt ebenfalls von der WHO aus dem Jahre 1969 und wurde in den folgenden Jahren als unerlaubter, gefährlicher, dysfunktionaler oder schädlicher Missbrauch präzisiert. In der Altersklasse der Jugendlichen kann der Unterschied zwischen Gebrauch und Missbrauch von Drogen anhand von vier Items festgemacht werden. Zu diesen Anhaltspunkten zählen die Substanz und der Konsumumstand, die Person, die Reaktion und die Konsequenz.

Bei Erstgenanntem spielen sowohl die Substanzwirkung und der Grad ihrer potentiellen Gesundheitsgefährdung für den Jugendlichen als auch die Dosis und der Einnahmezeitraum eine Rolle bei der Festsetzung des Drogenkonsums. Diese hängt des weiteren von dem Konsumenten selbst, also seinem Entwicklungsstand und seiner Lebensumstände ab. Auch der Grad der körperlichen Abhängigkeit als Reaktion des konsumierenden Jugendlichen auf die Drogeneinnahme und deren längerfristige negative Konsequenzen bestimmen den Gebrauch von Rauschmitteln näher. Bei Jugendlichen handelt es sich daher um einen Drogenmissbrauch, wenn:

- eine Substanz in großen oder mittleren Mengen über einen längeren Zeitraum hinweg oder in unangemessenen Situationen (am Ausbildungsplatz, im Straßenverkehr, allein) konsumiert wird
- die physiologischen und persönlichen Voraussetzungen für den verantwortlichen Gebrauch nicht gegeben sind und Wissens- und Entscheidungsgrundlagen zur Risikoeinschätzung somit fehlen
- Anzeichen körperlicher Abhängigkeit (anhand von kindgemäßen Entzugserscheinungen wie Dosissteigerung, Unruhe, Schlafstörungen u.a.) zu erkennen sind
- die Gesundheit sowie die sozialen Beziehungen beeinträchtigt sind und Gewalttätigkeit sowie Rechtsbrüche auftreten[8].

Insgesamt aber stellt jegliche Form der Abhängigkeit / Sucht eine Verengung des Denkens und Handelns des Menschen dar, da sich diese lediglich auf die Befriedigung des suchtbedingten Verlangens beschränken. Ausschlaggebend ist, dass die Entstehung einer Abhängigkeit / Sucht nicht lediglich durch den Konsum bestimmter Drogen evoziert wird, sondern auf allen Gebieten des menschlichen Erlebens und Verhaltens möglich ist. So kann jede Form menschlichen Interesses in süchtiger Weise erkranken. Die Notwendigkeit einer geeigneten Prävention, besonders bei Kindern und Jugendlichen wird dadurch ersichtlich.

2.3. Die Prävention

Seit geraumer Zeit gewinnt die Erkenntnis, dass der ausschließlich prohibitiv repressive Umgang mit Drogen einer abstinenzorientierten Gesellschaft entgegenwirkt, zunehmend an Bedeutung. Auch die legalen Rauschmittel werden dabei verstärkt fokussiert, damit „Suchtprobleme in der Öffentlichkeit nicht mehr auf die Problematik der Opiatabhängigkeit reduziert werden“[9].

Infolgedessen tritt die Prävention, die sich an den potenziellen Rauschmittelkonsumenten – vornehmlich aber an Kinder und Jugendliche richtet, mehr und mehr in den Vordergrund. Sie soll bei Kindern und Jugendlichen einer möglichen Suchtkrankheit vorbeugen und vermittelt ihnen dazu ‚suchthemmende’ Handlungsstrategien. Folglich bedient sich die Prävention der in den Kindern vorhandenen Fähigkeiten und Kompetenzen, indem sie diese entdeckt, festigt und erweitert. Das Ziel jeglicher präventiver Arbeit liegt darin, die Kinder in ihrer Persönlichkeit so zu stärken, dass suchtbegünstigende Faktoren auf ihr Denken und Handeln keinen Einfluss haben können. Auffällig dabei ist, dass die Prävention seither nicht mehr nur dazu dient, Wissen über drogenbedingte Risiken zu vermitteln. Vielmehr sollen beim jugendlichen Nichtkonsumenten mit Hilfe von präventiven Maßnahmen „dem Drogengebrauch inkompatible Aktivitäten und Kompetenzen trainiert werden“[10], um ihm auf diese Weise Alternativen zum potenziellen Rauschmittelkonsum aufzuzeigen

Grundsätzlich gibt es dabei drei Arten der Prävention, die in ihrem Interventionszeitraum und ihrer Intention erhebliche Differenzen aufweisen. Man unterscheidet demnach zwischen der Primär-, der Sekundär- und der Tertiärprävention.

