Während man außerhalb Europas seit langem mit populistischen Bewegungen vertraut ist, trat dieses Phänomen bei uns im Laufe der 1970er Jahren auf. Sowohl Linker als auch rechter Populismus haben sich in vielen EU-Staaten etabliert, wirken in Regierungen mit und erfreuen sich über die Zustimmung und die zunehmende Wählerschaft. In Hinblick auf den Rechtspopulismus lässt sich deutlich erkennen, dass fremdenfeindliches Gedankengut nun nicht nur hinter verschlossenen Türen thematisiert wird, sondern überwiegend nach außen getragen wird – sowie in Deutschland, beispielsweise PEGIDA mit ihren sogenannten „Montags-Spaziergängen“.
Allerdings ist solch ein Aufstieg von rechten Bewegungen und Parteien auch in vielen weiteren Ländern zu beobachten und stehen in einem engen Verhältnis zu Massenmedien. Die Politik und Medien standen schon immer in einer besonderen Beziehung zueinander, die vor allem eine wechselseitige Relation aufweist. Gesellschaftsstrukturell bedingt ist die Politik als auch die Medien vermehrt auf die Akzeptanz des öffentlichen Publikums angewiesen und so legen sie großen Wert auf den Zuspruch der Bevölkerung. Doch warum wirkt der Rechtspopulismus für viele Menschen derzeit in diesem Maße verlockend und so überzeugend, dass sie ihn unterstützen?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Populismus – Begriffsvielfalt
2.1 Merkmalsbestimmung des Populismus
2.2 Rechtspopulistische Bewegungen
3. Systemtheorie – Luhmann
3.1 Soziale / Protestbewegungen
3.2 Populismus auf systemtheoretischer Sicht
3.3 Populistische Logik
4. Massenmedien – Gesellschaftliche Funktion
4.1 Operativer Konstruktivismus und soziale Realitätskonstruktion
4.2 Populismus und Massenmedien
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, mit welchen Mitteln rechtspopulistische Akteure die moderne Gesellschaft sowie die Politik beeinflussen, und analysiert dabei insbesondere die Rolle des Kommunikationsstils in Verbindung mit massenmedialen Aufmerksamkeitsregeln.
- Definition und theoretische Einordnung des Populismusbegriffs
- Anwendung der Systemtheorie nach Niklas Luhmann auf den Populismus
- Untersuchung der populistischen Logik und Inszenierung
- Analyse der gesellschaftlichen Funktion und der Rolle von Massenmedien
- Interdependenz zwischen populistischer Kommunikation und Mediennutzung
Auszug aus dem Buch
3.1 Soziale / Protestbewegungen
Soziale Bewegungen lassen sich als soziale Gebilde aus miteinander vernetzten Personen, Gruppen und Organisationen definieren, die mit kollektiven Handlungen Widerstand ausdrücken, um bestimmte soziale und politische Verhältnisse zu verändern oder, um sich vollziehenden Veränderungen entgegen zu wirken. Laut Niklas Luhmann, einer der bekanntesten deutschen „Soziologen und Gesellschafftstheoretiker“ (Teutopress 2013), sind sie keine Organisationen, da sie nicht Entscheidungen organisieren, sondern lediglich Motive und Bindungen entwickeln, um diese ins System zu bringen (Luhmann 1996, S. 202).
In erster Linie setzten sie auf Protest in Gestalt von öffentlich sichtbaren Mobilisierung, wie Demonstrationen oder medienwirksame inszenierte Aktionen, mit denen sie auf öffentliche Meinungsbildung, politische Gegner und die staatliche Politik einzuwirken versuchen. „Die Einheit des Systems einer Protestbewegung“ ergibt sich aus ihrer Form, dem Protest und solch eine Protestkommunikation erfolgt in der Gesellschaft und äußert sich aus Verantwortung für die Gesellschaft, aber auch gegen sie (Japp 1993, S.233). Hierbei ist eine spezifische Form gesellschaftlicher Gliederung zu erkennen, nämlich die Differenzierung von Zentrum und Peripherie. Die Peripherie protestiert, aber nicht gegen sich selbst und das Zentrum soll sie hören und dem Protest Rechnung tragen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen des Rechtspopulismus ein, beleuchtet dessen Verhältnis zu Massenmedien und stellt die Forschungsfrage nach den Einflussmöglichkeiten dieser Akteure auf die moderne Gesellschaft.
2. Der Populismus – Begriffsvielfalt: Dieses Kapitel nähert sich der Begriffsdefinition des Populismus, ordnet ihn als „dünne Ideologie“ ein und erläutert wesentliche Merkmale sowie die Entstehung rechtspopulistischer Bewegungen.
3. Systemtheorie – Luhmann: Hier wird die Systemtheorie nach Luhmann genutzt, um Protestbewegungen zu analysieren, den Populismus systemtheoretisch zu deuten und die spezifische „populistische Logik“ zu untersuchen.
4. Massenmedien – Gesellschaftliche Funktion: Das Kapitel befasst sich mit der zentralen Rolle der Massenmedien in einer Demokratie und analysiert das enge, wechselseitige Abhängigkeitsverhältnis zwischen populistischer Selbstdarstellung und medialen Aufmerksamkeitsregeln.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, hebt die Rolle der „Komplexitätsreduktion“ als Erfolgsfaktor hervor und gibt einen Ausblick auf die zukünftige Entwicklung des Populismus.
Schlüsselwörter
Populismus, Rechtspopulismus, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Massenmedien, Komplexitätsreduktion, Protestbewegung, Politische Kommunikation, Volkssouveränität, Ideologie, Demokratie, Rechtstaat, Mediale Inszenierung, Gesellschaft, Politische Partizipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen, durch die rechtspopulistische Akteure in der modernen Gesellschaft und Politik an Einfluss gewinnen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition des Populismus, die systemtheoretische Analyse nach Luhmann sowie die Wechselwirkung zwischen Populismus und Massenmedien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu erklären, warum populistische Strategien für viele Menschen attraktiv wirken und wie diese gezielt gesellschaftliche Strukturen beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die primär auf der Systemtheorie nach Niklas Luhmann basiert, um soziale Bewegungen und populistische Logik zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die theoretische Fundierung durch Luhmann und die Analyse der Symbiose zwischen populistischer Kommunikation und modernen Massenmedien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Populismus, Komplexitätsreduktion, Massenmedien, Systemtheorie und der Kommunikationsstil populistischer Akteure.
Inwiefern beeinflusst der Begriff der „dünnen Ideologie“ die Analyse?
Der Begriff ordnet den Populismus als eine Ideologie ein, die sich mit anderen politischen Strömungen verbindet, was seine Anpassungsfähigkeit und „Chamäleon“-Art erklärt.
Welche Rolle spielt die „Komplexitätsreduktion“ in der populistischen Strategie?
Populisten nutzen die Reduktion komplexer politischer Probleme auf einfache, verständliche Aussagen, um Anhänger zu gewinnen und die politische Konkurrenz zu diskreditieren.
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- Carolin Golda (Author), 2017, Wie beeinflussen rechtspopulistische Akteure die moderne Gesellschaft und die Politik? Gesellschaftliche Funktionen der Massenmedien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/380758