Die Primärprävention setzt bereits vor dem ersten Kontakt des Kindes mit Drogen ein, wobei „zukünftige Risikosituationen vorweggenommen und angemessenes Drogenverhalten eingeübt werden“[11]. So sollen dem Kind zum einen die gesundheitlichen Risiken und Gefahren über jeglichen Rauschmittelgebrauch vermittelt werden. Zum anderen aber dient die Primärprävention dazu, dem Kind seine eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten aufzuzeigen, damit es ein stabiles Selbstbewusstsein und Wertgefühl seiner Persönlichkeit entwickeln kann. Diese können ihm dabei behilflich sein, die Entstehung einer Abhängigkeit / Sucht jeglicher Art zu verhindern. Eine weitere Aufgabe der primären Prävention liegt in dem „Aufbau eines geeigneten Verhaltensrepertoires“[12] begründet, um dem Kind so alternative und einer Sucht divergente Verhaltensweisen und Handlungsstrategien zu eröffnen. Während das Hauptaugenmerk der Primärprävention in der Stärkung des Kindes liegt, spielt ebenfalls die Stabilität und Klarheit der ‚Außenwelt’ eine entscheidende Rolle für die Wirksamkeit primärer Präventivmaßnahmen. Da diese Außenwelt unter anderem auch diverse Sozialisationsebenen des Kindes, wie bspw. die Schule und die Gemeinschaft darstellt, hat sie einen signifikanten Einfluss auf dessen Entwicklung. Es ist daher wichtig, diese Außenwelt im Bereich der Gesundheitserziehung zu stabilisieren, was sich nicht lediglich als eine politische Herausforderung, sondern auch als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe darstellt.

Während die Primärprävention vornehmlich der Vorbeugung und Verhinderung einer Abhängigkeit / Sucht dient, zielt die Sekundärprävention hingegen auf die (Früh)Erkennung und Behandlung ihrerseits ab. Sie richtet sich an drogen- bzw. suchtgefährdete Menschen und verfolgt dabei drei Hauptanliegen. So gehören die aktive Suche nach Drogengefährdeten und das vorbeugende Bemühen um sie und ihre Probleme zum Aufgabenbereich der Sekundärprävention. Des Weiteren verfolgt sie das Ziel, sowohl der einzelnen suchtgefährdeten Person als auch ihrer angehörenden Familie bei jeglicher Konfliktbewältigung Hilfe und Unterstützung zu gewähren. Schwierigkeiten ergeben sich dabei zum einen in dem Erkennen einer Suchtgefahr und zum anderen darin, diese Gefahr der betroffenen Person und seiner Familie begreifbar zu machen und mögliche Auswege aufzuzeigen.

Bei der Tertiärprävention hingegen „verzahnen sich Vorbeugung und Therapie“[13]. Sie richtet sich an bereits abhängige Menschen und versucht, die Entwicklung einer chronischen Abhängigkeit / Sucht und schwerwiegender körperlicher Krankheiten zu verhindern. Außerdem ist die Tertiärprävention bestrebt, die Rückfallquote von Süchtigen, die sich bereits in einer stationären Therapie befanden zu reduzieren. Wichtig dabei ist, die Lebenssituation des Süchtigen zu stabilisieren und wenn nötig / möglich zu verbessern. Dazu gehören neben einer geeigneten Unterkunft und dem gesicherten Lebensunterhalt auch die soziale Reintegration in die Gesellschaft sowie in den Freundes- und Bekanntenkreis.

Präventive Maßnahmen aller drei Präventionsarten können dabei entweder struktureller oder personeller Natur sein. Beide Maßnahmeformen beziehen sich auf suchtfördernde Einflüsse: die strukturellen Präventionsmaßnahmen verweisen auf die kulturell-gesellschaftlichen und die personellen Maßnahmen auf die psycho-sozialen Einflüsse.

Demnach ist die strukturelle Prävention an einer „Verbesserung der Umweltbedingungen und der Steigerung der Lebensqualität“[14] orientiert, was sich auf verschiedenen Ebenen realisieren lässt. Die politische Ebene ist dabei hauptsächlich darauf beschränkt, die Nachfrage und das Angebot an Drogen innerhalb der Bevölkerung zu reduzieren. Dazu zählen sowohl strafrechtliche Maßnahmen, wie das Betäubungsmittelgesetz als auch gesundheitspolitische Regelungen, wie z.B. die „Apfelsaftkampagne“. Die gesellschaftliche Ebene spielt eine nicht minder große Rolle: sie kann dabei als Vorbild für die nachwachsende Generation fungieren und an diese geeignete Umgangsformen mit Rauschmitteln transferieren.

Die personorientierten Präventionsmaßnahmen hingegen sind vollständig auf die Bedürfnisse des einzelnen Menschen aber auch auf die Gesellschaft als Ganzes abgestimmt. Sie knüpfen dabei an den sog. Prozessvariablen, wie bestimmte persönliche / gesamtgesellschaftliche Einstellungen, Werte und Gewohnheiten an und versuchen, mit deren Hilfe das menschliche Verhalten zu beeinflussen. Wichtig ist, dass bei personorientierten Maßnahmen Informationen und Kenntnisse von gesundheitsschädlichen und gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen an den Rezipienten übermittelt werden. Das Ziel besteht darin, ein „’neues gesundheitliches Bewußtsein’“[15] im Einzelnen und in der Gesellschaft als Ganzes hervorzurufen. So soll allgemein die Abwehrhaltung eines jeden Einzelnen gegenüber suchtbegünstigenden Faktoren verstärkt werden.

Um ein möglichst breit gefächertes Publikum zu erreichen, eignen sich Massenmedien in besonderer Weise. Sie können im Bereich der Gesundheits- und Drogenerziehung anhand primärer, sekundärer und tertiärer Prävention in großem Umfang auf die Bevölkerung wirken. In diesem Zusammenhang ist jedoch zu beachten, dass „zumeist bestehendes Verhalten noch verstärkt wird, statt neues Verhalten zu erzeugen“[16].

Zusammenfassend lässt sich klarstellen, dass Prävention, unabhängig welcher Art, immer einen gesundheitserzieherischen Ansatz verfolgt. Das Ziel besteht darin, den Menschen in seiner Persönlichkeit und seinem Wissensstand so zu bestärken, dass er gegenüber suchtbegünstigenden Faktoren eine Resistenz entwickelt.

In diesem Kapitel wurden die Begrifflichkeiten der Droge, der Abhängigkeit / Sucht und der Prävention erläutert. Dabei wurde festgestellt, dass nicht lediglich die illegalen Rauschmittel sondern auch legale Drogen und alltägliche Handlungen suchtbegünstigend wirken können. Das Verhalten und Denken des betroffenen Menschen ist dabei dahingehend beeinträchtigt und beeinflusst, da es sich lediglich auf die Befriedigung der Sucht beschränkt. Kinder und Jugendliche erscheinen aufgrund ihrer entwicklungsphysiologischen und -psychologischen Eigenschaften als eine besondere Risikogruppe für Suchterkrankungen jeglicher Art. Umso wichtiger ist daher die Rolle der Prävention, speziell der primären Suchtprävention.

3. Primäre Suchtprävention konkret und am Beispiel Schule

Die Suchtprävention allgemein versucht, „durch geeignete Maßnahmen dem Missbrauch von abhängigkeitserzeugenden Substanzen und nichtstoffgebundenen Abhängigkeiten des Menschen“[17] vorzubeugen und besitzt deshalb eine besondere Bedeutung. Diese liegt darin begründet, dass die Suchtprävention möglichst vor der Entstehung einer Abhängigkeitserkrankung wirken soll - sie aber durchaus auch darüber hinaus Anwendung findet. Daher soll sie nun näher erläutert werden.

[...]


[1] Caspers-Merk, Marion – Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Aktionsplan Drogen und Sucht. 2003, S. 3; 6

[2] Homann, Hubert: „Lexikon“. Begriffe – Gebrauchsmuster – Szenejargon. In: Bastian, Johannes (Hrsg.): Drogenprävention und Schule. Grundlagen, Erfahrungsberichte, Unterrichtsbeispiele. Hamburg: Bergmann + Helbig Verlag 1992, S. 48

[3] ebenda, S. 48

[4] Petermann, H. / Müller, H. / Kersch, B. / Röhr, M. : Erwachsen werden ohne Drogen. Ergebnisse schulischer Drogenprävention. Weinheim; München: Juventa –Verlag 1997, S. 16

[5] Schmidt, B./ Hurrelmann, K. : Grundlagen einer präventiven Sucht- und Drogenpolitik. In: Schmidt, Bettina / Hurrelmann, Klaus (Hrsg.): Präventive Sucht- und Drogenpolitik. Ein Handbuch. Opladen: Leske + Budrich 2000, S. 17

[6] Petermann, H. / Müller, H. / Kersch, B. / Röhr, M. : Erwachsen werden ohne Drogen. Ergebnisse schulischer Drogenprävention. Weinheim; München: Juventa –Verlag 1997, S. 18

[7] ebenda, S. 18

[8] vgl. Petermann, H. / Müller, H. / Kersch, B. / Röhr, M. : Erwachsen werden ohne Drogen. Ergebnisse schulischer Drogenprävention. Weinheim; München: Juventa –Verlag 1997, S. 18-19

[9] Caspers – Merk, Marion – Drogenbeauftragte der Bundesregierung: Drogen- und Suchtbericht. April 2003, S.9

[10] Schmidt, B./ Hurrelmann, K. : Grundlagen einer präventiven Sucht- und Drogenpolitik. In: Schmidt, Bettina / Hurrelmann, Klaus (Hrsg.): Präventive Sucht- und Drogenpolitik. Ein Handbuch. Opladen: Leske + Budrich 2000, S. 16

[11] Niebaum, Imke: Leitlinien einer schulischen Suchtprävention. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2001, S. 151

[12] Grundmann, Antje: Drogenkonsum und Suchtprävention bei Jugendlichen. Sinngehalt von Prävention und Intervention an einem ausgewählten Beispiel. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH – Europäischer Verlag der Wissenschaften 1998, S.56

[13] Niebaum, Imke: Leitlinien einer schulischen Suchtprävention. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2001, S. 154

[14] ebenda, S. 156

[15] Niebaum, Imke: Leitlinien einer schulischen Suchtprävention. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren 2001, S. 158

[16] Grundmann, Antje: Drogenkonsum und Suchtprävention bei Jugendlichen. Sinngehalt von Prävention und Intervention an einem ausgewählten Beispiel. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH – Europäischer Verlag der Wissenschaften 1998, S.63

[17] Petermann, H. / Müller, H. / Kersch, B. / Röhr, M. : Erwachsen werden ohne Drogen. Ergebnisse schulischer Drogenprävention. Weinheim; München: Juventa –Verlag 1997, S. 32

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Peer Education in Schulen Sachsen-Anhalts
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut füe Pädagogik)
Veranstaltung
Projektseminsar GLOS: Gemeinsam leben ohne Sucht
Note
2.5
Autoren
Jahr
2005
Seiten
37
Katalognummer
V38072
ISBN (eBook)
9783638372565
Dateigröße
652 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Peer, Education, Schulen, Sachsen-Anhalts, Projektseminsar, GLOS, Gemeinsam, Sucht
Arbeit zitieren
Chrystina Kunze (Autor)Katharina Schmutzer (Autor), 2005, Peer Education in Schulen Sachsen-Anhalts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/38072

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